Händler an der New Yorker Börse | picture alliance/dpa/XinHua
Marktbericht

Wall Street im Abwärtstrend Der Ausverkauf geht weiter

Stand: 21.01.2022 22:20 Uhr

Nach dem Ausverkauf des Vortages erfüllten sich heute Hoffnungen auf einen Gegenbewegung an der Wall Street nicht. Zinsängste sorgten weiter für viel Nervosität. Auch der DAX musste Federn lassen.

Nach dem Ausverkauf am Vortag konnten sich die US-Märkte heute nicht von den schweren Verlusten erholen. Vor allem die Technologiebörse Nasdaq sackte nach nervösem und volatilem Handelsverlauf am Ende immer stärker ab und schloss erneut deutlich schwächer bei 13.768 Punkten. Das war ein Tagesverlust von 2,72 Prozent. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 2,75 Prozent auf 14.438 Zähler.

Der Leitindex Dow Jones hielt sich zwar besser, verlor aber ebenfalls 1,3 Prozent auf 34.265 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index gab 1,89 Prozent nach und ging bei 4397 Punkten aus dem Handel.

Zinsängste und kein Ende

An der Börse ist der sich anbahnende Wechsel des Zinsregimes der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) derzeit das beherrschende Thema. Anleger sorgen sich, dass die Fed womöglich zu stark auf die Bremse tritt und so den Aufschwung abwürgen könnte. Mittlerweile erwarten viele Marktteilnehmer nach zuletzt hohen Inflationsdaten sogar eine erste Anhebung im März um 50 Basispunkte. Hinzu kommt die zugespitzte geostrategische Lage um die Ukraine.

Tech-Aktien unter Druck

Zudem wird eines immer klarer: Die massiven Zinsängste in den USA sind primär ein Problem der hochbewerteten Technologieaktien, deren Geschäftsmodelle bei höheren Zinsen zu höheren Preisen refinanziert werden müssen. In der kommenden Woche legen die Großen der Branche ihre Zahlen vor, es dürfte der Höhepunkt der Berichtssaison werden. Spätestens dann muss sich zeigen, ob der Tech-Boom weitergehen kann oder ob die Luft nachhaltig dünner wird.

US-Berichtssaison sorgt bisher nicht für Aufbruchstimmung

Spätestens mit den enttäuschend aufgenommenen Netflix-Zahlen vom Vorabend wird auch klar, dass anders als im Vorquartal die US-Unternehmensergebnisse bisher nicht der erhoffte Stimmungsaufheller sind, der andere Belastungsfaktoren zurückdrängt.

"Die Hoffnung vor der Gewinnsaison war, dass die Unternehmen die Nerven beruhigen würden. Dass wir eine Erinnerung an die Stärke der Wirtschaft und die Widerstandsfähigkeit, die wir in den letzten Jahren gesehen haben, bekommen würden. Stattdessen waren die Ergebnisse eher enttäuschend", kommentiert Craig Orlam vom Broker Oanda.

Der Netflix-Schock sitzt tief

Der Schock wegen Netflix sitzt jedenfalls tief, auch was die allgemeine Situation im US-Technologiesektor betrifft. Wegen Inflationssorgen werden die Branchenpapiere schon länger abverkauft. "Die Gewinner der Pandemie stehen unter Druck, und das wird wahrscheinlich so bleiben", sagte Investmentstratege John Lynch vom Vermögensverwalter Comerica Wealth Management. Auch andere Aktien der US-Unterhaltungsbranche gaben nach.

Vor allem die deutlich unter den Erwartungen liegenden Neukundenzahlen des Streaming-Anbieters hatten für Entsetzen bei den Anlegern gesorgt, die Aktie brach an der Nasdaq 21,79 Prozent ein.

DAX im Sog der Wall Street auf Talfahrt

Mit deutlichen Verlusten von 1,94 Prozent auf 15.603 Punkte hat sich der deutsche Leitindex DAX aus der Börsenwoche verabschiedet. Der Index folgte damit dem Ausverkauf der Wall Street vom Vorabend, der sich allerdings lange nicht abgezeichnet hatte.

Erst im späten Geschäft leitete eine massive Verkaufswelle die herben Verluste der US-Indizes ein. Da dürfte so mancher Anleger auf dem falschen Fuß erwischt worden sein, besonders an der zinsempfindlichen Technologiebörse Nasdaq. Dieser schwachen Vorgabe konnte sich der DAX heute nicht entziehen und sackte im Tagestief sogar bis auf 15.456 Punkte ab, ehe er sich zum Handelsschluss im Zuge einer leichten Zwischenerholung in New York etwas fangen konnte. Trotzdem ergibt sich ein deutlicher Wochenverlust von knapp 1,7 Prozent.

Die DAX-Charttechnik wackelt

Die heutigen Verluste sorgen zudem dafür, dass der DAX die Marke von 15.800 Punkten preis gab, die zuletzt umkämpft war. Vielmehr geht es jetzt darum, ob der Index es schafft, seine 200-Tage-Linie (aktuell bei 15.608 Punkten) zu verteidigen, was heute auf Basis der Schlusskurse zumindest knapp gelungen ist.

Falls nicht, könnte sich die Abwärtsdynamik im DAX rasch verschärfen. Dann dürfte es in der kommenden Woche "sehr ungemütlich" an der Frankfurter Börse werden, warnt auch Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege von RoboMarkets.

Euro etwas erholt

Der Euro erholt sich im US-Handel auf 1,1344 Dollar. Kursgewinne verzeichneten auch der japanische Yen und der Schweizer Franken. Händler nannten die deutlich eingetrübte Börsenstimmung als Grund dafür, dass diese beiden Währungen wie oft in unsicheren Zeiten als Horte der Stabilität angesteuert wurden. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs für den Euro auf 1,1348 (Donnerstag: 1,1338) Dollar fest.

Die Feinunze Gold kostet 1834 Dollar und damit 0,3 Prozent weniger als am Vortag. Seine Funktion als sicherer Hafen kann das gelbe Edelmetall damit nicht erfüllen.

US-Frühindikatoren wie erwartet

Die konjunkturellen Aussichten in den USA haben sich im Dezember weiter verbessert. Der Sammelindex der wirtschaftlichen Frühindikatoren legte um 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, wie das private Forschungsinstitut Conference Board am Freitag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten mit dieser Entwicklung gerechnet. Im November war der Indikator um revidiert 0,7 Prozent gestiegen.

Der Sammelindex setzt sich aus zehn Indikatoren zusammen. Dazu zählen unter anderem die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die Neuaufträge in der Industrie, das Verbrauchervertrauen und die Baugenehmigungen. Die Indikatoren geben einen Eindruck über den Zustand der US-Wirtschaft. Die Zahlen hatten keine Auswirkung auf den Devisenmarkt.

Ölpreise folgen schwachen Aktienmärkten

Der jüngste Höhenflug der Ölpreise erhält heute einen Dämpfer. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent fällt gut ein Prozent, die US-Leichtölsorte WTI fällt stärker zurück um 2,2 Prozent. "Auslöser für den Preisrutsch war eine allgemeine Stimmungseintrübung, die sich auch in deutlich gefallenen Aktienmärkten zeigte", betonte Carsten Fritsch, Rohstoff-Experte der Commerzbank.

Airbus-Qatar-Streit eskaliert

Die Airbus-Aktie stand nach der neuerlichen Eskalation im Streit über Lackschäden an Airbus-Flugzeugen zwischen dem europäischen Flugzeugbauer und Qatar Airways im Fokus und verlor mit dem schwachen Gesamtmarkt rund 2,3 Prozent. Airbus hat nun eine separate Bestellung der Fluggesellschaft über 50 Maschinen vom Typ A321neo annulliert.

Siemens Energy bricht ein

Nach enttäuschenden Quartalszahlen seiner spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa hat auch der DAX-Konzern Siemens Energy seine Erwartungen für das laufende Jahr gesenkt. Die Siemens-Energy-Aktie war mit einem prozentual zweistelligen Minus von über 16 Prozent der mit Abstand größte Verlierer im DAX.

Commerzbank warnt vor Belastungen aus polnischen Krediten

Die Commerzbank stellt sich wegen der Unsicherheit rund um Fremdwährungskredite in Polen auf eine weitere Belastung ein. Die polnische Konzerntochter mBank habe Ende 2021 zusätzliche Rückstellungen in Höhe von umgerechnet rund 436 Millionen Euro vorgenommen, teilte das Frankfurter Geldhaus am Abend nach Börsenschluss mit.

In dieser Höhe werde auch das operative Ergebnis der Commerzbank im vierten Quartal belastet. Dennoch rechnet das Management um Vorstandschef Manfred Knof für das Gesamtjahr 2021 unter dem Strich weiterhin mit schwarzen Zahlen.

Die Commerzbank-Aktie geriet dennoch unter Druck, der Kurs sackte auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion um mehr als drei Prozent ab. Analysten waren Mitte November für 2021 im Schnitt von einem operativen Ergebnis in Höhe von 1,2 Milliarden Euro und einem Überschuss von 163 Millionen Euro ausgegangen.

Grünes Licht aus China für Siltronic-Übernahme

Der taiwanesische Chip-Zulieferer Globalwafers hat für die geplante Übernahme von Siltronic grünes Licht aus China erhalten. Die chinesische Wettbewerbsaufsicht genehmigte den Zukauf am Freitag unter Auflagen. Demnach muss Globalwafers binnen sechs Monaten sein Geschäft rund um das sogenannte Zonenziehverfahren verkaufen - eine Herstellungsvariante für Siliziumwafer. Zudem muss der Konzern weiterhin chinesische Kunden beliefern.

In trockenen Tüchern ist der Deal damit aber noch nicht. Denn noch steht die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums in Deutschland aus. Die deutschen Behörden haben Bedenken wegen des Technologietransfers.

Google legt Einspruch gegen Milliardenstrafe ein

Der Rechtsstreit um eine Wettbewerbsstrafe in Höhe von 2,42 Milliarden Euro gegen Google kommt vor das höchste Gericht der Europäischen Union. Der Tech-Gigant hat eigenen Angaben zufolge beim EuGH Einspruch gegen ein Urteil der Vorinstanz eingelegt, wie das Unternehmen auf Nachfrage bestätigte.

Goldman Sachs will bei Boni nicht knausern

Die Investmentbank will ihre Bonuszahlungen nach einem Jahr mit großen Transaktionen deutlich steigern. Das Budget für die jährlichen Bonuszahlungen sei um 40 bis 50 Prozent aufgestockt worden, sagten drei mit der Sache vertraute Personen. Goldman Sachs hatte bereits angekündigt, man werde nicht vor hohen Sonderzahlungen zurückschrecken, um besonders erfolgreiche Mitarbeiter zu halten.

JPMorgan-Chef verdiente 34,5 Millionen Dollar

Jamie Dimon, Chef der US-Investmentbank JPMorgan, hat im vergangenen Jahr 34,5 Millionen Dollar verdient - eine Gehaltssteigerung von 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seine Gesamtvergütung besteht aus zwei Teilen, wie das Geldhaus mitteilte: Der jährliche Basislohn, den Dimon erhalte, betrage 1,5 Millionen Dollar. Die übrigen 33 Millionen Dollar seien eine leistungsorientierte Prämie gewesen.

Neue Intel-Chip-Fabrik in Ohio?

Intel will Insidern zufolge für 20 Milliarden Dollar eine neue Chipfabrik im US-Bundesstaat Ohio errichten. Diese Investition werde der US-Konzern noch am Freitag bekanntgeben, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das Werk in der Nähe von Columbus werde 3000 dauerhafte Jobs schaffen.

Über dieses Thema berichtete am 21. Januar 2022 tagesschau24 um 09:05 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.