Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Dow Jones auf Talfahrt, DAX im Minus Abgekühlte Stimmung an den Börsen

Stand: 10.09.2021 22:33 Uhr

20 Jahre nach den Terroranschlägen in New York hat sich die Wall Street komplett erholt und eilt von einem Hoch zum nächsten. Doch nun wird die Luft dünner. In dieser Woche ging es an den Börsen kräftig abwärts.

Allmählich wird es stürmischer an den internationalen Aktienmärkten - passend zum meteorologischen Herbstanfang in zwei Wochen. Der Dow Jones befindet sich auf Talfahrt. Er fiel heute den fünften Tag in Folge und verabschiedete sich mit einem Minus von fast 0,8 Prozent ins Wochenende. Auf Wochensicht büßte das wichtigste Börsenbarometer für Standardwerte 2,2 Prozent ein. Der breiter gefasste und mit mehr Technologiewerten gespickte S&P 500 sowie die Nasdaq 100 sackten ebenfalls um knapp 0,8 Prozent ab. Vor drei Tagen hatte der Tech-Index noch ein Rekordhoch erreicht.

Erzeugerpreise in den USA schüren Inflationsdruck

Der steigende Inflationsdruck macht die Anleger zunehmend nervös. Die amerikanischen Erzeugerpreise erhöhten sich im August stärker als erwartet um 0,7 Prozent. Das war auf Jahressicht der stärkste Anstieg seit fast elf Jahren. "Die Daten sollten der Fed die Augen öffnen", meinte Charlie Ripley, leitender Anlagestratege von Allianz Investment Management. Der Inflationsdruck scheine immer noch nicht nachzulassen und werde wahrscheinlich auch in den kommenden Monaten von den Verbrauchern zu spüren sein.

Biden und Xi reden wieder miteinander

Für etwas Entlastung an der Wall Street sorgten indes geopolitische Nachrichten. Erstmals seit sieben Monaten telefonierten US-Präsident Joe Biden und sein chinesischer Amtskollege Xi wieder miteinander. Dies fachte die Hoffnungen auf eine Entspannung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit wieder an.

Die schwache Wall Street zog auch den DAX mit nach unten. Der deutsche Leitindex gab seine anfänglichen Gewinne im Tagesverlauf wieder ab und schloss rund 0,1 Prozent tiefer. Auf Wochensicht verbuchte er ein Minus von 1,1 Prozent. Der September scheint bisher seinem Ruf als "Angstmonat" gerecht zu werden.

Anleger fürchten Wachstumsdelle

Auch in Deutschland ist der Inflationsdruck hoch. Im August stiegen die Preise um 3,9 Prozent und damit so stark wie zuletzt 1993. Die hohe Inflation schürt die Angst vor einer sich abschwächenden Wirtschaftsdynamik. Die Anleger seien zunehmend über die Wachstumsaussichten besorgt sowie über die Auswirkungen, die anhaltende Preissteigerungen und Unterbrechungen der Lieferketten auf das Ausgabeverhalten und die Löhne haben könnten, erklärte Marktbeobachter Michael Hewson von CMC Markets. "Auch die steigenden Energiepreise geben Anlass zur Sorge."

EZB bleibt locker

Neben den Hoffnungen auf ein Ende des Handelsstreits zwischen USA und China sorgte auch die Europäische Zentralbank (EZB) für etwas Entlastung. Die europäischen Währungshüter haben am Donnerstag angekündigt, das Tempo ihrer Krisen-Anleihenkäufe nur moderat zu verringern. Eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Notfall-Programms PEPP fällten sie aber noch nicht. "Die EZB lässt die Börsenampel auf Grün", fasste Jochen Stanzl, Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets die Entscheidung zusammen

Der Euro notierte am Abend mit 1,1822 Dollar auf dem Niveau vom Vortag. Enttäuschend ausgefallene Daten zur Industrieproduktion in großen Volkswirtschaften der Eurozone konnten die Gemeinschaftswährung kaum belasten. In Frankreich stieg die Fertigung im Juli etwas schwächer als erwartet, in Spanien ging sie überraschend zurück.

Die Auswirkungen der gestrigen EZB-Sitzung hielten sich in Grenzen. "Außer ein wenig Hin und Her blieb der Euro-Dollar-Wechselkurs gestern von der EZB unbeeindruckt", meinte Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann am Freitagmorgen. Für das Währungspaar bleibe die US-Notenbank der entscheidende Faktor.

Die Ölpreise zogen zum Wochenschluss kräftig an. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich um rund zwei Prozent auf 72,85 Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,8 Prozent auf 69,22 Dollar.

Versorgungsengpässe durch den Wirbelsturm "Ida" und die Hoffnung auf eine Entspannung des Verhältnisses zwischen den USA und China treiben die Preise für das "schwarze Gold". Unterstützung erhielten die Erdölpreise vor dem Wochenende auch durch den US-Dollar, der etwas schwächer tendierte. Ein fallender Dollarkurs sorgt häufig für eine stärkere Nachfrage aus Ländern, die nicht in der US-Währung bezahlen. Rohöl wird international in Dollar gehandelt.

Dagegen verbilligte sich Gold etwas. Eine Feinunze des gelben Edelmetalls kostete am Abend 1788 Dollar und damit etwas weniger als am Vortag. Die Gold-Bullen kämpfen damit weiterhin um die nachhaltige Rückeroberung der wichtigen Marke von 1800 Dollar. An diesem Unterfangen waren sie in den vergangenen Tagen mehrfach gescheitert.

Die FMC-Aktie war mit einem Kursminus von über vier Prozent der mit Abstand größte Kursverlierer im DAX. Negative Analystenkommentare machten den Papieren des Dialysekonzerns zu schaffen: JP Morgan hat die Titel auf "Underweight" von "Neutral" heruntergestuft. Die Analysten von Barclays setzten die FMC-Aktie auf "Equal Weight" von "Overweight" herunter. Darunter litten auch die Papiere des FMC-Mutterkonzerns Fresenius.

Nach zuletzt eher dürftigen Wochen zogen die Kurse der deutschen Sportartikelhersteller Adidas und Puma wieder an. Die Titel von Adidas gewannen 0,4 Prozent, die Papiere von Puma legten 1,4 Prozent zu. Händler verwiesen auf eine wieder positivere Branchenstimmung, die neuerdings von den USA ausgehe. Dort hatte das vor allem für Yoga-Bekleidung bekannte Unternehmen Lululemon Anleger mit seinen Zahlen und dem Ausblick begeistert.

Der Betrugsprozess um den Dieselskandal wird kommende Woche ohne den früheren Konzernchef Martin Winterkorn beginnen. Das Verfahren gegen den 74-Jährigen werde wegen dessen Gesundheitszustand abgetrennt, teilte das Landgericht Braunschweig mit.

VW-Chef Herbert Diess hat sich im "Spiegel" offen für eine Zusammenarbeit mit BMW und Daimler bei der Autosoftware gezeigt. Sein Unternehemn sei bereit, seine Plattform zu teilen, sagte Diess dem Magazin. Die Entwicklung von Betriebssystemen und Software für das autonome Fahren erfordere hohe Einmalkosten. Da sei es entscheidend, am Ende möglichst viele Autos mit der Technologie auszustatten. Die hiesige Autoindustrie dürfe das Geschäft mit Software und Daten nicht allein Unternehmen wie Apple, Google oder Tesla überlassen.

Die BioNTech-Aktie war zum Wochenschluss gefragt. Das Mainzer Unternehmen will in den kommenden Wochen die Zulassung seines Corona-Impfstoffs auch für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren beantragen. Dazu würden die Ergebnisse einer Studie den Behörden weltweit, "auch hier in Europa", vorgelegt, sagte BioNTech-Mitgründerin Özlem Türeci dem "Spiegel". "Wir bereiten bereits die Produktion vor."

Die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gazprom fertiggestellt. Am Freitagmorgen um 8.45 Uhr Moskauer Zeit (7.45 Uhr MESZ) sei der Bau von Nord Stream 2 abgeschlossen worden, teilte Gazprom-Chef Alexej Miller der Staatsagentur Tass zufolge mit. Für Nord Stream 2 ist das mit mehr als anderthalbjähriger Verzögerung ein Durchbruch. Für den Betrieb der Leitung braucht es aber noch eine Zertifizierung der deutschen Behörden.

Der anhaltende Halbleitermangel lässt den japanischen Autobauer Toyota auf die Bremse treten. Für das bis März laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand aufgrund heruntergefahrener Kapazitäten nur noch mit einer Produktion von neun Millionen Fahrzeugen. Zuvor hatte das Management gut 300.000 Exemplare mehr in Aussicht gestellt. Toyota führt die Knappheit an Halbleitern auf die Ausbreitung des Coronavirus in Südostasien zurück.

Nestlé: Kaffee wird 2022 teurer

Der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé stellt sich auf steigende Einkaufspreise ein. Während sich im laufenden Jahr vor allem Milchprodukte und Fleisch verteuert hätten, dürften die Preissteigerungen 2022 eher Kaffee betreffen, sagte Finanzchef Francois-Xavier Roger. Nestlé gebe die höheren Einkaufskosten jeweils an den Handel und die Verbraucher weiter.

Um über drei Prozent nach unten ging es für die Aktien von Apple. Ein US-Bundesrichter hat entschieden, dass der iPhone-Hersteller Spieleentwicklern bei den Zahlungsmöglichkeiten entgegenkommen muss. Apple könne den Entwicklern nicht verbieten, in ihren Apps Schaltflächen oder Links einzubauen, die Kunden auf andere Zahlungsmöglichkeiten außerhalb des Apple-eigenen In-App-Kaufsystems verweisen. Das Urteil besagt aber auch, dass Apple den Entwicklern nicht verbieten könne, mit Kunden über Kontaktinformationen zu kommunizieren, die die Entwickler bei der Anmeldung innerhalb der App erhalten haben. Aktien der Videospiele-Hersteller, die ihre Spiele auf Apples iPhones verkaufen, erhielten Auftrieb durch das Gerichtsurteil.

Facebook hat eine smarte Brille vorgestellt, mit der man Fotos und Videos aufnehmen kann. Mit der "Ray-Ban Stories" könne man auch Anrufe entgegennehmen oder Podcasts hören, da in den Brillenbügeln zwei Lautsprecher eingebaut seien, kündigte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2021 um 17:00 Uhr.