Börse Frankfurt

DAX auf Rekordkurs Aktien bleiben gefragt

Stand: 14.01.2021 22:35 Uhr

Die Börse bleibt weiter auf hohem Niveau, trotz verheerender Corona-Zahlen. Die Hoffnung auf ein besseres Jahr 2021 treibt die Investoren in Aktien. Der Wall Street ging derweil heute die Puste aus.

Die New Yorker Aktienbörse konnte anfänglich neue Rekordstände im Verlauf nicht behaupten und schloss am Ende sogar leicht im Minus. Trotzdem, die Investoren setzen mit großer Erwartung auf weitere Wirtschaftshilfen in Billionenhöhe von der neuen Biden-Regierung. Das hält die Kurse hoch. Schwächere Daten vom Arbeitsmarkt wurden ignoriert.

"Wir sind voll auf das Hilfspaket konzentriert, so dass wir den Anstieg der Erstanträge weitgehend ignorieren", sagte Max Gokhman, Manager beim Vermögensberater Pacific Life. "Vielleicht handelt es sich um einen Fall von 'Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten'.

Der Markt geht davon aus, dass sich die verschlechternde Wirtschaft die Politik motiviert, noch mehr Konjunkturhilfen zu verabschieden. In der vergangenen Woche beantragten fast eine Million Amerikaner Arbeitslosenhilfe, deutlich mehr als vorhergesagt. In Vor-Corona-Zeiten lagen die Zahlen der wöchentlichen Erstanträge in der Größenordnung von 200.000.

Gewinnmitnahmen

Der Leitindex Dow Jones startete zunächst mit viel Schwung in den Donnerstag und markierte bei 31.223 Punkten im frühen Geschäft ein neues Rekordhoch. Auch an der Technologiebörse Nasdaq gab es zunächst neue Bestmarken, der S&P-500-Index stieg ebenfalls auf bis zu 3.823 Zähler, um dann bei 3.795 Zählern um 0,4 Prozent leichter zu schließen..

Am Ende gaben die Indizes die anfänglichen Aufschläge nach Gewinnmitnahmen wieder ab und schlossen allesamt leicht im Minus. Der Dow ging bei 30.991 Punkten um 0,2 Prozent leichter aus dem Handel. Der Nasdaq Composite-Index schloss 0,1 Prozent leichter bei 13.112 Punkten, der Auswahlindex Nasdaq 100 lag zum Schluss bei 12.898 Zählern um 0,6 Prozent im Minus.

Der Markt bleibt damit aber weiterhin auf hohem Niveau, auch weil so mancher Investor von der morgen beginnenden Berichtssaison positive Überraschungen erwartet. Der Zahlenreigen beginnt traditionell mit Quartalszahlen aus dem Bankensektor, unter anderem von Branchenprimus und Dow-Mitglied JPMorgan Chase sowie der Citigroup.

Die Zinsentwicklung bereitet Sorge

Schöhnheitsfehler der gegenwärtigen Börsen-Hausse sind die derzeit steigenden Zinsen. Nach einem Tief von gut 0,3 Prozent im vergangenen Jahr rentierten zehnjährige US-Staatsanleihen gestern mit 1,11 Prozent. Dadurch drohen Unternehmen höhere Finanzierungskosten. Außerdem könnte manch ein Anleger Rentenpapiere nun als attraktive Alternative zu Aktien auffassen, was die Nachfrage am Aktienmarkt deckeln könnte.

DAX bei knapp 14.000 Punkten, MDAX auf neuem Rekordhoch

Der deutsche Leitindex DAX schloss bei 13.988 Punkten um 0,4 Prozent höher, es war der zweithöchste Schlusskurs überhaupt. Im Tageshoch hatte der Index bei 14.030 Punkten die neue Tausendermarke sogar schon übersprungen, konnte diese am Ende dann aber doch nicht überwinden. Tagessieger war VW mit einem Plus von mehr als vier Prozent.

Besser machte es da der Index der mittelgroßen Werte, der MDAX, der 0,8 Prozent auf 31.572 Zähler zulegte. In der Spitze markierte der Index bei über 31.600 Punkten ein neues Verlaufshoch. Der Aufschwung am deutschen Aktienmarkt scheint damit breit unterfüttert zu sein, was die technische Stärke der Aufwärtsbewegung unterstreicht.

BIP fällt um fünf Prozent

Derweil sank das BIP in Deutschland im vergangenen Jahr um 5,0 Prozent, was im Vorfeld erwartet worden war. Aber nicht nur die Börsen, auch die Experten blicken zuversichtlich nach vorne. "Das Jahr 2020 sollte nun aber zügig abgehakt werden", sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. "Der Blick geht nach vorne. Das laufende Jahr verspricht Besserung."

Rückenwind gab es zudem durch stabile Außenhandelsdaten aus China, einem Markt, der für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger wird. Laut der Zollbehörde in Peking legten die Exporte im Dezember im Vorjahresvergleich um 18,1 Prozent zu. Die Importe stiegen um 6,5 Prozent.

Schlimme Corona-Zahlen, Merkel will Konferenz vorziehen

Verheerende Corona-Zahlen traten da heute in den Hintergrund, gleichwohl bleibt die Lage ernst. Heute meldete das RKI mit 1.244 Toten einen neuen traurigen Rekord sowie 25.164 Neuinfektionen. Trotz Lockdown und der anlaufenden Impfkampagne - mittlerweile sind 842.000 Personen und damit rund ein Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft - gehen die Zahlen nicht runter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel drängte am Donnerstagabend bei einer CDU-Präsidiumssitzung auf einen vorgezogenen Krisengipfel mit den Länder-Regierungschefs bereits in der kommenden Woche, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten. Sie plädierte demnach auch für Verschärfungen. Vor allem die Virusmutationen bereiten den Verantwortlichen immer größere Sorgen.

Powell drückt den Dollar

Der Dollar zeigte sich heute volatil. Er fiel nach zwischenzeitlicher Stärke wieder zurück und wird im späten Handel bei 1,2159 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2124 (Mittwoch: 1,2166) US-Dollar fest.

Grund für den plötzlichen Schwächeanfall waren Aussagen von Notenbankchef Jerome Powell, der Spekulationen über eine Straffung der Geldpolitik einen Dämpfer verpasste. Mit Zinserhöhungen sei auf absehbare Zeit nicht zu rechnen, sagte Powell. Zuletzt waren wegen des geplanten Konjunkturprogramms am Markt Zinserhöhungsdiskussionen aufgekommen, die auch den Dollar gestützt hatten.

Einerseits stützt das politische Durcheinander mit einem zweiten Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump den Euro. Andererseits sprechen die zuletzt deutlich gestiegenen langfristigen Zinsen für US-Staatsanleihen für den Dollar.

Die Regierungskrise in Italien wirkte sich am Markt bisher kaum aus, Bundesanleihen legen nur leicht zu. Derzeit versucht Ministerpräsident Conte, die Regierungskrise zu beenden, die im Kabinettsstreit um die Verwendung der Corona-Hilfsmittel der EU ihren Ausgang nahm.

Bitcoin wieder bei 40.000 Dollar

Der wilde Ritt der Digitalwährung Bitcoin geht weiter. Am Donnerstag stieg die älteste und bekannteste Kryptowährung wieder in Rekordreichweite. Auf der Handelsplattform Bitstamp wurde ein Höchststand von 40.112 US-Dollar markiert. Das Rekordhoch, das vergangene Woche bei 42.000 Dollar erreicht wurde, gerät damit wieder in den Blick. Der Bitcoin ist nicht nur die älteste, sondern mit einem Marktanteil von fast 70 Prozent auch die mit Abstand größte Internetwährung.

Siemens vor Sieben-Milliarden-Auftrag

Siemens hat nach einem Bericht von Reuters einen Auftrag im Volumen von sieben Milliarden Dollar für ein Schnellzug-Projekt in Ägypten erhalten. Dies ist Teil des Vertragsabschlusses zum Bau einer Schnellzugverbindung mit einem Volumen von 23 Milliarden Dollar, den die ägyptische Regierung bekannt gab. Der Siemens-Anteil an dem ersten Bauabschnitt soll drei Milliarden Dollar betragen. Der Vertrag wurde in Kairo in Anwesenheit des ägyptischen Präsidenten Abdel-Fattah al-Sisi unterzeichnet.

RWE baut Windpark in Frankreich

Der Energiekonzern RWE errichtet in Frankreich seinen ersten Windpark an Land. Die Anlage 250 Kilometer südlich von Paris sei bereits im Bau, teilte RWE am Donnerstag mit. Für zwei weitere Windparks in Frankreich und einen in Polen werde im ersten Quartal 2021 Baubeginn sein. In die vier Windparks mit einer Gesamtleistung von 76 Megawatt investiere RWE rund 95 Millionen Euro. Alle Projekte stammen aus dem Kauf des Wind- und Solar-Entwicklungsgeschäfts von Nordex, das RWE im November 2020 übernommen hatte. Der Essener Energiekonzern will die Ökostromproduktion in den kommenden Jahren kräftig ausbauen.

Ergebnissprung bei Drägerwerk

Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Drägerwerk hat im vergangenen Jahr wegen der Pandemie deutlich besser als im Vorjahr abgeschnitten. Der Umsatz stieg um mehr als ein Fünftel auf fast dreieinhalb Milliarden Euro. Für die Ebit-Marge (Ergebnis vor Zinsen und Steuern bezogen auf den Umsatz) rechnet das TECDAX-Mitglied mit einem Wert zwischen 11,3 und 11,6 Prozent. Fürs laufende Jahr erwartet Drägerwerk allerdings einen währungsbereinigten Umsatzrückgang von sieben bis elf Prozent. Die Ebit-Marge dürfte zwischen fünf und acht Prozent liegen.

Shop Apotheke leidet unter Wandelanleihen

Die Aktien des Online-Arzneimittelversands Shop Apotheke stehen stark unter Druck. Das SDAX-Mitglied hat Wandelanleihen mit einem Gesamtnennbetrag von 200 Millionen Euro angekündigt hat. Die damit einhergehende Verwässerung des Kapitalanteils der bisherigen Aktionäre drückt auf den Aktienkurs.

Hella befürchtet Lieferengpässe

Das Licht- und Elektronikunternehmen Hella rechnet laut Konzernchef Rolf Breidenbach mit Problemen. Der Manager warnte vor "weiterhin hohen Marktunsicherheiten und Herausforderungen. Die vollständigen Folgen der Corona-Pandemie seien noch lange nicht absehbar. Zudem sehe der Konzern "verstärkt Risiken, die aus möglichen Materialengpässen in globalen Lieferketten resultieren können".

Absatzeinbruch bei PSA und Opel

PSA hat im vergangenen Jahr heftig unter der Pandemie gelitten. Der französische Autokonzern verkaufte nur noch 2,51 Millionen Fahrzeuge und damit knapp 28 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders hart wurde auch die Tochter Opel getroffen. Hier lag das Minus bei mehr als ein Drittel auf nur noch gut 630.000 Einheiten. Im laufenden Jahr setzt der Autobauer auch auf Online-Verkäufe. Bis Ende 2021 sollen in Europa 100.000 Verkäufe digital erfolgen.

Renault will sich stark wandeln

Der krisengeschüttelte französische Autobauer Renault will laut dem neuen Konzernchef Luca de Meo mit einem Umbauprogramm mit dem Namen "Renaulution" die Rendite deutlich steigern. "Wir werden uns von einem Autokonzern, der mit Technologie arbeitet, zu einem Technologiekonzern entwickeln, der mit Autos arbeitet und bis 2030 mindestens 20 Prozent seines Umsatzes mit Dienstleistungen, Daten und Energiehandel erzielen wird", sagte de Meo. Die industriellen Kapazitäten sollen dabei vermindert werden. Insgesamt sollen bis zum Jahr 2025 drei Milliarden Euro eingespart werden.

Samsung stellt neue Galaxy Smartphone-Modelle vor

Der weltweite Android-Smartphone-Marktführer Samsung will mit drei neuen Spitzenmodellen seinen Vorsprung weiter ausbauen. Der Konzern stellte am Donnerstag die Geräte S21, S21+ und S21 Ultra vor, die sich vor allem in den Bildschirmgrößen und der Kameratechnik unterscheiden. Branchenbeobachter hatten ursprünglich erst mit einer S21-Premiere im Februar gerechnet.

Die Südkoreaner wollten aber offenbar dem Wettbewerber Apple nicht so lange das Feld mit einer frischen Smartphone-Generation alleine überlassen. Apple hatte seine iPhone-12-Modelle im Oktober und November auf den Markt gebracht.

GE verklagt Siemens Energy

Der US-Industriekonzern General Electric hat in den USA eine Klage gegen den deutschen Konkurrenten Siemens Energy eingereicht. In der am Donnerstag vor einem Bundesbezirksgericht im Bundesstaat Virginia eingereichten Klage wirft der US-Konzern dem deutschen Unternehmen vor, sich mit illegalen Mitteln Vorteile für Angebote von Gasturbinen an einen Energieversorger beschafft zu haben.

Der Fall reiche zurück bis Mai 2019. Siemens Energy gehörte damals noch zum Münchner Siemens-Konzern. GE bezifferte den Schaden auf mehr als eine Milliarde Dollar (rund 820 Millionen Euro). Von Siemens Energy war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Tesla soll 158.000 Fahrzeuge zurückrufen

Die US-Verkehsbehörde NHTSA hat den Elektroautobauer Tesla wegen Sicherheitsrisiken zu einem größeren Rückruf aufgefordert. Betroffen sind rund 158.000 von Teslas älteren Modellen S und X mit Baujahren von 2012 bis 2018, wie am Donnerstag aus einem Schreiben der Aufsicht an den Hersteller hervorging.

Konkret geht es demnach um Speicherplatz-Probleme bei bestimmten Computerchips, die zu Ausfällen des zentralen Touchscreen-Bildschirms führen können, über den diverse Fahrzeugfunktionen bedient werden. Die Behörde warnte etwa vor Beeinträchtigungen der Rückfahrkamera oder des Fahrassistenzprogramms. Tesla äußerte sich zunächst nicht.

Blackrock nicht zu bremsen

Der weltgrößte Vermögensverwalter hat im vierten Quartal seinen Gewinn um 20 Prozent gesteigert. Die zunehmende Aktivität an den Finanzmärkten habe das verwaltete Vermögen auf ein Rekordhoch getrieben, teilte Blackrock mit. Der bereinigte Nettogewinn stieg im Schlussquartal 2020 auf 1,57 Milliarden Dollar, verglichen mit 1,31 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Das verwaltete Vermögen kletterte auf 8,68 Billionen Dollar von 7,81 Billionen im Vorjahreszeitraum. Die gesamten Nettozuflüsse betrugen im vierten Quartal 126,93 Milliarden Dollar und waren damit etwas niedriger als die 128,7 Milliarden Dollar im Vorjahr. Anleger nahmen nach den Zahlen Gewinne mit, die Aktie war zuletzt auf Rekordkurs gelaufen.

Delta-Airlines zuversichtlich für 2021

Der Geschäftseinbruch durch die Corona-Pandemie hat der US-Fluggesellschaft Delta im abgelaufenen Jahr einen zweistelligen Milliardenverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von fast 12,4 Milliarden US-Dollar (10,2 Mrd Euro) nach einem Gewinn von 4,8 Milliarden ein Jahr zuvor, wie der Lufthansa-Konkurrent am Donnerstag in Atlanta mitteilte. Delta-Chef Ed Bastian hofft nun, die Airline mit weiteren milliardenschweren Staatshilfen durch die Krise zu bringen: "Ich bin optimistisch, dass es ein Jahr der Erholung und ein Wendepunkt wird." An der New Yorker Börse legen die Aktien zu.

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