Händler an der NYSE
Marktbericht

Dow dreht ins Minus Zu wenig Klarheit

Stand: 26.01.2022 22:19 Uhr

Mit Unsicherheit leben Investoren höchst ungern. Am Abend signalisierte die Fed zwar klar den ersten Zinsschritt, blieb ansonsten aber relativ vage. Die Wall Street konnte ihre Gewinne nicht halten.

Als die amerikanische Notenbank unmissverständlich eine erste Leitzinserhöhung im März signalisierte, bauten die Aktienmärkte zunächst noch ihre Gewinne aus. Denn Klarheit wird am Markt derzeit höher eingeschätzt als die an sich unerfreuliche Tatsache tendenziell steigender Zinsen.

Dann aber fanden die Marktteilnehmer doch Mängel in der Kommunikation der Notenbanker. Im laufenden Jahr werden an den Märkten bis zu vier Straffungen um insgesamt einen ganzen Prozentpunkt erwartet. US-Notenbankchef Jerome Powell blieb aber konkrete Aussagen zu diesem Punkt schuldig. Der Zinspfad bleibe offen, so Powell. Beobachter bemängelten außerdem, dass es weiter Unsicherheit um den Abbau der gewaltigen Wertpapierbestände der Fed gebe.

Also gab die Wall Street ihre vorherigen Gewinne wieder ab. Der Dow Jones verlor zum Ende der Sitzung 0,38 Prozent, während die Technologiewerte des Nasdaq-100 wieder ein leichtes Plus von 0,17 Prozent erreichen konnten.

Der DAX hatte bis zum Ende des Xetra-Handels 2,2 Prozent gewonnen. Das war der höchste Tagesgewinn seit fast zwei Monaten. Auch hier war die erhoffte baldige Klarheit über den Zinspfad der Fed der entscheidende Kurstreiber gewesen.

Signal vom Ölmarkt

Neue Zuversicht für eine Belebung der Weltkonjunktur hat die Ölpreise wieder deutlich angeschoben. Erstmals seit 2014 kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zeitweise wieder mehr als 90 Dollar. Ein Kurstreiber war zuletzt auch die Sorge wegen möglicher Liefereinschränkungen angesichts des Ukraine-Konflikts.

Euro rutscht ab

Der Euro geriet nach den Verlautbarungen der Fed stark unter Druck und fiel um rund einen halben US-Cent auf 1,1240 Dollar. Ein rascher Zinsanstieg in den USA würde den Euro weniger attraktiv für Investoren machen und den Kurs tendenziell belasten.

Microsoft und TI überzeugen

Die laufende Berichtssaison brachte wieder Freud und Leid mit sich. Microsoft hatte schon gestern Abend glänzende Quartalszahlen vorgelegt. Der Software-Gigant steigerte den Umsatz im Jahresvergleich um ein Fünftel auf 51,7 Milliarden Dollar, was über den Erwartungen lag. Unterm Strich verdiente Microsoft knapp 18,8 Milliarden Dollar - ein Plus von 21 Prozent. Das Cloud-Geschäft war abermals ein Wachstumstreiber. Auch die Zahlen und der Ausblick des Chip-Konzerns Texas Instruments kamen gut an.

Boeing tiefrot

Auf der Verliererseite stand dagegen Boeing. Die Corona-Krise und Probleme beim Langstreckenjet 787 Dreamliner haben dem Flugzeugbauer für das Jahr 2021 einen weiteren Milliardenverlust eingebrockt. Der Konzern verbuchte im vierten Quartal 2021 wegen Entschädigungen für Fluggesellschaften aufgrund verspäteter Auslieferungen und wegen einer teureren Produktion Einmalkosten von 3,8 Milliarden Dollar. Das führte zu einem Quartalsverlust von 4,1 Milliarden Dollar. Der Jahresverlust beläuft sich damit auf 4,2 Milliarden Dollar.

Deutsche Bank will wieder Dividende zahlen

Die Deutsche Bank will Aktien im Volumen von mehr als 300 Millionen Euro zurückkaufen und nach einer Pause im Vorjahr wieder eine Dividende ausschütten. Der Aktienrückkauf solle noch in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen sein, teilte das DAX-Unternehmen nach Börsenschluss mit. Pro Aktie sollen Aktionäre für das abgeschlossene Geschäftsjahr 20 Cent erhalten. Experten hatten zuletzt mehr erwartet. Im vergangenen Jahr hat die Deutschen Bank ihren Gewinn aller Voraussicht nach deutlich gesteigert. Analysten rechnen für das Gesamtjahr 2021 mit einem Milliardengewinn. Die genauen Zahlen will der Finanzkonzern morgen veröffentlichen.

RWE überrascht positiv

Die RWE-Aktie baute ihren Tagesgewinn am Nachmittag deutlich aus. Analysten zeigten sich positiv überrascht von den vorläufigen Zahlen des Energiekonzerns. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) lag 2021 bei rund 3,65 Milliarden Euro und übertraf damit das obere Ende der prognostizierten Bandbreite. Unter dem Strich verdiente RWE mit einem bereinigten Nettoergebnis von knapp 1,6 Milliarden Euro ebenfalls mehr als erwartet. Die Verschuldung sei weiter abgebaut worden. Die Dividende für 2021 soll auf 90 Cent je Aktie nach zuvor 85 Cent steigen, bekräftigte Finanzvorstand Michael Müller.

Scheitert der Siltronic-Verkauf?

Die Aktie von Siltronic geriet am Nachmittag erneut unter Druck. Am Markt wurde auf eine Meldung aus informierten Kreisen verwiesen, dass Deutschland die Übernahme des Waferherstellers durch den taiwanischen Chip-Zulieferer Globalwafers verhindern wolle. In der vergangenen Woche - kurz vor dem Ablauf der Übernahmefrist - hatte Globalwafers unter Auflagen grünes Licht aus China für sein Vorhaben erhalten. Nun steht nur noch die Entscheidung des deutschen Wirtschaftsministeriums aus. Stimmt dieses bis kommenden Montag nicht zu, platzt die Übernahme.

Airbus punktet im Hubschraubergeschäft

Größter DAX-Gewinner war die Airbus-Aktie. Das Geschäft mit Hubschraubern hat sich im vergangenen Jahr deutlich erholt. Die Zahl der Auslieferungen stieg im Vergleich zu 2020 von 300 auf 338 Maschinen. Das waren auch mehr als die 332 Maschinen aus dem Vorkrisenjahr 2019. Die Zahl der Bestellungen stieg von 268 auf 414.

Lufthansa gefragt

Im MDAX verbuchte die Lufthansa ebenfalls Kursgewinne von mehr als fünf Prozent. Analyst Johannes Braun von der Investmentbank Stifel hat den Titel zum Kauf mit einem Kursziel von 10,00 Euro empfohlen. Die größten Sorgen seien abgehakt, nun könne man sich auf die Erfolge konzentrieren, so der Experte. Er hebt dabei die Entwicklung des freien Mittelflusses und die unerwartet schnell zurückgezahlten Staatshilfen hervor. Zudem rechnet der Experte mit einer starken Sommersaison.

Finanzinvestoren legen bei Aareal Bank nach

Die Aktie der Aareal Bank erlebte eine Achterbahnfahrt. Ein Konsortium aus drei Finanzinvestoren will die zweifelnden Aktionäre des Immobilienfinanzierers aus dem SDAX mit einer höheren Übernahmeofferte überzeugen. Advent, Centerbridge und CPPIB bieten nun 31 Euro je Aktie, zwei Euro mehr als bisher. Mit der neuen Offerte wird die Aareal Bank mit 1,86 Milliarden Euro bewertet. Die Investoren kommen damit den Hedgefonds entgegen, die deutlich mehr als 20 Prozent an dem Wiesbadener Institut halten und sich bisher gegen die Übernahme sträuben.

Wacker gut im Geschäft

Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie aus dem MDAX hat im vergangenen Jahr den gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen getrotzt. Der Umsatz stieg vor allem dank des boomenden Geschäfts mit Polysilizium für die Solar- und Chip-Industrie um fast ein Drittel auf 6,2 Milliarden Euro. Der Nettogewinn hat sich auf 780 Millionen Euro sogar fast vervierfacht. Dabei belasteten hohe Preise für Rohmaterialien und Strom für die energieintensive Produktion das Unternehmen stärker als noch im Herbst gedacht.

Vestas enttäuscht die Windbranche

Der dänische Windkraft-Spezialist Vestas erwartet auch im laufenden Jahr eine Umsatzflaute und rechnet mit Belastungen durch angespannte Lieferketten sowie hohe Logistikkosten. Der Umsatz wird zwischen 15 und 16,5 Milliarden Euro erwartet. Die Prognose sei mit größerer Unsicherheit behaftet als üblich. 2021 lagen die Erlöse bei 15,6 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Marge betrug drei Prozent. Der Umsatz lag damit am unteren Ende der Unternehmensprognose, die Marge darunter.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Januar 2022 um 07:35 Uhr.