Dunkle Wolken über der Banken-Skyline von Frankfurt am Main. | dpa
Marktbericht

Aktien-Indizes im Minus Dunkle Wolken am Börsenhimmel

Stand: 06.07.2021 23:02 Uhr

An den Börsen hat sich heute die Stimmung etwas eingetrübt. Schwache Konjunkturdaten und anziehende Ölpreise zogen DAX, Dow Jones & Co nach unten. Am Abend sorgte Microsoft noch für Schlagzeilen.

Nach dem verlängerten Wochenende wegen des US-Nationalfeiertags zeigte sich die Wall Street ziemlich launisch. Der Standardwerte-Index Dow Jones rutschte um 0,6 Prozent ab. Besser schlug sich die Nasdaq. Sie hielt sich 0,2 Prozent im Plus. Zum Handelsstart war sie auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Der breiter gefasste S&P 500, der auch einen hohen Tech-Anteil enthält, sackte um 0,4 Prozent ab, nachdem er den achten Tag in Folge neue Rekordhochs markiert hatte.  

Pentagon streicht Milliarden-Auftrag an Microsoft

Im Blickpunkt standen am Abend Microsoft und Amazon. Das US-Verteidigungsministerium hat einen zehn Milliarden Dollar schweren Auftrag an den IT-Konzern Microsoft annuliert, um den sich auch der Internetriese Amazon beworben hatte. Das Projekt für den Aufbau eines Cloud-Systems namens Jedi entspreche nicht mehr den Bedürfnissen des Ministeriums, erklärte das Pentagon. Die Schritte zur Vertragsauflösung seien eingeleitet worden.

Microsoft hatte den Zuschlag für das Geschäft Ende 2019 bekommen, obwohl lange Zeit Amazon als Favorit gegolten hatte. Der Online-Riese klagte daraufhin, weil es angesichts der eher feindseligen Haltung des damaligen Präsidenten Donald Trump gegenüber dem Unternehmen politische Einflussnahme vermutete. Innerhalb des Microsoft-Konzerns hatte es zudem intern Widerstand gegen den militärischen Großauftrag gegeben. Die Amazon-Aktien legten fast fünf Prozent zu. Die Microsoft-Titel schlossen kaum verändert.

DAX auf Zweiwochen-Tief

Aufgrund fehlender Unterstützung vom großen Bruder Dow Jones schloss auch der DAX mit einem deutlichen Minus von einem Prozent und konnte sich nur knapp über 15.500 Punkten halten. Es ist der tiefste Stand seit zwei Wochen. Das Rekordhoch von über 15.800 Zähler gerät immer mehr aus dem Blickfeld.

Ölpreise steigen nach geplatzten Opec+-Gesprächen

Die anhaltende Ölpreis-Rally belastete Europas Börsen, weil die Exportindustrie unter dem teureren "schwarzen Gold" leidet. Die geplatzten Gespräche der Opec+ trieben heute den Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,9 Prozent auf 77,84 Dollar je Barrel (159 Liter), den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Die US-Sorte WTI gewann gar bis zu 2,4 Prozent und war mit 76,98 Dollar so teuer wie zuletzt im November 2014. "Es wäre nicht überraschend, wenn sich Brent der Marke von 100 Dollar nähert", meinen erste Experten.

Inflationsbarometer auf Zweieinhalb-Jahres-Hoch

Marktbeobachter Milan Cutkovic warnt vor "aufziehenden dunklen Wolken am noch sommerlichen Börsenhimmel". Komme es nun zu einem rapiden Anstieg der Ölpreise innerhalb kurzer Zeit, dürften die Inflationssorgen wieder in den Vordergrund rücken und die Börsenstimmung belasten. So zog heute das europäische Inflationsbarometer, der so genannte Five-Year-Five-Year-Forward auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch an.

Schwache Konjunkturdaten aus den USA...

Neue Konjunkturdaten enttäuschten. Laut der veröffentlichten Firmen-Umfrage des Institute for Supply Management (ISM) haben die US-Dienstleister ihr Wachstumstempo im Juni deutlicher verlangsamt als gedacht. Der betreffende Einkaufsmanager-Index fiel nach dem Rekord im Mai von 64,0 Zählern auf 60,1 Punkte. Das ist das niedrigste Niveau seit Februar.

... und Deutschland

Die deutsche Industrie hat im Mai wesentlich weniger Aufträge erhalten als einen Monat zuvor. Die Zahl der Bestellungen sei gegenüber April um 3,7 Prozent gefallen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent gerechnet.

ZEW-Index trübt sich ein

Zudem haben sich ZEW-Konjunkturerwartungen überraschend stark eingetrübt. Das Stimmungsbarometer der Experten des ZEW fiel gegenüber dem Vormonat um 16,5 Punkte auf 63,3 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte. Analysten hatten einen Rückgang auf 75,2 Punkte erwartet.

Euro fällt, Gold steigt

Am Devisenmarkt verlor der Euro an Boden. Am Nachmittag kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,1822 US-Dollar. Am Morgen war der Euro noch auf ein Tageshoch von 1,1895 Dollar gestiegen. Gefragt war dagegen Gold. Das gelbe Edelmetalll verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 1804 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Auto-Aktien schwach

Anleger machten Kasse vor allem bei Auto-Aktien. Die Papiere von Continental, Daimler, VW und BMW gehörten heute mit einem Minus von vier Prozent zu den größten DAX-Verlierern. Bei der Daimler-Tochter Mercedes-Benz hat der Produktionsausfall durch Engpässe bei Halbleitern die Erholung des Absatzes von der Corona-Krise im zweiten Quartal behindert. Trotz weltweit robuster Nachfrage und hoher Auftragseingänge sei der Absatz vor allem im Juni erheblich durch die globalen Lieferengpässe begrenzt worden, erklärte der Autobauer. Gestern hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA) seine Jahresprognose für die Pkw-Produktion auf 3,6 Millionen Fahrzeuge gesenkt.

BioNTech-Vakzin wirkt weniger gut gegen Delta

Stark unter Druck standen die BIoNTech-Aktien. Sie büßten 4,7 Prozent ein. Laut israelischen Forschern wirkt der von BioNTech und Pfizer zusammen entwickelte Impfstoff nicht so gut gegen die Delta-Variante wie zunächst angenommen. Das Gesundheitsministerium in Israel erklärte, dass der Impfstoff noch beträchtlich wirksam sei, um schwere Symptome oder Krankenhausaufenthalte nach einer Coronavirus-Infektion zu vermeiden. Das Vakzin sei jedoch bei der Vorbeugung einer Infektion weniger effektiv geworden.

Sartorius will noch rasanter wachsen

Die Sartorius-Aktie legte im MDAX rund drei Prozent zu. Der Labordienstleister und Pharmazulieferer wird nach guten Geschäften in den ersten sechs Monaten zuversichtlicher für das Gesamtjahr. So soll der Umsatz 2021 währungsbereinigt statt um etwa 35 Prozent jetzt um rund 45 Prozent steigen. Auch das bereinigte operative Ergebnis soll höher ausfallen als bisher gedacht.

Shop Apotheke verliert an Dynamik

Dagegen brachen die Aktien der Shop Apotheke um mehr als zwölf Prozent ein. Der Online-Arzneimittelhändler hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 534 Millionen Euro verbessert. Allerdings war es mit Blick aufs zweite Quartal lediglich ein Umsatzplus von 7,3 Prozent auf 250 Millionen Euro. Laut dem Unternehmen sorgen aktuell ein angespannter Arbeitsmarkt und der Umzug an den neuen Standort in Sevenum für eine vorübergehend reduzierte Logistikkapazität. Das Wachstum habe sich daher im zweiten Quartal temporär verlangsamt, hieß es. Das Management bestätigte zwar die Jahresziele, bezeichnete sie nun aber als herausfordernd.

Nordex holt mehr Aufträge rein

Die Nordex-Aktien stiegen um 0,6 Prozent. Der Windkraftanlagen-Hersteller hat im zweiten Quartal deutlich mehr Aufträge an Land gezogen als im Vorjahr. Nordex habe mit einem Auftragseingang in Höhe von 1534 Megawatt nach 888 Megawatt im Vorjahr abgeschlossen. Damit summiere sich der Auftragseingang im Bereich Projekte im ersten Halbjahr 2021 auf ein Volumen von 2781,6 Megawatt. Darin seien Dienstleistungen nicht mit eingerechnet.

Flatexdegiro abgestuft

Die Papiere von Flatexdegiro zählten mit einem Minus von 3,4 Prozent bzu den Top-Verkierern im SDAX. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat Flatexdegiro von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel auf 122 Euro belassen. Die Marktdynamik für Anbieter von Finanztechnologie wie den Online-Broker schwäche sich ab, hieß es in einer Studie. Mit dem Ende der Lockdowns kämen die Menschen offensichtlich wieder auf andere Gedanken. Trotz der kurzfristigen Abkühlung blieben die langfristigen Perspektiven aber gut.

S&T ist auf Kurs

Der österreichische IT-Dienstleister S&T sieht sich indes dank eines hohen Auftragseingangs auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Das im SDAX notierte Unternehmen rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatz von mindestens 1,4 Milliarden Euro sowie mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von mindestens 140 Millionen Euro. Im zweiten Quartal habe der Auftragseingang die Umsätze des gleichen Zeitraums deutlich übertroffen, teilte S&T mit. Die Aktien von S&T stiegen um rund 2,5 Prozent und waren einer der Favoriten im SDAX.

China sperrt Didi-App

An der Nasdaq standen besonders chinesische Aktien unter Druck. Besonders hart erwischte es den Fahrdienst-Vermittler Didi. Die Papiere sackten um knapp 20 Prozent ab. Die Regierung in Peking sperrte die App des Fahrdienst-Vermittlers für den Download. Sie wirft der Firma vor, illegal Nutzerdaten gesammelt zu haben. Im Sog von Didi verloren die Titel anderer chinesischer Firmen wie Alibaba, JD.com, Baidu und iQIYI bis zu rund fünf Prozent an der Wall Street.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Börse am 06. Juli 2021 um 07:35 Uhr.