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Marktbericht

Neue Kursrekorde in New York Tech-Riesen begeistern die Wall Street

Stand: 29.04.2021 22:50 Uhr

Der Biden-Plan sowie Milliardengewinne der "Big Techs" Facebook, Apple und Amazon haben heute der Wall Street neuen Schwung gebracht. Der Chipmangel in der Autobranche bremste dagegen den DAX.

Was hat Island mit Apple gemeinsam? Das Bruttoinlandsprodukt der nördlichen Insel entspricht in etwa dem, was der iPhone-Hersteller Apple im ersten Quartal an Gewinn erwirtschaftet hat: nämlich fast 24 Milliarden Dollar. Der Überschuss fiel gut doppelt so hoch aus wie ein Jahr zuvor. Den Umsatz steigerte der iPhone-Konzern um satte 54 Prozent auf 89,6 Milliarden Dollar. Apples Zahlen im vergangenen Quartal waren so stark wie früher nur im Weihnachtsgeschäft.

Geldregen bei Facebook

Ähnlich rasant verlief das Wachstum bei Facebook. Der Umsatz des weltgrößten Online-Netzwerks stieg im ersten Quartal um 48 Prozent auf knapp 26,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn verdoppelte sich nahezu auf 9,5 Milliarden Dollar. Facebook profitierte von mehr Werbung und höheren Anzeigenpreisen auf der Plattform.

Amazon verdreifacht Gewinn

Den starken Zahlenreigen komplettierte heute nach US-Börsenschluss Amazon. Der weltgrößte Online-Händler konnte den Gewinn um mehr als das Dreifache auf den Rekordwert von 8,1 Milliarden Dollar erhöhen. Dank des anhaltenden Internet-Shoppingbooms und der florierenden Cloud-Dienste kletterte der Umsatz um 44 Prozent auf 108,5 Milliarden Dollar. Damit übertraf der Online-Riese die Markterwartungen deutlich. Die Aktie reagierte nachbörslich zunächst mit einem Kurssprung um gut fünf Prozent.

Wall Street im Rekordrausch

Diese verblüffenden Bilanzen der "Geldmaschinen" Apple, Amazon und Facebook bescherten der Wall Street neue Rekorde. Der breit gefasste S&P 500 sprang auf über 4.200 Punkte, und die technologielastige Nasdaq rückte um 0,2 Prozent auf 14.082 Zähler vor. Auch der eher mit Standardwerten besetzte Dow Jones machte einen Sprung um 0,7 Prozent nach oben und eroberte die Marke von 34.000 Punkten zurück.

US-Wirtschaft läuft wieder auf Hochtouren

Zusätzlichen Rückenwind gaben neue vielversprechende Konjunkturdaten. Die US-Wirtschaft beschleunigte in den ersten drei Monaten des Jahres ihr Tempo und wuchs um 6,4 Prozent - auf das Jahr hochgerechnet 6,4 Prozent. Damit hängten die USA Europa klar ab, wo Lockdowns den Aufschwung bremsten. Im vierten Quartal hatte das BIP-Plus noch bei 4,3 Prozent annualisiert gelegen.

Biden verspricht größten Job-Plan seit dem Zweiten Weltkrieg

US-Präsident Joe Biden versprach in seiner Rede in der Nacht zum Donnerstag das höchste Wirtschaftswachstum "seit fast vier Jahrzehnten". Der Demokrat warb für sein zwei Billionen Dollar teures Infrastrukturpaket mit dem Namen "Amerikanischer Job-Plan": "Das ist der größte Plan für Arbeitsplätze seit dem zweiten Weltkrieg." Er werde das Land modernisieren, Millionen gutbezahlter Arbeitsplätze schaffen und zugleich einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.

Zudem hält die US-Notenbank an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Die Fed hält die Erholung der Wirtschaft noch nicht für ausreichend, um eine geldpolitische Straffung zu rechtfertigen. Das drückte den US-Dollar etwas. Der Euro notierte am Abend bei 1,2125 Dollar.

Kupfer über 10.000 Dollar

Der Konjunkturoptimismus spiegelt sich auch in den Rohstoffpreisen wider. So verteuerte sich die US-Ölsorte WTI um 1,4 Prozent auf 64,75 Dollar je Barrel (159 Liter). Das Vertrauen in eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft von den Folgen der Coronavirus-Pandemie sei ungebrochen, sagte Analyst Tamas Varga vom Brokerhaus PVM. Kupfer stieg nach den US-Konjunkturdaten um bis zu 1,3 Prozent auf ein Zehn-Jahres-Hoch von 10.008 Dollar je Tonne.

DAX verliert an Kraft

Nach Europa und Deutschland schwappte die Rekordrally der Wall Street nicht über. Der DAX gab um 0,9 Prozent auf 13.154 Punkte nach. Nun muss er um seine Monatsgewinne bangen. Bisher hat er im April rund 100 Zähler zugelegt. Zeitweise notierte er mit 15.502 Punkten so hoch nie.

Angst vor dem Mai?

Inzwischen wird die Luft dünner. Ist das die Angst vor dem Mai? Eine alte Börsenregel besagt: "Sell in May and go away". Das heißt: Anleger sollten spätestens im Mai ihre Aktien verkaufen und erst wieder später im Herbst einsteigen. Tatsächlich hat der DAX in diesem Jahr schon kräftig zugelegt - um gut zwölf Prozent.

Deutsche Inflation bei 2,0 Prozent

Höhere Energiekosten haben die Verbraucherpreise in Deutschland im April so stark steigen lassen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 2,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, gab das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekannt. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg auf 1,9 Prozent gerechnet, nachdem die Inflationsrate im März noch 1,7 Prozent betragen hatte. "Die magische Zwei vor dem Komma ist da", erklärte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch die Entwicklung. Das dürfte die Inflationsdiskussion weiter befeuern.

BioNTech vor nächster Impfstoffzulassung

Der deutsche Impfstoffhersteller BioNTech und sein US-Partner Pfizer wollen in Kürze die Zulassung ihres Corona-Vakzins für Kinder ab zwölf Jahren in der EU beantragen. Das Mittel ist in der EU und in den USA erst für Menschen ab 16 Jahren bedingt zugelassen. Die beiden Unternehmen hatten kürzlich mitgeteilt, dass eine klinische Studie in der Altersgruppe von zwölf bis 15 Jahren in den USA eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt habe.

Moderna will deutlich mehr Impfstoff produzieren

Der US-Pharmakonzern Moderna erhöht seine Produktion von Corona-Impfstoff und will allein in diesem Jahr bis zu eine Milliarde Dosen ausliefern, anstatt bisher 700 Millionen. Im kommenden Jahr sollen es bis zu drei Milliarden Impfdosen sein, wie das Unternehmen mitteilte. Das sind mehr als doppelt so viel wie bislang angepeilt.

Ford-Warnung drückt Autoaktien

Zu den größten Kursbremsen im DAX zählten die Autoaktien. Die Titel von VW büßten drei Prozent ein, die Papiere von Conti gar 4,4 Prozent. Grund waren Aussagen des Wettbewerbers Ford. Der weltweite Chipmangel wird den Konzern wohl im laufenden zweiten Quartal die Hälfte der Produktion kosten.

BASF traut sich mehr zu

Die Aktien von BASF sanken um 0,5 Prozent. Eine gestiegene Nachfrage und höhere Preise haben dem Chemiekonzern einen guten Jahresstart beschert. Für das Gesamtjahr erhöhte der weltgrößte Chemiekonzern seine Ziele deutlich: VEr erwartet nun einen Umsatzanstieg auf 68 bis 71 Milliarden Euro und ein bereinigtes operatives Ergebnis von 5,0 bis 5,8 Milliarden Euro. Bisher hatte BASF einen Umsatz von 61 bis 64 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ergebnis von 4,1 bis 5,0 Milliarden erwartet.

Erneuter Milliardenverlust bei der Lufthansa

Die anhaltende Krise im Luftverkehr hat die Bilanz der Lufthansa im ersten Quartal erneut tiefrot gefärbt. Von Januar bis März schrieb der Konzern unter dem Strich einen Verlust von einer Milliarde Euro - bei einem Umsatzeinbruch um 60 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro. Die Aktien sackten um über drei Prozent ab.

Airbus fliegt in die Gewinnzone

Dagegen ist der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus trotz der anhaltenden Luftfahrt-Krise mit schwarzen Zahlen ins Jahr 2021 gestartet. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 362 Millionen Euro - nach einem Verlust von 481 Millionen ein Jahr zuvor. In den Daten spiegelten sich die stabile Zahl von Flugzeugauslieferungen, die Sparmaßnahmen und die Beiträge aus dem Rüstungs- und Hubschrauber-Geschäft wider, erklärte Vorstandschef Guillaume Faury. Die Airbus-Aktien gehörten zu den MDAX-Gewinnern.

Fielmann trotzt der Pandemie

Der Optiker-Konzern Fielmann ist trotz pandemiebedingter Einschränkungen im ersten Quartal gewachsen. Der Konzernumsatz stieg um acht Prozent auf rund 382 Millionen Euro. Dabei profitierte Fielmann auch von der Übernahme der in Spanien erworbenen Kette Optica & Audiologia Universitaria. Unter dem Strich verdienten die Hamburger mit 28,5 Millionen Euro deutlich mehr als im Vorjahr. Anleger reagierten dennoch enttäuscht. Die Aktien von Fielmann fielen um fast fünf Prozent.

Zwiespältige Nachrichten von Aixtron

Mit einem Einbruch von fast zehn Prozent war Aixtron abgeschlagenes Schlusslicht im MDAX. Der LED- und Chipindustrieausrüster hat zwar den Gewinnausblick angehoben, konnte die hoch gesteckten Erwartungen an das erste Quartal aber nicht ganz erfüllen. Zudem gab es einen Rückschlag beim Hoffnungsträger Oled-Projekt. Der Hightech-Maschinenbauer erwartet für 2021 eine Ebit-Marge von rund 18 Prozent. Zuvor hatte Aixtron mit rund 16 Prozent gerechnet.

Drägerwerk mit starkem Jahresstart

Die Aktien von Drägerwerk legten im SDAX um gut 0,5 Prozent zu. Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern ist dank der starken Nachfrage vor allem nach Beatmungsgeräten und Atemschutzmasken mit einen Gewinn ins neue Jahr gestartet. Der Quartalsüberschuss habe im ersten Quartal 82,8 Millionen Euro betragen, teilte der SDAX-Konzern mit. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 6,7 Millionen Euro ausgewiesen.

Fuchs Petrolub hebt Prognose an

Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub hebt nach einem guten ersten Quartal seine Jahresziele an. Das Management erwartet nun für 2021 einen Umsatz zwischen 2,7 und 2,8 Milliarden Euro. Das wäre mehr als vor der Corona-Krise. Zuvor hatte Fuchs Petrolub noch mit 2,6 Milliarden Euro die Marke aus dem Jahr 2019 angepeilt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern will der Konzern in diesem Jahr auf 330 bis 340 Millionen Euro steigern. Die Aktien rutschten um 2,6 Prozent ab.

Nemetschek wächst kräftig

Top-Gewinner im TecDAX war Nemetschek. Der Spezialist für Bau- und Planungssoftware hat im ersten Quartal den Umsatz um acht Prozent auf 158 Millionen Euro gestiegert. Getrieben hätten das Wachstum vor allem wiederkehrende Umsätze aus Softwareserviceverträgen und Mietmodellen, hieß es. Der operative Ergebnis legte um knapp 19 Prozent zu auf 49,6 Millionen Euro zu.

Gewinnsprung von KlöCo

Der Stahlhändler Klöckner & Co. hat im ersten Quartal dank höherer Preise sein Konzernergebnis auf 86 Millionen Euro vervierfacht. Damit sei man mit dem besten Quartalsergebnis seit über zwölf Jahren gestartet, gab das SDAX-Mitglied bekannt.

Nokia besser als gedacht

Im Ausland feierten Anleger starke Zahlen von Nokia. Die Aktie schoss um acht Prozent nach oben. Der finnische Netzwerkausrüster hat zum Jahresauftakt besser abgeschnitten als erwartet. Der Umsatz kletterte im ersten Quartal angetrieben vom 5G-Ausbau um drei Prozent auf 5,08 Milliarden Euro. Die Analystenschätzungen lagen bei 4,72 Milliarden Euro. Das Ergebnis stieg auf fünf Cent je Aktie, das bereinigte Ergebnis betrug sieben Cent je Anteilsschein. Experten hatten lediglich mit einem Cent gerechnet.

Shell schreibt wieder Gewinne

Der Ölkonzern Shell hat im ersten Quartal von einer Erholung des Ölpreise und dem im vergangenen Jahr forcierten Sparkurs profitiert. In den ersten drei Monaten verdiente Shell unter dem Strich knapp 5,7 Milliarden Dollar und kehrte damit in die schwarzen Zahlen zurück.

Kraft-Heinz verdient mehr mit Fertigmahlzeiten

Der Appetit auf Knabbereien und die Nachfrage nach Fertigmahlzeiten in der Corona-Pandemie haben das Geschäft des US-Lebensmittelriesen angekurbelt. Der Umsatz stieg im ersten Quartal auf 6,39 Milliarden Dollar - nach 6,16 Milliarden im Vorjahr. Analysten hatten mit 6,24 Milliarden gerechnet. Der Gewinn erhöhte sich deutlich auf 568 Millionen Dollar.

McDonald's wieder klar über Vorkrisen-Niveau

Die Fastfoodkette hat im ersten Quartal von gelockerten Corona-Einschränkungen und vom Finanzpaket der neuen US-Regierung profitiert. Der Gewinn kletterte von 1,11 Milliarden auf 1,54 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 5,12 Milliarden Dollar an und war damit höher als im ersten Quartal 2019 - vor der Pandemie. Analysten hatten mit einem geringeren Wachstum gerechnet. Außerhalb der USA verbuchte die Restaurantkette auch höhere Umsätze in Großbritannien, Australien und Kanada. McDonald's erhöhte seine Jahresprognose. Das Wachstum 2021 werde nun im mittleren zweistelligen Bereich erwartet.

McDonald's-Restaurant in Las Vegas

McDonald's-Restaurant in Las Vegas

Apontis Pharma will an die Börse

Das Pharmaunternehmen Apontis hat bei dem geplanten Börsengang im Mai die Preisspanne auf 18,50 Euro bis 24,50 je Aktie festgesetzt. In der Mitte der Spanne würde dies einen Nettoerlös von rund 40 Millionen Euro bedeuten, teilte das Unternehmen aus Monheim mit. Mit dem Geld will Apontis sein weiteres Wachstum finanzieren. Die Papiere sollen vom 30. April bis sechsten Mai gezeichnet werden können. Als erster Handelstag ist der 11. Mai vorgesehen.

Über dieses Thema berichtete B5 Börse am 29. April 2021 um 08:43 Uhr.