Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange
Marktbericht

Gespanntes Warten US-Börsen ohne Schwung

Stand: 09.06.2021 22:25 Uhr

An der Wall Street gab es erneut keine nennenswerten Kursbewegungen. Die Investoren blicken weiter gebannt auf neue Inflationsdaten, die für Donnerstag erwartet werden, und hielten sich daher zurück.

An der New Yorker Börse war auch heute wieder Geduld gefragt. Warten auf die morgigen Preisdaten aus dem Mai lautet derzeit die Devise. Von den Verbraucherpreisen erwarten sich die Investoren Aufschluss über den weiteren Zinskurs der US-Notenbank Federal Reserve. Laut dem RBC-Strategen Simon Deeley bleibt die allgemeine Risikobereitschaft der Anleger aktuell "im neutralen Bereich".

Er verwies dabei auf einen massiven Anstieg der Verbraucherpreise um 4,2 Prozent im April, die von der Fed besonders beäugte Kernrate ohne Energie und Lebensmittelpreise lag dabei bei 3,0 Prozent. Erwartet wird ein Anstieg der Kernrate auf 3,4 Prozent. Viel diskutiert wird unter Anlegern derzeit die Frage, wie nachhaltig dieser Preisanstieg ist - und inwiefern dies die US-Notenbank mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik unter Druck setzt.

Überwiegend etwas schwächer

Die großen Aktienindizes bewegten sich vor diesem Hintergrund auch heute, und damit den dritten Tag in Folge, kaum. Sie schlossen uneinheitlich, bleiben dabei aber auf hohem Niveau. Der Leitindex Dow Jones gab am stärksten um 0,44 Prozent nach auf 34.447 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq hingegen gab es leichte Verluste von 0,1 Prozent auf 13.911 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 verzeichnete ein Miniplus von 0,03 Prozent auf 13.814 Zähler. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index gab 0,18 Prozent nach auf 4219 Punkte.

Entspannter Rentenmarkt

Kursgewinne gab es hingegen am US-Rentenmarkt, wo die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe deutlich auf 1,49 Prozent sank. Die Anleihemärkte dies- und jenseits des Atlantiks haben zuletzt von enttäuschend aufgenommenen US-Arbeitsmarktdaten profitiert, welche die Konjunktursorgen genährt und damit Spekulationen auf eine etwas weniger großzügige Geldpolitik der US-Notenbank einen Dämpfer versetzt haben. Auf dem Höhepunkt der jüngsten Inflationssorgen war die Rendite noch bis knapp an die Marke von 1,7 Prozent gestiegen, seitdem hat sich der Markt aber beruhigt.

BioNTech gesucht

Aktien des deutschen Impfstoffherstellers legten gegen den allgemeinen Trend an der Nasdaq deutlich um 9,5 Prozent zu. Auch Papiere des US-Partners Pfizer gewannen rund 2,5 Prozent. Die USA wollen Medienberichten zufolge 500 Millionen Impfdosen von BioNTech/Pfizer kaufen, um sie anderen Ländern zur Verfügung zu stellen. Dies werde US-Präsident Joe Biden auf dem am Freitag beginnenden G7-Gipfel in Großbritannien verkünden, berichteten die "Washington Post" und die "New York Times" am Mittwoch. Biden traf unterdessen zu seiner ersten Auslandsreise in Europa ein.

DAX-Anleger auf der vorsichtigen Seite

Der deutsche Leitindex DAX schloss heute um 0,4 Prozent leichter und rutschte dabei unter die Marke von 15.600 Punkten. Am Ende des Tages ging der Index bei 15.581 Punkten aus dem Handel. Das Tagestief lag bei 15.505 Punkten, das Tageshoch bei 15.669 Zählern. Damit bleibt der Index auf hohem Niveau, es fehlen aber weiterhin Impulse, die die Kurse weiter antreiben könnten.

US-Preisdaten und EZB-Strategie im Fokus

Die Anleger blieben ebenfalls zurückhaltend vor den morgigen US-Inflationsdaten. Allzu hohe Teuerungsraten könnten die Fed bei ihrer Zinspolitik stärker in Zugzwang bringen, was die Börsen weltweit fürchten.

Zudem steht morgen eine ebenfalls mit Spannung erwartete Sitzung der Europäischen Notenbank (EZB) an. Die Währungshüter wollen Insidern zufolge in der kommenden Woche auf einem dreitägigen Treffen an einem Tagungsort in der Nähe von Frankfurt über ihren laufenden Strategiecheck beraten.

Es werde das erste Mal sein, dass die 25 Mitglieder des EZB-Rates seit Beginn der Corona-Pandemie wieder physisch zusammenkommen. Ziel des Treffens sei es, erhebliche Fortschritte bei der laufenden Strategieüberprüfung zu erzielen. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde an ihrer Geldpolitik vorerst nicht rütteln, sagte Dirk Steffen, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank.

"Die Währungshüter legen neue Projektionen vor und dürften ihre Erwartungen für das Wachstum und für die Inflation im Euroraum kräftig anheben. Daher wird am Markt bereits intensiv diskutiert, wie es mit den Anleihekäufen weitergeht." In jedem Fall ist die EZB mit ihrem Zinszyklus weit hinter der Fed zurück, trotzdem werden die Märkte genau hinsehen, ob auch die Euro-Zentralbank einen Strategieschwenk ins Auge fasst.

Südeuropa deckt sich ein

Im Vorfeld der Sitzung haben vor allem südeuropäische Länder sich weitere Milliarden am Kapitalmarkt besorgt. Griechenland nahm am Mittwoch 2,5 Milliarden Euro bei der Emission einer zehnjährigen Staatsanleihe ein. Die Anleger rissen sich um das Papier. Erst gestern hatte Italien zehn Milliarden Euro mit einer zehnjährigen Staatsanleihe eingenommen, wobei sich die Gebote der Investoren hier auf 65 Milliarden Euro beliefen. Portugal besorgte sich eine Milliarde Euro über Bonds mit Laufzeiten von sechs und zehn Jahren.

Zuletzt hatte die EZB ihr "PEPP" getauftes Notfall-Kaufprogramm gegen die Pandemiefolgen noch hochgefahren, um der Konjunktur mit billigem Geld auf die Sprünge zu helfen und die Finanzierungskosten der Staaten niedrig zu halten. Nun steht die Entscheidung an, wie es in den nächsten Monaten weitergehen soll. Mit einer Änderung des bei 0,00 Prozent stehenden Leitzinses wird nicht gerechnet.

Merck setzt Rally fort

Unter den Einzelwerten im DAX überwogen die Verlierer. Zu den größten gehörten dabei das Indexschlusslicht Covestro und die Deutsche Bank.

Gegen den Trend weiter auf Rekordkurs befinden sich Merck-Papiere. Die Anteile des Darmstädter Spezialmaterialien- und Pharmakonzerns erreichten bei fast 155 Euro eine weitere Bestmarke und führten damit auch den DAX an. Neue Nachrichten zum Unternehmen gab es nicht, das Papier gehört allerdings schon länger zu den Lieblingen der Anleger.

Euro weiter um die Marke von 1,22 Dollar

Kaum Bewegung gibt es derzeit auch am Devisenmarkt, der ebenfalls auf die neuen Daten wartet. Der Euro handelt weiter in einer engen Bandbreite um die Marke von 1,22 Dollar. Im US-Handel liegt der Kurs bei 1,2176 Dollar etwas tiefer als im späten europäischen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2195 (Dienstag: 1,2182) US-Dollar fest. Aktuelle Konjunkturdaten aus Deutschland bewegten den Markt nicht.

Sollten die US-Preisdaten wie schon im April nach oben überraschen, könnte der Dollar nach Meinung von Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank wieder zulegen. Aber zu sehr aus dem Fenster lehnen werde sich vor der Fed-Sitzung nächste Woche vermutlich kaum jemand, da unklar sei, wie genau sich Notenbankchef Jerome Powell zur ungünstigen Datenkonstellation äußern werde. Denn einerseits stiegen die Inflationsraten deutlich, doch andererseits habe der monatliche Arbeitsmarktbericht zuletzt enttäuscht.

Deutsche Exporte nur noch mit Mini-Plus

Die deutschen Exporteure haben ihre Ausfuhren dank der starken Nachfrage aus den USA, China und der EU den zwölften Monat in Folge gesteigert. Sie wuchsen im April allerdings nur noch um 0,3 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit 0,5 Prozent gerechnet, nach 1,3 Prozent im März. "Die Materialknappheiten und der Mangel an Vorprodukten lastet auf der Industrieproduktion", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Ölpreise nicht zu bremsen, WTI über 70 Dollar

Weiter nach oben ging es auch heute mit den Ölpreisen, ein Barrel der US-Leichtölsorte stieg zwischenzeitlich über 70 Dollar, die Nordseesorte Brent kostete deutlich über 72 Dollar. Im weiteren Verlauf gaben die Preise dann aber wieder etwas nach. Auftrieb erhalten die Rohölpreise durch Lagerdaten aus den USA. Nach Zahlen des American Petroleum Institute (API) vom späten Dienstagabend sind die Rohölvorräte der Vereinigten Staaten in der vergangenen Woche gesunken.

El Salvador führt den Bitcoin ein

Nach einem erneuten heftigen Kursrutsch gestern kann sich der Bitcoin bei Kursen von derzeit wieder über 36.000 Dollar erholen. Die Cyberwährungen bleiben aber angeschlagen, noch im April kostete der Bitcoin in der Spitze rund 65.000 Dollar.

Rückenwind erhielt die wichtigste Kryptowährung aus dem mittelamerikanischen Land El Salvador, denn das dortige Parlament hat ein Gesetz für die Nutzung des Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel verabschiedet. Das Gesetz sieht vor, dass in dem mittelamerikanischen Land jeder Händler Bitcoin als Zahlungsmittel annehmen muss, der technisch dazu in der Lage ist.

Auch Steuern können demnach in der Kryptowährung bezahlt werden. Auf den Tausch von Bitcoins soll keine Kapitalertragssteuer erhoben werden. Den Wechselkurs zum US-Dollar werde der Markt frei entscheiden. Seit 2001 wird in El Salvador nicht mehr eine einheimische Währung, sondern der US-Dollar benutzt. Dadurch ist das Land von der Geldpolitik der US-Notenbank abhängig.

VW investiert mehr in Batterietechnik

Volkswagen hat weitere rund 500 Millionen Euro in den schwedischen Batteriezellhersteller Northvolt investiert. Northvolt habe insgesamt rund 2,75 Milliarden US-Dollar (2,26 Milliarden Euro) eingesammelt, um die Produktion, das Recycling sowie die Forschung und Entwicklung rund um Batteriezellen auszubauen, so VW. Damit hält der DAX-Konzern weiter 20 Prozent an dem Unternehmen, womit die Wolfsburger ihre strategische Partnerschaft mit den Schweden bekräftigen, sagte VW-Finanzvorstand Arno Antlitz. Northvolt baut derzeit im nordschwedischen Skellefteå eine Fabrik für Hochleistungsbatteriezellen.

Touristikaktien legten zu

Aktien aus der Branche legten europaweit zu. Lufthansa im MDAX, aber auch die Papiere von Fraport, des Triebwerksherstellers MTU und des Reisekonzerns TUI profitierten von positiven Nachrichten. Die Abgeordneten des Europaparlaments billigten die Details für ein EU-weites Covid-19-Zertifikat, das Reisen in der EU vereinfachen soll. Zudem lockern die USA ihre Reisewarnung für amerikanische Staatsbürger in der Pandemie für Ziele wie Deutschland und Dutzende andere Länder. Zuvor galt die höchste Stufe vier, die nur noch für einige EU-Länder wie Portugal, Belgien, die Niederlande und Polen aufrecht erhalten wurde.

MAN will ab 2024 E-Trucks bauen

Der LKW-Hersteller MAN bereitet sich auf die Serienfertigung von elektrischen Lastwagen vor. Traton-Chef Andreas Tostmann sagte am Mittwoch bei der Eröffnung eines Schulungszentrums in München, in den nächsten Wochen werde mit der Produktion der ersten Prototypen begonnen. 2024 werde der schwere E-Truck der Öffentlichkeit vorgestellt. Zugleich forderte er stärkere Anstrengungen der Politik beim Aufbau der Lade-Infrastruktur an den Autobahnen.

Die Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter Traton, zu der neben der Marke MAN und VW auch Scania gehört, setzt auf elektrisch betriebene Lastwagen auch für die Langstrecke. Die ersten derartigen Fahrzeuge seien bislang in Kleinserien an Kunden ausgeliefert worden. MAN will künftig konventionell und batterieelektrisch angetriebene Lastwagen im Münchner Werk in einem gemeinsamen Serienband herstellen.

Gelungenes Marqeta-Börsendebut freut auch die Commerzbank

Das US-Start-Up Marqeta hat am Mittwoch einen fulminanten Börseneinstand an der Nasdaq gefeiert. Die Aktien des Zahlungsanbieters kletterten um rund 13 Prozent. Der erste Kurs lag bei 32,50 Dollar nach einem Ausgabepreis von 27 Dollar. Damit wurde die Firma, an der die Commerzbank beteiligt ist, mit mehr als 17,2 Milliarden Dollar bewertet.

Das in Kalifornien ansässige Fintech profitiert derzeit wie andere Payment-Unternehmen von der Coronavirus-Pandemie und dem vermehrten Einkaufen von Kunden im Internet. Außerdem haben in Geschäften Zahlungen mit Karten und Smartphones zugenommen. Die Commerzbank ist seit 2015 an dem amerikanischen Kreditkartenanbieter beteiligt und hat bei Finanzierungsrunden mitgemacht. Zur aktuellen Höhe des Anteils wollte sich die Bank zuletzt nicht äußern.

Doordash macht Delivery Hero Konkurrenz

Der amerikanische Konkurrent Doordash macht Delivery Hero in Japan Konkurrenz. Der vom japanischen Technologieinvestor Softbank unterstützte Anbieter gab bekannt, nach Kanada und Australien nun auch in Japan an den Start zu gehen. Zunächst soll sich das Angebot auf die Großstadt Sendai beschränken. Japan hat sich in der Corona-Krise für Essenslieferdienste zu einem umkämpften Markt einwickelt. Die Aktie von Delivery Hero im DAX verliert leicht.

Inditex mit Corona-Nachwirkungen

In der Bilanz des spanischen Modehändlers lassen sich die Auswirkungen von Geschäftsschließungen während der Corona-Lockdowns ablesen. Im ersten Quartal lag das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwar mit 1,23 Milliarden Euro fast dreimal so hoch wie vor Jahresfrist. 2019, vor Ausbruch der Pandemie, hatte das Unternehmen aber gut ein Viertel mehr verdient. Der Umsatz der Zara-Muttergesellschaft stieg von Februar bis April binnen Jahresfrist um ein Viertel auf 4,9 Milliarden Euro, liegt damit allerdings noch eine Milliarde niedriger als 2019. Inzwischen hat sich das Bild aber gedreht: Von Mai bis Anfang Juni ließen die Kunden mehr als doppelt so viel Geld in den Geschäften wie vor Jahresfrist.

Jenoptik hebt Dividende an

Der Technologie-Konzern Jenoptik zahlt seinen Aktionären in diesem Jahr eine Dividende von 0,25 Euro pro Aktie. Vor einem Jahr war die Dividende wegen wirtschaftlicher Risiken durch die Pandemie auf 0,13 Euro pro Anteilsschein verringert worden. "Wir sind auch unter Pandemiebedingungen profitabel geblieben", sagte Jenoptik-Chef Stefan Traeger in der Hauptversammlung, die erneut online abgehalten wurde.

Traeger sagte weiter, der Jenoptik sei gut durch die Corona-Krise gekommen. Der Konzern werde sich verstärkt auf seine Kompetenz im Bereich Optik - und damit die technische Nutzung von Licht - konzentrieren. Vor allem durch den Trend zu Digitalisierung und künstlicher Intelligenz werde bei optischen Systemen mit einem starken Marktwachstum gerechnet. Die Jenoptik-Aktie ist im TecDAX und im SDAX enthalten.

Heideldruck hofft auf Gewinne

Im Geschäftsjahr 2021/22 (Ende März) rechnet der Druckmaschinenhersteller wieder mit einem kleinen Nettogewinn und einem kleinen Umsatzanstieg. Auch die operative Marge, gemessen am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), soll steigen. Im abgelaufenen Jahr konnte Heidelberger Druck den Verlust unterm Strich bereits von 343 Millionen Euro auf 43 Millionen Euro senken. Nun soll es ein leicht positives Nachsteuerergebnis sein, das Unternehmen sprach von zunehmender Zuversicht. Eckdaten zu Umsatz und operativem Ergebnis aus dem abgeschlossenen Geschäftsjahr hatte der Druckmaschinenhersteller bereits vorgelegt.

Windeln.de mit Kurskapriolen

Die Rally bei Windeln.de geht weiter. Die Aktien des Online-Babyausstatters stiegen im Frankfurter Handel zeitweise um mehr als 50 Prozent auf 6,80 Euro und fielen danach wieder auf Kurse um 5,50 Euro. Am Mittag rutschten die Titel sogar ins Minus. Ähnlich wie beim US-Videospielehändler GameStop oder bei der Kinokette AMC wird die Hausse von Kleinanlegern getrieben, die sich in einschlägigen Internet-Foren gegenseitig zu Käufen ermuntern.