Händler an der New York Stock Exchange | REUTERS
Marktbericht

Verluste an der Wall Street und im DAX Anleger machen Kasse

Stand: 09.12.2021 22:23 Uhr

Die vorweihnachtliche Aktienrally ist vorerst gestoppt. Nach drei Gewinntagen in Folge ging den US-Börsen die Puste aus. Die Corona-Variante Omikron sorgt wieder für Unsicherheit. Auch der DAX gab nach.

War der Optimismus der letzten Tage übertrieben? An der Wall Street sind die Anleger heute auf Nummer sicher gegangen und haben Gewinne mitgenommen. Die zuletzt stark gelaufenen Tech-Werte kamen unter Druck. Die Nasdaq sackte um 1,5 Prozent ab. Auch der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,7 Prozent. Lediglich der Dow Jones stemmte sich gegen den Negativtrend und schloss unverändert.

Omikron bleibt ein Unsicherheitsfaktor

Die Sorge vor erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung der neuen Corona-Variante Omikron dämpfte den Optimismus der Anleger. "Es gibt noch zu viel über diese Variante zu lernen, um eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen", sagte Marktbeobachter Craig Erlam vom Broker Oanda. Die Mitteilung des Pharmakonzerns Pfizer, drei Dosen des zusammen mit der deutschen Firma BioNTech entwickelten Coronavirus-Impfstoffs seien ein effektiver Schutz gegen die neu entdeckte Variante, verhinderte einen größeren Ausverkauf.

Warten auf die US-Inflationsdaten

Zudem hielten sich die Anleger vor den am Freitag anstehenden US-Inflationsdaten zurück. Fällt die Preissteigerung erneut höher aus, dürften erneut Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung verstärkt die Runde machen. Laut US-Notenbankchef Jerome Powell ist die Wirtschaft derzeit sehr stark und zugleich der Inflationsdruck hoch. Daher erwägt die Notenbank, die Anleihenkäufe rascher zu reduzieren als noch vor ein paar Wochen geplant.

DAX fällt den zweiten Tag in Folge

Die schwache Wall Street zog auch den DAX nach unten. Der deutsche Leitindex büßte 0,3 Prozent auf 15.639 Punkte ein. Händler sprachen von einem lustlosen Handel. Es war der zweite Verlusttag in Folge. Auf Wochensicht liegt der deutsche Leitindex aber immer noch 3,2 Prozent im Plus.

Jahresend-Rally in Gefahr?

In den nächsten Wochen könnte es weiter holprig und volatil zugehen, warnen Experten. Eine Jahresendrally, sofern sie in diesem Jahr überhaupt stattfinde, könnte wegen Omikron zum Hürdenlauf werden, warnt Konstantin Oldenburger, Marktbeobachter von CMC Markets. Bislang kommt der DAX seit Januar auf ein beachtenswertes Plus von rund 14 Prozent. Er liegt allerdings mehr als 600 Punkte unter seinem Rekordhoch vom November.

"Die weitere Entwicklung von Corona ist unsicher. Dennoch nimmt sein Schrecken für die Aktienmärkte ab", meint dagegen Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank. "Man wird mit dem Virus leben müssen und der Umgang mit ihm wird immer professioneller." Aber Halver räumt auch ein, dass sich die Anleger derzeit auf stärker schwankende Kurse einstellen sollten.

BioNTech-Chef rät zu schnellerer dritten Impfung

BioNTech-Gründer Ugur Sahin hat sich angesichts der Ausbreitung der Omikron-Variante für eine frühere dritte Impfung ausgesprochen. "Mit Blick auf Omikron sind zwei Dosen noch keine abgeschlossene Impfung mit ausreichendem Schutz. Wenn sich Omikron, wie es aussieht, weiter ausbreitet, wäre es wissenschaftlich sinnvoll, bereits nach drei Monaten einen Booster anzubieten", sagte Sahin dem "Spiegel". In Großbritannien wird dies bereits so gehandhabt. Die Impfstoffhersteller BioNTech und Pfizer hatten bereits am Mittwoch mitgeteilt, für einen ausreichenden Schutz vor der Omikron-Variante seien drei Dosen ihres Produktes nötig. Ersten Labordaten zufolge schützten zwei Dosen demnach nicht ausreichend vor einer Infektion mit der kürzlich entdeckten Variante.

Brent und WTI geben nach

Spekulationen auf eine rückläufige Nachfrage lasteten auf den Ölpreisen. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 0,7 Prozent auf 75,29 Dollar je Barrel. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel knapp unter die Marke von 72 Dollar. "Obwohl Labortests gezeigt haben, dass der Pfizer-Impfstoff eine neutralisierende Wirkung auf Omikron hat, werden neue Maßnahmen eingeführt, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen", sagte Analyst Tamas Varga vom Brokerhaus PVM.

Bitcoin sackt unter 50.000 Dollar

Aus Furcht vor einem Rückschlag für die Weltwirtschaft durch die Omikron-Variante zogen sich Investoren aus riskanten Anlagen wie Kryptowährungen zurück. Der Kurs von Bitcoin fiel um bis zu fünf Prozent auf unter 50.000 Dollar. Auch Ethereum verbilligte sich um gut fünf Prozent auf 4188 Dollar.

Fitch stuft Evergrandes Kreditwürdigkeit herab

Die Pleite von China Evergrande wird immer wahrscheinlicher. Die Ratingagentur Fitch hat den hochverschuldeten Immobilien-Riesen weiter herabgestuft. Die Experten bewerten die Kreditwürdigkeit des zweitgrößten chinesischen Immobilienentwicklers nun mit "Restricted Default" (RD), das ist die zweitniedrigste Stufe und steht kurz vor dem Totalausfall.

Der mit 300 Milliarden Dollar verschuldete Konzern ist in Zahlungsverzug geraten. Anfang der Woche lief eine 30-tägige Nachfrist aus für die Zahlung von Anleihezinsen in Höhe von 82,5 Millionen Dollar. Chinas Zentralbankchef Yi Gang signalisierte heute, dass die Regierung in Peking dem Konzern nicht mit Rettungsmaßnahmen zur Hilfe kommen wolle. Nach Angaben der Notenbank sagte er, die Risiken von Evergrande seien ein "Marktvorgang", mit dem "nach den Grundsätzen des Marktes und der Rechtsstaatlichkeit" angemessen umgegangen werde.

VW-Chef Diess verliert an Macht

Im DAX stand heute VW im Fokus. Die Führungskrise bei Volkswagen soll mit einer weiteren Erosion der Macht von Konzernchef Herbert Diess beendet werden. Nach einem wochenlangen Machtkampf zwischen dem umstrittenen Manager und dem einflussreichen Betriebsrat beschloss der Aufsichtsrat am Donnerstag einen Vorstandsumbau. VW-Markenchef Ralf Brandstätter rückt zu Jahresbeginn in den Konzernvorstand auf und übernimmt das neue Ressort "Volkswagen Pkw". Konzernchef Diess soll Mitte 2022 die Leitung des wichtigen, zuletzt schwächelnden China-Geschäfts an Brandstätter abgeben, behält aber die Verantwortung für die Volumenmarken und wird oberster Chef der Software-Tochter Cariad. "Ich fühle mich durch die Berufungen und die Organisation deutlich gestärkt", sagte Diess.

Deutsche Börse verlängert Vertrag von Finanzvorstand

Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hat den Vertrag von Finanzvorstand Gregor Pottmeyer um drei Jahre verlängert. Der neue Kontrakt laufe bis Ende September 2025, teilte das Unternehmen mit. Der 59-jährige Pottmeyer ist seit Oktober 2009 Mitglied des Vorstands. Sein derzeitiger Vertrag läuft den Angaben zufolge noch bis Ende September 2022.

Deutsche Bank - neue Probleme mit US-Justiz?

Die Aktien der Deutschen Bank sackten um über drei Prozent ab. Das US-Justizministerium hat einem Medienbericht zufolge der Bank mitgeteilt, dass das Geldhaus möglicherweise gegen einen früheren Vergleich verstoßen habe. Das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet, dass die Deutsche Bank eine interne Beschwerde im Bereich nachhaltige Investition bei der Vermögensverwaltung an die Strafverfolger nicht weitergeleitet haben könnte.

Bei Airbus ist der Lack ab

Im Streit um die Lackierung seiner A350-Jets will der Flugzeugbauer einen unabhängigen juristischen Gutachter einschalten. Ende November hatte Qatar Airways Probleme mit der Lackierung seiner A350-Maschinen bemängelt. Airbus hatte Abnutzungserscheinungen eingeräumt, Sicherheitsrisiken aber verneint.

Italien verhängt Milliardenstrafe gegen Amazon

Die italienischen Wettbewerbshüter haben gegen Amazon eine Milliardenstrafe wegen Missbrauchs seiner Marktposition verhängt. Die Kartellbehörde AGCM erlegte dem Internet-Konzern wegen Verletzungen des EU-Rechts eine Strafe von rund 1,129 Milliarden Euro auf. Amazon habe seine Stellung als Vermittler von Logistikdiensten auf der eigenen Plattform missbraucht und anderen Dienstleistern und Anbietern geschadet, hieß es in einer Mitteilung.

Videospielfunktion von Tesla in der Kritik

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA nimmt den Elektroautobauer Tesla wegen einer neuen Videospielfunktion für seine Fahrzeuge ins Visier. "Ablenkungsbedingte Unfälle sind ein Problem, insbesondere in Fahrzeugen, die mit einer Reihe von Komforttechnologien wie Unterhaltungsbildschirmen ausgestattet sind," erklärte die NHTSA in einer Stellungnahme, die Reuters vorliegt.

Run auf den neuen E-Pickup von Ford

Der US-Autobauer Ford nimmt keine Vorbestellungen für seinen elektrischen Pickup F-150 Lightning mehr an. "Wir haben die Reservierungen gestoppt, weil wir so viele haben", sagte Vorstandschef Jim Farley. Man habe bei 200.000 Kaufwünschen keine weiteren Bestellungen mehr angenommen. Ford hatte ursprünglich die Produktion von 70.000 bis 80.000 der Pritschenwagen geplant. In den kommenden zwei Jahren soll nun die Produktion verdoppelt werden.

Apple fast drei Billionen Dollar wert

Für Furore sorgte einmal mehr die Apple-Aktie. Die Titel des Elektronik-Anbieters gewannen zeitweise rund ein Prozent und markierten mit 176,75 Dollar den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch. Steigen sie um weitere rund 3,5 Prozent, durchbricht Apple als erstes Unternehmen diese Schallmauer.

"Apple scheint gegen die Höhen und Tiefen der wirtschaftlichen Entwicklung immun zu sein", sagte Analystin Susannah Streeter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Das verdanke das Unternehmen seinem starken Markennamen. Anleger reagierten zudem erfreut darauf, dass es dem iPhone-Hersteller in letzter Minute gelang, eine per Gerichtsurteil verordnete Lockerung der App-Store-Regeln aufzuschieben.

Gamestop mit überraschend hohem Verlust

Der US-Videospielehändler Gamestop hat einen unerwartet hohen Quartalsverlust gemeldet. Auf bereinigter Basis verlor das Unternehmen im dritten Quartal 1,39 Dollar pro Aktie. Analysten hatten lediglich mit einem Verlust von 0,52 Dollar pro Aktie gerechnet. Die Pandemie zwang das Unternehmen dazu, Hunderte von Geschäften zu schließen und auf den Online-Handel umzustellen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Dezember 2021 um 17:00 Uhr.