Gut gelaunter Händler an der New Yorker Börse
Marktbericht

S&P-500 und Nasdaq US-Aktienmärkte auf Rekordkurs

Stand: 24.06.2021 22:30 Uhr

Positiv aufgenommene Wirtschaftsdaten haben heute die US-Börsen auf neue Rekordstände getrieben. Inflationsängste rückten in den Hintergrund. Auch der DAX legte zu.

In New York haben alle großen Aktienindizes heute zugelegt. Sowohl die Technologiebörse Nasdaq als auch der marktbreite S&P-500-Index markierten dabei im Verlauf weitere Rekordstände. Zum Handelsschluss war aber der Leitindex Dow Jones bester Einzelindex, er legte um 0,95 Prozent auf 34.196 Punkte zu.

Die Nasdaq konnte ihr hohes Niveau am Ende nicht behaupten, schloss aber trotzdem um 0,7 Prozent höher bei 14.369 Punkten. Die neue Bestmarke wurde bei 14.414 Punkten markiert. Ähnlich auch der Auswahlindex Nasdaq 100, der bei 14.365 Punkten um 0,6 Prozent besser aus dem Handel ging und zuvor bei 14.429 Punkten sein Rekordhoch erreicht hatte. Der marktbreite S&P-500-Index rückte um 0,58 Prozent auf 4266 Punkte vor, das Rekordhoch lag bei 4271 Punkten nur knapp darüber.

Nachdem Notenbankchef Jerome Powell zuletzt Zinssorgen gedämpft hatte, traten Zins- und Inflationsängste zumindest unmittelbar zurück. "Das ist ein Zeichen, dass die Zuversicht der Leute zurückkehrt", sagte Robert Pavlik, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Dakota Wealth. "Wie lange diese Entwicklung anhält, ist allerdings die große Frage." Ein Anstieg der Anleihe-Renditen könnte die Stimmung schnell kippen lassen. Die US-Bonds bewegten sich aber kaum. Die richtungweisenden zehnjährigen Treasuries rentierten wenig verändert bei 1,495 Prozent.

US-Wirtschaftsdaten im Fokus

Geholfen haben der Wall Street Street heute positiv aufgenommene neue Konjunkturdaten. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken mit 7000 Anträgen auf 411.000 zwar weniger stark als von Ökonomen prognostiziert. Tendenziell sinkt aber die Zahl der Erstanträge bereits seit Beginn des Jahres. Die Hilfsanträge liegen allerdings weiter deutlich über dem Niveau, das vor der Corona-Krise üblich war. In den Monaten vor der Pandemie wurden pro Woche gut 200.000 Neuanträge gestellt. Die Auftragseingänge für langlebige Güter legten im Mai weniger stark zu als erwartet, signalisieren aber ein starkes Industriewachstum.

Die Daten zeigten, dass sich die wirtschaftliche Erholung in den USA fortsetze, schrieben die Fachleute der Landesbank Helaba. Im Hinblick auf die Politik der US-Notenbank würden durch die aktuellen Konjunkturnachrichten Spekulationen auf eine Zinswende nicht forciert, so die Helaba-Experten. Zuletzt hatte der deutliche Anstieg der Inflation in den Vereinigten Staaten Befürchtungen geweckt, die Zinsen könnten schneller als erwartet steigen und so Aktien im Vergleich zu Anleihen in einem schlechteren Licht erscheinen lassen.

Biden verkündet Einigung

US-Präsident Joe Biden hat derweil nach monatelangen Verhandlungen heute eine Einigung zu einem billionenschweren Infrastrukturpaket verkündet. "Wir haben einen Deal", sagte der Demokrat am Donnerstag nach Verhandlungen mit Senatoren beider Parteien. Der gemeinsame Vorschlag sieht Ausgaben über acht Jahre von 1,2 Billionen Dollar etwa für Straßen und Brücken, aber auch Breitband, E-Auto-Ladestellen und das Stromnetz vor.

Eli Lilly springen an

Von der S&P-500-Spitze grüßten unter den US-Einzelwerten die Papiere von Eli Lilly mit einem Plus von über sieben Prozent. Zuvor hatten die Anteilscheine ein Rekordhoch erklommen. Der Grund: Der Pharmakonzern ist mit seinem Alzheimer-Medikament Donanemab auf dem Weg zur Marktzulassung einen entscheidenden Schritt weiter. Es wäre ein bemerkenswerter Schritt, denn seit Jahren sind alle großen Pharmakonzerne mit der Bekämpfung der Krankheit gescheitert, das letzte "neue" Alzheimer-Medikament ist aus dem Jahr 2002.

Die US-Medikamentenaufsicht FDA gewährte dem Mittel den Status als "Breakthrough Therapy", womit eine beschleunigte Zulassung möglich ist. Dieser Status wird in der Regel Medikamenten für schwere oder lebensbedrohliche Erkrankungen erteilt, die im Vergleich zu den verfügbaren Therapien eine wesentliche Verbesserung aufweisen.

DAX wieder bei 15.600 Punkten

Die Börsenbullen hatten heute am heimischen Markt ebenfalls das bessere Ende für sich. Haupttreiber des Aufschwungs war ein besser als erwartet ausgefallener ifo-Index. Der deutsche Leitindex ging bei 15.589 Punkten aus dem Handel, ein Tagesgewinn von 0,9 Prozent. Er machte damit die Verluste vom Vortag größtenteils wieder wett.

In der Spitze war der Index bei 15.606 Zählern knapp über die Marke von 15.600 geklettert und bleibt damit in Schlagweite seines Rekordhochs bei 15.802 Punkten. Gestützt wurden die heimischen Kurse auch durch eine freundliche Eröffnung der Wall Street. Zuletzt hatte sich der DAX stark an die Tendenz der US-Börsen angelehnt.

ifo-Index überrascht positiv

Hauptthema an der Frankfurter Aktienbörse war mit dem ifo-Index der wichtigste deutsche Konjunkturindikator. Dieser fiel besser aus als erwartet, was Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft nach der Pandemie schürt.

Konkret ist die Stimmung in den deutschen Chefetagen so gut wie zuletzt im November 2018. Der Index für das Geschäftsklima stieg um 2,6 Punkte auf 101,8 Punkte, wie das Münchner ifo-Institut bekannt gab. Das ist der höchste Stand seit November 2018. Analysten hatten mit einem schwächeren Zuwachs auf 100,7 Punkte gerechnet.

Sowohl die Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen als auch die Lagebeurteilung hellten sich deutlich auf. "Die deutsche Wirtschaft schüttelt die Corona-Krise ab", kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest. "Besonders erfreulich ist, dass sich der Optimismus quer durch alle Sektoren zieht. Der Optimismus der Unternehmen scheint derzeit fast grenzenlos zu sein, wozu sicher auch die inzwischen deutlich zügiger verlaufende Impfkampagne beigetragen hat", sagte Christian Lips, Chefvolkswirt der NordLB.

Gleichzeitig trete das Thema Teuerung, das in den vergangenen Wochen immer wieder für Unruhe an den Börsen gesorgt hatte, für Investoren in den Hintergrund, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Mehrheitlich sind sie auf die Linie der Notenbanken eingeschwenkt und ordnen die aktuelle Inflationsspitze als vorübergehendes Phänomen ein."

Der Euro stabilisiert sich

Die Gemeinschaftswährung handelt im US-Handel bei 1,1934 Dollar leicht unter dem europäischen Niveau. Der Euro bleibt damit unter der Marke von 1,20 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1936 (Mittwoch: 1,1951) US-Dollar fest.

Gestützt wurde der Euro durch eine allgemein freundliche Stimmung an den Finanzmärkten. Der US-Dollar war aus diesem Grund als Weltreservewährung weniger stark gefragt. Außerdem sorgten überraschend starke Konjunkturdaten aus der Eurozone für Auftrieb bei der Gemeinschaftswährung. Neben dem starken ifo zog auch die Unternehmensstimmung in Frankreich deutlich an und erreichte sogar den besten Wert seit 14 Jahren.

Kursverluste gab es hingegen beim britischen Pfund. Zuvor hatte die britische Notenbank trotz einer erhöhten Inflation an ihrer lockeren Geldpolitik festgehalten. Der Leitzins liegt weiter bei 0,1 Prozent. Auch das Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen haben die britischen Währungshüter nicht angetastet.

Europas Wirtschaft am Wendepunkt

Die Wirtschaft der Euro-Zone ist aus Sicht von EZB-Direktorin Isabel Schnabel auf dem Weg zu einer kräftigen konjunkturellen Erholung. "Man kann sagen, dass wir nun wirklich an einem Wendepunkt sind", sagte Schnabel am Donnerstag in einer Online-Diskussionsrunde. Hereinkommende wirtschaftliche Indikatoren wie Einkaufsmanager-Indizes und andere Vertrauensindikatoren seien alle sehr stark, sehr optimistisch. "Und sie weisen auf eine starke Erholung in diesem Jahr hin."

Viele Nutzfahrzeuge zugelassen

In der EU sind im Mai erneut deutlich mehr Nutzfahrzeuge zugelassen worden als im Vorjahr. So wurden im Mai mit 165.363 rund 51 Prozent Fahrzeuge mehr registriert als ein Jahr zuvor, wie der Branchenverband ACEA in Brüssel bekanntgab. Im April hatte die Wachstumsrate noch bei 180 Prozent gelegen. In den ersten fünf Monaten des Jahres liegt die Wachstumsrate bei 44 Prozent. Damit erholte sich der Nutzfahrzeugmarkt weiter und stieg den vierten Monat in Folge.

Siemens setzt sich höhere Ziele

Der neue Siemens-Chef Roland Busch will mit einer stärkeren Ausrichtung auf Software-Technologien das Wachstum des Münchner Konzerns beschleunigen. Der Umsatz soll vom kommenden Geschäftsjahr 2021/22 (Ende September) an jährlich um fünf bis sieben Prozent wachsen, wie Siemens auf einem Investorentag ankündigte. Bisher hatte sich der Technologiekonzern vier bis fünf Prozent vorgenommen.

Das Ergebnis soll dabei überproportional zulegen. Siemens hat sich ein Wachstum des Ergebnisses je Aktie um acht bis knapp zehn Prozent vorgenommen, Abschreibungen auf die Kaufpreise für Übernahmen sind dabei ausgeklammert. Die Anleger reagierten verhalten, Siemens-Aktien gaben gegen den Trend nach und standen am DAX-Ende.

BASF plant weltgrößten Windpark

Der Chemiekonzern BASF plant zusammen mit dem Energiekonzern Vattenfall den weltgrößten Offshore-Windpark. Dafür übernimmt BASF einen Anteil von 49,5 Prozent an dem Windpark Hollandse Kust Zuid von Vattenfall für 300 Millionen Euro, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Insgesamt will BASF, einschließlich seines Beitrags zum Bau des Windparks, rund 1,6 Milliarden Euro investieren.

Deutsche Bank kauft bei Oracle ein

Die Deutsche Bank will ihre IT-Systeme mit Hilfe des US-Softwareriesen Oracle erneuern. Oracle werde mehrere Datenbanken in kritischen Bereichen wie Zahlungsverkehr, Handel sowie Kapital- und Risikosteuerung auf eine Plattform in einer privaten Cloud übertragen, erklärten die Konzerne.

Ströer wird optimistischer

Der Werbevermarkter Ströer hat sich im zweiten Quartal stärker von der Pandemie erholt als gedacht. Das Unternehmen erwartet nun einen Umsatzanstieg im Quartal um 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll um rund 70 Prozent zulegen, wie das MDAX-Unternehmen mitteilte. Bisher hatte Ströer ein Erlösplus von bis zu 40 Prozent in Aussicht gestellt, das operative Ergebnis sollte um mehr als 60 Prozent wachsen.

Großauftrag für Nordex

Die Aktien des Windkraftanlagenherstellers Nordex werden durch einen neuen Auftrag unterstützt. AES Brasil hat Windturbinen mit einer Leistung von 314 Megawatt bei den Hamburgern bestellt. "Die Order umfasst auch den Service der Turbinen über den Zeitraum von zunächst fünf Jahren mit mehreren Verlängerungsoptionen auf bis zu 20 Jahre", teilte Nordex mit.

Swiss Re rechnet mit höheren Rückversicherungspreisen

In der Rückversicherungsbranche steigen die Preise, und dieser Trend dürfte sich vorerst fortsetzen. Nach höheren Prämiensätzen zu den Vertragserneuerungen im Januar und April werde auch in der Juli-Runde mit einer ähnlichen Entwicklung gerechnet, sagte Moses Ojeisekhoba, Chef der Sparte Rückversicherung bei Swiss Re. Mit DAX-Mitglied Münchener Rück als Weltmarktführer, aber auch MDAX-Mitglied Hannover Rück, sind Rückversicherer auf den deutschen Kurszetteln traditionell prominent vertreten.

Microsoft stellt Windows 11 vor

Microsoft hat nach sechs Jahren eine neue Generation seines PC-Betriebssystems Windows vorgestellt. Eine Neuerung bei Windows 11 ist, dass Microsofts Teams-Software für Videokonferenzen und Zusammenarbeit im Büro direkt integriert wird. Eingebaut wird auch der hauseigene Cloud-Spieledienst Games Pass.

Neben Windows-Programmen wird man auf den Computern auch Apps für das Google-Betriebssystem Android nutzen können, wie der Konzern am Donnerstag ankündigte. Sie kommen über Amazons Android-Store auf die Plattform und werden mit Hilfe von Technologie des Chipkonzerns Intel zum Laufen gebracht. Mit Windows 11 werden auch diverse Bedienelemente neu entworfen - darunter der Start-Button und die dazugehörigen Menüs, die jetzt in der Mitte der Taskleiste statt am Rand zu finden sind. Microsoft-Papiere legen zu und markieren ein neues Rekordhoch. Die Firma wurde in dieser Wochen erstmals mit zwei Billionen Dollar bewertet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Juni 2021 um 12:00 Uhr.