Händlerin an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

US-Märkte ohne Linie Der Wall Street fehlt der Kompass

Stand: 27.01.2022 22:54 Uhr

Die großen US-Aktienindizes konnten anfängliche Gewinne nicht behaupten und tendierten letztlich leicht schwächer. Die Geldpolitik der Notenbank Federal Reserve sorgt weiter für Unsicherheit.

Nachdem sich die US-Aktienmärkte zunächst robust präsentiert hatten, bröckelten die Anfangsgewinne im Verlauf ab. Zum Schluss eines zunehmend richtungslosen Handels schloss der Leitindex Dow Jones bei 34.160 Punkten, ein Mini-Verlust von 0,02 Prozent. Der Dow wechselte dabei im Laufe des Tages mehrfach das Vorzeichen.

Der marktbreite S&P-500-Index ging am Schluss bei 4326 Punkten aus dem Handel, ein Minus von 0,54Prozent. Die Nasdaq rutschte im Verlauf stärker ab und verlor am Ende 1,4 Prozent auf 13.352 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 gab 1,2 Prozent nach auf 14.003 Zähler.

Die Tech-Werte hatten in den vergangenen Wochen den Ausverkauf an den US-Börsen angeführt. Gestern hatte sich hier allerdings eine mögliche Trendwende angedeutet: Angeführt von starken Kursgewinnen des Schwergewichts Microsoft hatten die Nasdaq-Indizes im Plus geschlossen.

Die Schwankungen bleiben Ausdruck der Nervosität der Anleger. Ein überraschend hohes Wachstum der US-Wirtschaft im vierten Quartal wurde aber von ihnen dankbar angenommen und stützte zwischenzeitlich das Geschehen.

Der Fed-Entscheid bewegt die Gemüter

Hauptthema derzeit ist natürlich die Zinspolitik der US-Notenbank. Wie immer, wenn sich deren Chef äußert, sorgt dies an den Weltbörsen für Bewegung. Vor allem, wenn ein Wechsel der Zinspolitik, wie aktuell, unmittelbar bevorsteht.

Mit der Einstimmung auf höhere Zinsen sei allgemein gerechnet worden, sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. Die große Unbekannte sei dagegen der geplante Abbau der Wertpapierbestände. "Wir wissen nicht, wie es umgesetzt und welche Auswirkungen es haben wird."

Apple punktet in China

Apple trotzt der weltweiten Lieferengpässe und wächst kräftig. Im Weihnachtsquartal legte der Umsatz um elf Prozent auf bisher nie erreichte fast 124 Milliarden Dollar zu, wie der iPhone-Konzern nach US-Börsenschluss mitteilte. Fast 60 Prozent trug der Umsatzgarant iPhone dazu bei. Apple verdiente 2,10 Dollar je Aktie und übertraf damit die Erwartungen, die bei 1,90 Dollar je Aktie lagen.

Dabei profitierte das Unternehmen vor allem von florierenden Geschäften in der Volksrepublik, wo Apple laut den Beratern von Counterpoint im vierten Quartal den iPhone-Marktanteil so weit hochschraubte wie noch nie zuvor. Zum ersten Mal in sechs Jahren verkauften die US-Amerikaner mehr Smartphones als jeder andere Anbieter in China.

Die Apple-Aktie steigt nachbörslich um 3,5 Prozent. Bereist gestern hatte Microsoft mit guten Quartalszahlen für eine positive Überraschung im zuletzt von Zinsängsten belasteten Technologiesektor-Sektor gesorgt.

Gewinnsprung bei Visa

Die Aktie des US-Kreditkartenriesen Visa legt in New York nach einem Gewinn- und Umsatzsprung nachbörslich über fünf Prozent zu. Dank florierender Kreditkartenzahlungen verdient der Konzern weiter glänzend. In den drei Monaten bis Ende Dezember stieg der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 27 Prozent auf 4,0 Milliarden Dollar (3,6 Mrd Euro), wie Visa am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Umsatz legte im Quartal um 24 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar zu. Die Quartalszahlen übertrafen die Finanzmarkterwartungen klar.

DAX-Anleger kehren vorsichtig zurück

Der DAX hat sich heute auf dem gestern markierten erhöhten Niveau behauptet und bei 15.524 Punkten geschlossen - ein Tagesgewinn von 0,42 Prozent. Der Index bewegte sich in der Spitze bei 15.582 Punkten und erholte sich damit im Verlauf deutlich von anfänglich höheren Verlusten. Diese hatten im frühen Geschäft zu einem Tagestief bei 15.197 Punkten geführt.

"Buy the dip" - kaufe den Kursrücksetzer - lautete somit das Motto der Stunde. Von Schockwellen konnte trotz des gestrigen Zinsentscheids der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am heimischen Markt keine Rede sein, zumal auch solide Unternehmensberichte die DAX-Bären (also die Verkäufer) immer wieder bremsten.

Die laufende Kursentwicklung im DAX ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Erst nach einer Rückeroberung der oberhalb von 15.600 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie würden die DAX-Bullen (die Käufer) wieder richtig Oberwasser haben. Dieses Ziel wurde heute knapp verfehlt. Nachbörslich sackte der Index mit einer schwächeren Wall Street dann wieder ab.

RWE gefragt

Unter den Einzelwerten erfreuten heute die Deutsche Bank und RWE die Anleger. Auch das Schwergewicht Telekom legte knapp drei Prozent zu. Hier halfen Marktgerüchte, dass die Bonner womöglich ihre Funkmastensparte mit Mitbewerbern fusionieren wollen.

Der Versorger RWE profitierte von einem positiven Analystenkommentar des JPMorgan-Experten Vincent Ayral. Dieser setzte sein Kursziel kräftig auf 64 (bisher 47,50) Euro hoch. Er hob seine Prognosen für die deutschen Strompreise an - in der Folge steigen auch die Gewinnprognosen deutlich. Übernahmepläne von SAP kommen hingegen nicht gut an und drücken die Aktie ans DAX-Ende.

Deutsche Bank verdient so viel wie seit 2011 nicht mehr

Die Deutsche Bank hat 2021 nach einer Serie von Verlusten das zweite Jahr in Folge mit einem Nettogewinn abgeschlossen. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 1,94 Milliarden Euro nach 113 Millionen Euro vor Jahresfrist - das beste Ergebnis seit 2011. Die Aktionäre sollen nach einer langen Durststrecke wieder eine Dividende erhalten. Ihnen wurden 20 Cent je Aktie für 2021 in Aussicht gestellt.

SAP will Lieferanten-Fintech Taulia übernehmen

Der Softwareriese SAP will sich mit der Übernahme des US-amerikanischen Lieferanten-Fintechs Taulia ein neues Standbein aufbauen. "Bisher hatten wir keine Finanzplattform. Das ist sehr komplementär", sagte Firmenchef Christian Klein über den Zukauf, der bis März abgeschlossen sein soll. SAP werde weniger als eine Milliarde Dollar auf den Tisch legen und dafür rund 95 Prozent an Taulia erwerben.

Der Deal kam bei den Anlegern nicht gut an. Die Aktie mit dem höchsten Marktwert im DAX verhinderte durch den Tagesverlust von sechs Prozent eine bessere DAX-Entwicklung. Sie stand am Indexende

Allianz am Fünf-Jahres-Hoch

Still und leise hat sich zuletzt auch die Aktie des Indexschwergewichts Allianz nach nach oben gearbeitet. Das Papier schloss heute bei 228,70 Euro und erreichte damit ein 52-Wochen-Hoch. Bis zum Fünfjahreshoch aus dem Februar 2020 bei 230,85 Euro, vor Beginn der Corona-Krise, ist es damit nicht mehr weit. Anleger griffen zuletzt zu, auch weil die Dividendenrendite mit über 4,0 Prozent attraktiv ist. Die Allianz will zudem zukünftig die Ausschüttungen weiter regelmäßig steigern.

Euro fällt nach Fed-Sitzung auf Ein-Jahres-Tief

Der Dollar hat seit der Fed-Sitzung mächtig Auftrieb erhalten. Die Aussicht auf eine Straffung der US-Geldpolitik stärkt dem Greenback den Rücken. Im Gegenzug gibt die europäische Gemeinschaftswährung deutlich nach. Im US-Handel kostet sie im Tief 1,1143 Dollar. Der Euro notiert zum Dollar damit so niedrig wie zuletzt Mitte 2020. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1160 (Mittwoch: 1,1277) Dollar fest.

Der US-Dollar befindet sich seit der Zinsentscheidung der Fed vom Mittwochabend gegenüber vielen anderen wichtigen Währungen im Aufwind. Besondere Aufmerksamkeit riefen Äußerungen von Jerome Powell hervor, die an den Märkten als Hinweis auf eine rasche Zinsstraffung gedeutet wurden. So sagte der US-Notenbankchef, dass die Ausgangssituation heute anders sei als bei der letzten, eher vorsichtigen Zinswende der Federal Reserve ab dem Jahr 2015. Damit weitet sich das Zinsvoraus des Dollars gegenüber dem Euro aus, zumal die Europäische Zentralbank trotz hoher Inflationsraten weiterhin keinerlei Anstalten macht, von ihrer Nullzinspolitik abzurücken.

US-Wirtschaft wächst so kräftig wie seit 1984 nicht mehr

Trotz der Virus-Pandemie hat die US-Wirtschaft 2021 das höchste Wachstumstempo seit 1984 hingelegt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 5,7 Prozent zu, wie das Handelsministerium heute mitteilte. Vorausgegangen war allerdings das vom Corona-Ausbruch überschattete Jahr 2020, als die Konjunktur mit 3,4 Prozent so stark abstürzte wie seit 74 Jahren nicht mehr.

Obwohl mit Omikron nun Ende 2021 eine neue Virus-Welle über das Land hinwegrollte, steigerte die Wirtschaft ihr Wachstumstempo sogar. Das BIP legte im vierten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 6,9 Prozent zu und damit kräftiger als von Experten erwartet.

Das US-Wachstum sei wegen Nachholeffekten nur auf den ersten Blick phänomenal, gibt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz zu bedenken: "Im aktuellen Quartal dürfte der Schwung deutlich nachlassen."

US-Arbeitsmarkt etwas besser

Fundamentalen Rückenwind erhielt der Dollar auch vom US-Arbeitsmarkt. Dort hat sich die Lage etwas aufgehellt. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, ein Kurzfristindikator, gab nach. In der vergangenen Woche sanken die Erstanträge um 30.000 auf 260.000, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Analysten hatten mit einem etwas höheren Wert von 265.000 Anträgen gerechnet.

Die wöchentlichen Erstanträge gelten als zeitnaher Indikator für den amerikanischen Arbeitsmarkt. Die US-Notenbank berücksichtigt die dortige Lage stark in ihrer Geldpolitik.

Siemens Energy denkt über Gamesa-Komplettübernahme nach

Nach der dritten Gewinnwarnung von Siemens Gamesa innerhalb von neun Monaten verstärkt der Energietechnik-Konzern Siemens Energy Insidern zufolge seine Überlegungen bezüglich einer vollständigen Übernahme der spanischen Windkraft-Tochter. Der jüngste Kursrutsch bei Siemens Gamesa könnte den Münchnern dabei in die Hände spielen.

Corona-Pandemie beschert Sartorius erneut ein starkes Jahr

Sartorius hat auch im zweiten Jahr der Pandemie stark abgeschnitten. Der Pharma- und Laborausrüster profitierte nicht nur von der Nachfrage von Impfstoff- und Testherstellern, auch das Basisgeschäft abseits von Corona florierte. Positiv hinzu kamen Übernahmen. Unter dem Strich blieb vorläufigen Berechnungen zufolge ein bereinigter Gewinn von 553 Millionen Euro nach 299 Millionen Euro im Jahr 2020.

LVMH auf Rekordkurs

Mit einem Rekordumsatz im vergangenen Geschäftsjahr hat der französische Luxusgüterkonzern LVMH die Erwartungen von Analysten deutlich übertroffen. Der Jahreserlös stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp 44 Prozent auf 64,2 Milliarden Euro, wie das für seine Marken wie Louis Vuitton, Hublot oder Givenchy bekannte Unternehmen am Donnerstagabend nach Börsenschluss in Paris mitteilte.

Die Geschäfte des Konzerns laufen damit also sogar besser als vor der Corona-Pandemie: 2019 hatte LVMH noch einen Jahresumsatz von knapp 53,7 Milliarden Euro erzielt. Vor allem die Nachfrage nach Mode- und Lederwaren habe ein "Rekordniveau" erreicht, hieß es in der Mitteilung weiter.

Auch beim Betriebsergebnis überraschte das Unternehmen Branchenkenner im positiven Sinn: Mit einem operativen Gewinn von knapp 17,2 Milliarden Euro verdiente LVMH doppelt so viel wie noch im Jahr zuvor und etwa um die Hälfte mehr als noch vor der Corona-Krise.

Tesla mit Rekordgewinn, Cybertruck kommt später

Trotz der globalen Chipkrise und Problemen in den Lieferketten hat der US-Elektroautobauer Tesla 2021 so viel verdient wie noch nie zuvor in einem Geschäftsjahr. Unterm Strich verbuchte der Konzern einen Gewinn von 5,5 Milliarden Dollar und damit 665 Prozent mehr als im Vorjahr. Unterdessen verzögert Tesla zum zweiten Mal die Produktion seines mit Spannung erwarteten Cybertrucks. Der Elektro-Pickup werde erst 2023 vom Band rollen, teilte Firmenchef Elon Musk mit.

Intel mit Rekordumsatz

Trotz Lieferproblemen rund um den Globus hat Intel im Schlussquartal einen Rekordumsatz erzielt. Der Umsatz stieg verglichen mit dem Vorjahr um vier Prozent auf 19,5 Milliarden Dollar, wie der größte Chipkonzern der USA mitteilte. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 18,3 Milliarden Dollar gerechnet. Der Gewinn je Aktie fiel dagegen auf 1,09 Dollar von 1,48 Dollar. Doch auch hier konnte Intel die Markterwartungen übertreffen.

EMA lässt Pfizers Corona-Pille zu

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat das Corona-Medikament Paxlovid des US-Pharmariesen Pfizer zugelassen. Sie empfehle eine Zulassung von Paxlovid "für die Behandlung von Erwachsenen", die keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigten und bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bestehe, erklärte die EMA am Donnerstag. Paxlovid ist damit das erste antivirale Medikament in Pillenform, das in der EU zugelassen wird.

Gewinnsprung bei Mastercard

Der US-Finanzkonzern Mastercard hat Gewinn und Erlöse dank höherer Ausgaben mit Kreditkarten weiter gesteigert. Im vierten Quartal verdiente das Unternehmen laut einer Mitteilung vom Donnerstag unterm Strich 2,4 Milliarden Dollar (2,2 Mrd Euro) und damit knapp ein Drittel mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz nahm um 27 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar zu.

Wie den Rivalen Visa und American Express kommt Mastercard zugute, dass sich der Tourismus vom Stillstand zu Beginn der Pandemie erholt hat. So stiegen die Auslandszahlungen im jüngsten Quartal um mehr als 50 Prozent.

Allerdings warnte Mastercard Investoren im Ausblick vor neuen Schwierigkeiten. So seien die grenzüberschreitenden Kreditkartenzahlungen in den vergangenen Wochen, in denen es wegen der Omikron-Virusvariante erneut Lockdowns und Reisebeschränkungen gab, schon wieder leicht gesunken. Beim Ausblick für das laufende Vierteljahr gab sich das Unternehmen deshalb entsprechend vorsichtig. Die Aktie legt daher nur leicht zu.

Samsung wittert Chancen bei 5G-Smartphones

Der südkoreanische Elektronikriese Samsung will nach Aussagen seines Mobilfunkchefs das Interesse der Verbraucher an 5G-Handys ausnutzen und so seinen Marktanteil ausbauen. Zuletzt lief es für den Konzern bereits rund, er erzielte im vierten Quartal den höchsten Gewinn für diesen Zeitraum seit vier Jahren. Im Handy-Geschäft stieg das operative Ergebnis um 9,9 Prozent.

Evergrande will Plan für Restrukturierung vorlegen

Der chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat angekündigt, innerhalb des nächsten halben Jahres einen Plan zur Restrukturierung vorzulegen. Evergrande hat Schulden von mehr als 300 Milliarden US-Dollar angehäuft. Zuletzt stufte neben Fitch auch Standard & Poor's (S&P) als zweite internationale Rating-Agentur die Kreditwürdigkeit von Evergrande herunter auf Kreditausfall in einigen Bereichen und damit eine Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Januar 2022 um 17:00 Uhr.