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Marktbericht

Nach Fed-Protokollen Wall Street grenzt Verluste ein

Stand: 19.05.2021 22:23 Uhr

Inflationssorgen und der wilde Ritt des Bitcoin haben heute an der Wall Street für Abgabedruck gesorgt. Nach den mit Spannung erwarteten Fed-Protokolle grenzte der Markt aber Verluste ein.

Ein über weite Teile angespannter und volatiler Handelstag endete an der New Yorker Börse noch einigermaßen versöhnlich. Vor allem an der Technologiebörse Nasdaq ging es im späten Geschäft noch bergauf, nachdem der Markt lange Zeit stärker im Minus gelegen hatte. Am Schluss stand beim Composite-Index nur noch ein marginales Minus von 0,03 Prozent auf 13.299 Zähler. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schaffte sogar ein leichtes Plus von 0,15 Prozent auf 13.237 Punkte.

Der Leitindex Dow Jones verlor knapp ein halbes Prozent und schloss bei 33.896 Punkten und damit in der Nähe seines Tageshochs von 33.945 Punkten. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index ging bei 4115 Punkten um 0,29 Prozent schwächer aus dem Markt. Am Rentenmarkt stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf 1,68 Prozent.

Fed-Protokolle und Krypto-Crash im Fokus

Die Aussagen des mit Spannung erwarteten Sitzungsprotokoll des Zinsausschusses der Fed vom 28.4. konnten die jüngsten Bedenken der Anleger nur teilweise zerstreuen. Die Mitglieder des Ausschusses bestätigten dabei altbekannte Positionen, so wie sie Fed-Chef Jerome Powell schon seit einer Weile verkündet. In bester Notenbank-Manier hielten sie sich bei ihrer Diskussion aber auch alle Hintertüren ihres weiteren geldpolitischen Handelns offen.

Konkret äußerten sich die Mitglieder des Ausschusses vorsichtig optimistisch zur weiteren konjunkturellen Entwicklung in den USA. Einige Teilnehmer hätten deutlich gemacht, dass bei künftigen Sitzungen mit der Erörterung eines Plans zur Anpassung des Kaufprogramms von Wertpapieren begonnen werden könne. Allerdings stellten auch einige Teilnehmer fest, dass es trotz jüngster Fortschritte wahrscheinlich noch einige Zeit dauern werde, bis die Wirtschaft wesentliche Fortschritte auf dem Weg hin zur angepeilten Vollbeschäftigung machen werde.

Hinter den derzeit angespannten Blicken der Investoren in Richtung Fed steht die Befürchtung, dass die Notenbank in Anbetracht anziehender Preise schon schneller als gedacht auf die geldpolitische Bremse treten könnte. Unmittelbar scheint dies zunächst aber nicht auf der Agenda zu stehen, was besonders der Hinweis auf den noch angeschlagenen Arbeitsmarkt zeigt.

Bis zu dessen Normalisierung, das hat die Fed zuletzt immer wieder klar gemacht, sei sie bereit, auch höhere Inflationsraten kurzfristig zu tolerieren. Derzeit scheiden sich unter anderem an dieser Formulierung die Geister, wobei es um die simple Frage geht, was kurzfristig bedeutet. Im April waren die Verbraucherpreise schon um 4,2 Prozent gestiegen, weit über der Zielzone der Bank von 2,0 Prozent. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten fielen hingegen überraschend deutlich schwächer aus als erwartet.

Der wüste Ritt des Bitcoin

In Mitleidenschaft gezogen wurde der Markt auch durch die selbst für den volatilen Kryptomarkt ungewohnten Schwankungen beim Bitcoin und anderen digitalen Währungen. "Heute dreht sich alles um den Kurssturz der Kryptowährungen", sagte Dennis Dick, Chef-Händler des Brokerhauses Bright Trading. "Deren Crash hat Auswirkungen auf den Aktienmarkt, der bereits von Inflationssorgen geplagt wird."

Der Bitcoin, der am Morgen bei über 43.000 Dollar gestanden hatte, sackte im Verlauf bis auf gut 30.000 Dollar ab, ehe er sich danach wieder erholte. Aktuell wird die führende Digitalwährung wieder bei 39.000 Dollar gehandelt. Das Rekordhoch wurde Mitte April mit knapp 65.000 Dollar erreicht.

Der Kryptomarkt reagierte mit dem zwischenzeitlichen starken Ausverkauf auf Äußerungen bedeutender chinesischer Bankenverbände, Kryptowährungen seien "keine echten Devisen". Die drei Verbände warnten Investoren zudem vor "Spekulationen" und riefen Finanzinstitute dazu auf, Kryptowährungen als Zahlungsmittel weder zu akzeptieren noch zu benutzen. China ist schon länger für seine kritische Haltung gegenüber Kryptoanlagen bekannt. Das Land arbeitet deshalb selbst an einer digitalen Variante seiner Landeswährung Yuan und führt bereits erste Feldversuche durch.

Die Mitteilung aus China trifft zudem auf einen angeschlagenen Markt. Für erhebliche Verunsicherung sorgte zuletzt vor allem Tesla-Chef und Krypto-Befürworter Elon Musk. Er hatte den im Februar eingeschlagenen Kurs des Elektroautobauers Tesla, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren, korrigiert. Als Grund nannte Musk eine schlechte Umweltbilanz, was aber nicht neu ist. Tesla-Aktien gaben heute 2,5 Prozent nach.

DAX muss Federn lassen

So schnell kann es gehen an der Börse: Während der Leitindex DAX am Dienstag noch bei 15.538 Punkten ein Rekordhoch markierte, hat sich schon einen Tag später die Stimmung gedreht. Die Börse ist derzeit nichts für schwache Nerven, denn am Ende eines schwachen Handelstages schloss der DAX deutlich um 1,8 Prozent tiefer bei 15.113 Punkten.

Zentrales Thema an den Börsen bleibt die Debatte über Inflation und Zinsen - mittlerweile gepaart mit einer Dollar-Schwäche. Dabei werden mehr und mehr die Auswirkungen des starken Euro auf die hiesigen Unternehmen hinterfragt. Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets warnte, dass eine anhaltende Schwächephase der US-Währung die Preissteigerungen der überwiegend in Dollar gehandelten Rohstoffe und damit den Inflationsdruck weiter anheizen könnte. Anleger sezieren die einzelnen Anlageklassen gerade auf ihre Fähigkeit hin, in einer Börsenwelt zu bestehen, in der vielleicht bald etwas weniger Milch und Honig von den Zentralbanken fließen wird", so der Experte weiter.

Fast nur Verlierer

Nahezu alle 30 DAX-Werte lagen am Ende im Minus, schwächster Wert waren dabei mit Verlusten von gut 3,6 Prozent Delivery Hero. Auch Siemens und HeidelbergCement verloren in der gleichen Größenordnung. Lediglich die Papiere des Pharmakonzerns Merck sowie von Adidas lagen gegen den Trend leicht im Plus.

Preisdaten schüren Zinsängste

Vor allem die jüngsten Preisdaten, sowohl heute aus der Eurozone als auch in der Vorwoche aus den USA, lasteten auf dem Markt. Zudem wurden heute auch aus Großbritannien steigende Preise gemeldet. Die Teuerungsrate verdoppelte sich auf 1,5 Prozent. Eine bisher solide Berichtssaison und die Fortschritte bei der Impfkampagne treten derzeit in den Hintergrund.

So lagen die Verbraucherpreise in der Eurozone im April 1,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt Eurostat heute in Luxemburg laut einer zweiten Schätzung mitteilte. Damit wurde das Ergebnis der ersten Schätzung wie von Volkswirten erwartet bestätigt. Im März hatte die Inflationsrate noch bei 1,3 Prozent gelegen. In den USA lagen die Verbraucherpreise im April sogar bei 4,2 Prozent.

Anleger sorgen sich nun, dass die Notenbanken diesen Inflationsanzeichen mit Zinserhöhungen entgegen treten könnten. Unmittelbar gibt es dafür allerdings keine Anzeichen, folgt man den jüngsten Aussagen der Notenbanker. Aber die Börse blickt bekanntlich voraus und so kommt es trotz guter Unternehmensergebnisse und sinkender Corona-Zahlen derzeit zu einer schwierigen Gemengelage.

Volatiler Euro

Der Euro hat am Mittwoch eine Berg- und Talfahrt hinter sich gebracht. Mit 1,2245 Dollar hatte er am Vormittag nach anfänglichen Verlusten noch den höchsten Stand seit Ende Februar markiert. Nach den Fed-Protokollen fiel die Gemeinschaftswährung wieder unter 1,22 Dollar zurück auf derzeit 1,2176 Dollar im US-Handel. Auch der Einbruch am Kryptomarkt kam dem Greenback zugute, ebenso der in unsicheren Zeiten gesuchte japanische Yen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,2212 (Dienstag: 1,2222) Dollar festgesetzt.

Der Euro profitierte allerdings zuletzt von der Aussicht auf eine konjunkturelle Besserung. Rückenwind kommt vor allem von der mittlerweile zügig verlaufenden Corona-Impfkampagne. Ein steigender Euro könnte dabei für die exportorientierten Unternehmen aus dem Euro-Raum zum Problem werden, denn deren Waren werden für Käufer aus dem Ausland durch den Währungseffekt teurer. Die Schwankungen am Devisenmarkt brachten auch Bewegung in den Goldpreis, der in der Spitze bis fast 1890 Dollar anzog, danach aber wieder zurückfiel.

Öl verliert

Die Ölpreise haben am Mittwoch den zweiten Tag in Folge deutlich nachgegeben. Die schlechte Aktienmarktstimmung und die Furcht vor einem steigenden Ölangebot belasteten. Bereits am Dienstagabend waren die Erdölpreise um rund eineinhalb US-Dollar gefallen. Auslöser waren Äußerungen zu den Verhandlungen über eine Wiederbelebung des Atomabkommens mit dem Iran. Mit einem Verhandlungserfolg könnte der Wegfall von Sanktionen gegen Iran verbunden sein, was dessen Ölexport und damit das weltweite Ölangebot steigern würde.

Autoabsatz im April verdreifacht

Die Autobranche hat sich gut erholt. Der europäische Herstellerverband ACEA teilte am Mittwoch mit, die Pkw-Neuzulassungen hätten sich im vergangenen Monat auf 862.000 Fahrzeuge mehr als verdreifacht. Der starke Anstieg liegt daran, dass die Autoproduktion und der Handel vor einem Jahr wegen der Pandemie-Bekämpfung europaweit weitgehend stillstand. Das Vorkrisenniveau ist damit aber längst noch nicht erreicht. Laut ACEA kamen im vergangenen Monat fast 300.000 Einheiten weniger auf die Straßen als im April 2019.

Porsche mit Gewinnschub

Die Erholung an den Automärkten und insbesondere beim Volkswagen-Konzern hat auch bei der Beteiligungsgesellschaft Porsche Automobil Holding SE für einen steigenden Gewinn gesorgt. Im ersten Quartal verzeichnete die von den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch kontrollierte Holding ein Nettoergebnis von 995 Millionen Euro, wie das im MDAX notierte Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte es nur bei 99 Millionen Euro gelegen.

Der Gewinn der Porsche SE wird maßgeblich durch die Geschäfte des VW-Konzerns beeinflusst, der für ein Beteiligungsergebnis von 1,0 Milliarden Euro sorgte nach 108 Millionen Euro vor einem Jahr. Die Porsche SE hält gut 53 Prozent der Stimmrechte an VW und mehr als 31 Prozent der Kapitalanteile.

Telekom will Mehrheit bei US-Tochter

Der Telekom-Konzern will laut Medienberichten seinen Anteil an dem Tochterunternehmen T-Mobile US aufstocken. Die Deutschen zielten auf eine Mehrheitsbeteiligung bei dem US-Mobilfunker, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet. Derzeit hält die Telekom gut 43 Prozent der Aktien an T-Mobile US. Der Finanzzeitung und Bloomberg zufolge will Telekom-Chef Timotheus Höttges seine Pläne, in die Mehrheit zu gehen, beim Kapitalmarkttag am Donnerstag vorstellen.

Deutsche Börse für 2021 zuversichtlich

Die Deutsche Börse will trotz Rückgängen bei Umsatz und Gewinn im ersten Quartal erneut ein erfolgreiches Jahr abliefern. "Wir haben noch operativen Spielraum", betonte Konzernchef Theodor Weimer bei der Online-Hauptversammlung des DAX-Konzerns am Mittwoch. Auch für den Fall, dass sich die Märkte schlechter entwickeln als erwartet, sei vorgesorgt.

Trotz einiger kritischer Nachfragen stimmten die Aktionäre mit großer Mehrheit für ein neues Vergütungssystem für den Vorstand. Boni sollen etwa zusätzlich an Kriterien wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance/ESG) gekoppelt werden. Für das abgelaufene Geschäftsjahr erhalten die Aktionäre mit drei Euro je Anteilsschein eine um zehn Cent höhere Dividende.

Geleitet wurde die Hauptversammlung erstmals von dem seit einem Jahr amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Martin Jetter. Jetter bewarb sich bei den Aktionären erfolgreich um eine weitere Amtszeit als Aufsichtsrat. Zudem wählten die Aktionäre sieben weitere Mitglieder des 16-köpfigen Kontrollgremiums turnusgemäß neu. In seiner anschließenden Sitzung bestimmte der Aufsichtsrat Jetter erneut zum Vorsitzenden.

Holpriger Suse-Börsengang

Die Aktien des Linux-Softwareanbieters Suse sind bei ihrem Börsendebüt auf eine Berg- und Talfahrt gegangen. Die Papiere gingen am Morgen mit 29,50 Euro in den Handel und lagen damit unter dem Ausgabepreis von 30 Euro. Im weiteren Verlauf fingen sich die Aktien etwas und lagen dann am Vormittag bei 30,30 Euro. Zum Ausgabepreis wurde das Unternehmen aus Nürnberg mit rund fünf Milliarden Euro bewertet. Firmenchefin Melissa Di Donato freute sich über den Gang auf das Parkett, mit dem sich Suse auch etwas vom Eigentümer - dem Finanzinvestor EQT aus Schweden - löst: "Es ist ein historischer Tag für Suse."

Auto1 gibt Gas

Der Börsenneuling wartete am Morgen mit Wachstumszahlen auf. Der Umsatz des Online-Gebrauchtwagenhändlers legte von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal um rund 16 Prozent auf 900 Millionen Euro zu. Das bereinigte Betriebsergebnis lag bei minus 14 Millionen Euro, nach minus 22 Millionen Euro im Vorquartal. "Angesichts der Entwicklung im ersten Quartal sind wir für die kommenden Monate optimistisch", so Firmenchef Christian Bertermann. Auto1 bestätigte den Jahresausblick, wonach Erlöse von 3,8 bis 4,2 Milliarden Euro angepeilt werden.

Corestate macht Verluste

Der Immobilienkonzern Corestate ist mit einem Verlust ins Jahr gestartet. Netto lag das Minus bei neun Millionen Euro. Der Umsatz erreichte 37 Millionen Euro und das operative Ergebnis (Ebitda) eine Million. "Zwar sind wir angesichts des verhaltenen Investmentmarktes im ersten Halbjahr derzeit noch mit angezogener Handbremse unterwegs", kommentierte Firmenchef René Parmantier. Der Vorstand habe aber etwa mit einer Umorganisation des Vertriebs die Voraussetzungen geschaffen, "spätestens im Sommer richtig durchzustarten". Er bekräftigte daher seine Jahresziele.

Google und Samsung kooperieren

Der Internetgigant Google und Samsung tun sich im Geschäft mit Computer-Uhren zusammen, um besser mit dem Marktführer Apple und dessen Apple Watch zu konkurrieren. Samsung wird seine nächsten Smartwatches nicht mehr mit dem hauseigenen Betriebssystem Tizen ausstatten, sondern auf Googles Plattform Wear OS umsteigen. Zugleich soll Wear mit Tizen-Elementen zu einem übergreifenden System weiterentwickelt werden, wie die Partner am Dienstag auf der Entwicklerkonferenz Google I/O ankündigten. Wear OS ist ein Ableger des dominierenden Smartphone-Systems Android für Computer-Uhren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Mai 2021 um 12:00 Uhr.