Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Märkte rutschen ins Minus US-Anleger verlässt der Mut

Stand: 11.10.2021 22:21 Uhr

Die US-Aktienindizes haben anfängliche Gewinne wieder abgegeben. Vor allem die immer weiter steigenden Energiepreise schürten Inflationsängste und drückten die Stimmung.

Die New Yorker Aktienbörse hat ihre Anfangsgewinne nicht halten können und ist im Verlauf ins Minus abgerutscht. Vor allem im späten Geschäft weiteten sich die Verluste aus. Der Leitindex Dow Jones, der in der Spitze schon bis auf 34.951 Punkte oder mehr als ein halbes Prozent angezogen hatte, schloss letztlich bei 34.496 Zählern um 0,72 Prozent leichter.

Kaum besser hielt sich die Technologiebörse Nasdaq, die bei 14.486 Zählern aus dem Handel ging, ein Tagesverlust von 0,64 Prozent. Auch der Auswahlindex Nasdaq 100 weitete seine Verluste gegen Ende noch stärker aus. Er gab um 0,72 Prozent nach auf auf 14.713 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index verlor 0,69 Prozent nach auf 4361 Zähler.

Insgesamt hielten sich am Montag die Bewegungen an der Wall Street aber in Grenzen. Grund war der Feiertag "Columbus Day". Zu Wochenbeginn fand deshalb am Anleihemarkt kein Handel statt. Im Hintergrund schwelt weiter die Sorge, dass die anhaltende Ölpreisrally zu Energieengpässen führen und die globale Wirtschaftserholung abwürgen könnte. Marktbewegende Konjunkturdaten gab es heute nicht.

Mit Spannung blicken die Marktteilnehmer in New York nun auf den Beginn der US-Berichtssaison, die in den kommenden Tagen traditionell von den Banken eingeläutet wird. Am Mittwoch öffnet Dow-Mitglied JPMorgan seine Bücher. Am Freitag steht Goldman Sachs auf der Agenda. Banken gelten in einem Umfeld steigender Zinsen sogar als Gewinner, denn höhere Raten steigern die wichtigste Ertragskomponente bei den meisten Kreditinstituten: die Zinsmarge.

Nach einem fulminanten Gewinnwachstum von 96,3 Prozent im zweiten Quartal trauen Analysten den S&P-500-Unternehmen für das dritte Quartal ein Plus von 29,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zu. Allerdings ist dabei der Corona-bedingte Einbruch im vergangenen Jahr zu beachten.

Die US-Berichtssaison trifft auf einen wackligen Markt, der gerade erst einen extrem schwachen und volatilen September hinter sich gebracht hat. So verzeichnete der S&P 500 im September den stärksten monatlichen Rückgang seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020.

Zum Wochenstart haben sich die heimischen Anleger nicht wirklich aus der Deckung getraut. Anfänglich stärkere Verluste machte der DAX im Verlauf zwar wieder wett, ging aber trotzdem mit einem leichten Minus von 0,1 Prozent aus dem Handel bei 15.199 Punkten. Immerhin schloss der deutsche Leitindex damit nahe seines Tageshochs bei 15.202 Punkten.

Das Tagestief hatte heute bei 15.094 Zählern gelegen - und damit in Sichtweite der wichtigen technischen Unterstützung an der 200-Tage-Linie bei 15.050 Punkten. Dieser Durchschnittswert gilt als wichtiger markttechnischer Fingerzeig für den längerfristigen Kursverlauf der 40 deutschen Standardwerte: Notiert der DAX darüber, sind Kursgewinne wahrscheinlich. Fällt er darunter, drohen Kursverluste.

Aber Entwarnung kann trotzdem nicht gegeben werden, denn weiterhin liegen eine ganze Reihe fundamentaler Belastungsfaktoren über dem Markt. Nach wie vor seien die bisherigen Risiken - Inflation, steigende Renditen, Lieferkettenprobleme, stockende Konjunkturerholung und die Zahlungsschwierigkeiten des chinesischen Immobiliengiganten Evergrande - kursbestimmend, kommentierte Marktanalyst Christian Henke vom Broker IG. Kein Wunder also, dass die Anleger nervös sind.

Autoaktien setzten ihren Aufschwung vom Freitag hingegen fort und waren gegen den Trend gesucht. Der UBS-Experte Patrick Hummel hatte am Freitag in einem Ausblick auf die Berichtssaison Optimismus verbreitet. Er setzt darauf, dass der Tiefpunkt in der von Halbleiterknappheit geprägten Produktion bereits erreicht ist, und riet angesichts starker Nachfrage zu stärkeren Investments in Autowerte.

Daimler-Papiere gingen heute mit einem Plus von 2,88 Prozent als Tagesbester im DAX durchs Ziel und hatten es nach seiner Empfehlung bereits vor dem Wochenende auf das höchste Niveau seit 2015 geschafft. Mit 42 Prozent Kursplus sind sie 2021 bislang die Nummer drei im DAX hinter den führenden Porsche und Sartorius.

Inflationsängste werden derzeit weltweit vor allem durch die rasant steigenden Energiepreise geschürt. Die Nachfrage ist hoch, gleichzeitig verhält sich das Ölkartell Opec+ überraschend diszipliniert und hält das Angebot konstant. Die Preise für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte legten um rund 1,6 Prozent und für die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 2,3 Prozent zu.

Damit kostet Brent-Rohöl so viel wie seit etwa drei Jahren nicht mehr. Der US-Ölpreis notiert sogar auf dem höchsten Niveau seit sieben Jahren. Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank will eine weitere Verknappung des Angebots auf dem Ölmarkt nicht ausschließen.

Ausschlaggebend bleibt die angespannte Versorgungslage im Energiesektor, nicht nur am Ölmarkt. Auch die Gaspreise waren zuletzt deutlich gestiegen, ehe es in der Vorwoche sehr zur Erleichterung der Märkte aus Russland moderatere Töne gab.

Die europäische Gemeinschaftswährung kann im US-Handel leichte Gewinne aus dem europäischen Handel nicht behauten und wird bei 1,1550 Dollar notiert. Sie bleibt damit unter Verkaufsdruck und in der Nähe eines in der Vorwoche markierten 15-Monats-Tiefs. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1574 (Freitag: 1,1569) US-Dollar fest.

Weiter bergauf ging es heute mit dem Bitcoin, der über 57.000 Dollar stieg. Auf der Handelsplattform Bitstamp wurde ein Höchstpreis von über 57.700 Dollar erreicht. Seit Beginn des Monats hat der Bitcoin damit mehr als 30 Prozent gewonnen. Analyst Timo Emden von Emden Research verwies auf jüngste Aussagen aus den Reihen der US-Notenbank und der US-Börsenaufsicht. Beide Institutionen hätten deutlich gemacht, dass man Digitalwährungen wie den Bitcoin nicht verbieten sollte.

Mit Blick auf die jüngsten Kursgewinne beim Bitcoin geht Analyst Emden davon aus, dass die Anleger die Regulierungssorgen in China "weitestgehend abgehakt haben". Die politische Führung in Peking steht den Digitalwährungen kritisch gegenüber. So hatte die chinesische Zentralbank betont, dass der Handel mit Kryptowerten illegal sei. China strebt seit längerem eine eigene, staatlich kontrolliere Digitalwährung an.

Der Goldpreis tendierte kaum verändert bei 1755 je Feinunze. Dem gelben Edelmetall machen derzeit der steigende Dollar und anziehende US-Renditen zu schaffen.

Zu den größten Gewinnern gehörte das Bayer-Papier. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern peilt für den Verkauf seiner Sparte "Environmental Science Professional" (ESP) Kreisen zufolge einen Preis von zwei Milliarden Euro an. Zahlreiche Finanzinvestoren, unter ihnen auch Blackrock und CVC, erwögen Gebote, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der Duft- und Aromenhersteller Symrise will nach dem DAX-Aufstieg seinen Expansionskurs vorantreiben und setzt dabei neben organischem Wachstum auf Akquisitionen. "Zukäufe bleiben ein wichtiger strategischer Hebel, um unser Portfolio zu erweitern und Wachstumsfelder zu erschließen", sagte Symrise-Vorstandschef Heinz-Jürgen Bertram der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag".

Der Vorstandschef des Energiekonzerns RWE, Markus Krebber, rechnet für die Endverbraucher damit, "dass Strom und Gas in den nächsten Jahren teurer werden". Wie stark der Anstieg ausfallen werde, lasse sich heute noch nicht sagen, sagte Krebber der "Rheinischen Post". "Die derzeitige Explosion der Börsenpreise hat keiner erwartet", fügte er hinzu.

Die Lufthansa hat einen Teil der Corona-Staatshilfen zurückbezahlt. Eine Stille Einlage über 1,5 Milliarden Euro sei vollständig abgelöst worden, teilte die Fluggesellschaft am Montag mit. Das Geld stammt aus einer Kapitalerhöhung, die 2,162 Milliarden Euro eingebracht habe und die nun abgeschlossen sei. "Wir sind sehr dankbar, dass die Deutsche Lufthansa AG in schwierigsten Zeiten mit Steuermitteln stabilisiert worden ist", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Wir schauen zunehmend optimistisch in die Zukunft." Immer mehr Länder öffneten ihre Grenzen und die Nachfrage nach Flugreisen wachse täglich.

Die Lufthansa hatte vom Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) über zwei Stille Einlagen insgesamt 2,5 Milliarden Euro bekommen. Bis Ende des Jahres soll die restliche Milliarde zurückgezahlt werden. Ein Kredit der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von einer Milliarde Euro war bereits im Februar 2021 vorzeitig getilgt worden.

Der IT-Dienstleister kauft eigene Aktien zurück. Der Vorstand habe beschlossen, innerhalb der kommenden zwölf Monate bis zu 3,5 Millionen Aktien über die Börse zurückzukaufen, teilte Cancom mit. Dies entspreche 9,09 Prozent des Grundkapitals. Die im MDax notierte Cancom-Aktie ging am Montag mit 49,57 Euro aus dem Handel.

Der Schweizer Pharmakonzern Roche und sein Partner Morphosys können sich Hoffnung auf eine baldige Zulassung eines Alzheimer-Medikamentenkandidaten in den USA machen. So erhielt Gantenerumab den Status eines Therapiedurchbruchs, wie Roche am Freitagabend mitgeteilt hatte.

Gantenerumab ist ein in Entwicklung befindlicher IgG1-Antikörper von Morphosys. Dieser soll bestimmte Ablagerungen im Gehirn entfernen, welche ein Merkmal der Alzheimer-Erkrankung sind, wie das deutsche Biotechunternehmen am Montag mitteilte. Sollte Roche das Mittel auf den Markt bringen können, wird Morphosys am Verkaufserfolg beteiligt. Die schon länger arg gebeutelten Papiere des SDAX-Unternehmens legten am Montag zunächst zu, konnten die Gewinne aber nicht halten.

Der unter Druck stehende Immobilien-Investor Adler Group trennt sich von einem Fünftel seines Wohnungsbestandes. 15.350 Wohnungen und 186 Gewerbeeinheiten im Wert von 1,485 Milliarden Euro sollen an den Konkurrenten LEG Immobilien verkauft werden, wie beide Unternehmen heute mitteilten. Adler rechnet mit einem Netto-Zufluss von rund 800 Milliarden Euro. Der Konzern will aus steuerlichen Gründen 10,1 Prozent der Anteile an den Wohnungsgesellschaften behalten.

Der US-Pharmariese Merck & Co. hat in den USA eine Notfallzulassung für sein Corona-Medikament Molnupiravir beantragt. Angesichts der "Dringlichkeit" im Kampf gegen die Pandemie habe sein Unternehmen bereits zehn Tage nach Erhalt der Daten aus der klinischen Phase-3-Studie einen entsprechenden Antrag bei der Gesundheitsbehörde FDA gestellt, erklärte Merck-Chef Robert Davis.

Der Antrag ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer einfachen Pille zur Behandlung von Covid-19. Anfang Oktober hatten Merck und der Partner Ridgeback Biotherapeutics mitgeteilt, dass Molnupiravir bei infizierten Patienten das Risiko einer Krankenhauseinlieferung oder eines tödlichen Krankheitsverlaufes halbiere.

Auch der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca äußerte sich optimistisch zur Wirksamkeit seines Antikörper-Medikaments AZD7442. Bei Phase 3 und somit in der Endphase der klinischen Studien habe AZD7442, das intramuskulär injiziert werden muss, eine "statistisch signifikante Reduzierung" von schweren oder tödlichen Verläufen bei Covid-Patienten mit leichten bis mittelschweren Symptomen erreicht. Astrazeneca kündigte an, die Daten bald den Gesundheitsbehörden zu präsentieren.

Apple versucht, die Umsetzung eines Gerichtsurteils hinauszuzögern, mit dem mehr App-Entwickler am Konzern vorbei digitale Artikel an ihre Nutzer verkaufen könnten. Apple argumentiert, dass dadurch Schaden für Verbraucher und die Integrität der App-Store-Plattform drohe, wie aus am Wochenende veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht.

Die Warnung vor anhaltenden Problemen in der Lieferkette und der Rücktritt von Unternehmenschef Nick Beighton lassen die Aktie des Online-Modehändlers Asos abstürzen. Die Anteilsscheine geben an der Börse in London in der Spitze um 17,3 Prozent nach, nachdem sie in diesem Jahr bereits mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt haben. Der Rücktritt Beightons sei ein großer Verlust für Asos, sagte Neil Wilson, Analyst beim Online-Broker Markets.com.

Tesla-Chef Elon Musk hat bei einem Bürgerfest in seiner ersten Elektroautofabrik in Europa aufs Tempo gedrückt und einen Produktionsstart spätestens im Dezember in Aussicht gestellt. Doch der Zeitpunkt für die Entscheidung über die Genehmigung ist offen. Zunächst müsse die Online-Erörterung von Einwänden abgewartet werden, die noch bis zum 14. Oktober laufe, sagte die Sprecherin des Brandenburger Umweltministeriums, Frauke Zelt. Dann werde die Erörterung ausgewertet, um zu sehen, ob sich zum Beispiel aus den Erläuterungen Prüfungen ergäben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2021 um 17:00 Uhr.