Gut gelaunter Händler an der New Yorker Börse
Marktbericht

Silber fällt, Aktien steigen Gute Stimmung an den Börsen

Stand: 02.02.2021 23:23 Uhr

Der "Zocker-Krieg" an den Finanzmärkten ist vorerst beendet. Am Dienstag erholten sich die Aktienkurse weltweit. Das neue Spekulationsobjekt Silber verlor dagegen an Glanz.

Wie gewonnen, so zerronnen: Gestern noch hatte der Silberpreis je Feinunze (31,1 Gramm) mit 30,10 Dollar ein Acht-Jahres-Hoch erreicht. Heute endete der Höhenflug jäh. Das Edelmetall verbilligte sich um rund sieben Prozent auf 26,80 Dollar. Silber hatte sich zuletzt verstärkt zu einem Spekulationsobjekt am Finanzmarkt entwickelt. Marktbeobachter sahen die Preisrally, die am vergangenen Donnerstag begonnen hatte, im Zusammenhang mit konzertierten Aktienkäufen von Privatanlegern, die sich in Internetforen organisiert haben. Vor den starken Kursbewegungen beim Silberpreis war es zu extremen Ausschlägen bei Aktien von angeschlagenen Firmen wie Gamestop oder der Kinokette AMC gekommen.

Silber-Höhenflug jäh beendet

Eine über Social-Media-Kanäle gesteuerte Kursbewegung sei nicht nachhaltig, meinte Analyst Gavin Wendt vom australischen Analysehaus Minelife. Es gebe einen großen Unterschied, ob man die Kursentwicklung einzelner Aktien oder eines Rohstoffs beeinflussen wolle. Auch Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank zeigte sich erleichtert. "Offensichtlich erwies sich der Silbermarkt für manch einen Privatanleger schwieriger zu knacken als manche Aktien."

Auch bei Gamestop entwich die Luft aus der Spekulationsblase. Die Aktien sackten weitere 52 Prozent ein, nachdem sie bereits am Montag um 30 Prozent abgesackt waren. Die Papiere von AMC brachen um 43 Prozent ein.

Wall Street im Aufwind

Die Nervosität an den Börsen, die durch den Aufstand der Kleinanleger gegen Hedgefonds geschürt worden war, scheint inzwischen verflogen zu sein. Am Dienstag ging es sehr entspannt zu an der Wall Street. Der Dow Jones legte um 1,6 Prozent auf 30.687 Punkte zu. Der technologielastige Nasdaq rückte 1,6 Prozent auf 13.612 Zähler vor, und der breit gefasste S&P 500 gewann 1,4 Prozent auf 3826 Stellen.

Amazon-Chef Bezos zieht sich zurück

Nach Börsenschluss sorgten die "Big Techs" für Furore. Amazon gab den Rückzug von Konzernchef und -gründer Jeff Bezos von der Firmenspitze bekannt. Im dritten Quartal werde er die Führung an den derzeitigen Chef der Cloud-Sparte AWS, Andy Jassy, abtreten und dann an die Spitze des Verwaltungsrats wechseln. Im vierten Quartal knackte der weltgrößte Online-Händler erstmals die Umsatz-Marke von 100 Milliarden Dollar dank des Bestell-Booms in der Corona-Krise. Die Erlöse schnellten um 44 Prozent auf 125,6 Milliarden Dollar. Den Nettogewinn konnte Amazon auf 7,2 Milliarden Dollar deutlich mehr als verdoppeln. Im gesamten Geschäftsjahr 2020 verdiente der Konzern 21,3 Milliarden Dollar - so viel wie nie.

Alphabet setzt rasanten Erfolgskurs fort

Überraschend gut schnitt auch der Google-Konzern Alphabet ab. Der Umsatz kletterte im vergangenen Quartal um 23,5 Prozent auf 56,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn erhöhte sich gar um fast 43 Prozent auf gut 15,2 Milliarden Dollar. Die Werbung bei der Google-Suche und auf der Videoplattform Youtube blieb ein lukratives Geschäft. Die Alphabet-Aktien machten nachbörslich einen Sprung um fünf Prozent nach vorn.

Produktive Gespräche zum US-Hilfspaket

Nach ersten offenbar guten Gesprächen will der neue US-Präsident Joe Biden mit Senatoren der oppositionellen Republikaner über sein knapp zwei Billionen Dollar schweres Hilfspaket weiter verhandeln. Das gestrige Gespräch im Weißen Haus sei "exzellent" und "sehr produktiv" gewesen, sagte eine Senatorin. "Ein Kompromiss wäre mittelfristig eine große Stütze für die Finanzmärkte, weil es eine Erholung der Konjunktur ermöglicht", sagte Francois Savary, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Prime Partners.

DAX erholt sich weiter

Im Sog der freundlichen Wall Street setzte der DAX seine Erholung fort. Der deutsche Leitindex schloss 1,6 Prozent höher bei 13.833 Punkten und machte einen Großteil der Verluste der vergangenen Woche wett. Am Freitag war der DAX bis auf 13.432 Zähler zurückgefallen.

Helaba verweist auf "Monatsanfangseffekt"

Ein weiterer Grund für die kräftige Erholung an den Börsen könnte der "Monatsanfangseffekt" sein. Laut Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba stiegen die Börsen typischerweise und statistisch belegbar regelmäßig zum Monatsanfang. Dies hänge unter anderem mit dem Mittelzufluss von Investmentfonds zusammen.

Pfund steigt, Euro fällt

Am Devisenmarkt erreichte das Pfund Sterling ein Neun-Monats-Hoch von 1,1368 Euro. Dank der Fortschritte bei den Coronavirus-Massenimpfungen hoben die Volkswirte der ING Bank ihre Wachstumsprognosen für Großbritannien an. Nach ihrer Einschätzung ist das Pfund zum Euro sieben Prozent unterbewertet. Parallel dazu fiel die Gemeinschaftswährung auf ein Zwei-Monats-Tief von 1,2025 Dollar. Hierzulande seien die Aussichten düsterer, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. "Denn die Impfkampagnen laufen sehr schleppend, weshalb die Lockdowns verlängert und teilweise sogar verschärft werden." Dies werde sich in den anstehenden Konjunkturdaten niederschlagen.

Scholz stellt Bafin neu auf

Für Gesprächsstoff sorgte am Dienstag auch die Neuordnung der Bafin. "Ich will eine Finanzaufsicht mit Biss, ich will eine harte Kontrolle der Finanzmärkte", kündigte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) an. Die Bafin soll künftig mit Experten für Wirtschaftsprüfung und Bilanzanalyse verstärkt werden. Scholz plant außerdem, dass eine sogenannte Fokusaufsicht in Zukunft die Kontrolle über komplexe Unternehmen aus einer Hand übernimmt. Im Fall Wirecard war die Bafin formal nur für einen Teil des Unternehmens, die Wirecard Bank, verantwortlich gewesen. Mehrere Behörden stritten um die Zuständigkeit für den Gesamtkonzern.

BaFin Frankfurt | Unternehmen

BaFin Frankfurt Bild: Unternehmen

Um selbst Sonderprüfungen durchführen zu können, soll die Bafin zudem eine Taskforce mit besonders ausgebildeten Spezialisten bekommen, eine Art schnelle Eingreiftruppe bei Verdachtsfällen. Auch Hinweise von Analysten, Shortsellern und Journalisten auf mögliche Unregelmäßigkeiten in Unternehmen sollen künftig ernster genommen werden. In der vergangenen Woche mussten Bafin-Chef Felix Hufeld und Vizechefin Elisabeth Roegele ihren Hut nehmen - nur wenige Tage nachdem die Bafin den Verdacht geäußert hatte, ein Mitarbeiter könnte dank Insiderwissen mit Wirecard-Papieren Geschäfte gemacht haben.

Autoaktien ziehen DAX hoch

Zu den größten DAX-Gewinnern zählten Auto- und Autozulieferer-Aktien, allen voran Conti und VW. Laut Ingo Koczwara, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz, behaupten sich die klassischen Zykliker in der Krise erstaunlich gut. Zu diesem Kreis zählt er auch Daimler und Volkswagen, die zuletzt mit starken Eckdaten für das abgelaufene vierte Quartal überzeugten. "Das liegt wieder einmal am Wachstumsmarkt China, in dem die Pandemie längst überwunden ist und die Wirtschaft brummt", so der Experte.

Fresenius-Tochter stürzt ab

Dagegen erlebte Fresenius Medical Care (FMC) einen schwarzen Tag im DAX. Die FMC-Aktie brach zeitweise um 15 Prozent ein. Die erhöhte Sterblichkeit von Blutwäschepatienten im Zusammenhang mit Covid-19 dürfte den Dialyseanbieter FMC im neu angelaufenen Geschäftsjahr schwer belasten. Das Unternehmen warnte vor einem Gewinnrückgang um bis zu einem Viertel. Auch der Mutterkonzern Fresenius leidet unter dieser Entwicklung. Die Aktien sackten um drei Prozent ab.

Siemens Energy baut viele Stellen ab

Der Energietechnikkonzern Siemens Energy streicht bis zum Jahr 2025 rund 7800 seiner weltweit gut 90.000 Arbeitsplätze. Betroffen sei die Sparte Gas and Power. In Deutschland sollen 3000 Arbeitsplätze wegfallen, die Standorte blieben aber bestehen. Das im MDAX notierte Unternehmen will bis 2023 eine bereinigte Ebita-Marge vor Sondereffekten von 6,5 Prozent bis 8,5 Prozent erreichen. Im ersten Quartal lag dieses Profitabilitätsmaß bei 5,6 Prozent. Unter dem Strich fuhr das Unternehmen einen Gewinn von 99 Millionen Euro ein. Die Aktien gaben leicht nach.

Analysten treiben Airbus-Aktie

Zweitgrößter Gewinner im MDAX hinter Shop-Apotheke war Airbus mit einem Plus von 6,5 Prozent. Positive Studien von zwei US-Investmentbanken gaben Auftrieb. Morgan Stanley erhöhte das Kursziel für die Aktien um mehr als die Hälfte auf 112 Euro und riet zum Kauf der Anteilscheine. Die Experten der Citigroup machten mit einem auf 102 Euro erhöhten Kursziel mehr als 20 Prozent Aufwärtspotenzial aus und bekräftigten ihre Kaufempfehlung. Beide Banken verwiesen auf voraussichtlich höhere Auslieferungen im neuen Jahr, womit der Abfluss von Barmitteln zurückgehen dürfte.

Solar- und Bauboom helfen Wacker Chemie

Der Chemiekonzern Wacker ist im vergangenen Jahr im operativen Geschäft nur leicht hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Das operative Ergebnis sank um 15 Prozent. Ohne einen Sonderertrag ein Jahr zuvor hätte es fast auf Vorjahresniveau gelegen. Die starke Nachfrage nach Polysilizium und aus der Bauindustrie im zweiten Halbjahr habe den Rückstand des ersten halben Jahres nicht ganz wettmachen können, hieß es.

Nemetschek empfohlen

Die Aktien des Bausoftwareunternehmens Nemetschek stiegen im TecDAX überdurchschnittlich. Die Commerzbank hat den Wert von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 63 auf 70 Euro angehoben. Wer nach Profiteuren der Digitalisierung mit zunehmender Dynamik in der zweiten Jahreshälfte suche, sei in der deutschen Softwarebranche richtig, schrieb die Bank in einer Studie. Den Bausoftwarespezialisten zählt sie zu den Wachstumswerten, die entweder kaum unter Corona litten oder sogar zu den Gewinnern gehören.

IPO von Auto1 bringt 1,8 Milliarden Euro

Der Weg für den größten deutschen Börsengang seit fast einhalb Jahren ist frei: Die Aktien des Berliner Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1 wurden zu 38 Euro zugeteilt - am oberen Ende der Preisspanne von 32 bis 38 Euro. Das Interesse der Investoren sei überwältigend gewesen, erklärte Mitgründer und Vorstandschef Christian Bertermann. Das Volumen des IPO dürfte bei 1,8 Milliarden Euro liegen. Auto1 wird mit bis zu 7,9 Milliarden Euro bewertet.

Auto1 Group Gründer Christian Bertermann (l) und Hakan Koc

Impfstoff bringt Pfizer einen kräftigen Schub

Der mit dem Mainzer Biotechunternehmen BioNTech entwickelte Covid-19-Impfstoff sorgt beim US-Pharmakonzern Pfizer für einen Umsatzsprung. Pfizer erwartet alleine vom Corona-Impfmittel in diesem Jahr einen Umsatz von rund 15 Milliarden Dollar. Für 2021 rechnet der Pharmariese insgesamt mit einem Umsatz von von 59,4 bis 61,4 Milliarden Dollar - das wäre ein Zuwachs von bis zu 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im vergangenen Jahr setzte Pfizer noch 41,9 Milliarden um. Der bereinigte Gewinn stieg um 16 Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar. Die Pfizer-Aktien fallen um zwei Prozent.

Panasonic will mit Tesla Geld verdienen

Der japanische Elektronikkonzern Panasonic will nun endlich Profit aus der langjährigen Partnerschaft mit Tesla ziehen. "Ab dem kommenden Jahr stellt sich für uns die Frage nicht mehr, ob das Geschäft profitabel ist oder nicht", sagte Finanzchef Hirokazu Umeda. Panasonic baut seit einem Jahrzehnt Batterien für den Elektroautobauer. Panasonic hat im dritten Geschäftsquartal 2020/21 dank höherer Nachfrage seinen Gewinn kräftig gesteigert und seinen Ausblick angehoben.

Massiver Gewinneinbruch bei BP

Der britische Ölkonzern BP hat auch im vierten Quartal die im längerfristigen Vergleich niedrigen Öl- und Gaspreise zu spüren bekommen. Der bereinigte Überschuss brach von Oktober bis Dezember im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 2,57 Milliarden auf nur 115 Millionen US-Dollar ein. Im Gesamtjahr verbuchte BP wegen Abschreibungen auf Bilanzposten angesichts auf lange Sicht zu erwartender sinkender Energiepreise einen Verlust von 5,7 Milliarden Dollar.

Milliardenverluste bei ExxonMobil

Noch härter traf es ExxonMobil. Der größte US-Ölmulti hat im vierten Quartal wegen enormer Abschreibungen auf Gasanlagen tiefrote Zahlen geschrieben. 2020 schloss der Konzern mit dem größten Verlust seit mehr als vier Jahrzehnten ab. Insgesamt fiel auf Jahressicht ein Minus von 22,4 Milliarden Dollar an. Alleine in den drei Monaten bis Ende Dezember betrug der Verlust 20,1 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte Exxon noch 5,7 Milliarden Dollar Gewinn gemacht.  

Exxon-Tankstelle in New York | Quelle: picture-alliance/dpa

Exxon-Tankstelle in New York Bild: Quelle: picture-alliance/dpa

Weniger Bestellungen bei Boeing?

Der US-Flugzeugbauer Boeing muss wegen der erneuten Verzögerungen bei der Entwicklung seines Großraumjets 777X um mehr als ein Drittel seiner Bestellungen für das Modell fürchten. Der Konzern bezifferte seinen Auftragsbestand auf nur noch 191 Maschinen des Typs, 38 Prozent weniger als auf der Website des Konzerns genannt. Boeing erklärte den verringerten Auftragsbestand mit einer Bilanzierungsregel, nach der der Konzern gefährdete Bestellungen von der Liste nehmen müsse.

UPS boomt beim Umsatz

Dem amerikanischen Paketdienst UPS hat der Bestellboom im Internet vor Weihnachten überraschend viel Geschäft beschert. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um rund 14 Prozent auf 84,6 Milliarden US-Dollar. Hohe Rückstellungen für die Pensionen der Mitarbeiter und Abschreibungen im Frachtgeschäft sorgten allerdings unter dem Strich für einen Gewinnrückgang um zwei Drittel.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Februar 2021 um 12:00 Uhr.