Händler an der New York Stock Exchange.
marktbericht

Anleger warten ab Wall-Street kann Gewinne nicht halten

Stand: 26.03.2024 21:30 Uhr

Vor neuen wichtigen Preisdaten haben die US-Anleger nicht mehr allzu viel riskiert. Ein Börsengang eines alten Bekannten verlief allerdings spektakulär. Der DAX scheint derweil nicht zu bremsen.

An der Wall Street agieren die Anleger derzeit vorsichtiger als hierzulande. Zwar bewegen sich auch die führenden US-Aktienindizes weiter auf hohem Niveau nahe ihrer Höchststände, eine Hurra-Stimmung wie hierzulande ist aber nicht zu konstatieren.

Lange Zeit standen die großen Aktienindizes bei überschaubaren Handelsbandbreiten moderat und stabil im Plus, eher die Gewinne zum Ende der Sitzung begannen abzubröckeln. Am Ende schloss der Leitindex Dow Jones bei 39.282 Punkten um 0,1 Prozent leicht im Minus. Auch der S&P-500-Index, sackte im späten Geschäft noch ab und schloss bei 5.203 Punkten am Tagestief, ein Minus von 0,28 Prozent. Die technologioelastigen Indizes der Nasdaq rutschten ebenfalls noch ab und schlossen nahe ihrer Tagestiefstände um 0,42 beziehungsweise 0,36 Prozent moderat im Minus. Der Nasdaq Composite-Index lag am Ende bei 16.315, der Auswahlindex Nasdaq 100 bei 18.210 Punkten.

Vergangene Woche hatten die von Fed-Chef Jerome Powell in Aussicht gestellten drei Zinssenkungen in diesem Jahr die Börsenrally noch kräftig angeheizt. Die Börsianer warten nun mit Spannung auf die am Freitag anstehenden Daten zu den persönlichen Konsumausgaben in den USA - das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank Fed, der PCE-Preisdeflator.

Sie erhoffen sich daraus insbesondere Hinweise auf den Zeitpunkt der ersten Zinssenkung der Währungshüter. Die Zahl wird am Karfreitag veröffentlicht, obwohl auch die Wall Street an diesem Feiertag geschlossen bleibt. Am Donnerstag werden in den USA Daten zum privaten Konsum erwartet.

So mancher Experte zeigt sich zurückhaltend. "Powell kam insgesamt ziemlich 'dovish' (taubenhaft) rüber, und deshalb verstehe ich gut, warum der Markt positiv darauf reagiert hat", sagte Crit Thomas, Stratege bei der Investmentfondsgesellschaft Touchstone. "Aber ich denke, dass wir das Problem mit der hohen Inflation noch lange nicht aus der Welt geschafft haben."

An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine erste geldpolitische Lockerung der Fed bei ihren Sitzungen im Juni und Juli derzeit auf knapp 70 und gut 80 Prozent geschätzt. Fallende Zinsen bei den weiteren Entscheidungen der Notenbanker gelten als mehr oder weniger ausgemacht.

Von solchen Zinssenkungen profitieren die hochbewerteten Tech-Aktien besonders. Die Aktien wichtiger Technologiekonzerne wie der E-Autobauer Tesla und der Chiphersteller Micron legten denn auch zu, schlossen aber deutlich unter Tageshoch. Andere Schwergewichte konnten ihre anfänglichen Gewinne nicht halten, wobei auch hier galt: Die Schwankungen waren überschaubar.

Die Stimmung ist dabei weiter konstruktiv. Analysten verwiesen auf positive Aussichten für die Konjunktur und die Erwartung langfristig fallender Zinsen der US-Notenbank. "Alles scheint sich in die gewünschte Richtung zu entwickeln", sagte Sam Stovall, Chefstratege beim Analysehaus CFRA Research. "Wir haben keine Rezession, die Zinsen werden wahrscheinlich fallen, die Konzernbilanzen sehen gut aus, und die Spannungen in Nahost haben sich nicht ausgeweitet."

Die Medienfirma von Ex-US-Präsident Donald Trump debütierte an der Wall Street mit Kursgewinnen von zeitweise über 50 Prozent. Die zu 49,95 Dollar platzierte Aktie von Trump Media & Technology Group (TMTG, Börsenkürzel DJT) stieg an ihrem ersten Handelstag in der Spitze bis auf 79,38 Dollar an, ehe es mit dem Markt ebenfalls bergab ging. Das Papier notierte am Ende bei 57,99 Dollar um 16,1 Prozent höher. Die Muttergesellschaft von Trumps Online-Netzwerk "Truth Social" kam damit in der Spitze auf einen Börsenwert von fast zehn Milliarden Dollar.

"Diese Bewertung ist eher als Zeichen für den Enthusiasmus der Trump-Unterstützer zu sehen denn als Erwartungswert für die Geschäftsaussichten", sagte Thomas Hayes von Great Hill Capital. TMTG hatte mit dem SPAC-Unternehmen (Special Purpose Acquisition Company) Digital World fusioniert, um es als Vehikel für den Börsengang zu nutzen.

Der Zeitpunkt der Entwicklung dürfte dem Republikaner sehr gelegen kommen, weil er wegen verschiedener Verfahren gegen ihn hohe Anwaltskosten und Strafen zu begleichen hat. Medienberichten zufolge hält Trump rund 60 Prozent der Aktien, darf aber frühestens in sechs Monaten auch Anteile verkaufen. Aktuell wäre Trumps Aktienpaket den Berichten zufolge rund vier Milliarden US-Dollar wert (3,7 Milliarden Euro) - doch bis zu einem Verkauf ist das nur ein Buchwert. Wie sich der Aktienkurs in den kommenden Monaten entwickeln wird, lässt sich nicht vorhersehen.

Der US-Immobilienmarkt knüpft derweil an seine jüngste Erholung an. In den 20 großen Metropolregionen der Vereinigten Staaten legten die Häuserpreise im Januar zum Vorjahresmonat um 6,59 Prozent zu, wie aus dem heute in New York veröffentlichten S&P/Case-Shiller-Index hervorgeht. Es ist der deutlichste Zuwachs seit gut einem Jahr. Analysten hatten die Entwicklung im Schnitt ungefähr erwartet. Es war der siebte Anstieg in Folge. Zum Vormonat legten die Preise um 0,14 Prozent zu, etwas weniger als erwartet.

"Die Immobilienpreise in den USA setzten ihren Anstieg fort", sagte Fachmann Brian Luke von S&P. Obwohl es zwischen einzelnen Städten große Preisunterschiede gebe, finde die Erholung auf breiter Basis statt. In den vergangenen Monaten sind die Hypothekenzinsen in der Tendenz gefallen. Das dürfte dem Markt mit auf die Sprünge geholfen haben.

Der DAX bleibt weiter auf Rekordkurs. Der Leitindex stieg heute in der Spitze bis auf 18.411 Punkte und markierte damit erneut eine Bestmarke. Am Ende des Tages standen 18.384 Punkte auf der Anzeigetafel der Frankfurter Börse, ein Tagesgewinn von 0,67 Prozent. Damit ist von Gewinnmitnahmen trotz des jüngsten Rekordlaufs weiter nichts zu sehen, leichte Rückgänge werden sofort zu Käufen genutzt.

Analyst Christian Henke vom Broker IG macht bei den Anlegern derzeit überhaupt keine Verkaufsbereitschaft aus. Die Angst, den Börsenzug voreilig zu verlassen, sei einfach zu groß.

Dabei wäre eine Korrektur nach dem starken Anstieg nicht ungewöhnlich. "Nach dem deutlichen Indexanstieg seit Herbst 2023 sollte jedoch auch beachtet werden, dass die Zuwächse in verhältnismäßig kurzer Zeit sehr groß waren. Es könnte somit die Zeit reif werden für eine Korrektur", schrieb Christian Barth, Marktbeobachter bei der Fürst Fugger Privatbank. Erstes Anlaufziel sei die Unterstützung bei 17.814 Punkten. Der MDAX der mittelgroßen Werte legte ebenfalls um 0,77 Prozent auf 26.871 Zähler zu.

In dieser Woche wird am Aktienmarkt nur bis einschließlich Gründonnerstag gehandelt. Am Karfreitag bleiben die Börsen feiertagsbedingt geschlossen.

Um 1,1 Prozent bergauf ging es zudem für den Kleinwerteindex SDAX, der bei 14.251 Punkten ebenfalls eine Bestmarke erzielte. Der Index war bereits am Montag auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren geklettert. Die Experten von Index Radar hatten jüngst schon darauf hingewiesen, dass Nebenwerte zu einer Aufholjagd ansetzen könnten.

Unternehmen aus dem SDAX seien deutlich stärker mit der Wirtschaft in Deutschland verflochten als global aufgestellte DAX-Konzerne und hätten bisher weniger von der guten Stimmung am Aktienmarkt profitiert. Nun habe sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft aufgehellt, die Belastungen durch hohe Energiepreise und erschwerte Refinanzierungsbedingungen rückten offenbar allmählich in den Hintergrund.

Bei den US-Konjunkturdaten dieser Woche steht hierzulande ebenfalls noch das Inflationsmaß PCE im Mittelpunkt, das von der US-Notenbank als bevorzugter Preisindikator betrachtet wird. Analysten mahnten wie auch in New York zur Vorsicht.

"Die Fed betont immer mal wieder, dass ihre nächsten Schritte stark von der Datenlage abhängig sind", sagte Richard Flax, Chiefanleger beim Vermögensverwalter Moneyfarm. "Wenn die Inflationsdaten in den kommenden Monaten also höher als erwartet ausfallen, könnten die Marktteilnehmer anfangen, ihre Hoffnung auf bald wieder fallende Zinsen zu überdenken."

Update Wirtschaft vom 25.03.2024

Melanie Böff, HR, tagesschau24

Der Euro notierte zuletzt im US-Handel leicht schwächer bei 1,0829 Dollar, etwas weniger als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0855 (Montag: 1,0835) Dollar fest. Die am Nachmittag veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA fielen uneinheitlich aus und gaben dem Markt keine klare Richtung.

So sind die Aufträge für langlebige Güter im Februar stärker gestiegen als erwartet. Die Stimmung der Verbraucher in den USA hat sich hingegen im März unerwartet eingetrübt. In Deutschland stand bereits am Morgen das GfK-Konsumklima an. Die Verbraucherstimmung hellte sich zum zweiten Mal in Folge auf, allerdings nur leicht.

"Die Erholung des Konsumklimas kommt langsam und nur schleppend voran", sagte Experte Rolf Bürkl vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen.Der Goldpreis zieht 0,2 Prozent an auf 2.177 Dollar je Feinunze.

Der DAX-Konzern Rheinmetall bekommt Fördergelder der Europäischen Union zur Ausweitung der Produktion von dringend benötigter Munition. Insgesamt erhält der Rüstungskonzern 130 Millionen Euro aus dem rund 500 Millionen Euro schweren EU-Topf des Act of Support in Ammunition Production (ASAP). Die Gelder sollen in sechs Projekte von Rheinmetall-Tochtergesellschaften in Deutschland, Ungarn, Rumänien und Spanien fließen.

Aktien des Düsseldorfer DAX-Unternehmens legten weiter zu und standen an der Indexspitze. Bei 520,40 Euro wurde zudem ein neues Allzeithoch markiert.

Das Technologieunternehmen Siemens hält an seinen Zielen für das laufende Geschäftsjahr fest. "Für die Jahresprognose des Konzerns mache ich mir überhaupt keine Sorgen", sagte Finanzvorstand Ralf Thomas der Börsen-Zeitung. "Wir werden unsere Ziele erreichen".

Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) streicht infolge einer Streikdrohung des Bordpersonals vor Ostern rund 400 Flüge. Gestrichen würden die Flüge am Donnerstag und Freitag, wovon etwa 50.000 Fluggäste betroffen seien, teilte das Unternehmen heute mit. Den finanziellen Schaden bezifferte die Fluglinie mit 24 Millionen Euro, 15 Millionen Euro für den Streik und neun Millionen Euro für Betriebsversammlungen.

Grund für die Streikdrohung ist ein Streit über die Tarifverträge. Am Sonntag war eine weitere Verhandlungsrunde ergebnislos abgebrochen worden. Bereits davor hatte die Gewerkschaft vida den Beschluss für einen 36-stündigen Streik gefasst.

Fuchs-Chef Stefan Fuchs hat Aktien des Unternehmens für mehr als eine Million Euro verkauft. Am vergangenen Freitag verkaufte er einer Pflichtmitteilung zufolge Papiere für einen Gesamtwert von 1,3 Millionen Euro zu einem Durchschnittskurs von 45,15 Euro. Vorstandsmitglied Ralph Rheinboldt trennte sich einer weiteren Mitteilung zufolge gestern von Fuchs-Papieren im Wert von knapp 207.000 Euro.

Der Windturbinenbauer Nordex hat in Südafrika einen Großauftrag an Land gezogen. Für drei Windparks mit jeweils 112,1 Megawatt soll der Konzern 57 Turbinen liefern. Die Installation solle in der zweiten Hälfte 2024 beginnen. Zum Auftragsvolumen machte der Konzern keine Angaben. Nordex ist mit mehr als 1,1 Gigawatt installierter Windkapazität mit einem Marktanteil von 32 Prozent Marktführer in Südafrika.

Die Aktionäre des Immobilienkonzerns Aroundtown müssen wohl auf eine Dividende für 2023 verzichten. Der Verwaltungsrat wolle der für den 26. Juni geplanten Jahreshauptversammlung keine Dividendenzahlung empfehlen, teilte das im MDAXnotierte Unternehmen am Abend mit.

Grund hierfür seien die anhaltenden Marktunsicherheiten, die die Vorhersehbarkeit der weiteren Entwicklung begrenzten. Das Unternehmen sollte deshalb nach Ansicht des Verwaltungsrats mit Blick auf den Kapitalerhalt konservativ bleiben und sich weiter auf die Stärkung der Liquidität konzentrieren. Aufgrund von Wertberichtigungen hatte Aroundtown in den ersten neun Monaten netto ein Minus von 1,4 Milliarden Euro verbucht. Mitte März hatte auch die Immobilienfirma Grand City Properties mitgeteilt, die Dividende für 2023 ausfallen zu lassen.

Der Ticketvermarkter CTS Eventim erhöht die Dividende nach einem Rekordjahr um mehr als ein Drittel. Mit 1,43 Euro je Aktie soll die Hälfte des Nettogewinns ausgeschüttet werden. Für das neue Jahr wagt CTS Eventim derweil nur eine vage Prognose: Der Vorstand geht bei einer stabilen Konjunktur von einem moderaten Wachstum des Umsatzes und einem Ergebnis "auf unverändert hohem Niveau" aus.

Im SDAX ist die Aktie von KWS Saat gefragt, nachdem der Saatgutkonzern die Veräußerung seines Maisgeschäfts sowie der Lizenzen für Züchtungsmaterial in Südamerika eingefädelt hat. Das Transaktionsvolumen beläuft sich auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Käufer ist der Pflanzengenetik-Spezialist GDM mit Sitz in Buenos Aires.

Mit einem Umbau- und Sparprogramm will Vodafone Deutschland in den kommenden zwei Jahren rund 400 Millionen Euro einsparen. Dabei sollen rund 2.000 Stellen "eingespart und verlagert" werden, also gut 13 Prozent der Belegschaft, wie das Unternehmen heute in Düsseldorf mitteilte. 

Maersk-Aktien büßen in Kopenhagen um bis zu fünf Prozent ein, nachdem in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland eine Autobahnbrücke nach einer Schiffskollision eingestürzt ist. Das Containerschiff, das die Brücke gerammt und zum Einsturz gebracht hatte, war von der dänischen Reederei Maersk gechartert worden. Es sollte vom Hafen in Baltimore nach Colombo auslaufen.

Der Online-Riese Amazon hat im vergangenen Jahr weltweit mehr als sieben Millionen gefälschte Produkte identifiziert, beschlagnahmt und ordnungsgemäß entsorgt. Seit ihrer Gründung im Jahr 2020 hat Amazons Abteilung für Fälschungskriminalität ("Counterfeit Crimes Unit") "mehr als 21.000 Akteure mit schlechten Absichten" im Rahmen von Gerichtsverfahren und Meldungen an die Strafverfolgungsbehörden zur Rechenschaft gezogen.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. März 2024 um 09:00 Uhr.