Nasdaq Leuchtreklame
Marktbericht

Nasdaq 100 im Fokus Tech-Rally der Schwergewichte

Stand: 18.11.2021 22:20 Uhr

Einige Schwergewichte aus dem Tech-Sektor haben heute an der Wall Street für Furore gesorgt und der Börse damit den Tag gerettet. Ansonsten wäre es ein eher unspektakulärer Handel gewesen.

Die großen US-Aktienindizes tendierten in New York heute uneinheitlich. Während der Leitindex Dow Jones bei 35.870 Punkten um 0,17 Prozent etwas leichter aus dem Handel ging, gab es an der Technologiebörse Nasdaq steigende Kurse und sogar neue Rekorde.

Genauer gesagt war es der Auswahlindex Nasdaq 100, der heute alle Blicke auf sich zog. Der Index erreichte im Verlauf bei 16.501 Zählern ein Rekordhoch und schloss bei 16.482 Zählern nur knapp darunter und um 1,07 Prozent höher. Er profitierte von sehr positiv aufgenommenen Quartalszahlen vom Halbleiter-Spezialisten Nvidia, im Gefolge stiegen auch die Schwergewichte Apple, Microsoft und die Alphabet-C-Aktien auf neue Rekordhochs. Apple gewannen 2,85 Prozent auf 157,87 Dollar, das Rekordhoch lag dabei bei 158,67 Dollar.

Der Nasdaq-Composite legte zwar ebenfalls zu, blieb aber mit einem Tagesgewinn von 0,45 Prozent auf 15.993 Punkte hinter dem Auswahlindex zurück. Es waren eben die großen Schwergewichte, die heute das Tempo bestimmten. Der marktbreite S&P-500-Index gewann 0,34 Prozent auf 4704 Zähler.

Nvidia zieht die Techs nach oben

Unter den Einzelwerten stachen Nvidia besonders positiv hervor. Überraschend gute Quartalszahlen bescherten der Aktie ein Kursplus von 8,25 Prozent auf 316,75 Dollar. Die hohe Nachfrage nach Chips für Rechenzentren und Computerspiele sorgte für kräftige Zuwächse. Zudem fiel die Umsatzprognose für das laufende Quartal überraschend hoch aus. Ungeachtet der jüngsten Kursschwäche hat sich der Aktienkurs seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Nvidia gilt als nächster "Billion-Dollar-Company"-Kandidat, nachdem zuletzt der E-Autobauer Tesla die Marke einer Börsenbewertung von über einer Billion Dollar überwunden hatte.

Macy's haussieren, Aliaba und Cisco enttäuschen

Beim Warenhausbetreiber Macy's sorgten starke Quartalsresultate und die angehobenen Jahresziele für einen Kurssprung von 21,37 Prozent auf 37,37 Dollar - damit sind die Aktien auf Kurs zu einem Hoch seit 2018. Der chinesische Internet-Riese Alibaba verfehlte mit seinen Quartalszahlen allerdings die Erwartungen und senkte zudem seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr. Die Aktie gab deutlich um 11,1 Prozent nach. Im Leitindex Dow Jones gaben auch die Aktien des Netzwerkausrüsters Cisco nach einem schwachen Ausblick deutlich um 5,5 Prozent nach und standen am Indexende.

US-Regierung kauft für Milliarden bei Pfizer ein

Pfizer-Aktien waren heute gefragt an der NYSE. Der Grund: Die US-Regierung will beim New Yorker Pharmaunternehmen zehn Millionen Dosen des noch nicht zugelassenen Covid-19-Medikaments Paxlovid kaufen. Die Kosten dafür belaufen sich auf 5,3 Milliarden US-Dollar (4,7 Milliarden Euro), wie Pfizer und die Regierung heute mitteilten.

Die Auslieferung soll nach einer Notfallzulassung durch die zuständige Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) noch in diesem Jahr beginnen. Das Medikament solle für Amerikaner "einfach erhältlich und kostenlos" sein, erklärte US-Präsident Joe Biden.

DAX kann Gewinne nicht halten

Der DAX hat heute in beeindruckend stoischer Manier das sechste Rekordhoch in Folge markiert. Bis auf 16.290 Punkte ging es im frühen Handel aufwärts, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Am Ende rutschte der deutsche Leitindex dann um 0,18 Prozent leicht ins Minus auf 16.221 Punkte. Zuletzt hat der DAX jeden Tag ein paar Punkte auf seine alten Rekorde draufgesetzt und seit Anfang Oktober vom Zwischentief bei 14.818 Punkten rund 1400 Punkte zugelegt.

Der Trend ist intakt

Es ist nach einer solchen Hausse nicht verwunderlich, dass die Anleger auch Gewinne mitnehmen. Deshalb bleibt der Aufwärtstrend trotzdem intakt, er wird derzeit maßgeblich von einem schwachen Euro und der Aussicht auf anhaltend billiges Notenbankgeld in Europa getragen. Auch die Indizes in der Schweiz und in Frankreich erreichten heute Rekordstände.

"Anleger schichten mehr in den europäischen Markt um", sagte Graham Secker, Aktienstratege bei Morgan Stanley. Die Sorgen über eine konjunkturelle Verlangsamung in den USA und China, die die Sommermonate über dominiert habe, ließen langsam nach, Aktien hätten das Potenzial für weitere Zuwächse.

Auch nach Meinung von Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets ist der Aufwärtstrend intakt. "Unterstützt wird die Aufwärtsbewegung weiter von einem schwächeren Euro, der den Export begünstigt, und einem schwächeren Ölpreis, der die Importkosten für Energie senkt und dem jüngsten Preisauftrieb ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt."

Siemens-Healthineers nicht zu stoppen

Tagessieger im DAX waren Siemens-Healthineers, deren Siegeszug damit ungebrochen weiter ging. Die Aktie markierte bei 66,72 Euro im Verlauf ein Rekordhoch und schloss am Ende um 3,4 Prozent höher bei 66,08 Euro. Auch das im Index schwer gewichtete Papier des Siemens-Mutterkonzerns lag beim Tageshoch von 156,14 Euro nur ganz knapp unter seinem Rekordhoch von 156,56 Euro aus dieser Woche. Schlusslicht waren Continental, nachdem überraschend der Finanzchef gehen musste.

Euro stabilisiert sich

Im US-Handel erholt sich die Gemeinschaftswährung weiter deutlich und wird bei 1,1370 Dollar gestellt. Am Morgen hatte sie noch im europäischen Handel deutlich niedriger notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1345 (Mittwoch: 1,1316) US-Dollar fest. Gestern war der Euro zeitweise unter 1,13 Dollar gefallen und erreichte den tiefsten Stand seit Mitte 2020. Ausschlaggebend sind vor allem die nach wie vor sehr lockere Ausrichtung der EZB-Geldpolitik und die angespannte Corona-Lage in vielen Euroländern.

Türkische Lira fällt weiter

Die türkische Lira ist nach der Zinssenkung der türkischen Notenbank zu Euro und Dollar erneut auf Rekordtiefs gefallen. Trotz einer sehr hohen Inflationsrate hat die Notenbank den Leitzins einmal mehr gesenkt. Nach der Zinssenkung liegt der Leitzins mit 15 Prozent noch deutlicher unter der Inflationsrate. Diese hatte im Oktober bei fast 20 Prozent gelegen.

Erstanträge unter Erwartungen

Am US-Arbeitsmarkt hat sich die Lage in der vergangenen Woche leicht verbessert. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen im Wochenvergleich um 1000 auf 268.000, wie das Arbeitsministerium heute in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem deutlicheren Rückgang auf 260.000 Anträge gerechnet.

Obwohl immer noch zahlreiche US-Bürger wegen der Corona-Krise ohne Job sind, hat sich die Lage am Arbeitsmarkt nach einem Einbruch in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 deutlich gebessert. Die wöchentlichen Hilfsanträge liegen aber immer noch auf einem höheren Niveau als vor der Pandemie

Philly-Fed-Index überzeugt

Das Geschäftsklima in der US-Region Philadelphia hat sich im November hingegen merklich aufgehellt. Der Indikator der regionalen Notenbank für die Industrie (Philly-Fed-Index) stieg um 15,2 Punkte auf 39,0 Punkte, wie die Zentralbank heute in Philadelphia mitteilte. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf im Schnitt 24,0 Punkte gerechnet.

Der Philly-Fed-Index misst die wirtschaftliche Aktivität in der Region Philadelphia. Ein Wert über null Punkten deutet auf einen Anstieg der Wirtschaftsaktivität hin, ein Wert unter null signalisiert einen Rückgang. Der Indikator signalisiert derzeit also ein robustes Wachstum.

Stiko-Booster-Empfehlung treibt BioNTech und Moderna

Im US-Handel sind Biontech-Papiere mittlerweile ins Minus gedreht, Moderna behaupten sich weiter im Plus. Zunächst hatten sie stärker zugelegt. Hintergrund ist die Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko), ihre Empfehlung zu Auffrischimpfungen massiv auszuweiten. "Ab sofort empfiehlt die Stiko allen Personen ab 18 Jahren die Covid-19-Auffrischimpfung", teilte das Gremium mit.

VW hätte früher informieren müssen

Im Mammutprozess um Aktionärsklagen gegen Volkswagen wegen des Dieselskandals hat der Autobauer einen Rückschlag erlitten. Das Oberlandesgericht Braunschweig teilte am Donnerstag mit, es gehe davon, dass der Einbau unzulässiger Abschalteinrichtungen in Fahrzeugen für den US-Markt bereits 2008 eine Insiderinformation war, über die VW schon damals den Kapitalmarkt per Ad-hoc-Mitteilung hätte informieren müssen. In dem seit drei Jahren laufenden Kapitalanleger-Musterverfahren vor dem OLG Braunschweig fordern VW-Aktienbesitzer Schadenersatz für erlittene Kursverluste aufgrund einer verspäteten Pflichtmitteilung.

Das OLG erklärte, entscheidend sei, was Vorstandsmitglieder des Unternehmens damals wussten. Volkswagen erklärte, der Vorstand hätte bis zum Sommer 2015 "keine gesicherten Erkenntnisse" über den Einbau des verbotenen Defeat-Device gehabt, durch das der Stickoxid-Ausstoß nur auf dem Prüfstand, nicht aber im normalen Straßenbetrieb eingehalten wurde. VW erklärte, untere Hierarchieebenen hätten die illegale Technik entwickelt und eingebaut. Das hätten sie gezielt gegenüber höheren Managementebenen und dem Vorstand verborgen.

Verkauft die Deutsche Telekom T-Systems?

Die Telekom-Tochter T-Systems prüft unter anderem einen Verkauf. "Wir haben Wachstumspläne. Aber wir prüfen auch andere Optionen", sagte ein T-Systems-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatte das "Manager Magazin" gemeldet, dass der Bonner Dax-Konzern im Februar erste konkrete Gespräche mit potenziellen Käufern führen will.

Continental-Finanzchef muss gehen

Continental trennt sich angesichts der anhaltenden Ermittlungen zur Diesel-Abgaskrise von seinem langjährigen Finanzchef Wolfgang Schäfer. Der Aufsichtsrat habe in einer Sondersitzung zugestimmt, dass der 62-Jährige das Vorstandsmandat bei dem Autozulieferer mit sofortiger Wirkung niederlege, teilte der Konzern gestern Abend mit. Schäfer saß seit 2010 in der Führungsetage. Conti-Aktien sind schwächster DAX-Wert.

Daimler baut Elektromotoren in Berlin

Der Autobauer Daimler richtet das Berliner Mercedes-Benz-Werk neu aus. Dort sollen leistungsstarke Elektromotoren für AMG-Modelle gebaut werden. Außerdem entsteht dort ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung. "Damit wird Berlin wichtiger im globalen Produktionsverbund", erklärte Mercedes-Benz-Vorstandsmitglied Jörg Burzer. Insgesamt investiere das Unternehmen in den nächsten sechs Jahren einen niedrigen dreistelligem Millionenbetrag in das Werk im Ortsteil Marienfelde.

VW muss Elektroauto-Produktion drosseln

Der Mangel an Halbleitern führt einem Zeitungsbericht zufolge dazu, dass Volkswagen erstmals auch seine Produktion von Elektroautos drosseln muss. In dieser Woche stünden die Bänder an den ostdeutschen Standorten in Zwickau und Dresden still, berichtet die FAZ unter Verweis auf Aussagen eines Unternehmenssprechers. Betroffen seien neben den beiden VW-Modellen ID.3 und ID.4 auch zwei Modelle der Tochtergesellschaft Audi sowie eines von Cupra.

Thyssenkrupp nach Ausblick gefragt

Im MDAX sind Aktien von Thyssenkrupp gefragt. Der Konzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr sein Ergebnis deutlich verbessert und will sich nun zu vergangenen Gewinnhöhen aufschwingen. Unter dem Strich peilt Thyssenkrupp einen Jahresüberschuss von mindestens einer Milliarde Euro an - dies wäre der höchste Überschuss seit dem Geschäftsjahr 2007/08. Im abgelaufenen Jahr reichte es unter dem Strich noch nicht für schwarze Zahlen.