Wall Street New York
Marktbericht

Indizes wenig verändert Wall Street hängt weiter durch

Stand: 02.06.2021 22:19 Uhr

Der Konjunkturbericht der US-Notenbank Federal Reserve hat die US-Börsen kaum bewegt. Es gab wenig Aufschlussreiches. Die Anleger blicken daher auf den kommenden Freitag.

Vom eigentlich mit Spannung erwarteten Konjunkturbericht der Fed, dem "Beige Book", gingen heute für den US-Aktienmarkt keine neuen Impulse aus. Die Notenbank stellte zwar fest, dass die Wirtschaft zwischen Anfang April und Ende Mai mit einem moderaten Tempo gewachsen sei, gleichzeitig wirkten sich jedoch Probleme bei den Lieferketten belastend aus.

Die befragten Wirtschaftsteilnehmer seien weiterhin optimistisch und rechneten mit einem weiterhin soliden Wachstum. Die Lage am Arbeitsmarkt bleibe angespannt. Vielen Unternehmen im Dienstleistungssektor falle es nach der Corona-Krise schwerer, Arbeitskräfte zu finden.

Auf diese eher allgemein gehaltenen Aussagen, die zudem nicht wirklich neu waren, reagierte der Aktienmarkt kaum. Die Anleger hatten sich im Vorfeld konkretere Hinweise darauf gewünscht, ob und wann die Wirtschaftsdaten einen Wechsel der Geldpolitik wahrscheinlicher werden lassen.

US-Märkte schließen wenig verändert

Die großen New Yorker Börsenindizes bewegten sich im Gefolge kaum und schlossen letztlich wenig verändert, aber alle noch im Plus. Der Leitindex Dow Jones ging bei 34.600 Punkten aus dem Handel, ein leichter Gewinn von 0,07 Prozent. Auch die anderen Indizes bewegten sich um ihre Schlusskurse vom Vortag. Die Technologiebörse Nasdaq beendete den Handel bei 13.756 Punkten, der Auswahlindex Nasdaq 100 bei 13.675 Punkten. Beide Indizes lagen damit leicht um gut 0,1 Prozent im Plus. Der marktbreite S&P-500 bewegte sich ebenfalls nur wenig und ging bei 4208 Punkten um 0,1 Prozent ebenfalls etwas höher aus dem Handel.

Die Anleger, so hieß es am Markt, manövrierten derzeit weiter zwischen der Hoffnung auf eine starke Konjunkturerholung und Sorgen vor einer zu stark anziehenden Inflation, welche die US-Notenbank Fed mit ihrer lockeren Zinspolitik unter Druck setzen könnte. Anleger seien derzeit in der Warteschleife, so ein Analyst. Die Akteure warteten wegen der Inflationsbedenken auf weitere Signale der Währungshüter sowie weitere wichtige Wirtschaftsdaten im Wochenverlauf, darunter der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag. Schon morgen legt auch der private Arbeitsvermittler ADP Zahlen vor, die als Vorläufer des offiziellen Reports gelten.

AMC-Aktie verdoppelt sich nahezu

Bei den Aktienwerten stach AMC erneut heraus. Die Papiere der weltgrößten Kinokette haussierten und verdoppelten sich zwischenzeitlich auf Kurse über 70 Dollar. Am Ende stieg die Aktie um 95,2 Prozent auf 62,55 Dollar. Getrieben wurde die Rally Börsianern zufolge erneut von Kleinanlegern, die sich in einschlägigen Internet-Foren gegenseitig zu Käufen ermunterten.

"Das ist nicht rational", sagte einer von ihnen. "Wette nicht dagegen." Die AMC-Enthusiasten ließen sich nicht einmal vom Verkauf eines größeren Aktienpakets aus dem Konzept bringen. Der Hedgefonds Mudrick warf 8,5 Millionen Papiere, die er im Rahmen der jüngsten AMC-Kapitalerhöhung gekauft hatte, wieder auf den Markt. Seit Jahresbeginn haben AMC-Titel über 1400 Prozent zugelegt.

DAX-Anleger bleiben auf dem Sprung

Am Frankfurter Aktienmarkt herrschte zur Wochenmitte ebenfalls gespanntes Warten auf den Konjunkturbericht der US-Notenbank Federal Reserve. Dabei bleibt die Erwartungshaltung der heimischen Investoren weiter hoch. Der DAX erzielte den dritten Schlussrekord in vier Tagen bei 15.602 Punkten, ein moderater Tagesgewinn von 0,2 Prozent. Von Abgabeneigung also keine Spur, der Index bleibt zudem in Schlagweite seines Rekordhochs bei 15.685 Zählern. Experten sprachen davon, dass die Stimmung am Markt weiter gut, aber nicht euphorisch sei.

"Zentralbanken stehen vor einem Balanceakt bei der Vorbereitung der Märkte auf ein Ende der Notfallmaßnahmen", erklärten die Analysten von Generali Investments. Die Erwartung sei, dass dies im Sommer kontrolliert geschehe. Der Blick richtet sich auch schon auf die offiziellen Arbeitsmarktdaten der US-Regierung am Freitag, für die Börsen die "Mutter aller Konjunkturdaten". Die Fed hat stets klargemacht, dass eine Straffung der Geldpolitik primär von einer nachhaltigen Erholung am Arbeitsmarkt abhängt.

Tagessieger Volkswagen, Deutsche Wohnen mit Dividendenabschlag

Unter den Einzelwerten Im DAX standen Volkswagen nach guten Branchendaten an der Indexspitze. Einer der größten "Verlierer" war das Papier der Deutsche Wohnen, allerdings nur optisch. Die Aktie wurde heute mit Dividendenabschlag von 1,03 Euro gehandelt, wäre ansonsten kaum verändert aus dem Handel gegangen. Das Papier hatte an den vergangenen Tagen von der bevorstehenden Übernahme durch Vonovia stark profitiert. Anteilsscheine von Delivery Hero und Siemens Energy büßen als "echte" Verlierer hingegen stärker ein.

Autohersteller optimistisch

Die Geschäfte der deutschen Autohersteller und ihrer Zulieferer sind im Mai so gut gelaufen wie seit annähernd drei Jahren nicht mehr. Das entsprechende Barometer kletterte um 12,9 auf 36,6 Punkte, wie das Münchner ifo-Institut am Mittwoch zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Das ist der beste Wert seit September 2018. "Die Geschäfte laufen im Moment noch sehr gut", sagte ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Aber die ersten dunklen Wolken ziehen wieder auf, vermutlich wegen des Chipmangels."

Euro wieder über 1,22 Dollar, türkische Lira auf Rekordtief

Die Gemeinschaftswährung pendelt derzeit um die Marke von 1,22 Dollar und hat im europäischen Geschäft am Nachmittag wieder etwas Boden gut gemacht. Sie notiert derzeit bei ruhigem Geschäft im US-Handel bei 1,2212 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2186 (Dienstag: 1,2225) US-Dollar fest. Der Kurs des Dollar schwankt derzeit je nach Zinserwartung der Anleger.

Einen weiteren dramatischen Absturz erfährt zurzeit die türkische Lira. In der Nacht wurden für einen Dollar zeitweise bis zu 8,80 Lira gezahlt und damit so viel wie noch nie. Auch im Handel mit dem Euro wurde ein Rekordtief erreicht. Hier mussten zeitweise bis zu 10,75 Lira gezahlt werden, ehe sich die Lira etwas erholte. Das Rekordtief wurde erreicht, nachdem Präsident Recep Tayyip Erdogan in einem Fernsehinterview Zinssenkungen durch die Zentralbank des Landes gefordert hatte.

Öl bleibt teuer

Am Rohstoffmarkt behauptete der Ölpreis sein hohes Niveau, ein Fass der Nordseesorte Brent kostete am Abend wieder über 71 Dollar, ein Aufschlag von über einem Prozent. Unterstützung erhalten die Ölpreise von der zuversichtlichen Bewertung der Nachfrageperspektiven durch den Ölverbund Opec+. Dennoch bleiben die Rohölproduzenten vorsichtig mit Blick auf ihre mittelfristige Ausrichtung. Zwar bestätigte der Verbund während eines Treffens am Dienstag eine geplante Produktionssteigerung ab Juli.

Für den weiteren Jahresverlauf wurde jedoch kein Kurs bekanntgegeben. Nach Einschätzung des Rohstoffexperten Eugen Weinberg von der Commerzbank hat die Opec+ mit der schrittweisen Ausweitung der Fördermenge seit Mai etwa 2,1 Millionen Barrel pro Tag mehr Rohöl gefördert. "Der Markt dürfte diese Menge problemlos absorbieren", sagte Weinberg. Da beim Treffen der Opec+ nicht über die Fördermenge nach Juli gesprochen wurde, dürfte dieses Thema auf der nächsten Sitzung in einem Monat diskutiert werden.

Einzelhandel schrumpft, Maschinenbauer frohlocken

Unterschiedliche Signale kommen derweil aus der deutschen Wirtschaft. So hat die Einführung der Bundesnotbremse im Kampf gegen die Pandemie im April zu einem unerwartet starken Umsatzrückgang im deutschen Einzelhandel geführt. Im Vergleich zum Vormonat fielen die Einnahmen um 5,4 Prozent niedriger aus, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Preisbereinigt (real) gab es ein Minus von 5,5 Prozent.

Die Nachfrage nach Maschinen aus Deutschland boomt rund ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise allerdings. Bei den Unternehmen gingen im April 72 Prozent mehr Bestellungen ein als im schwachen Vorjahresmonat, wie der Branchenverband VDMA mitteilte. Ein ähnlich starker Zuwachs liegt Jahrzehnte zurück. "Im Jahr 1981 hatten wir ein Plus von 100 Prozent, seitdem nie wieder so hohe Werte", so VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

BASF erwägt Beteiligungsverkauf an Solenis

Der deutsche Chemiekonzern BASF will sich offenbar von seiner Beteiligung am Spezialchemieunternehmen Solenis trennen - oder diese zumindest reduzieren. Gemeinsam mit dem Finanz- und Mitinvestor Clayton Dubilier & Rice (CD&R) werden derzeit verschiedene Ausstiegsoptionen geprüft, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete. Dabei sei ein Börsengang oder ein Verkauf möglich.

BASF und CD&R streben dem Bericht zufolge eine Bewertung von fünf Milliarden Dollar (vier Mrd Euro) einschließlich Schulden an. Sprecher der beiden Unternehmen wollten diese Informationen nicht kommentieren, hieß es. BASF hält 49 Prozent an dem Unternehmen, das 2019 aus einer Fusion eines von CD&R gekauften Unternehmens mit einer BASF-Sparte hervorgegangen war. Solenis beschäftigt rund 5200 Mitarbeiter und kommt auf einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Dollar. Das Unternehmen stellt vor allem Chemikalien zur Wasseraufbereitung her.

Beiersdorf im MDAX gesucht

Aktien des Hamburger Konsumgüterherstellers Beiersdorf waren mit einem Aufschlag von 2,8 Prozent Tagessieger im MDAX. Die Berenberg Bank rät bei den Papieren zum Kauf und sieht bei Beiersdorf das größte Umbaupotenzial in der Branche für Haushalts- und Körperpflegeprodukte.

Morphosys-Aktie bricht nach Zukauf ein

Die im MDAX und TecDAX enthaltene Aktie des Biotech-Unternehmens Morphosys brach heute um rund zwölf Prozent ein. Der Grund: Die Münchener greifen für bis zu 1,7 Milliarden Dollar nach dem US-Krebsspezialisten Constellation Pharmaceuticals und wollen sich künftig noch stärker auf die Entwicklung eigener Medikamente konzentrieren. Für die 1992 gegründete Morphosys ist es der bisher größte Zukauf.

"Diese Übernahme stellt eine echte Transformation für Morphosys dar und stärkt unsere Position in der Hämatologie-Onkologie", sagte Vorstandschef Jean-Paul Kress. Morphosys bietet 34 Dollar je Constellation-Aktie in bar - ein Aufschlag von fast 68 Prozent zum Schlusskurs am Vortag. Mit dem Zukauf sichert sich Morphosys unter anderem zwei neue Krebsarzneien, die sich derzeit in der mittleren bis späten Phase der klinischen Entwicklung befinden. Zur Finanzierung des Deals vereinbarte die Firma eine umfangreiche Partnerschaft mit dem US-Pharma-Finanzunternehmen Royalty Pharma.

"Der Aufschlag für die Constellation-Aktie ist sehr hoch", sagte ein Händler. Kritisch sehe er außerdem die Abtretung von Lizenzeinnahmen an Royalty. "Der Deal scheint für Royalty vorteilhafter zu sein als für Morphosys."

Zoom verzehnfacht Gewinn

Nach US-Börsenschluss am Dienstag gab der US-Videokonferenzdienst Zoom Wachstumszahlen bekannt. Im vergangenen Vierteljahr stieg der Umsatz um 191 Prozent auf 956,2 Millionen Dollar. Der Gewinn sprang von 27 Millionen Dollar ein Jahr zuvor auf 227,4 Millionen Dollar. Die Firma übertraf mit den Zahlen für das Ende April abgeschlossene erste Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel zeitweise um drei Prozent zu.

BioNTech kann mehr produzieren

Der Impfstoff-Hersteller BioNTech kann in seinem Werk im belgischen Puurs die Produktion von Corona-Impfstoff weiter hochfahren. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfahl am Dienstag, dort weitere Herstellungs- und Abfüllungskapazitäten zu genehmigen. Dies werde "erhebliche und sofortige Auswirkungen auf die Versorgung" mit dem Impfstoff der Mainzer Firma und deren US-Partner Pfizer in der EU haben, erklärte die EMA. BioNTech/Pfizer bestätigte auf Anfrage, man sei dabei, die Impfstoffkapazität auszuweiten. Die EMA-Empfehlung werde die Bemühungen unterstützen, im laufenden Jahr mehr als 2,5 Milliarden Dosen auszuliefern und im nächsten Jahr möglicherweise noch mehr.

Auto1-Aktie unter Druck

Eine Aktienplatzierung verschiedener Aktionäre von Auto1 belastet den Kurs des Online-Gebrauchtwagenhändlers. Es wurden 9,7 Millionen Aktien zu 41 Euro das Stück platziert. Die Aktie büßt fast acht Prozent ein. Mitte Mai hatten die Anteile des Börsenneulings zeitweise noch unter 40 Euro notiert - der vorläufige Tiefpunkt seit dem Börsengang Anfang Februar. Dieser war ausgesprochen erfolgreich: Der erste Kurs hatte mit 55 Euro knapp 45 Prozent über dem Ausgabepreis gelegen.

Harry-Potter-Verlag profitiert von Corona

Den Londoner Bloomsbury-Verlag stimmen die wachsenden Leserzahlen während des Corona-Lockdowns optimistisch. Die starke Nachfrage nach Unterhaltungsalternativen in der Pandemie hat den Gewinn im Geschäftsjahr 2020/21 (per 28. Februar) um 22 Prozent in die Höhe getrieben, wie Bloomsbury mitteilte. Auch der Umsatz kletterte dank sprunghaft gestiegener Buch-, E-Book- und Hörbuch-Verkäufe um 14 Prozent auf 185 Millionen Pfund. Der Verlag will nun eine Sonderdividende von 9,58 Pence je Papier zahlen. Daraufhin stiegen die Bloomsbury-Aktien in London um 6,5 Prozent.

App-Store Geschäft wächst 2020 um 20 Prozent

Über den App Store von Apple ist im Corona-Jahr 2020 einer Studie zufolge rund ein Viertel mehr Geschäftsvolumen abgewickelt worden als im Vorjahr. Das App-Store-System ermöglichte demnach insgesamt Verkäufe und Umsätze in Höhe von 643 Milliarden Dollar (rund 526,6 Mrd Euro), 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Großteil entfiel mit 383 Milliarden Dollar auf den Verkauf physischer Artikel. Bei digitalen Inhalten und Diensten waren es 86 Milliarden Dollar. Die Zahlen wurden in einer unabhängigen Studie von Ökonomen der Analysis Group errechnet und von Apple am Mittwoch präsentiert.

Das App-Store-System von Apple steht gerade unter Beschuss. Die EU-Kommission wirft dem iPhone-Konzern unfairen Wettbewerb im Geschäft mit Musikstreaming-Apps vor. Die Spielefirma Epic will mit einer Klage in den USA erreichen, dass sie und andere Anbieter eigene App Stores auf dem iPhone an Apple vorbei betreiben können. Werbung in Apps hatte der Studie zufolge im vergangenen Jahr ein Volumen von 46 Milliarden Dollar. Mit Essenslieferungen wurden demnach 36 Milliarden Dollar erlöst und mit dem Verkauf von Lebensmitteln 22 Milliarden Dollar.

Facebook setzt verstärkt auf Chats mit Unternehmen

Facebook setzt den Plan um, seine Apps zur Plattform für den Austausch zwischen Unternehmen und ihren Kunden zu machen. Zu seiner Entwicklerkonferenz F8 Refresh am Mittwoch öffnete das Online-Netzwerk unter anderem die Schnittstelle für Chats bei der Foto-Plattform Instagram für alle Entwickler. Damit können nun Firmen direkt in der App mit ihren Kunden kommunizieren.

Auch bei WhatsApp werden die Möglichkeiten zur Kommunikation mit Unternehmen ausgebaut. Die neuen Möglichkeiten zur Kommunikation mit Unternehmen waren laut Facebook der Kernpunkt der neuen Nutzungsbedingungen von WhatsApp, die Mitte Mai in Kraft traten. Die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden ist das Vorhaben, mit dem Facebook schließlich Geld mit WhatsApp verdienen will. Das weltgrößte Online-Netzwerk übernahm WhatsApp 2014 für am Ende rund 22 Milliarden Dollar. Mit dem Kauf nahm Facebook zwar einen potenziellen Rivalen vom Markt, der Dienst trug bisher aber wenig zum Konzerngewinn bei.