Händler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

DAX gibt nach Anleger gehen auf Abstand

Stand: 19.03.2021 21:29 Uhr

Gewinnmitnahmen bescherten dem DAX zum Wochenausklang Verluste. Aber auch die sich wieder zuspitzende Corona-Lage rückte in der Börsenagenda weiter nach oben und lastete auf den Kursen.

Am Ende einer ereignisreichen Woche beherrschten Gewinnmitnahmen, aber auch die wieder zunehmende Sorge über den Fortgang der Corona-Krise das Geschehen am deutschen Aktienmarkt. Der Leitindex DAX, der noch am Vortag, beflügelt von der weiter lockeren Geldpolitik der US-Notenbank, bei 14.804 Punkten ein Rekordhoch markiert hatte, schloss bei 14.621 Punkten um 1,1 Prozent leichter. Im Wochenvergleich bleibt immer noch ein leichter Gewinn von knapp 1,0 Prozent.

Die Verluste gingen dabei quer durch alle Branchen. Unter den Einzelwerten gaben Tagesverlierer Covestro, Deutsche Bank und MTU Aero am stärksten nach. Im Plus hielten sich nennenswert nur die beiden Immobilienaktien Deutsche Wohnen und Vonovia sowie Tagessieger Delivery Hero.

Corona wieder auf der Agenda

Stärker als zuletzt muss sich die Börse auch wieder mit einem alten Bekannten beschäftigen - dem (mutierten) Coronavirus. Dieses sorgt derzeit für deutlich ansteigende Neuinfektionszahlen, was Sorgen vor einem erneuten Lockdown und damit verbunden weitere Konjunkturängste weckt.

Alles schon mal dagewesen, möchte man meinen. Aber Fakt ist: Die Risikolage hat sich im Wochenverlauf deutlich verschärft, nicht nur wegen des Impfdesasters um den Wirkstoff von AstraZeneca. Zahlreiche Politiker aus Bund und Ländern, unter anderem Gesundheitsminister Jens Spahn, traten auf die Euphoriebremse.

Neuer Lockdown droht

"Kontinentaleuropa ächzt unter deutlich steigenden Infektionszahlen aufgrund der rasanten Ausbreitung der britischen Virus-Mutation", sagte Weberbank-Analyst Daniel Schär. Daher müsse beim geplanten Corona-Gipfel von Bund und Ländern am Montag wieder mit einer Verschärfung der Pandemie-Beschränkungen gerechnet werden. In einigen europäischen Staaten ist dies bereits geschehen.

"Wir müssen zurück in den Lockdown", forderte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Andernfalls würde die Inzidenz auf über 200 bis Mitte April steigen und die Intensivstationen überlastet werden. Nachrichten (und Bilder), die die Börse so eigentlich nicht mehr hören (und sehen) wollte, werden doch Konjunkturängste durch einen Lockdown im Zuge einer dritten Corona-Welle wieder stärker.

Immerhin soll das Impftempo hierzulande nach einem Beschluss der Regierung gesteigert werden, unter anderem auch durch die sukzessive Einbeziehung der Hausärzte. Dies verkündete Kanzlerin Angela Merkel am Abend nach einem Impfgipfel mit den Ländern.

Zinsängste versus Konjunkturhoffnungen

Übergeordnet hat die US-Notenbank am Mittwoch den unmittelbaren Fahrplan für die Weltmärkte festgelegt, besonders natürlich für die Führungsbörse in New York. Da die Federal Reserve, wie am Mittwoch von ihr klargestellt, bereit ist, höhere Inflationsdaten im Zuge der Erholung der Wirtschaft zu dulden, könnte sich Ungemach für die Märkte anbahnen. Abzulesen ist dies an den zuletzt anziehenden Rentenrenditen, was an der Börse nicht gut ankommt.

Im Gegenzug bleibt natürlich die Hoffnung auf eine deutliche Erholung der Wirtschaft nach der Krise, die die Märkte zuletzt so hoch getrieben hat, sowohl in den USA als auch hierzulande. Dieses Szenario ist weiterhin intakt, könnte aber zumindest verschoben werden.

"So frustrierend die deutschen Entwicklungen in Sachen Covid-19 sein mögen, so positiv bleiben die Aussichten für die wirtschaftliche Erholung", meint Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Expansive Geldpolitik und Konjunkturoptimismus seien die Basis für die Fortsetzung der Aktienrally.

Wall Street findet keine klare Richtung

In New York waren die Kursbewegungen zum Wochenschluss unstetig und zeugten von einer gewissen Unsicherheit der Investoren. An der Technologiebörse Nasdaq haben sich dabei nach Verlusten zur Eröffnung die Optimisten durchgesetzt und den Techaktien noch zu Gewinnen verholfen. Der Composite-Index gewann 0,76 Prozent hinzu auf 13.215 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 ging um 0,6 Prozent höher bei 12.866 Punkten aus dem Handel.

Der Leitindex Dow Jones blieb dagegen mit 0,7 Prozent leicht im Minus. Er schloss bei 32.627 Punkten. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index, in dem sowohl Technologie- als auch Standardwerte vertreten sind, schloss leicht um 0,1 Prozent schwächer auf 3913 Punkte. Insgesamt waren die Schwankungen damit überschaubar.

Die Aktien von Geldhäusern wie Bank of America, Citigroup oder JPMorgan gaben derweil nach. Der Grund: Die Notenbank Fed lässt eine im vergangenen Jahr zur Bekämpfung der Pandemiefolgen eingeführte Lockerung der Kapital-Anforderungen für Geschäftsbanken zum Monatsende auslaufen. Auch Adidas-Konkurrent Nike aus dem Dow Jones fiel nach negativ aufgenommenen Geschäftszahlen zurück.

Immer wieder der bange Blick auf die Zinsen

Investoren bereitete auch heute der Anstieg der Anleihe-Renditen erneutes Kopfzerbrechen. Die richtungweisenden zehnjährigen US-Bonds notierten zwischenzeitlich mit 1,744 Prozent nur knapp unter ihrem 14-Monats-Hoch vom Donnerstag. Er halte diese Bewegung aber für überzogen und rechne mit einer Stabilisierung, sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. In den vergangenen Wochen hatte der Rendite-Anstieg Spekulationen auf vorzeitige Zinserhöhungen geschürt und die Börsen in Unruhe versetzt.

Hintergrund der Ängste sind die möglichen Folgen des 1,9 Billionen Dollar schweren Konjunkturprogramms der Regierung. Denn der große Liquiditätsschub, zusammen mit der erfolgreichen Impfkampagne in den USA, führt zu steigenden Wachstums- und damit Inflationserwartungen. Gleichzeitig ist die Notenbank Federal Rerserve gewillt, solche überschießenden Inflationsraten zumindest so lange zu tolerieren, bis sich der Arbeitsmarkt wieder erholt. Noch immer sind infolge der Corona-Krise zehn Millionen Stellen nicht wieder besetzt.

Rauer Ton mit Peking und Moskau

Für Gesprächsstoff sorgte auch das erste Treffen des neuen US-Außenministers Antony Blinken mit seinem chinesischen Kollegen Yang Jiechi, das am Vortag begann. Laut Marktbeobachter Jim Reid von der Deutschen Bank zeugte die Wortwahl, die beide Seiten am ersten Tag anstimmten, von einem rauen Klima. Dies könne bei Anlegern die Befürchtung wecken, dass die Beziehungen auch unter der US-Präsidentschaft von Joe Biden angespannt bleiben. Biden hatte zudem Russlands Präsident Putin persönlich schwer angegangen. Die Beziehungen mit Russland haben damit einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Der Euro schwächelt

Der Euro ist am Freitag nach zwischenzeitlichen Kursgewinnen erneut unter Druck geraten. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Abend mit 1,1904 US-Dollar gehandelt. Am Morgen war sie noch kurzzeitig bis auf 1,1937 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1891 (Donnerstag: 1,1912) US-Dollar fest.

Der Dollar hat erneut im Vergleich mit vielen Währungen zugelegt. Die Kursgewinne waren jedoch nicht so deutlich wie am Vortag, da sich die Lage an den Anleihemärkten beruhigt hat. Am Donnerstag war die Rendite für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren mit 1,75 Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang 2020 geklettert. Der starke Anstieg der Renditen für US-Anleihen sorgte in den vergangenen Handelstagen mehrfach für Auftrieb beim Dollar.

Ölpreise fahren Achterbahn

Für zusätzliche Verunsicherung unter den Anlegern sorgt derweil ein Rückzug aus überfüllten Positionen bei Rohöl, der am Donnerstag den stärksten Rückschlag seit Monaten verursacht hatte. Am Freitag gab es keine klare Tendenz, die Notierungen schwankten und liegen aktuell wieder leicht im Plus. Die erneuten Pandemie-Beschränkungen dürften die Nachfrage für einige Zeit dämpfen, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Der Goldpreis kann sich zum Wochenschluss weiter über der Marke von 1700 Dollar stabilisieren. Der Preis für die Feinunze Gold zog 0,4 Prozent an auf 1742 Dollar.

Warum die VW-Stämme so im Fokus stehen

Zum Wochenschluss rückten am deutschen Aktienmarkt einmal mehr VW-Aktien in den Fokus der Anleger. Die im DAX notierten VW-Vorzugsaktien setzten ihre gestrigen Verluste zunächst fort, schlossen am Ende aber bei volatilem Handel nur leicht im Minus.

Die VW-Stammaktien dagegen verloren zeitweise prozentual zweistellig und gingen am Ende über vier Prozent schwächer aus dem Handel. Im Wochenverlauf hatten die Stämme um fast 55 Prozent zugelegt und mit 357,40 Euro einen Höchststand seit 2008 erreicht. Bei den Vorzügen betrug das Wochenplus in der Spitze rund ein Drittel. Mittlerweile untersucht auch die Finanzaufsicht BaFin die Kurskapriolen.

Warum insbesondere die VW-Stämme im Wochenverlauf so stark zulegten, könnte wie folgt zu erklären sein. In US-Anlegerforen wie Reddit hatten Privatanleger zum Kauf von VW getrommelt, nachdem das Wolfsburger Unternehmen dort als das neue Tesla angepriesen wurde.

An US-Börsen sind VW-Aktien jedoch nicht notiert. Anleger können dort allerdings so genannte Hinterlegungsscheine (American Depository Receipt - ADR) handeln. Solch ein von einer amerikanischen Depot-Bank herausgegebener ADR verkörpert eine bestimmte Anzahl hinterlegter Aktien eines ausländischen Unternehmens und kann an deren Stelle am US-Kapitalmarkt gehandelt werden. Im Falle von VW sind die ADRs mit den VW-Stammaktien besichert.

Porsche kommt gut durch die Krise

Die Corona-Krise hat dem Sportwagenbauer Porsche dank Einsparungen und stabiler Nachfrage wenig anhaben können. Die Ertragsperle des Volkswagen-Konzerns fuhr 2020 ein operatives Ergebnis von 4,2 Milliarden Euro ein nach 4,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Mit einer Umsatzrendite von 14,6 Prozent war Porsche einmal mehr die mit Abstand profitabelste Marke des VW-Konzerns: Mit jedem umgesetzten Euro verdient Porsche knapp 15 Cent. Der Erfolg von Porsche dürfte Spekulationen über einen Teil-Börsengang weiter schüren, schließlich könnte VW das Geld für die Transformation zur Elektromobilität gut gebrauchen.

Infineon fährt Produktion in Texas wieder hoch - aber Umsatzeinbußen

Der Chiphersteller Infineon fährt seine Produktion in Austin im US-Bundesstaat Texas wieder hoch. Ab Juni sollen die ursprünglichen Mengen wieder erreicht werden, teilte das Unternehmen am Freitag nach Börsenschluss mit. Infineon hatte die Anlage wegen eines schweren Wintersturms Mitte Februar abschalten müssen.

In Austin fertigt und testet Infineon Produkte, die in zahlreichen Anwendungen eingesetzt werden. Wegen der Abschaltung rechnet das Unternehmen mit Umsatzeinbußen. Diese dürften insbesondere im dritten Quartal (per 30. Juni) anfallen und einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag ausmachen. An seiner Umsatzerwartung für das gesamte Geschäftsjahr hält Infineon jedoch wegen der hohen Nachfrage nach Mikroelektronik fest.

Teamviewer wird Trikotsponsor von Manchester United - Aktie bricht ein

Der Göppinger Softwareanbieter Teamviewer wird Trikotsponsor des englischen Fußballclubs Manchester United. Die Partnerschaft sei für die nächsten fünf Jahre geschlossen worden, teilte ein Sprecher mit.

Zugleich wird klar: Das Engagement wird teuer. Denn das Softwareunternehmen muss wegen der hohen Kosten des Sponsoringdeals bei seinem Gewinnziel zurückrudern. Aufgrund der deutlich steigenden Marketingausgaben werde 2021 nun eine bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) von 49 bis 51 Prozent der Rechnungsstellungen erwartet, hieß es. Bisher hatte Teamviewer bis zu 57 Prozent in Aussicht gestellt. Die Anleger des MDAX-Konzerns reagieren angesichts der hohen Kosten verschnupft, der Aktienkurs brach um rund zwölf Prozent deutlich ein.

Drei Optionen für die Commerzbank

Im Nebenwerteindex MDAX rückt zum Wochenschluss die Commerzbank in den Fokus. Bei der Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef für das Geldhaus sind einer Zeitung zufolge drei Namen im Gespräch. Das Bundesfinanzministerium habe neben dem ehemaligen HSBC-Trinkaus-Chef Andreas Schmitz und KfW-Chef Günther Bräunig auch dessen Vorstandskollegin Ingrid Hengster ins Spiel gebracht, berichtete das "Handelsblatt" vorab unter Berufung auf Finanzkreise.

Visa wegen Ermittlung unter Druck

Aktien des Kreditkartenanbieters verlieren am Freitag an der New Yorker Börse rund fünf Prozent. Visa steht laut einem Pressebericht im Visier des US-Justizministeriums. Die Behörde ermittele wegen des Verdachts möglicher wettbewerbsverzerrender Praktiken, schrieb das "Wall Street Journal" (WSJ) am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die Ermittler prüfen demnach, ob der Konzern Händler daran gehindert haben könnte, Debitkartenzahlungen über günstigere Netzwerke abzuwickeln.

Debitkarten sind Bezahlkarten der großen Kreditkartenfirmen. Sie unterscheiden sich von Kreditkarten insofern, als dass der Nutzer mit ihnen auf das eigene Bankkonto zugreift, und keinen Kredit des Kartenbetreibers in Anspruch nimmt. Händler zahlen in der Regel eine Gebühr an das ausgebende Kartenunternehmen, wenn Kunden einen Einkauf per Debitkarte tätigen. Diese Gebühren sind daher lukrativ für die Kreditkartenfirmen. Der Kunde selbst sieht diese versteckten Kosten zwar nicht auf seiner Abrechnung, oft werden sie aber durch den Handel über höhere Preise an Kunden weitergeben.

Nike verfehlt Erwartungen

Der Adidas-Rivale hat mit seinem Online-Geschäft nicht die Folgen der Ladenschließungen während der Coronavirus-Pandemie ausgleichen können und die Umsatzerwartungen für das dritte Quartal verfehlt. Zwar stieg der Gewinn des US-Konzerns auf 1,45 Milliarden Dollar von 847 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatzanstieg auf 10,36 Milliarden Dollar von 10,1 Milliarden verfehlte jedoch die Marktprognosen. Die im Dow Jones enthaltene Aktie verlor vier Prozent.

FedEx mit Gewinnsprung

Der Deutsche-Post-Konkurrent FedEx hat im dritten Geschäftsquartal einen Gewinnsprung hingelegt. Hintergrund seien Preiserhöhungen und die Auslieferung von mehr Online-Bestellungen während der Corona-Krise, teilte der US-Konzern mit. Der Nettogewinn kletterte verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 153 Prozent auf 939 Millionen Dollar. Der Umsatz erhöhte sich um 23 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 19. März 2021 um 22:13 Uhr.