Broker handeln an der New Yorker Börse | picture alliance/dpa/AP

Verhaltener Start der Börsenwoche In kleinen Schritten zu neuen Rekorden

Stand: 26.07.2021 22:47 Uhr

Vor den mit Spannung erwarteten Zahlen der Tech-Riesen haben sich die Anleger zurückgehalten. Die Wall Street kam nur in Trippelschritten voran, schaffte aber neue Bestmarken. Der DAX riss seine Gewinnserie.

Die Börsenwoche an der Wall Street hat so begonnen, wie die alte geendet hat: mit neuen Rekorden. Der Dow Jones schloss erstmals bei über 35.100 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 rückte auf 4422 Zähler vor, und auch die Nasdaq schaffte mit 14.863 Punkten eine neue historische Bestmarke, ehe sie die Gewinne wieder abgab. Allerdings waren die Kurssprünge nicht allzu groß. Die Wall-Street-Indices kamen nur schleppend voran.

Warten auf die Bilanzen der Tech-Giganten

Vor der heißen Phase der Berichtssaison wagten sich die Anleger nicht allzu sehr aus der Deckung. In den nächsten Tagen enthüllen die Tech-Schwergewichte ihre Bilanzen. Am Abend nach US-Börsenschluss präsentierte Tesla seine Zahlen, morgen folgen Apple, Microsoft und Alphabet.

Tesla übertrifft Erwartungen

Trotz des weltweiten Chipmangels und Engpässen bei Rohstoffen schjaffte Tesla ein Rekordquartal. Erstmals verdiente der E-Autobauer in einem Quartal mehr als eine Milliarde Dollar. Der Umsatz sprang um 98 Prozent auf 12 Milliarden Dollar. Angesichts der weltweiten Rekordnachfrage nach Fahrzeugen "wird die Versorgung mit Bauteilen im restlichen Jahr stark die Wachstumsgeschwindigkeit unserer Auslieferungen beeinflussen", warnte Tesla. Man liege aber im Plan, um in diesem Jahr die ersten Model Y in Grünheide bei Berlin und Texas zu fertigen. Allerdings verschob Tesla die Auslieferung des "Semi Truck" auf 2022. Die Tesla-Aktie stieg nachbörslich um 1,3 Prozent.

Neue Konjunkturdaten dämpften die Rekordlaune an den US-Börsen. Die Verkäufe neuer Häuser sanken im Juni um 6,6 Prozent und damit zum dritten Mal in Folge. Analysten hatten mit einem Anstieg um 3,5 Prozent gerechnet.

DAX beendet seine Gewinnserie

Mangels großer Impulse aus den USA konnte der DAX seinen Höhenflug nicht fortsetzen. Nach vier Gewinntagen in Folge schloss er erstmals wieder im Minus – bei 15.628 Punkten. Damit ist die längste Gewinnserie seit sieben Wochen zu Ende. Der deutsche Leitindex war zuletzt vier Tage hintereinander nur gestiegen und hatte sich seinem Rekordhoch wieder angenähert.

Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft trübt sich ein

Der nachlassende Konjunkturoptimismus in der deutschen Wirtschaft vermieste den DAX-Anlegern die Laune. Erstmals seit Januar sank der ifo-Geschäftsklimaindex im Juli - um 0,9 auf 100,8 Punkte. Ökonomen hatten mit einem Anstieg gerechnet. "Lieferengpässe bei Vorprodukten und Sorgen um wieder steigende Infektionszahlen belasten die deutsche Wirtschaft", erklärte ifo-Präsident Clemens Fuest.

"Die deutsche Wirtschaft hat das Wachstumshoch durchschritten", meint Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Im Herbst werde die deutsche Wirtschaft vom Aufholmodus in den Normalmodus wechseln. "Darauf bereitet uns der ifo-Geschäftsklimaindex vor."

China reguliert den Bildungssektor

Als weiterer Stimmungskiller für den DAX erwies sich China. Die Regierung in Peking hat mit ihrer Reform des privaten Bildungssektors die Anleger verunsichert. So dürfen Unternehmen, die Schullehrprogramme anbieten, demnach keine Gewinne erzielen und auch nicht an die Börse gehen.

Euro wieder über 1,18 Dollar

Der Euro schaffte es erneut, über die Schwelle von 1,18 Dollar zu klettern. Der unter den Erwartungen ausgefallene ifo-Konjunkturindex hatte die Erholung der Gemeinschaftswährung zunächst gestoppt und sie wieder auf den Stand von Freitag bei 1,7770 Dollar gedrückt. Auftrieb erhielt der Euro dann aber am Nachmittag durch enttäuschende Zahlen vom US-Immobilienmarkt. Die Neubauverkäufe waren im Juni zum dritten Mal in Folge gefallen. Der Dollar wurde durch die Daten belastet.

Amazon treibt den Bitcoin auf über 40.000 Dollar

Der Bitcoin war zu Wochenbeginn wieder hoch im Kurs: Die Cyber-Devise stieg um rund ein Viertel auf über 40.000 Dollar. Das ist der höchste Stand seit knapp sechs Wochen. Spekulationen, wonach Amazon möglicherweise in Zukunft bald digitale Währungen für Transaktionen akzeptieren könnte, beflügelten die Krypto-Währung. "Das Brodeln der Gerüchteküche um den möglichen Einstieg Amazons in die Branche ist Wasser auf die Mühlen der Anleger", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Immobilien-Fusion geplatzt

Thema des Tages am deutschen Aktienmarkt war die geplatzte Fusion der beiden Immobilien-Firmen Vonovia und Deutsche Wohnen. Vonovia bestätigte am Morgen, dass auch der zweite Übernahmeversuch des Konkurrenten Deutsche Wohnen gescheitert sei. Statt der erforderlichen 50 Prozent hätten nur 47,3 Prozent der Aktionäre von Deutsche Wohnen das Kaufangebot angenommen. Vonovia hatte bereits am Freitag mitgeteilt, dass sich der Konzern voraussichtlich nicht genügend Aktien sichern konnte.

Wagt Vonovia einen neuen Anlauf?

Damit ist der zweite Anlauf zur Übernahme der Deutschen Wohnen vorerst gescheitert. Insidern zufolge könnte der Rivale Vonovia innerhalb von wenigen Wochen einen neuen Anlauf zu einer Fusion mit Deutsche Wohnen starten. "Es ist klar, dass dafür eine neue und höhere Offerte vorgelegt werden müsste", meint ein Analyst der Berenberg Bank. Die Reaktion an der Börse war unmißverständlichg: Weil die Aktionäre auf ein höheres Gebot für die Deutsche Wohnen wetten, war die Aktie Spitzenreiter im DAX mit einem Plus von 1,2 Prozent. Schlusslicht war dagegen Vonovia mit einem Minus von 2,5 Prozent.

Autoaktien auf der Verliererspur

Zu den DAX-Verlierern zählten auch die Autowerte. Die Aktien von Conti verloren rund 1,4 Prozent, die Papiere von VW gaben 0,8 Prozent nach. Experten verweisen auf den akuten Chipmangel. So muss BMW wegen fehlender Bauteile von Computerchips die Autoproduktion im Werk Regensburg unterbrechen. Vorgesehen ist eine einwöchige Pause ab heute, wie eine Sprecherin sagte. Danach kommt ohnehin eine Ferienwoche. Die Produktion soll am 9. August wieder aufgenommen werden.

Dürr poliert Jahresziele auf

Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr profitiert von einer Erholung der Autobranche und einem Boom bei der Holzverarbeitung. Nach einem starken Geschäft im zweiten Quartal erhöhte der Konzern die Prognosen für das laufende Jahr. So sollen Auftragseingang, Umsatz und operatives Ergebnis besser ausfallen als bisher angenommen. Beim Umsatz rechnet der Konzern jetzt mit einem Wert zwischen 3,6 und 3,8 Milliarden Euro. Bisher hatte die Prognose bei 3,45 bis 3,65 Milliarden Euro gelegen. Die Marge gemessen am operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll bei 5,0 bis 6,0 Prozent liegen. Im zweiten Quartal verdiente das Unternehmen 23 Millionen Euro - nach einem Verlust von 16 Millionen Euro im Vorjahresabschnitt. Der Umsatz legte um knapp sieben Prozent auf 843 Millionen Euro zu.

Kion stapelt Prognose hoch

Der Gabelstapler-Hersteller Kion blickt ebenfalls optimistischer auf das Gesamtjahr. Der Umsatz soll zwischen 9,7 und 10,3 Milliarden Euro liegen - statt 9,15 bis 9,75 Milliarden Euro wie bisher geplant. In den ersten sechs Monaten kletterten die Erlöse um 26,5 Prozent auf 4,97 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) konnte auf 462 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden. Der Aktienkurs von Kion stieg im späten Handel auf Tradegate um zweieinhalb Prozent.

Bei Michelin läuft's wieder rund

Optimismus verbreitete am Abend auch der französische Reifenhersteller Michelin. Er seine Gewinnprognose für das laufende Jahr angehoben. Das Betriebsergebnis zu konstanten Wechselkursen werde 2,8 Milliarden Euro übersteigen statt wie bisher erwartet 2,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen warnte allerdings, Unterbrechungen der Lieferketten würden die weltweite Reifennachfrage auch in der zweiten Jahreshälfte beeinträchtigen. Der Umsatz im ersten Halbjahr stieg um fast 20 Prozent auf 11,19 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn sprang auf 1,42 Milliarden Euro.

Für LVMH ist Corona abgehakt

Die Lust auf Luxus steigt wieder. Der Weltmarktführer LVMH meldete am Abend Rekordabsätze und den Gewinn von Marktanteilen bei Louis Vuitton, Dior, Fendi, Loewe und Celine im ersten Halbjahr. Im abgelaufenen Quartal erhöhte sich der Konzernumsatz um 84 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Er lag damit auch über dem Niveau von der Corona-Pandemie. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft konnte nahezu verfünffacht werden von 1,7 Milliarden Euro auf 7,6 Milliarden Euro. Die Erwartungen von Analysten wurden übertroffen.

Ryanair tiefrot, aber Erholung in Sicht

Die schleppende Erholung des Reisegeschäfts in der Corona-Krise hat den Billigflieger Ryanair im abgelaufenen Quartal in den roten Zahlen gehalten. Unter dem Strich stand im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni ein Verlust von 273 Millionen Euro, fast anderthalb Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Ryanair-Chef Michael O'Leary rechnet aber mit deutlich steigenden Passagierzahlen im Sommer, sofern steigende Infektionszahlen keine weiteren Rückschläge im Fluggeschäft nach sich ziehen.

Nach über fünf Millionen Fluggästen im Juni soll die Zahl der Passagiere im Juli knapp neun Millionen und im August mehr als zehn Millionen erreichen. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2022 rechnet O'Leary mit einem kleinen Verlust oder bestenfalls mit einem Ergebnis nahe der Nulllinie. Die Zahl der Fluggäste soll 90 bis 100 Millionen erreichen. Zuvor war er von etwa 80 Millionen Passagieren ausgegangen. Die Ryanair-Aktien gewannen vier Prozent.

Philips: Diagnostik treibt operatives Geschäft

Ein robustes Diagnostikgeschäft lieferte dem Medizintechnikkonzern Philips Rückenwind. So stieg der Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) legte um mehr als ein Drittel auf 532 Millionen Euro zu. Das war etwas mehr als von Analysten erwartet. Unter dem Strich verdiente Philips jedoch wegen weiterer Rückstellungen für einen Produktrückruf weniger. So sank der Nettogewinn um mehr als ein Viertel auf 153 Millionen Euro. Beim Ausblick zeigte sich der Medizintechnikkonzern etwas vorsichtiger und erwartet eine Verbesserung der operativen Ergebnismarge um 0,6 Prozentpunkte, was dem unteren Ende der bisherigen Spanne entspräche. Die Aktien rutschten um über vier Prozent ab.

TSMC erwägt Bau einer Chipfabrik in Deutschland

Vor dem Hintergrund des rasant wachsenden Halbleiterbedarfs denkt der taiwanische Chiphersteller TSMC über den Bau einer Fabrik in Deutschland nach. Neben Deutschland werde auch Japan als Standort eines solchen Werks geprüft, erklärte Konzernchef Mark Liu am Morgen auf der Hauptversammlung. Sollten die Überlegungen umgesetzt werden, strebe TSMC eine Teilung der Kosten mit den Kunden oder den Ländern an.

BioNTech plant Malaria-Impfstoff

Nach dem Erfolg seines Anti-Corona-Vakzins strebt BioNTech die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria an. Er soll ebenfalls auf der mRNA-Technologie basieren. Der Start der klinischen Studie ist für Ende 2022 geplant. Man wolle einen sicheren und hochwirksamen mRNA-Impfstoff mit länger anhaltender Immunität zur Vorbeugung von Malaria entwickeln, kündigte Biontech an. Das Mainzer Biotechunternehmen plant zudem den Aufbau einer mRNA-Impfstoffproduktion auf dem afrikanischen Kontinent und bekommt dabei Unterstützung von der Europäischen Kommission und der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Juli 2021 um 12:00 Uhr sowie tagesschau24 um 11:00 Uhr.