Gut gelaunter Händler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

Aufatmen nach Bundestagswahl Mit kleinen Gewinnen in die Börsenwoche

Stand: 27.09.2021 22:08 Uhr

Das Bundestagswahlergebnis hat am deutschen Aktienmarkt für Erleichterung gesorgt. Der DAX schloss etwas fester. An der Wall Street dagegen hielten sich die Anleger zurück.

Die Befürchtungen der Wirtschaft vor einem Linksruck in Deutschland sind ausgeblieben. Dementsprechend groß war am Montag das Aufatmen auf dem Frankfurter Börsenparkett. Laut dem DZ-Bank-Anlagestrategen Christian Kahler wäre ein Linksbündnis die einzige wirkliche Belastung für den Aktienmarkt gewesen, dieses zählt aber nun nicht mehr zu den Optionen.

Der DAX stieg zeitweise um über ein Prozent auf mehr als 15.600 Punkte. Im Laufe des Tages ebbte die Freude über den Wahlausgang dann wieder ab. Letztlich wahrte der deutsche Leitindex noch ein Plus von 0,35 Prozent.

Jamaika oder Ampel? Egal!

Für deutsche Aktien mache es nun kaum einen Unterschied, ob es zu einer schwarz-grün-gelben, einer rot-grün-gelben oder gar einer großen Koalition komme. "Unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen bleibt Deutschland ein politisch sicherer Hafen in Europa", sagte der Experte. Dies sei wichtig vor allem für ausländische Investoren.

Politische Börsen haben kurze Beine

Die Anleger schließen nicht aus, dass es bei der Regierungsbildung abermals zu einer wochenlangen Hängepartie kommt wie nach der Wahl 2017. Doch wie auch immer die künftige neue Regierung aussieht, sollten Anleger stets daran denken, dass politische Börsen kurze Beine haben.

Wall Street schließt uneinheitlich

Leichter Gegenwind kam von der Wall Street. Der Dow Jones konnte seine anfänglichen Gewinne nicht halten. Er beendete den Tag 0,2 Prozent fester. Zeitweise war er über 35.000 Punkte gestiegen. Der breiter gefasste S&P 500 schloss 0,3 Prozent tiefer. Der Nasdaq 100 rutschte nach der jüngsten Erholungsrally gar um 0,5 Prozent ab.

Jetzt rückt die Evergrande-Krise wieder in den Blick

Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich nun wieder auf die zuletzt am Markt dominierenden Themen: die nahende geldpolitische Straffung in den USA, der zunehmende Inflationsdruck und die Schieflage des chinesischen Immobilienriesen Evergrande. Die Furcht vor einem Börsenbeben bei einem Zusammenbruch von Evergrande schwinde offenbar, sagte Analyst Kyle Rodda vom Brokerhaus IG. Die Experten der Bank JPMorgan gehen davon aus, dass die Regierung in Peking den Schuldenabbau in der Branche vorantreiben, gleichzeitig aber Ansteckungseffekte begrenzen wird.

Elektroauto-Tochter von Evergrande in Bedrängnis

Dabei kamen von Evergrande zuletzt eher beunruhigende Nachrichten. Am Freitag nach Börsenschluss hatte die Elektroauto-Tochter des Konzerns vor einem Liquiditätsengpass gewarnt. Am Sonntag teilte Evergrande New Energy Vehicle (NEV) mit, die finanziellen Schwierigkeiten des Mutterkonzerns hätten "nachteilige Auswirkungen" auf die geplante Massenproduktion von Elektroautos.

Ölpreise auf Dreijahres-Hoch

Die rasant steigenden Ölpreise bremsen die gute Stimmung an den Börsen. Die Sorte Brent aus der Nordsee gewinnt aktuell 1,9 Prozent. In der Spitze wurden für ein Barrel (159 Liter) 79,54 Dollar bezahlt - so viel wie zuletzt vor drei Jahren.

"Das aktuelle Angebotsdefizit ist höher, als wir erwartet hatten", schreiben die Analysten der Bank Goldman Sachs. Die Nachfrage erhole sich von den Folgen der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus schneller als gedacht. Daher trauen sie Brent bis zum Jahresende einen Preis von 90 statt 80 Dollar je Barrel zu.

Ein solcher Anstieg hat das Zeug dazu, die Aufwärtsbewegung an den internationalen Börsen abzuwürgen, könnte er doch neue Inflations- und damit Zinsspekulationen schüren.

Euro zeitweise unter 1,17 Dollar

Der Euro büßte leicht ein und rang mit der Marke von 1,17 Dollar. Der Ausgang der Bundestagswahl sei für den Devisenmarkt "aktuell (noch) kein Thema", betonte Ulrich Leuchtmann, Devisen-Experte der Commerzbank.

Goldpreis dreht ins Plus

Der Goldpreis drehte nach einem Auf und Ab ins Plus. Der Preis für eine Feinunze des gelben Edelmetalls stieg um 0,2 Prozent auf 1753 Dollar. In der Vorwoche war der Goldpreis bis auf 1737 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit über einem Monat gefallen.

Vonovia hält Mehrheit an Deutsche Wohnen

Größter DAX-Gewinner ist Vonovia mit einem Plus von vier Prozent. Der größte deutsche Immobilienkonzern hat die Aktienmehrheit am Konkurrenten Deutsche Wohnen erreicht. Bis zum späten Freitag habe sich die Vonovia 50,49 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der Deutsche Wohnen gesichert, teilte der Bochumer Immobilienkonzern am Montag mit. Für Vonovia ist es bereits der dritte Anlauf, die Nummer 2 unter den deutschen Vermietern zu übernehmen. Das Enteignungs-Votum in Berlin macht den Vonovia-Aktien nicht zu schaffen.

BASF rechnet mit China-Schub

Der Chemiekonzern BASF rechnet mit deutlichen Zuwächsen in China. Allein der neue große Produktionsstandort im südchinesischen Zhanjiang soll 2030 vier bis fünf Milliarden Euro zum Umsatz beitragen, sagte Unternehmenschef Martin Brudermüller auf einer Investorenkonferenz in Ludwigshafen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro betragen. Insgesamt will der Konzern acht bis zehn Milliarden Euro in den neuen Standort investieren.

Allianz mit US-Lebensversicherungspaket im Fokus

Europas größter Versicherer will sich Insidern zufolge von einem großen Lebensversicherungsbestand in den USA trennen. Damit könnte die Allianz mehrere Milliarden US-Dollar an Kapital freilegen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg und berief sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen.

Grüne Aktien gefragt

Die Aussicht auf eine künftige Regierungsbeteiligung der Grünen sorgt für Kursgewinne bei Öko-Aktien. Die Titel von Siemens Energy verteuern sich um knapp drei Prozent. Die Aktien des Windkraft- und Solarparkentwicklers Encavis ziehen um über drei Prozent an. Auch für den Windanlagenbauer Nordex geht es um rund ein Prozent nach oben.

Übernahmekampf um Zooplus tobt weiter

Im Kampf um Zooplus hat der Investor EQT den Konkurrenten Hellman & Friedman (H&F) überboten. EQT bietet Zooplus zufolge 470 Euro je Aktie und damit zehn Euro mehr als H&F. Das MDAX-Unternehmen begrüßte die Offerte von EQT. Das Aktienkapital des Online-Tierbedarfshändlers wird bei dem Gebot mit insgesamt rund 3,6 Milliarden Euro bewertet.

Laserspezialist LPKF kappt Quartalsprognose

Der Laserspezialist LPKF rechnet wegen Engpässen bei der Logistik mit weniger Umsatz und Gewinn im dritten Quartal. Mehrere bereits fertige Systeme könnten voraussichtlich erst Anfang des vierten Quartals nach China ausgeliefert werden. Dazu trage auch eine Verzögerung bei einem Projekt in China bei. Die Prognosen für das Gesamtjahr blieben jedoch unverändert.

Sixt: steigende Preise für Mietautos

Mietautos kosten nach Branchenangaben wegen der Produktionsengpässe bei den Autobauern jetzt deutlich mehr. "In Deutschland liegen wir im Moment im Durchschnitt zehn bis 20 Prozent über den Preisen von 2019", sagte eine Sprecherin des größten deutschen Autovermieters Sixt. Für 2022 seien die Auswirkungen der Lieferengpässe der Autobauer auf das Angebot der Vermieter und die Entwicklung der Marktpreise schwer abzusehen.

Caryle hat 80 Prozent an Schaltbau

Der US-Finanzinvestor Carlyle hat sich bei der angestrebten Übernahme des Münchner Verkehrstechnikspezialisten Schaltbau nach eigenen Angaben 79,8 Prozent der Aktien gesichert. Die verbleibenden Schaltbau-Aktionäre hätten nun noch eine weitere zeitlich befristete Gelegenheit, das Übernahmeangebot anzunehmen, teilte Carlyle am Montagabend in München weiter mit. Die weitere Annahmefrist beginne am 28. September 2021 und ende am 11. Oktober 2021 um Mitternacht. Vorstand und Aufsichtsrat von Schaltbau empfehlen den Angaben zufolge die Annahme des Angebots.

Gazprom laut Kreml bereit für Erhöhung der Gaslieferungen

Der russische Gasriese Gazprom ist Angaben des Kreml zufolge theoretisch zu einer Steigerung seiner Gaslieferungen nach Europa bereit. "Ist Gazprom bereit, weiter und weiter Verträge abzuschließen? Gazprom ist daran interessiert", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Sonntag im russischen Staatsfernsehen. "Denn unsere Verbraucher in Europa sind unsere wichtigsten Partner."