Händler an der New Yorker Börse | picture alliance/dpa/XinHua
Marktbericht

Zinsängste Wall Street tief im Minus

Stand: 10.02.2022 22:16 Uhr

Massive Zinsängste haben das Geschehen an der New Yorker Börse bestimmt. Deutliche Signale kamen dabei auch vom Rentenmarkt. Die Anleger zogen sich auf breiter Front zurück.

Die zuletzt wieder bessere Stimmung am US-Aktienmarkt ist heute neu aufgeflammten Inflationssorgen gewichen. Der Preisauftrieb in den USA beschleunigte sich im Januar auf hohem Niveau stärker als erwartet. Druck kam jedoch vor allem auf, nachdem James Bullard, Präsident der Notenbank von St. Louis, sagte, er befürworte eine Leitzinsanhebung um einen vollen Prozentpunkt bis Juli.

An der Wall Street sind mehrere Zinserhöhungen im Jahr bereits ausgemachte Sache. Dabei geht es bisher darum, ob eine erste Erhöhung im März von 0,25 oder 0,5 Prozent erfolgen wird. Bullards Aussage sendete entsprechende Schockwellen durch die Börse. Denn die Anleger fragen sich derzeit besonders, in welchem Tempo die Notenbank Federal Reserve (Fed) die geldpolitischen Zügel anziehen wird und befürchten, dass sie die wirtschaftliche Erholung damit abwürgen könnte.

Alle Indizes tief im Minus

Es gab Verluste bei allen großen Aktienindizes, die sich nach Bullards Aussagen ausweiteten. Dies, obwohl Quartalsberichte großer US-Konzerne von den Anlegern zunächst positiv aufgenommen wurden. Der Leitindex Dow Jones schloss am Ende bei 35.241 Punkten um 1,47 Prozent tiefer. Im Tageshoch lag der Leitindex bei 35.800 Zählern sogar noch leicht im Plus.

Tristesse auch beim marktbreiten S&P-500-Index, der 1,81 Prozent schwächer aus dem Handel ging bei 4504 Punkten. Auch an der Technologiebörse gab es Verluste von 2,1 Prozent. Der Index schloss bei 14.185 Punkten. Der Auswahlindex Nasdaq 100 gab 2,33 Prozent ab auf 14.705 Zähler.

US-Inflation so hoch wie seit 1982 nicht mehr

Ein Damoklesschwert über der Börse bleibt weiterhin die hohe US-Inflation, die Zinssorgen der Anleger anheizt. Konkret stieg die Inflation im Januar auf 7,5 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium heute bekannt gab. Die Kernrate, die ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel berechnet wird, erhöhte sich auf sechs Prozent. Experten hatten mit Werten von 7,3 beziehungsweise 5,9 Prozent gerechnet. Die Inflation steigt damit so stark wie Februar 1982 nicht mehr.

"Von einem Abflauen des Preisauftriebes ist nichts zu spüren, die Teuerung steigt auf breiter Front. Den Arbeitnehmern bleibt von ihren üppigen Lohnzuwächsen in realer Rechnung nichts übrig. Der Druck auf die Federal Reserve, entschlossen auf die Bremse zu treten, wird immer größer", kommentierte Dirk Clench von der LBBW.

Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe über zwei Prozent

Die Aussicht auf steigende Leitzinsen in den USA macht sich immer stärker auch am Anleihemarkt bemerkbar und führte dort ebenfalls zu Verlusten. Am Donnerstag stieg die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen erstmals seit Sommer 2019 über die Marke von zwei Prozent. In der Spitze rentierte das weltweit als richtungweisend geltende Papier mit fast 2,05 Prozent. Auch in anderen Laufzeiten legten die Renditen amerikanischer Staatsanleihen weiter zu. Hauptgrund für die steigenden Kapitalmarktzinsen ist die Erwartung einer deutlich strafferen US-Geldpolitik.

DAX-Anleger bleiben nervös

Der DAX beendete einen zuvor volatilen Handelstag am Ende wenig verändert bei 15.490 Punkten, ein minimaler Tagesgewinn von 0,05 Prozent. Danach sah es lange nicht aus, denn höher als erwartet ausgefallene US-Inflationsdaten sorgten am Nachmittag dafür, dass der Index stärkere Anfangsgewinne wieder abgab. Gegen Sitzungsende erholten sich die Kurse dann wieder. Das Tageshoch lag bei 15.614, das Tagestief bei 15.413 Punkten.

"Unsicherheit vor allem über die zukünftige Inflationsentwicklung und damit das Tempo des geldpolitischen Kurswechsels beherrscht in diesen Tagen das Börsengeschehen", fasst Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, die Lage zusammen. Diese Unsicherheit führt schon seit längerem zu erhöhten Kursschwankungen.

Zudem blicken die Märkte mit Besorgnis auf die sich militärisch zuspitzende Lage in der Ukraine. Westliche Politiker äußerten sich besorgt. "Das ist vermutlich der gefährlichste Moment für die nächsten Tage", sagte der britische Premierminister Boris Johnson bei einem Besuch bei der NATO.

Der Euro dreht ins Plus

Am Devisenmarkt geriet der der Euro nach den US-Inflationsdaten vorübergehend unter Druck, um sich danach zu erholen. Die Gemeinschaftswährung kostet am Abend im US-Handel 1,1430 US-Dollar, rund 0,1 Prozent mehr. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1439 (Mittwoch: 1,1435) Dollar fest.

In den USA hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt derweil weiter verbessert, was dem Greenback aber nicht half. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, ein Kurzfristindikator, ging erneut zurück. In der vergangenen Woche sank ihre Zahl um 16.000 auf 223.000, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Experten hatten im Schnitt 230.000 erwartet. Die wöchentlichen Erstanträge sind ein zeitnaher Indikator für die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Die US-Notenbank Fed berücksichtigt die dortige Lage stark bei ihren geldpolitischen Entscheidungen.

Rekordauftragsbestand bei der deutschen Industrie

Fundamental gestützt wurde der Euro von den Auftragsdaten der deutschen Industrie. Deren Auftragsbestand ist derzeit so hoch wie nie. Die Aufträge reichen laut einer ifo-Umfrage bei den Unternehmen für die nächsten 4,5 Monate. "Das gab es noch nie, seit wir diese Frage im Jahr 1969 zum ersten Mal gestellt haben", berichtete der Leiter der ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser.

Auch Industriemetalle werden aktuell stark nachgefragt, was ebenfalls auf eine robuste Konjunkturentwicklung hindeuten kann. Der Industriemetallindex der London Metal Exchange (LME) erreichte ein Rekordhoch. "Auftrieb haben die Metallpreise durch die gute Marktstimmung und den phasenweise schwächeren US-Dollar erhalten", kommentieren die Rohstoffexperten der Commerzbank.

Volatiler Handel am Ölmarkt

Die Ölpreise haben am Donnerstag keine klare Richtung gefunden. Zwischenzeitliche Gewinne gingen immer wieder verloren, so dass sich die Notierungen am Ende des Tages kaum bewegt haben. Die Ölpreise profitierten zwischenzeitlich von dem zu vielen Währungen gefallenen Dollar-Kurs. Insgesamt bleiben sie auf hohem Niveau, die Nordseesorte Brent kostet über 90 Dollar je Fass.

Zudem stützten Aussagen des Ölkartells Opec die Preise. Laut Opec könnte die Erholung der weltweiten Ölnachfrage ihre Prognosen in diesem Jahr übertreffen. Das Wirtschaftswachstum und der Reiseverkehr erholten sich von der Pandemie. Die Opec hat mit ihren verbündeten anderen Ölförderländern die Fördermengen zuletzt aber nur zögerlich angehoben. Eine wachsende Nachfrage könnte die Preise noch weiter nach oben treiben.

Die Anleger behielten auch die Verhandlungen zur Wiederbelebung des Nuklearabkommens mit dem Iran im Blick. Eine Vereinbarung, die die Bedenken aller Beteiligten berücksichtige, sei in Sicht, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Falls die Wiener Nuklearvereinbarung über das iranische Atomprogramm von 2015 wiederbelebt wird, könnte Iran nach Aufhebung der Sanktionen wieder deutlich mehr Erdöl an andere Länder liefern. Das erhöhte Angebot auf dem Weltmarkt würde den Ölpreis entsprechend drücken.

Kurssprung bei Siemens

Unter der Einzelwerten im DAX ragten Indexschwergewicht Siemens nach guten Quartalszahlen heraus. Die Aktie gewann fast fünf Prozent und war damit Tagessieger im Leitindex. Bei den Münchenern legten Auftragseingänge, Umsatz und Ergebnis im ersten Geschäftsquartal (per Ende Dezember) deutlich zu und übertrafen die Analystenprognosen. So stiegen die Erlöse um 17 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) erhöhte sich um 12 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro. Stark entwickelten sich dabei die Digitalsparte, das Geschäft mit intelligenter Infrastruktur sowie die Medizintechniktochter Healthineers.

Schwarzer Tag für Delivery Hero - Aktie stürzt brutal ab

Dramatisch ging es heute beim Essenslieferanten Delivery Hero zu, dessen Aktie nach einem schwach aufgenommenen Zahlenwerk um über 30 Prozent abstürzte. Eine für einen DAX-Wert ungewöhnliche Bewegung.

Anlegern schlug auf den Magen, dass die Verluste höher ausfielen als erwartet und das Unternehmen beim Blick nach vorn vorsichtig ist. "Die Leute verlieren endgültig die Nerven", sagte ein Händler. "Was bringt ein 'guter Ausblick' auf 2030 wenn der für 2022 nicht stimmt?" Im Sog von Delivery Hero gaben die Rivalen Deliveroo und Just Eat Takeaway ("Lieferando") ebenfalls deutlich nach.

Gewinnplus bei der Deutschen Börse

Die Deutsche Börse hat 2021 mehr verdient und ihren Aktionären eine höhere Dividende in Aussicht gestellt. Im Gesamtjahr 2021 erzielte die Deutsche Börse einen den Anteilseignern zurechenbaren Gewinn von 1,2 Milliarden Euro, ein Zuwachs von zwölf Prozent binnen Jahresfrist. Die Aktionäre sollen eine um 20 Cent erhöhte Dividende von 3,20 Euro erhalten.

Sartorius erhöht die Dividende kräftig

Die Aktionäre des Göttinger Laborausrüsters erhalten nach dem Gewinnsprung im vergangenen Geschäftsjahr eine deutlich höhere Dividende. Der Hauptversammlung soll Ende März eine Ausschüttung von 1,26 Euro je Vorzugsaktie und 1,25 Euro je Stammaktie vorgeschlagen werden, wie Sartorius mitteilte.

Im Vorjahr lag die Dividende des DAX-Mitglieds noch bei 0,71 Euro je Vorzugsaktie und 0,70 Euro je Stammaktie. Das Unternehmen profitiert von einer starken Nachfrage nach seinen Produkten in der Corona-Pandemie, aber auch das Basisgeschäft wächst stark. 2021 stieg der Nettogewinn um knapp 85 Prozent auf 553 Millionen Euro.

Thyssenkrupp schneidet besser ab als erwartet

Der Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp profitierte von den höheren Stahlpreisen, die die gestiegenen Kosten etwa für Rohstoffe und Logistik mehr als ausgleichen konnten. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse um 23 Prozent auf rund 9 Milliarden Euro. Unter dem Strich kehrte der Konzern, der sich derzeit in einem tiefgreifenden Umbau befindet, wieder in die schwarzen Zahlen zurück. So betrug der Nettogewinn 106 Millionen Euro. Hier hatte das Unternehmen im Vorjahreszeitraum noch einen Verlust von 145 Millionen Euro verbucht.

Metro führt den SDAX an

Der Quartalsbericht des Großhändlers Metro kam heute bei den Anlegern im SDAX gut an. Die Aktie stieg um 10,74 Prozent an die Spitze des Kleinwerteindex. Denn trotz wieder gestiegener Corona-Infektionszahlen ist der Umsatz des einstigen DAX-Mitglieds im ersten Quartal deutlich gewachsen.

Anleger reagierten heute auf die bereits am Vorabend nach Börsenschluss vorgelegten Ergebnisse des ersten Geschäftsquartals euphorisch. Dank zweistelliger Wachstumsraten bei Profikunden stiegen die Erlöse per Ende Dezember um 20 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Damit lagen diese über dem Vor-Pandemieniveau.

Vor allem die Auslandsmärkte und gute Geschäfte mit der Gastronomie machten sich positiv bemerkbar. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) stieg von 376 auf 521 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Metro mit 195 Millionen Euro ebenfalls erheblich mehr als im Vorjahreszeitraum, als 99 Millionen zu Buche standen.

Twitter-Zahlen leicht unter Erwartungen

Das Papier des Kurzmeldungsdienstes Twitter hat heute nach neuen Bilanzzahlen mehrfach das Vorzeichen gewechselt. Das Werbegeschäft ist deutlich gewachsen. Der Kurznachrichtendienst steigerte den Umsatz nach eigenen Angaben im abgelaufenen Quartal im Jahresvergleich um 21,5 Prozent auf knapp 1,57 Milliarden Dollar. Analysten hatten aber im Schnitt mit noch höheren Zuwächsen auf 1,58 Milliarden Dollar gerechnet.

Der Kurznachrichtendienst sieht sich weiter auf Kurs, bis Ende 2023 auf einen jährlichen Umsatz von 7,5 Milliarden Dollar zu kommen. Im vergangenen Jahr stiegen die Erlöse um 37 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. Die Zahl der Nutzer, die Twitter mit seinen Anzeigen erreichen kann, stieg in den vergangenen drei Monaten von 211 Millionen auf 217 Millionen. Analysten hatten mit mehr als 218 Millionen gerechnet.

Der Dienst fokussiert sich seit einiger Zeit auf die Leute, die auf seine App oder die Webversion zurückgreifen und damit Werbung zu sehen bekommen - statt Anwendungen anderer Anbieter zu nutzen. Bis Ende 2023 will Twitter auf dieser Basis 315 Millionen mindestens einmal im Monat aktive Nutzer haben.

Grünheide: Produktionsstart von Tesla im März?

Der Start der regulären Produktion in der Tesla-Fabrik in Grünheide verzögert sich einem Bericht des RBB zufolge weiter: Tesla dürfte demnach frühestens Mitte März die ersten Autos für den Verkauf vom Band laufen lassen. Das Werk des US-Elektrobauers vor den Toren Berlins ist zwar fertig gebaut, aber noch nicht genehmigt. Die aktuelle Verzögerung liege daran, dass die Behörden derzeit noch die Sicherheitsvorkehrungen der Fabrik prüfen, berichtete der Sender.

Disney fährt satte Gewinne ein

Walt Disney schreibt dank der starken Nachfrage nach seinem Streamingdienst und wieder gut besuchter Freizeitparks satte Gewinne. Im abgelaufenen Quartal erzielte der US-Konzern ein Nettoergebnis in Höhe von 1,15 Milliarden Dollar nach lediglich 29 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Netflix-Konkurrent Disney+, der erst seit gut zwei Jahren am Markt ist, kam zum Jahresstart auf 129,8 Millionen Abonnenten weltweit. Das sind 35 Millionen mehr als ein Jahr zuvor und auch mehr als von Analysten erwartet.

Stahlboom bei Arcelormittal

Europas größter Stahlkonzern Arcelormittal hat dank des anhaltenden Stahlbooms mit 19,4 Milliarden US-Dollar das höchste operative Jahresergebnis (Ebitda) seit 2008 eingefahren. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern wegen der Pandemie-Folgen nur 4,3 Milliarden US-Dollar verdient. Im vierten Quartal machten sich die hohen Energiepreise deutlicher bemerkbar, doch die hohen Stahlpreise halfen beim Gegensteuern. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Jahr von knapp 53,3 auf 76,6 Milliarden Dollar. Unter dem Strich stand ein Gewinn von knapp 15 Milliarden US-Dollar nach einem Minus von 733 Millionen im Vorjahr.

Uber wieder in der Spur

Der US-Fahrdienstvermittler Uber hat im vierten Quartal 2021 einen Gewinn von 892 Millionen Dollar verbucht. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 83 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. "Uber geht gestärkt aus der Pandemie hervor", sagte Unternehmenschef Dara Khosrowshahi. Die App habe nun 118 Millionen "monatlich aktive Nutzer" - "mehr als je zuvor". Uber hatte stark unter dem Nachfrage-Einbruch während der Pandemie gelitten und daraufhin in das Liefergeschäft investiert, das schnell wichtiger wurde als die Chauffeurdienste.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Februar 2022 um 17:00 Uhr.