Broker handeln an der New Yorker Börse | picture alliance/dpa/AP
Marktbericht

Nasdaq stoppt Abwärtstrend US-Märkte geben sich keine Blöße

Stand: 24.11.2021 22:12 Uhr

An der New Yorker Börse haben sich die Anleger heute trotz einer Fülle neuer Konjunkturdaten bedeckt gehalten. Vor der Feiertagspause waren die Aktivitäten überschaubar.

Die Wall Street begann den Handel zwar mit Verlusten, hat diese aber im Verlauf immer mehr eingegrenzt. Die Technologiebörse Nasdaq machte im späten Geschäft noch etwas Boden gut und schloss moderat höher. Diese Stabilisierung ist sicher ein Erfolg nach den jüngsten Verlusten. Allerdings waren die Tech-Aktien zuvor auch überdurchschnittlich gut gelaufen.

Generell sind sie von den gegenwärtigen Zinssorgen wegen der meist höheren Refinanzierungskosten ihrer Geschäftsmodelle stärker betroffen als die Standardaktien. Sie stehen allerdings weiter auf hohem Niveau, von einer wirklichen Korrektur kann keine Rede sein. Selbst wenn die US-Zinsraten sich erhöhen sollten wie erwartet, bleiben sie historisch weiterhin auf niedrigem Niveau.

Der Composite-Index schloss bei 15.845 Punkten, ein moderater Gewinn von 0,44 Prozent. Auch der Auswahlindex Nasdaq 100 legte leicht zu um 0,37 Prozent auf 16.367 Punkte. Der Leitindex Dow Jones tendierte verhalten, zum Schluss gab er 0,03 Prozent ab auf 35.804 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index endete bei 4701 Zählern um 0,23 Prozent höher.

Feiertagspause

Wegen des Thanksgiving-Feiertages, dem Erntedankfest, bleiben die US-Märkte morgen geschlossen. Spannend wird es dann am darauffolgenden Brückentag, dem Freitag. Dieser sogenannte "Black Friday" gilt als offizieller Start des Weihnachtsgeschäftes, der umsatzstärksten Zeit im konsumlastigen Amerika.

Apropos Einzelhandel: Einige Händler, wie etwa die Modefirma Gap, warnten heute vor Lieferengpässen, was auf die Stimmung drückte. "Das Problem ist, dass alle mit einer sehr starken und robusten Weihnachtseinkaufssaison rechnen", sagte Analyst Ken Mahoney, Chef des Vermögensverwalters Mahoney. "Alles, was dahinter zurückbleibt, wird eine Enttäuschung sein."

Starke US-Daten vom Arbeitsmarkt schüren Zinsängste

Stark beachtet wurden heute besser als erwartet ausgefallene Daten vom US-Arbeitsmarkt. Diese zeigten zwar, dass die US-Wirtschaft wieder auf Erholungskurs ist, schürten im Gegenzug aber die Sorgen der Anleger, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) schneller als bisher gedacht die Zinsen anheben könnte. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen konkret auf 199.000 Anträge. Das war das niedrigste Niveau seit Mitte November 1969 (!). Analysten hatten mit 260.000 Anträgen gerechnet.

Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter fielen im Oktober hingegen etwas schwächer aus als erwartet. Sie gaben 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat nach, erwartet worden war ein Zuwachs von 0,2 Prozent.

FOMC-Ausschuss diskutierte schnelleres Ende der Anleihekäufe

Die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank Fed haben auf ihrer letzten Sitzung über eine raschere Drosselung ihrer Anleihekäufe diskutiert. "Einige Teilnehmer bevorzugten ein etwas schnelleres Tempo der Kürzungen, das zu einem früheren Abschluss der Käufe führen würde", heißt es in dem am Abend veröffentlichten Protokoll (Minutes) der Sitzung der US-Notenbank vom 2. bis 3. November.

Die US-Notenbank hatte auf dieser Sitzung mit der Drosselung ihrer milliardenschweren Anleihekäufe begonnen. Das vorherige Volumen von 120 Milliarden Dollar pro Monat wurde um 15 Milliarden Dollar im Monat reduziert. Sollte dieses Tempo beibehalten werden, laufen die Käufe im Juni 2022 aus. Einige Mitglieder forderten jedoch ein höheres monatliches Volumen. So könne man früher mit Zinsänderungen auf wachsende Inflationsgefahren reagieren. Diese haben sich zuletzt deutlich erhöht.

US-Wirtschaft gut unterwegs

Am Nachmittag wurden zuvor noch eine Fülle anderer US-Makrodaten veröffentlicht, die wegen des Feiertages morgen auf heute vorgezogen wurden. Sie untermauern insgesamt ebenfalls das Bild einer deutlich anziehenden Wirtschaft.

So sind die Ausgaben und Einkommen der US-Verbraucher im Oktober gestiegen. Die Konsumausgaben legten gegenüber dem Vormonat um 1,3 Prozent zu, wie das Handelsministerium heute in Washington mitteilte. Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg um 1,0 Prozent gerechnet. Die privaten Einnahmen stiegen um 0,5 Prozent. Hier war ein Zuwachs von 0,2 Prozent erwartet worden.

Das Konsumklima ist derweil im November auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Der von der Universität Michigan erhobene Index für die Verbraucherstimmung fiel im Vergleich zum Vormonat um 4,3 Punkte auf 67,4 Punkte, wie die Universität heute nach einer zweiten Schätzung mitteilte. Dies ist der niedrigste Stand seit November 2011. Allerdings fiel der Stimmungsdämpfer nicht ganz so stark aus, wie zunächst in einer ersten Schätzung ermittelt. Vor allem die höheren Preise hatten zuletzt die Verbraucher verunsichert.

DAX auf Berg- und Talfahrt

Das war heute kein Tag für schwache Nerven. Der DAX schwankte zwischen 15.740 und 15.974 Punkten. Der deutsche Leitindex schloss am Ende des Tage bei 15.878 Punkten, ein letztlich nur moderater Verlust von 0,37 Prozent. Danach sah es aber zwischenzeitlich nicht aus. Im Tagestief verlor der Index in der Spitze rund 1,2 Prozent und präsentierte sich damit heute sehr volatil. Solche Schwankungen sind meist ein Zeichen für hohe oder steigende Nervosität der Anleger.

Erst nachdem sich die Wall Street nach zunächst schwacher Eröffnung erholte, ging es auch hierzulande wieder bergauf mit den Kursen. Der DAX fiel deshalb trotzdem den dritten Tag in Folge und verliert damit die 16.000er Marke vorerst aus den Augen. Noch in der Vorwoche wurde ein Rekordhoch bei 16.290 Zählern erreicht.

Schwächerer ifo-Index und große Corona-Sorgen

Für die derzeitige Nervosität der Anleger gibt es gleich mehrere Gründe. Desaströse Corona-Zahlen hatten zuletzt das wirtschaftliche Erholungsszenario der Börse "nach der Krise" mehr und mehr in Frage gestellt. Eine Entspannung ist derzeit nicht in Sicht, im Gegenteil. Zuletzt wurden die Regeln insbesondere für ungeimpfte Personen durch die Bundesregierung verschärft.

"Die Leute warten ab, welchen Einfluss die neuen Coronavirus-Restriktionen auf das Wachstum im vierten Quartal und im kommenden Jahr haben werden", sagte Nick Nelson, Chef-Anlagestratege für Europa bei der Bank UBS.

Angesichts der massiv gestiegenen Corona-Infektionszahlen verhängte heute die slowakische Regierung einen zweiwöchigen Lockdown. Nach Österreich nun ein weiteres EU-Land, dass zu diesem Mittel greift.

Geschürt wurden heute die Konjunktursorgen auch vom fünften Rückgang des ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Das ifo-Geschäftsklima fiel gegenüber dem Vormonat um 1,2 Punkte auf 96,5 Zähler, wie das Münchner Institut mitteilte. "Lieferengpässe und die vierte Corona-Welle machen den Unternehmen zu schaffen", so ifo-Präsident Clemens Fuest.

"Konnte bis vor kurzem noch von einer Stagnation des Bruttoinlandsproduktes ausgegangen werden, ist mittlerweile ein Rückgang im laufenden Quartal wahrscheinlich geworden", warnte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank.

Euro taumelt weiter und fällt unter 1,12 Dollar

Angesichts schwacher Wirtschaftsdaten aus der Eurozone, der ernsten Corona-Lage sowie der Aussicht auf Zinsanhebungen in den USA schwächelt die Gemeinschaftswährung derzeit immer deutlicher. Im US-Handel ringt der Euro mit der Marke von 1,1200 Dollar, die er heute auch schon unterschritten hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1206 (Dienstag: 1,1259) Dollar festgesetzt.

Ölpreise stabil trotz Freigabe von Reserven

Das Anzapfen der Ölreserven durch die USA in Absprache mit anderen Ländern hat an den Märkten zunächst nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Die Ölpreise notieren am Mittwoch auch nach der Freigabe von 50 Millionen Fässern aus den strategischen Reserven nur moderat schwächer. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent lag bei 82,14 Dollar pro Barrel leicht im Minus, nachdem er am Vortag bereits mehr als drei Prozent geklettert war.

Finanzwerte halten sich besser

Aktien von Deutscher Bank und Münchener Rück belegten im DAX die Spitzenplätze und gewannen gegen den Trend. Auch Allianz legten leicht zu. Die Papiere folgten damit dem Branchentrend, der gestern bereits die Kurse von US-Banken steigen ließ. Von höheren Zinsen, wie sie in den USA im kommenden Jahr erwartet werden, profitieren Banken und Vermögensverwalter, weil sich die Zinsmargen tendenziell erhöhen und sichere Anlagen wie Anleihen dann wieder höhere Renditen abwerfen. Tagessieger waren Vonovia, die rund für Prozent zulegten. Autoaktien waren die Verlierer des Tages.

Ampel-Vertrag kommt gut an

Der am Nachmittag vorgelegte Koalitionsvertrag der künftigen Ampel-Regierung in Deutschland aus SPD, Grüne und FDP wurde am Markt insgesamt positiv aufgenommen. "Auch wenn der ganz große Wurf nicht erreicht wurde, ist der Koalitionsvertrag positiv für die deutsche Wirtschaft und die Kapitalmärkte", schrieben die Kapitalmarktexperten vom Vermögensverwalter Fidelity International. Es sei ein gutes Zeichen, dass es relativ zügig Ergebnisse gegeben habe.

VW holt Europcar in den Konzern zurück

Volkswagen darf den Autovermieter Europcar übernehmen. Die französische Finanzmarktaufsicht (AMF) hat die Transaktion genehmigt. Der Autovermieter war in der Corona-Pandemie wie auch Konkurrenten in schwere Bedrängnis geraten. Volkswagen hatte Europcar im Jahr 2006 verkauft. VW wolle den Rückkauf von Europcar nutzen, um die französische Firma vom reinen Autovermieter zum Service-Netzwerk für die eigenen Angebote umzubauen, hatte Konzernchef Herbert Diess Ende Juli gesagt.

Vonovia-Aktie erholt sich

Papiere des Wohnungsbaukonzerns Vonovia erreichten nach schwachem Start im Verlauf wieder die Gewinnzone und legten kräftig zu. Der Verkaufsdruck entstand zunächst bei der Aktie, weil die Bezugsrechte für Vonovia-Anteilsscheine im Zuge der Kapitalerhöhung gehandelt werden. Deutschlands größter Wohnungsvermieter will im Rahmen einer Kapitalerhöhung rund acht Milliarden Euro einsammeln und damit Teile der Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen finanzieren.

Aroundtown kämpft mit Corona-Folgen

Aktien des Gewerbeimmobilien-Spezialisten gaben im MDAX nach. Das operative Ergebnis gemessen in Kenngröße Funds from Operations (FFO 1) ist im Jahresvergleich um elf Prozent auf 267 Millionen Euro gefallen. In den ersten sechs Monaten war die Ergebnisgröße allerdings noch stärker, nämlich um rund ein Viertel gefallen. Die Prognose für das laufende Jahr wurde bestätigt.

Corona-Boom bei Drägerwerk vorbei

Die Aktien des Medizintechnik-Herstellers Drägerwerk aus dem SDAX brachen um zwölf Prozent ein. Der Hersteller von Beatmungsgeräten und Schutzmasken erwartet nach der Sonderkonjunktur durch die Corona-Pandemie im kommenden Jahr wieder einen deutlichen Umsatzrückgang.

Elon Musk macht weiter Kasse

Tesla-Chef Elon Musk macht nach einer spektakulären Twitter-Abstimmung weiter in großem Stil Aktien seines Konzerns zu Geld. Der Starunternehmer veräußerte zuletzt weitere rund 934.000 Papiere für etwa 1,05 Milliarden US-Dollar, wie in der Nacht auf Mittwoch aus Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht hervorging.

Damit hat sich Musk insgesamt schon von 9,2 Millionen Tesla-Aktien im Wert von ungefähr 9,9 Milliarden Dollar (8,8 Mrd Euro) getrennt, seit er vor zweieinhalb Wochen im Zuge eines Twitter-Votums den Verkauf von zehn Prozent seiner Beteiligung am Elektroautobauer zusagte. Um dieses Ziel zu erreichen, muss Musk allerdings noch deutlich mehr Tesla-Aktien abstoßen - bislang hat er nach Berechnungen des Finanzdiensts Bloomberg etwas mehr als die Hälfte der versprochenen Verkäufe getätigt. Musk ist Teslas größter Einzelaktionär.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. November 2021 um 12:00 Uhr.