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Marktbericht

Anleger wieder in Kauflaune Die Zickzack-Börse

Stand: 28.01.2021 22:32 Uhr

Die Achterbahnfahrt an den Börsen geht weiter: Nach dem gestrigen Kursrutsch ging es heute an der Wall Street wieder kräftig aufwärts. Neben Zahlen von Apple & Co sorgte der Aufstand der Kleinanleger gegen Hedgefonds für Kurskapriolen.

Bei einigen Aktien gab es am Donnerstag wilde Kurssprünge. So erlebten die GameStop-Papiere eine Berg- und Talfahrt. Nach mehreren Handelsunterbrechungen sackten sie um 20 Prozent ab. Die Titel des US-Einzelhändlers Bed Bath & Beyond fielen ohne echte Nachrichten um 36 Prozent. Die Aktien des Telekom-Ausrüsters Nokia rutschten um 14 Prozent ab, nachdem sie zuvor 8,5 Prozent zugelegt hatten. Angeblich mussten sich Hedgefonds, die sich bei einigen Titeln wie GameStop verspekuliert hätten, von anderen Investments trennen, um diese Verluste auszugleichen, sagte ein Marktbeobachter.

Werden die Interessen der Großinvestoren geschützt?

Auch deutsche Kleinanleger waren betroffen. Die Online-Broker Robinhood und Interactive Brokers schränkten den Handel mit einigen der jüngst so gehypten Titeln ein. Auf Twitter kritisierten einige Nutzer, dass die Broker dadurch die Interessen der großen Wall-Street-Investoren schützen - auf Kosten der Kleinanleger. In den vergangenen Tagen hatten Kleinanleger mit konzertierten Käufen Hedgefonds gezwungen, ihre Wetten auf fallende Kurse bestimmter Unternehmen aufzulösen und ihnen Milliarden-Verluste eingebrockt.

Wall Street im Aufwind

Die Kurskapriolen bei einigen Titeln schadeten der Wall Street am Donnerstag nicht. Die US-Börsen erholten sich kräftig und machten einen Teil der gestrigen Verluste wieder wett. Der Dow Jones und der S&P 500 stiegen um jeweils rund ein Prozent. Die technologielastig Nasdaq 100 schloss 0,7 Prozent fester. Vor allem Indexschwergewichte wie Microsoft, Netflix und Alphabet waren gefragt. Am Mittwoch hatten sie teilweise die größten Verluste seit drei Monaten erlitten.

Starkes Jahresende der US-Wirtschaft

Solide US-Konjunkturdaten sorgten für gute Laune. Die US-Wirtschaft legte aufs Jahr hochgerechnet um 4,0 Prozent zu. Anleger zeigten sich erleichtert, dass die USA trotz der zweiten Corona-Welle Ende überhaupt ein Wirtschaftswachstum geschafft haben. Auch vom Arbeitsmarkt kamen erfreuliche Nachrichten. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank überraschend deutlich.

DAX schafft die Wende

Dank des Rückenwinds der Wall Street schaffte der DAX den späten Sprung in die Gewinnzone. Nach anfänglichen Verlusten schloss der deutsche Leitindex 0,3 Prozent höher. Am Morgen war der DAX noch um mehr als zwei Prozent bis auf 13.310 Zähler abgerutscht.

Daimler fährt Milliardengewinn ein

Die Berichtssaison nahm am Donnerstag Fahrt auf. Am Abend nach Börsenschluss meldete Daimler einen kräftigen Gewinnsprung. Der Autobauer konnte dank Einsparungen und der raschen Erholung des Autoabsatzes einen unerwartet hohen Milliardengewinn einfahren. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) kletterte im vergangenen Jahr um 53 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro betragen. Experten hatten dem Konzern im Schnitt nur gut 5,2 Milliarden Euro Betriebsergebnis zugetraut. Der Stuttgarter Autobauer selbst hatte im November ein stabiles Ergebnis von 4,3 Milliarden in Aussicht gestellt.

Apple kann nicht mehr überraschen

Die Bilanzen der "Big Techs" wurden dagegen an der Börse eher negativ aufgenommen. Zwar fuhr Apple im Weihnachtsquartal einen Rekordgewinn von 28,76 Milliarden Dollar ein. Trotzdem fielen die Aktien des iPhone-Herstellers um zwei Prozent. Angesichts einer historisch hohen Bewertung der Papiere sei das Aufwärtspotenzial nun ausgereizt, meinte Analyst David Vogt von der schweizerischen Bank UBS.

Tesla-Ausblick zu schwammig

Ebenfalls nicht gut genug war die Jahresbilanz von Tesla. Der Elektroautopionier schaffte zwar mit 721 Millionen Dollar den ersten Jahresgewinn in seiner Geschichte. Analysten hatten jedoch über eine Milliarde Dollar erwartet. Zudem enttäuschte Tesla die Anleger mit einem vagen Ausblick. Konzernchef Elon Musk drückte sich bei der Präsentation der Quartalszahlen davor, ein konkretes Auslieferungsziel zu nennen. Die Aktien von Tesla verloren über zwei Prozent.

Facebook glänzt

Auch Facebook konnte an der Börse nur kurz überzeugen. Die Aktien konnten zwischenzeitliche moderate Gewinne nicht behaupten und fielen am Ende um 2,6 Prozent. Das weltgrößte soziale Netzwerk erhöhte den Umsatz um ein Drittel auf knapp 28,1 Milliarden Dollar. Beim Gewinn gab es gar einen Sprung von 53 Prozent auf gut 11,2 Milliarden Dollar.

Kurssprung von American Airlines

Eine positive Überraschung kam aus der Luftfahrt-Branche. American Airlines verbuchte im Schlussquartal einen geringeren Verlust als erwartet. Daraufhin schoss der Kurs um neun Prozent Prozent nach oben. Zeitweise notierten die Titel auf den höchsten Stand seit dem Beginn des Corona-Crash vor fast einem Jahr.

Euro wieder über 1,21 Dollar

Am Devisenmarkt erholte sich der Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg nach den US-BIP-Daten auf 1,2133 US-Dollar. Die Rückkehr der Inflation in Deutschland belastete den Euro nicht. Wegen der angehobenen Mehrwertsteuer und der neuen CO2-Abgabe stiegen die Verbraucherpreise hierzulande um 1,0 Prozent - so stark wie seit zehn Monaten nicht mehr.

Infineon ganz vorn

Größter Gewinner im Dax war Infineon mit einem Plus von fast vier Prozent. Europaweit sind heute Chip-Aktien gefragt. Denn der niederländische Chiphersteller und Branchenschwergewicht STMicroelectronics ist optimistisch für 2021. Er rechnet nach guten Gewinnen im Vorjahr mit einer anhaltend positiven Nachfrage auch zu Jahresbeginn.

BMW bessert die Kasse auf

Zu den Dax-Verlierern gehörte BMW. Der Premiumautobauer hat im vierten Quartal einen Zufluss finanzieller Mittel im Kerngeschäft Autobau von rund 2,8 Milliarden Euro verbucht. Damit fiel der Cashflow besser aus als am Kapitalmarkt erwartet, hieß es aus München. Im Gesamtjahr hat das Unternehmen nun einen Bargeldzufluss von 3,4 Milliarden Euro im Autogeschäft aufzuweisen. Im Vorjahr waren es 2,6 Milliarden.

Prächtiger Börsenstart der SAP-Tochter Qualtrics

Die Aktien der US-SAP-Tochter Qualtrics haben am Donnerstag ein glänzendes Börsendebüt gefeiert. Der erste Kurs lag bei 41,85 US-Dollar und damit fast 40 Prozent über dem Ausgabepreis von 30 Dollar je Aktie. Die Papiere notierten zuletzt bei 42,60 Dollar. Das Tageshoch lag bei 44,50 Dollar. Der Emissionspreis war zuvor mehrfach auf zuletzt 27 bis 29 Dollar angehoben worden. Qualtrics ist im Kern spezialisiert auf Geschäftskunden, die den Erfolg ihrer Webseiten und ihres Marketings im Netz messen wollen. Das Unternehmen ist aktuell rund 21 Milliarden Dollar schwer.

Kahlschlag bei der Commerzbank

Aus dem MDAX ragte positiv die Commerzbank heraus. Die Aktien schossen um sechs Prozent hoch. Das Geldinstitut will bis 2024 brutto rund 10.000 Vollzeitstellen abbauen, um die Kosten zu senken und die Profitabilität deutlich zu steigern. In Deutschland würde dies jeden dritten Arbeitsplatz betreffen. Zudem ist die Schließung von 340 der 790 Filialen geplant. Die Sparmaßnahmen sollen rund 1,8 Milliarden Euro kosten.

Aktienrückkauf bei Grand City Properties

Die Aktien von Grand City Properties stiegen um fast drei Prozent. Das Wohnungsunternehmen will eigene Aktien für mindestens 250 Millionen Euro zurückkaufen. Das MDAX-Unternehmen plant deshalb, 12,5 Millionen Papiere für einen Preis zwischen 20,00 und 21,25 Euro zu erwerben. Das entspricht 7,3 Prozent des Grundkapitals. Die Annahmefrist soll am Freitag beginnen und bis 12. Februar dauern.

Leoni macht Fortschritte

Die Aktien des Autozulieferers Leoni kletterten um rund acht Prozent nach oben. Das ehemalige SDAX-Mitglied konnte im vierten Quartal sein Ergebnis weiter verbessern und auch den Barmittelzufluss deutlich steigern. Das Ebit vor Sondereffekten lag bei rund 63 Millionen Euro.

Starke Einschränkungen bei Easyjet

Die verschärften Reisebeschränkungen belasten den Billigflieger Easyjet schwer. Die Fluggesellschaft rechnet für Januar bis März nur noch mit zehn Prozent der Kapazität im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum im Jahr 2019. Easyjet plant daher einen Stellenabbau, um Kosten zu sparen.

Samsung verdient deutlich mehr

Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung hat seinen Nettogewinn im vierten Quartal um 26 Prozent auf umgerechnet 4,9 Milliarden Euro gesteigert. Grund war unter anderem ein robustes Geschäft mit Halbleitern und die höhere Nachfrage nach Displays.

Toyota überholt Volkswagen

Der japanische Autohersteller Toyota hat im vergangenen Jahr erstmals wieder mehr Fahrzeuge verkauft als der Volkswagen-Konzern. Die Japaner setzten 9,53 Millionen Fahrzeuge ab und VW 9,3 Millionen. Toyota hatte zuletzt 2015 vor VW gelegen. Wegen der Pandemie lag das Minus bei Toyota bei zehn und bei Volkswagen bei 15 Prozent.

GM verkauft ab 2035 nur noch abgasfreie Autos

Der größte US-Autobauer General Motors (GM) will sein weltweites Neuwagenangebot bis 2035 komplett emissionsfrei aufstellen. "GM schließt sich Regierungen und Unternehmen bei der Arbeit für eine sicherere, grünere und bessere Welt an", erklärte Konzernchefin Mary Barra. GM steckt sich damit ehrgeizigere Klimaziele als andere Autobauer – wenn auch auf politischen Druck. So hat der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat Kalifornien bereits angekündigt, ab 2035 keine neuen Benziner und Dieselwagen mehr zuzulassen. Kalifornien ist der regional größte US-Automarkt. Dessen Abgasregeln folgen viele andere US-Staaten.

Einzelhandel beschert Mastercard Gewinnsprung

Die Aktien von Mastercard stiegen um 3,5 Prozent. Der Kreditkartenanbieter hat im vierten Quartal mit einem Nettogewinn von 1,6 Milliarden Dollar die Erwartungen des Markts übertroffen. Zwar sei das Reisegeschäft in der Corona-Pandemie eingebrochen, allerdings hätten Zuwächse beim kontaktlosen Bezahlen im Einzelhandel den Rückgang abgemildert.

Kreditkarten mit Mastercard-Logo | REUTERS

Bild: REUTERS

McDonald's: Weniger Appetit auf Burger

McDonald‘s hat im vierten Quartal unter den Lockdowns und coronabedingten Einschränkungen in Europa gelitten. Weltweit fiel der Nettogewinn um über 12 Prozent auf 1,38 Milliarden Dollar. Der Umsatz der Fast-Food-Kette fiel um rund zwei Prozent auf 5,31 Milliarden Dollar. Die Aktien von McDonald‘s schlossen fast unverändert.

McDonald's-Restaurant in Las Vegas |

McDonald's-Restaurant in Las Vegas

Norwegischer Staatsfonds macht 100 Milliarden Gewinn

Der norwegische Staatsfonds hat von der Tech-Rally an den Börsen im Corona-Jahr profitiert. Der größte staatliche Fonds der Welt erzielte ein Ergebnis von 1,07 Billionen norwegischen Kronen, also umgerechnet rund 102 Milliarden Euro. Aktien insgesamt brachten dem Fonds eine Rendite von gut 12 Prozent. Im Fonds sind 72,8 Prozent in Aktien investiert, 24,7 Prozent in Anleihen und 2,5 Prozent in Immobilien

Die norwegische Flagge | REUTERS

Bild: REUTERS

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Januar 2021 um 07:35 Uhr.