Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange
Marktbericht

Fed trübt die Stimmung Die Zinssorgen sind zurück

Stand: 05.01.2022 22:11 Uhr

Kaum war das jüngste Sitzungsprotokoll der amerikanischen Notenbank veröffentlicht, gerieten die Kurse in New York ins Rutschen. Der DAX schrammte indessen nur knapp an einem neuen Kursrekord vorbei.

Was die amerikanische Notenbank Fed am Abend verlauten ließ, hat der Wall Street überhaupt nicht gefallen. Nach Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten geldpolitischen Sitzung um 20:00 Uhr MEZ drehte auch der Leitindex Dow Jones ins Minus. Eine Wirtschaftserholung und eine höhere Inflation könne zu früheren und schnelleren Zinserhöhungen als bisher erwartet führen, heißt es in dem Sitzungsprotokoll von Mitte Dezember.

Außerdem schätzten die Geldpolitiker die konjunkturellen Folgen der Omikron-Variante des Coronavirus als moderat ein - was sie also nicht von ihrem Zinserhöhungskurs abbringt. Der Dow Jones schloss 1,1 Prozent tiefer bei 36.407 Punkten, während der Technologieindex Nasdaq-100 3,1 Prozent einbüßte.

Sektorrotation an der Wall Street

Auch die jüngsten Daten des Personaldienstleisters ADP, die als guter Vorindikator für die offiziellen Arbeitsmarktdaten gelten, stützen das Szenario einer breiten wirtschaftlichen Erholung. Im Dezember hat die US-Privatwirtschaft mehr als doppelt so viele Stellen geschaffen wie erwartet. Unter dem Strich habe es 807.000 neue Jobs gegeben, so ADP.

Die amerikanischen Aktienmärkte befassen sich also zunehmend mit dem Szenario steigender Zinsen. Das zeigt sich in einer Rotation weg von Wachstumswerten hin zu Substanzwerten. Daher stehen insbesondere die zinssensitiven Technologietitel unter Druck. So verlor etwa die Aktie der Google-Mutter Alphabet an der Technologiebörse Nasdaq über vier Prozent.

Ärger um Tesla

Auch die Tesla-Aktie musste deutlich Federn lassen. Am Morgen hatte der britische Leerverkäufer Fraser Perring getwittert, dass er erneut auf Kursverluste bei der Aktie setze. Er warf dabei die Frage auf, ob die großen Autobauer Toyota und Volkswagen an der Börse unterbewertet seien oder ob Tesla schlicht überbewertet sei. Leerverkäufer profitieren von fallenden Kursen, indem sie eine Aktie leihen und dann verkaufen, in der Erwartung, sie später günstiger wieder zurückzukaufen.

Perring, der etwa mit seinem Engagement gegen Wirecard bekannt wurde, ist in den USA allerdings weniger prominent. Tesla ist jüngst aber auch wegen der Eröffnung eines neuen Geschäfts in der chinesischen Region Xinjiang in die Kritik geraten. Menschenrechtlern und westlichen Regierungen zufolge unterdrückt Peking dort die muslimische Minderheit der Uiguren.

Pfizer wegen Covid-Medikament gefragt

Die Pfizer-Aktie war gegen den Trend gefragt. Im Kampf gegen die Omikron-Welle in den USA setzt die Regierung noch stärker auf das neue Präparat des Pharmakonzerns. Die Bestellung des Covid-19-Medikaments Paxlovid soll verdoppelt werden. Bei Pfizer würden Dosen für bis zu 20 Millionen Patienten geordert, erklärte Präsident Joe Biden gestern im Weißen Haus. Das Medikament werde viele Krankheitsaufenthalte und Todesfälle verhindern.

DAX verfehlt Rekord nur knapp

Am deutschen Aktienmarkt setzte der DAX heute seine jüngste Rally fort. Mit einem Tageshöchststand von 16.285 Punkten blieb der deutsche Leitindex nur fünf Punkte unter seinem historischen Hoch aus dem November.

Trotz des verpassten Rekordes blieb die Stimmung am Markt gut. Risiken wie die Spannungen mit Russland um die Ukraine, die schlechten Nachrichten vom chinesischen Immobilienmarkt oder Warnungen von der Corona-Front wurden erfolgreich ausgeblendet.

Ölpreise klettern weiter

Der Euro gab seine Tagesgewinne nach Veröffentlichung des Fed-Protokolls größtenteils ab und notierte am späten Abend nur noch knapp über 1,13 Dollar.

Am Ölmarkt setzte sich der Preisanstieg nach der gestrigen Entscheidung der OPEC+-Staaten fort. Die Allianz erhöht wie geplant leicht ihre Fördermenge. Derzeit teilen die Rohstoffmärkte die Auffassung des Kartells, dass die Omikron-Variante der weltwirtschaftlichen Erholung kaum schaden wird.

Guter Tag für Autoaktien

Im DAX lagen die Autotitel besonders gut im Rennen, und das trotz des neuerlichen Rückrufs bei Daimler. Mercedes-Benz muss mehr als 800.000 Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen. Bei bestimmten Fahrzeugen der Baureihen GLE/GLS, C-Klasse, E-Klasse, S-Klasse, E-Klasse, GLC, CLS und G-Klasse mit Dieselmotor könne es zu einer Undichtigkeit kommen, teilte der Autobauer mit. Dadurch könne in Einzelfällen ein Ansteigen der Bauteiltemperatur nicht vollständig ausgeschlossen werden. Wegen fehlender Bauteile kann mit der Reparatur allerdings voraussichtlich erst ab Mitte des Monats begonnen werden.

BMW trotzt Chipmangel

Für die gute Stimmung sorgten vor allem die Absatzzahlen von BMW für 2021. Der Münchener Autobauer hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal mehr als 2,2 Millionen Autos der Stammmarke verkauft - trotz weltweiten Halbleitermangels. "Damit sind wir mit der Marke BMW auch auf Platz eins im globalen Premiumsegment - und zwar mit deutlichem Abstand", sagte Vertriebsvorstand Pieter Nota gestern. Der mögliche Korruptionsfall, der den Konzern um 2,7 Millionen Euro gebracht haben soll, bekümmerte die Anleger wenig.

FMC mit Omikron-Sorgen

Einer der schwächsten DAX-Titel war der Dialysespezialist FMC. In einer aktuellen Studie von JPMorgan wies Analyst David Adlington darauf hin, dass angesichts des rasanten Anstiegs der Infektionen mit der Corona-Variante Omikron in den USA die Übersterblichkeit im ersten Quartal "erheblich" sein dürfte. Das könne sich auf die Zahl von Dialysepatienten von FMC auswirken. Der Experte rät zum "Untergewichten" der Aktie.

Uniper sichert sich gegen Rohstoffmärkte ab

Größter Verlierer im MDAX war die Aktie von Uniper. Der Energiekonzern wappnet sich für unruhige Zeiten an den Rohstoffmärkten. Angesichts teils extremer Preissprünge weitet der Konzern die finanzielle Absicherung seiner Geschäfte um bis zu 11,8 Milliarden Euro aus. Mit den Maßnahmen will Uniper widerstandsfähiger gegenüber extremen Marktentwicklungen werden.

Ein E-Auto von Sony

Sony steigt offenbar ernsthaft in den E-Automarkt ein. Der Unterhaltungselektronik-Konzern hat auf der Technikmesse CES in Las Vegas einen zweiten Elektroauto-Prototypen vorgestellt und gründet im Frühjahr eine Mobilitäts-Tochterfirma. Eine kommerzielle Markteinführung des eigenen Autos werde geprüft. Sony hatte den ersten Prototypen namens "Vision-S" Anfang 2020 auf der CES vorgestellt.