Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Wall Street dreht ins Minus Inflationsängste nicht vom Tisch

Stand: 14.09.2021 22:18 Uhr

Obwohl die neuesten US-Preisdaten keine böse Überraschung brachten - sie bleiben hoch und schüren Ängste der Anleger vor einem Eingreifen der Notenbank. Die Wall Street drehte im Verlauf ins Minus.

Thema des Tages an der New Yorker Weltleitbörse waren die neuesten US-Inflationsdaten. Die Anleger reagierten zunächst erleichtert auf die wichtigen Makro-Daten, die die Fed zumindest kurzfristig nicht unter Druck setzen. Sie wirkten aber im weiteren Verlauf nicht mehr nach. Im Gegenteil, der Markt drehte immer mehr ins Minus, die großen Indizes gaben allesamt ihre Anfangsgewinne wieder ab.

Während die Technologiebörse Nasdaq sich lange noch besser hielt, blieben der Leitindex Dow Jones und der marktbreite S&P-500-Index in der Verlustzone stecken und weiteten diese im Verlauf sogar noch aus. Der Dow, der in der Spitze sogar bis knapp an die Marke von 35.000 Punkten gelaufen war, schloss am Ende bei 34.577 Punkten um 0,84 Prozent leichter.

Der S&P-500-Index, der sowohl Standard- als auch Technologieaktien beinhaltet, verlor am Ende 0,57 Prozent auf 4443 Punkte. Etwas besser hielt sich die Technologiebörse Nasdaq, obwohl auch diese letztlich um 0,45 Prozent im Minus schloss bei 15.037 Punkten. Der Auswahlindex Nasdaq 100 gab 0,33 Prozent nach auf 15.382 Punkte.

"Im Moment sind die Anleger vorsichtiger als in der Vergangenheit", sagte Suresh Tantia, Investmentstratege bei Credit Suisse. Es bestehe die Aussicht, dass die US-Notenbank in den nächsten zwei bis drei Monaten die massiven Anleihekäufe zurückfahre. "Und das ist ein negativer Katalysator für die Märkte." Auch die drohende Erhöhung der Unternehmenssteuern durch die Biden-Administration wird an der Street mehr und mehr zum Thema und lastet auf den Kursen.

Oracle-Zahlen gefallen nicht

Schlecht kamen bei Anlegern die Quartalszahlen des SAP-Kontrahenten Oracle an. Die Analysten von JPMorgan bemängelten schwache Erträge im Geschäft mit Software-Lizenzen, während Internet-basierte Angebote stark zugelegt hätten. Oracle-Aktien büßten rund 2,8 Prozent ein - nachdem sie seit Jahresbeginn um gut 37 Prozent zugelegt hatten.

US-Inflation so hoch wie erwartet

Eine erste Erleichterung an den Märkten wich relativ schnell der Erkenntnis, dass die Teuerung hoch bleibt und weiter deutlich über der Zielmarke der Fed von 2,0 Prozent liegt.

Konkret ist die relativ hohe Inflationsrate im August minimal zurückgegangen. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise um 5,3 Prozent, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Im Juli hatte die Inflationsrate noch bei 5,4 Prozent gelegen. Viele Analysten hatten einen leichten Rückgang erwartet. Im Juni hatte die Rate bereits bei 5,4 Prozent gelegen. Dies war die höchste Rate seit August 2008.

Die von der Fed besonders beachtete Kerninflation ohne im Preis oft schwankende Komponenten wie Energie und Lebensmittel betrug verglichen mit dem Vorjahresmonat 4,0 Prozent. Ökonomen hatten mit 4,2 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum Vormonat stieg der Kernindex um 0,1 Prozent. Hier war ein Anstieg von 0,3 Prozent prognostiziert worden.

Die Fed muss wachsam bleiben

"Abseits der Öl- und Energiepreise ist die Entwicklung trotz des Rückgangs alles andere als entspannt, denn die Kernrate liegt mit Werten von 4,0 Prozent noch immer auf einem Niveau, das zuletzt Anfang der 1990er-Jahre zu beobachten war. Zwar verweist die US-Notenbank immer wieder auf den vorübergehenden Charakter des Preisschubes. Dennoch stehen die Währungshüter unter Druck, mit der Drosselung der Anleihekäufe noch in diesem Jahr zu beginnen", kommentierte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba.

Immer mehr Ökonomen bezweifeln übrigens die offizielle Lesart der Fed, dass die Teuerungsraten sich nur als vorübergehendes Phänomen erweisen und sich spätestens im kommenden Jahr wieder zurückbilden werden. Sie befürchten vielmehr, dass sich die deutliche höhere Teuerungsrate verfestigen könnte.

Die Verbraucherpreise sind ein wichtiges Kriterium für die US-Währungshüter, die nächste Woche zusammentreffen. Die Sitzung gilt als besonders wichtig, da die Fed zuletzt eine Drosselung ihrer Anleihekäufe signalisiert hatte.

DAX fällt mit der Wall Street zurück

Wie schon am Vortag endete der Handelstag an der Frankfurter Börse für die Börsenbullen ziemlich ernüchternd. Erneut konnte der DAX anfänglich höhere Gewinne nicht verteidigen und gab im Sog einer fallenden Wall Street nach. Am Ende schloss der Index bei 15.722 Punkten, immerhin ein noch leichter Tagesgewinn von 0,14 Prozent.

Dabei hatte der DAX in einer ersten Reaktion auf die mit Spannung erwartete US-Verbraucherpreisentwicklung im August in der Spitze bis auf 15.760 Punkte zugelegt. "Es wird am Markt verhalten positiv gesehen, dass es keine negative Überraschung gab", sagte ein Händler.

Die US-Preisdaten waren heute natürlich auch in Frankfurt mit großer Spannung erwartet worden, erhofften sich die Anleger von den Daten doch Hinweise darauf, ob die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) womöglich früher als erwartet damit beginnen muss, die geldpolitischen Zügel anzuziehen. Letztlich folgte der DAX nach der Veröffentlichung der US-Tendenz.

Unter den Einzelwerten gingen Gewinne und Verluste quer durch alle Branchen. Tagessieger waren Infineon, die Verluste vom Vortag aufholten. Auch Deutsche Post und erneut Daimler legten zu. Tagesverlierer waren Delivery Hero, auch Adidas gaben nach.

Euro macht Boden gut

Die zumindest vorübergehende Entwarnung im US-Zinsszenario kam im europäischen Handel dem Euro zugute, der in der Spitze bis auf 1,1844 Dollar angezogen hatte. Im US-Handel bröckelten die Gewinne aber wieder bei einem Kurs von 1,1801 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1814 (Montag: 1,1780) US-Dollar fest.

Die Ölpreise, zuletzt einer der Hauptpreistreiber, legen rund ein Prozent zu. Der etwas schwächere Dollar stützt den Goldpreis, der bei knapp 1800 Dollar je Feinunze ebenfalls etwas höher liegt.

Vonovia streicht Annahmeschwelle

Vonovia hat im Ringen um die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent der Aktien gestrichen. Damit, so die Hoffnung des Bochumer Konzerns, gebe es für die Deutsche Wohnen keine triftigen Gründe mehr, ihre Zustimmung zum Übernahmeangebot zu verweigern. Durch den Verzicht auf die Vollzugsbedingungen des Übernahmeangebots verlängert sich die ursprünglich am 20. September 2021 auslaufende Annahmefrist um zwei Wochen. Sie soll nun am 4. Oktober 2021 enden.

Investmenterträge der Deutschen Bank stagnieren 2021

Die Deutsche Bank wird 2021 im Investmentbanking die Erträge voraussichtlich nicht steigern können. Stabile Erträge seien ein Ziel, sagte der für die Investmentbank zuständige Mark Fedorcik am Dienstag bei einer virtuellen Banken-Konferenz. Im laufenden Jahr würden die gesamten Einnahmen des Bereichs wohl auf der Höhe der 9,3 Milliarden Euro des Vorjahres liegen.

Fedorcik hob zudem hervor, dass die Sparte einen Fokus lege auf interne Kontrollen, um eine "langweilige" Investmentbank zu sein. Aufseher hatten immer wieder die Kontroll-Mechanismen bei der Deutschen Bank unter die Lupe genommen. Die Stellungnahme wurde von den Anlegern mit wenig Begeisterung aufgenommen, die Aktie verlor im DAX 0,8 Prozent.

Brenntag wird zuversichtlicher

Der Chemikalienhändler setzt seine erst im Juni 2021 angehobene Gewinnprognose noch einmal herauf. Aufgrund einer anhaltend starken Geschäftsentwicklung erwarte Brenntag für 2021 nun einen operativen Gewinn (Ebitda) von 1,260 bis 1,320 Milliarden Euro (bisher: 1,160 bis 1,260 Milliarden Euro). Organisches Wachstum, erwartete Effizienzsteigerungen und der Ergebnisbeitrag bereits abgeschlossener Akquisitionen seien darin berücksichtigt, so das Unternehmen. Die Brenntag SE stiegt ab dem 20. September neu in den DAX auf, der von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt wird.

Compugroup legt die Latte höher

Der Medizinsoftware-Anbieter peilt in den nächsten Jahren ein Umsatzwachstum um jeweils fünf Prozent oder mehr bei steigenden Renditen an. Bis 2023 soll die bereinigte operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) auf 25 Prozent steigen, bis 2025 dann auf 27 Prozent, wie das Unternehmen in Koblenz mitteilte. Für das laufende Jahr bleibe es bei einem erwarteten Umsatz von 1,00 bis 1,04 Milliarden Euro, bei einem bereinigten Ebitda zwischen 210 und 230 Millionen Euro. Das entspricht einer Ebitda-Marge von 21 bis 23 Prozent.

"Die Regierungen in Europa haben die Notwendigkeit erkannt, das Gesundheitswesen zu digitalisieren und zu modernisieren", sagte Compugroup-Chef Dirk Wössner. "Wir sind darauf vorbereitet, diese großartige Chance zu ergreifen." Das Compugroup-Papier ist sowohl im MDAX als auch im TecDAx enthalten.

Norma-Aktie bricht ein

Um über 15 Prozent brach heute das Norma-Papier ein und war damit mit Abstand größter Verlierer im SDAX. Engpässe bei der Versorgung mit Stahl und Kunststoff stimmen den Verbindungstechnik-Spezialisten pessimistischer für 2021. Der Konzern kappte am Dienstag in Maintal seine Profitabilitätsziele für das laufende Jahr. Der Umsatz soll aber so hoch ausfallen wie bisher gedacht.

Motorenhersteller Deutz optimistischer

Prall gefüllte Auftragsbücher stimmen den Motorenhersteller Deutz hingegen optimistisch. Im Gesamtjahr könnten zwischen 155.000 und 170.000 Motoren abgesetzt werden, teilte das Kölner Unternehmen mit. Bislang war das Management im besten Fall von 155.000 Stück ausgegangen. Der Umsatz soll daher 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro erreichen - jeweils 100 Millionen Euro mehr als zuvor angepeilt. Der anteilige Serviceumsatz soll unverändert bei rund 400 Millionen Euro liegen.

Curevac trennt sich von Produktionspartnern

CureVac zieht Konsequenzen aus den enttäuschenden Studienergebnissen seines Covid-19-Impfstoffs. Das Tübinger Biotechunternehmen gibt erste Produktionspartnerschaften zur Herstellung des Vakzins auf. Die Verträge mit Wacker und Celonic seien gekündigt worden, teilte CureVac am Dienstag mit. Die Verträge mit Rentschler Biopharma und Novartis blieben dagegen bestehen.

CureVac führte dies auf eine geringere Nachfrage nach seinem Impfstoff zurück, der in der entscheidenden klinischen Studie nur eine Wirksamkeit von insgesamt 48 Prozent zeigte. Ob der Impfstoff jemals zugelassen wird, ist völlig offen. Er wird gegenwärtig von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA geprüft. Die Aktie gab an der Nasdaq deutlich um acht Prozent nach.

Neue iPhones von Apple erwartet

Apple spendiert seinen iPhones vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft einen schnelleren Chip und bessere Kameras. Das am Dienstag vorgestellte iPhone 13 behielt äußerlich das Design der aktuellen Generation mit eckigen Kanten. Aber die Aussparung für Kameras und Sensoren zur Gesichtserkennung am oberen Bildschirmrand wurde am 20 Prozent verkleinert.

Das iPhone ist das mit Abstand wichtigste Apple-Produkt und brachte zeitweise bis zu zwei Drittel des Geschäfts des Konzerns ein. Zuletzt sank sein Umsatzanteil aber unter 50 Prozent, unter anderem da in der Corona-Pandemie auch Mac-Computer und iPad-Tablets deutlich populärer wurden. Apple erneuert nun auch das iPad und das kleinere iPad mini.

Die Computer-Uhr Apple Watch bekommt in der am Dienstag vorgestellten neuen Generation Series 7 ein etwas größeres Display. Da der Rahmen um den Bildschirm dünner gemacht wurde, ist sie nur ein wenig größer als das Vorgänger-Modell. Vor dem Online-Event war spekuliert worden, dass Apple das Design der Computer-Uhr radikal ändern wolle. Die Aktie wurde von der Präsentation nicht beflügelt, sie fiel knapp ein Prozent.

Evergrande warnt erneut vor Liquiditätsengpässen

Der in Geldnot geratene chinesische Bauträger Evergrande warnt erneut vor Liquiditätsrisiken wegen einem Rückgang seiner Immobilienverkäufe. Der zweitgrößte Immobilienentwickler des Landes führe zwar Gespräche mit potenziellen Investoren, um einige seiner Vermögenswerte zu veräußern, habe aber bislang keine "wesentlichen Fortschritte" gemacht, hieß es in einer Einreichung an der Hongkonger Börse. Das Unternehmen zeichne "anhaltende negative Medienberichte" für die Beeinträchtigung des Anlegervertrauens verantwortlich, was zu einem weiteren Umsatzrückgang im September führe.

Pandora hat große Pläne

Der dänische Schmuckhersteller will verstärkt jüngere Kunden gewinnen und erwartet in den nächsten Jahren ein stetiges Wachstum. "Unser Ziel ist es, die größte und begehrteste Marke auf dem Markt für erschwinglichen Schmuck zu werden", sagte Pandora-Konzernchef Alexander Lacik. Bis 2023 stellte er ein Umsatzwachstum zwischen sechs bis acht Prozent auf dann 24,8 bis 26,2 Milliarden dänische Kronen in Aussicht. Die Marge soll im selben Zeitraum auf 25 bis 27 Prozent steigen, nach 23 bis 24 Prozent im laufenden Jahr. Zudem will Pandora die Produktionskapazitäten erhöhen und jährlich 80 Millionen mehr Schmuckstücke fertigen, eine Steigerung von 60 Prozent.

Amazon sucht 125.000 neue Mitarbeiter

Der weiter expandierende Internetriese Amazon will in den USA 125.000 neue Mitarbeiter einstellen. Gesucht werden unter anderem Lagerarbeiter und Auslieferer in landesweit "hunderten" Städten, wie Amazon am Dienstag mitteilte. Der Konzern wirbt mit einem durchschnittlichen Einstiegsgehalt von 18 Dollar (rund 15 Euro) pro Stunde und in bestimmten Fällen mit einem Bonus von bis zu 3000 Dollar für die Unterzeichnung des Arbeitsvertrags.

Das Geschäft von Amazon war in der Corona-Pandemie rasant angewachsen, weil immer mehr Menschen ihre Einkäufe im Internet erledigten. Die neuen Stellenangebote sind aber auch saisonal bedingt: Große Unternehmen stellen im Herbst mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft befristet Mitarbeiter ein. Derweil haben inmitten der Erholung von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zahlreiche Betriebe - unter anderem Restaurants - Probleme, Mitarbeiter zu finden und offene Stellen zu besetzen.

Intuit zahlt zwölf Milliarden Dollar für Mailchimp

Der US-Softwarekonzern Intuit übernimmt wie erwartet den E-Mail-Vermarktungsdienstleister Mailchimp. Intuit zahlt für die Übernahme des Privatunternehmens rund zwölf Milliarden US-Dollar in bar und in Aktien. Den Abschluss erwartet Intuit bis Ende des zweiten Geschäftsquartals 2021/22 (per Ende Januar). Beide Firmen konzentrieren sich vor allem auf kleinere Unternehmenskunden.

SpaceX schießt morgen den ersten Touristen ins All

Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk will am Mittwochabend (20.00 Uhr Ortszeit; Donnerstag 02.00 Uhr MESZ) seine ersten Weltraumtouristen ins All schicken. Mit einer Rakete vom Typ Falcon 9 werden am Kennedy Space Center im Bundesstaat Florida der US-Milliardär Jared Isaacman und drei Begleiter zur dreitägigen Mission "Inspiration4" in eine Erdumlaufbahn gebracht. Ein professioneller Astronaut wird nicht an Bord der "Crew Dragon"-Raumkapsel mitreisen.

Im Juli waren bereits der britische Milliardär Richard Branson und Amazon-Gründer Jeff Bezos mit ihren privaten Weltraumunternehmen Virgin Galactic und Blue Orgin ins All geflogen. SpaceX hat im Auftrag der US-Weltraumbehörde Nasa bereits zehn Astronauten zur Weltraumstation ISS gebracht, aber noch keine Weltraumtouristen befördert. Die jetzige Mission "Inspiration4" geht deutlich weiter als die Flüge von Virgin Galactic und Blue Orgin, bei denen die Passagiere sich nur einige Minuten im All aufhielten.