Ausgang der Frankfurter Börse | picture alliance / Zoonar
Marktbericht

Letzter Tag für den DAX 30 Abschied mit Verlusten

Stand: 17.09.2021 22:12 Uhr

Kursminus zum Wochenschluss: Die Börsen an der Wall Street beendeten den letzten Handelstag der Woche mit Minuszeichen. Der DAX, der ab Montag auf 40 Titel erweitert wird, büßte ebenfalls deutlich ein.

Der deutsche Leitindex hatte den XETRA-Handel exakt ein Prozent tiefer beendet, auch im späten Parketthandel in Frankfurt konnte er sich nicht mehr erholen. Der Late-DAX schloss um 20 Uhr bei 15.535 Punkten.

An der Wall Street kamen die Kurse im Handelsverlauf ebenfalls immer mehr ins Rutschen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte büßte am Ende 0,5 Prozent auf 34.585 Punkte ein, der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor sogar 1,2 Prozent auf 15.333 Zähler. Auf dem New Yorker Börsenparkett gingen erneut Spekulationen um, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) könne rasch mit dem "Tapering" - also der Reduzierung der Anleihekäufe - beginnen. Am kommenden Mittwoch steht wieder eine Sitzung der Notenbank an.

Ab Montag hat der deutsche Leitindex 40 Mitglieder. Unter anderem finden sich dann Aktien des Sportausrüsters Puma, der Biotechfirma Qiagen und des Online-Modehändlers Zalando in der "ersten Börsenliga" wieder. Rund 33 Jahre lang wurde der deutsche Börsenindex aus den Kursen von 30 Aktien gebildet. Offiziell startete er am 1. Juli 1988, ein DAX-Stand von 1000 Punkten wurde als Startwert für den 31.21.1987 rückgerechnet. Der Wert der DAX-Aktien hat sich seitdem also in etwa verfünfzehnfacht.

Für Schwankungen am Freitag sorgte der "dreifache Hexensabbat", der große Verfallstag an den Terminbörsen. Terminkontrakte auf Indizes und Einzelaktien verfallen an diesen Tagen, was bei vielen professionellen Anlegern für hohe Handelsaktivitäten sorgt.

Sorgenvoller Blick nach China

Neben der Sorge vor einer restriktiveren Geldpolitk der Notenbanken verunsicherst auch die Schuldenkrise beim chinesischen Immobilienkonzern Evergrande die Märkte. Aktien- und Anleiheinvestoren befürchten eine Insolvenz des zweitgrößten Immobilienentwicklers des Landes, der unter einem Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Dollar ächzt. Die Aktien sind seit Anfang des Jahres um mehr als 85 Prozent eingebrochen. Am Montag bleiben die Börsen in China und Japan feiertagsbedingt allerdings geschlossen.

Die Gemeinschaftswährung sank am Abend wieder in Richtung der Tiefstkurse der laufenden Woche, derzeit notiert der Euro bei 1,1730 Dollar. Kryptowährungen stemmen sich gegen die Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten. Der Bitcoin kostet mit aktuell 47.000 Dollar ein halbes Prozent mehr als gestern. Die Ölpreise notieren im späten Handel auf ihrem Vortagesniveau. Derzeit kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 74,90.

Übernahmefantasien beflügelten die Aktien der Commerzbank, die 1,2 Prozent zulegten. Der US-Finanzinvestor Cerberus denkt einem Zeitungsbericht zufolge über eine Übernahme des staatlichen Anteils an der Commerzbank nach. Der Investor könne sich die Übernahme der Beteiligung von 15,6 Prozent nach der Bundestagswahl gut vorstellen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf mit dem Thema vertraute Personen. Der Staat hatte die Commerzbank in der Finanzkrise 2008 vor dem Aus gerettet. Die Beteiligung, für die der Bund einst gut fünf Milliarden Euro bezahlte, ist aktuell noch etwas mehr als eine Milliarde Euro wert.

Autoaktien hatten einen schweren Stand im DAX. Bei Daimlers Lkw-Tochter Daimler Truck, die kurz vor der Abspaltung steht, sind weiterhin die Halbleiter-Bauteile knapp. "Seit den Sommermonaten hat sich die Lage für uns noch einmal verschärft", sagte Vorstandschef Martin Daum der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Von dem Engpass betroffen sei die Produktion in Deutschland und den Vereinigten Staaten. Die Auftragslage sei hervorragend, doch mangels Bauteilen habe Daimler massenweise Lastwagen auf Halde gefertigt.

Deutsche-Bank-Aktien hielten sich besser als der Gesamtmarkt. Vorstandschef Christian Sewing hat sich Finanzkreisen zufolge persönlich bei den Spitzen von Bundesfinanzministerium und der Finanzaufsicht BaFin für scharfe Kritik eines Analysten seines Hauses entschuldigt. Ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg wurde in Finanzkreisen bestätigt. Deutschlands größtes Geldhaus hatte sich am Mittwoch öffentlich von einer mit Kritik an Politik und Aufsicht gespickten Studie von Deutsche Bank Research distanziert.

Der Halbleiterhersteller Infineon rechnet mit deutlichen Preissteigerungen bei Halbleitern. Infineon-Chef Reinhard Ploss sagte bei der Eröffnung eines neuen Werks im österreichischen Villach, sein Unternehmen habe derzeit mit gestiegenen Kosten bei Zulieferern und einem erhöhten Investitionsbedarf zu tun, die an die Kunden weitergegeben werden müssten. Derzeit sei die Industrie bereit, "fast schon Mondpreise" zu zahlen. In der Fabrik im österreichischen Bundesland Kärnten will das Unternehmen dank der boomenden Nachfrage höhere Erlöse einfahren als bisher geplant. Bei Vollauslastung der Fabrik in drei bis vier Jahren sei mit einem zusätzlichen Umsatzvolumen von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr zu rechnen.

Tesla-Chef Elon Musk wird beim ersten "Tag der offenen Tür" seiner Elektroautofabrik in Grünheide bei Berlin selbst dabei sein. Er schrieb am Freitag auf Twitter auf eine entsprechende Frage: "Ja". Tesla lädt Bürgerinnen und Bürger aus Brandenburg und Berlin ein, bei der "County Fair" am 9. Oktober die Baustelle der ersten "Gigafactory" von Tesla in Europa zu erkunden. Die Gäste sollen dabei im Rahmen einer Tour auch einen Blick in das Fabrikinnere werfen, wie der Konzern im Internet schreibt.

Die vor einer Fusion stehenden Wohnungsriesen Vonovia und Deutsche Wohnen veräußern für 2,46 Milliarden Euro Immobilien in Berlin an die öffentliche Hand. Die Verhandlungen seien abgeschlossen, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz. Die öffentlichen Wohnungsgesellschaften Degewo, Howoge und Berlinovo kauften insgesamt rund 14.750 Wohnungen. Hinzu kommen rund 450 Gewerbeeinheiten.

Eine bevorstehende Lockerung der Corona-Einschränkungen in Großbritannien für den internationalen Reiseverkehr ließ die Aktienkurse europäischer Fluggesellschaften steigen. Die British-Airways-Mutter IAG, Ryanair, Air France-KLM, Lufthansa und Wizzair kletterten sämtlich. Auch Papiere von Fraport und TUI waren gefragt. Angesichts einer hohen Corona-Impfquote hat Großbritannien vereinfachte Reiseregeln angekündigt. Die Corona-Ampel werde abgeschafft, sagte Verkehrsminister Grant Shapps am Freitag. Stattdessen solle es ab 4. Oktober nur noch zwei Kategorien geben. Länder, in denen das Virus grassiert, würden als rot eingestuft, alle andere als offen.

Der spanische Medizinkonzern Grifols hat die Mehrheit am hessischen Arzneimittelhersteller Biotest übernommen. Der Blutplasma-Spezialist aus Dreieich bei Frankfurt gehörte zuvor dem Finanzinvestor Tiancheng aus Hongkong, der seine deutsche Pharmaceutical Holding für 1,1 Milliarden Euro an die Spanier abgegeben hat. Biotest beschäftigt weltweit mehr als 1900 Menschen und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 484 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. September 2021 um 17:00 Uhr.