Apple Store New York
Marktbericht

US-Märkte im Plus Apple führt die Wall Street nach oben

Stand: 10.02.2022 07:40 Uhr

Starke Firmenbilanzen haben die Wall Street zum Wochenschluss angeschoben. Die neueste Apple-Bilanz ließ sogar Zinsängste der Anleger in den Hintergrund treten.

Die US-Börsen sind nach schwacher Eröffnung zum Wochenschluss im Verlauf auf Klettertour gegangen. Im späten Geschäft legten die Notierungen nochmals kräftig zu. Anders als in Europa wurde die Furcht der Anleger vor schnell steigenden US-Zinsen von starken Firmenbilanzen von Apple und Visa überstrahlt. Insgesamt setzte sich damit der zuletzt unstete Handelsverlauf mit vielen Richtungswechseln fort. Der Leitindex Dow Jones schloss nach schwacher Eröffnung um 1,65 Prozent deutlich höher bei 34.725 Zählern. das war ein Tagesgewinn von 564 Punkten.

Noch deutlicher nach oben ging es mit der Technologiebörse Nasdaq, die 3,13 Prozent zulegte auf 13.770 Punkte und im Wochenverlauf damit einen wilden Ritt erlebte. Auch der Auswahlindex Nasdaq stieg deutlich um 3,22 Prozent auf. Der marktbreite S&P-500-Index gewann 2,43 Prozent auf 4431 Zähler. Gestern hatten Anleger die zwischenzeitlich gestiegenen Kurse im Dow Jones noch zum Ausstieg genutzt.

Die straffere Geldpolitik der US-Notenbank hat den Aktienmarkt allerdings trotz des heutigen Kursfeuerwerks weiter fest im Griff, was die Anleger verunsichert. Experten zufolge greifen zwar einige bei Rücksetzern mutig zu. Nach jeder Erholung werde aber auch die Bereitschaft schnell wieder größer, Kasse zu machen. "Die Volatilität und die Risiken sind gestiegen und das wird erst einmal so bleiben", hieß es am Abend vom Commerzbank-Anlagestrategen Chris-Oliver Schickentanz auch wegen des Ukraine-Konflikts.

Apple-Zahlen treiben Technologiewerte an

Rückenwind erhielt der gesamte Markt durch steigende Apple-Kurse. Die Aktie schloss am Ende 6,98 Prozent höher bei 170,33 Dollar. Sie nähert sich damit wieder einer Marktbewertung von drei Billionen Dollar, die der iPhone-Konzern als erster überhaupt zuletzt schon erreicht hatte. Konkret hat Apple im vergangenen Weihnachtsgeschäft erneut ein Rekordquartal eingefahren und seinen Gewinn im Jahresvergleich um gut ein Fünftel auf 34,6 Milliarden Dollar gesteigert. Der Technologiekonzern trotzte damit den globalen Komponenten-Engpässen, die die Branche bremsen. Ohne den Einfluss von Chip-Engpässen hätten die Kalifornier noch mehr verkaufen können. So schätzt Apple, dass der Umsatz dadurch um mehr als sechs Milliarden Dollar gedrückt wurde. Wenn allerdings, wie Experte Ingo Wermann von der DZ Bank schreibt, in der Analystenkonferenz zu den Quartalszahlen das Wort "Rekord" 41-mal vorkomme, dann zeige dies mehr als deutlich, dass der Konzern die Probleme sehr gut habe abfedern können.

Kreditkarten-Riese Visa mit Gewinn- und Umsatzsprung

Der US-Finanzkonzern Visa verdient dank florierender Kreditkartenzahlungen weiter glänzend. In den drei Monaten bis Ende Dezember stieg der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 27 Prozent auf 4,0 Milliarden Dollar, wie Visa gestern nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Umsatz legte im Quartal um 24 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar zu. Die Visa-Aktie gehörte heute zu den großen Gewinnern und haussierte um 10,86 Prozent auf 228,00 Dollar zu.

DAX beendet turbulente Woche mit Verlusten

Der DAX hat sich mit einem Tagesverlust von 1,32 Prozent auf 15.318 Punkten ins Wochenende verabschiedet. Im späten Geschäft konnte sich der deutsche Leitindex dabei noch im Sog einer anziehenden Wall Street von seinen Tiefständen lösen. Insgesamt aber ging der Schlingerkurs der Börse auch heute weiter.

Denn die sich abzeichnende Zinswende in den USA sorgt für viel Unsicherheit auch am heimischen Markt. Die hohe Nervosität der Anleger zeigt sich auch durch die hohe Handelsbandbreite heute von fast 300 Punkten zwischen 15.122 und 15.416 Zählern. Auf Wochenbasis verliert der DAX rund 1,8 Prozent. Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei Robomarkets, sprach von einer "ereignisreichen und teils turbulenten Handelswoche". Die Anleger seien hochnervös angesichts der Frage, wie weit der Ausverkauf bei den Technologieaktien noch gehe. "Und die nun offiziell verkündete Zinswende in den USA dürfte die Antwort auf diese Frage auch noch eine Weile hinauszögern."

Viele Fragezeichen

Vor allem die Aussicht auf eine baldige Drosselung der Geldflut der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) macht den Börsianern zu schaffen. Zudem steht neben der beschlossenen Zinswende die Frage im Raum, wie schnell die Fed die Zügel anzieht und was unter dem postulierten Ziel zu verstehen ist, die Bilanz zu verkleinern.

Zudem beunruhigt der weiter rasant steigende Ölpreis die Anleger. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zieht zum Wochenschluss zeitweise über 90 Dollar an, was Inflationssorgen massiv befeuert. "Brent könnte jetzt schnell an die 100-Dollar-Marke heranlaufen", warnt Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. "Eine Abkühlung der Inflation wird mehr und mehr aufgeschoben. Die Fed bekommt noch mehr Druck, auf die Bremse zu treten, was wiederum den Aktienmärkten wenig Raum gibt."

Das Statistische Bundesamt meldete zudem, dass die Importpreise auch zum Jahresschluss rasant gestiegen sind. Im Dezember kletterten sie um 24 Prozent in die Höhe. Im Jahresschnitt verteuerten sich Einfuhren nach Deutschland um 13,5 Prozent, was vor allem an den steigenden Energiepreisen lag.

Deutsche Wirtschaft im Schlussquartal auf Rezessionskurs

Negative Nachrichten für den deutschen Aktienmarkt kommen derweil auch vom Statistischen Bundesamt. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im vierten Quartal merklich um 0,7 Prozent gefallen.

Ökonomen gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung auch im ersten Quartal 2022 schrumpfen und die Bundesrepublik damit in eine "technische Rezession" (zwei Minus-Quartale in Folge) rutschen dürfte. Erst im Frühjahr dürfte die Konjunktur wieder richtig anspringen. "Die deutsche Wirtschaft steckte in der Corona- und Materialmangelfalle fest", kommentierte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Allerdings gebe es berechtigte Hoffnungen, dass sie im laufenden Quartal auf den Wachstumspfad zurückkehre.

Der Dollar bleibt stark

Die Aussicht auf höhere Zinsen in den USA treibt derweil den Dollar. Ein zweischneidiges Schwert, facht doch der hohe Dollar-Kurs die Ölpreise und damit die Inflation in Europa zusätzlich an. Im Gegenzug profitieren die exportabhängigen Unternehmen vom schwachen Euro, was vor allem der deutschen Wirtschaft zugute kommt. Im US-Handel wird der Euro bei 1,1145 Dollar gehandelt, zum Vortag damit kaum verändert und leicht über dem Tief von gestern. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1138 (Donnerstag: 1,1160) Dollar fest.

Trüber Wachstumsausblick drückt Henkel-Aktie

Der Konsumgüterkonzern Henkel hat die Anleger mit seinem Wachstumsausblick enttäuscht. Die Aktien brachen als Schlusslicht im DAX um über elf Prozent ein. Henkel erwartet für das laufende Geschäftsjahr ein geringeres Wachstum als 2021. Auch bei der operativen Rendite (Ebit-Marge) dürfte bereinigt um Sondereffekte im besten Fall nur eine minimale Verbesserung herauskommen.

Adler Group verschiebt Bilanz - Aktie bricht ein

Der Immobilienkonzern Adler Group muss die Veröffentlichung seines Konzernabschlusses voraussichtlich verschieben. Grund sei die laufende Sonderuntersuchung zu den Vorwürfen der Investmentfirma Viceroy, teilte das im SDAX gelistete Unternehmen in Luxemburg mit. Diese solle bis zur Erteilung des Abschlussprüfer-Testats abgeschlossen sein. Der Abschlussprüfer KPMG habe Adler darüber informiert, dass es wegen der Sonderuntersuchung "sehr unwahrscheinlich" sei, dass der Konzernabschluss wie vorgesehen bis zum 31. März veröffentlicht werden könne. Der Konzern werde so schnell wie möglich einen neuen Zeitplan bekannt geben. Der Kurs der Adler-Aktie brach nach den Neuigkeiten prozentual zweistellig ein.

Toyota bleibt größter Autoverkäufer vor Volkswagen

Der japanische Toyota-Konzern hat beim globalen Absatz seinen Spitzenplatz verteidigt und seinen Rivalen Volkswagen auf Abstand gehalten. Trotz der Lieferengpässe bei Halbleitern und anderer Folgen der Pandemie setzte Toyota im vergangenen Jahr 10,5 Millionen Fahrzeuge ab. Das ist ein Plus von 10,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. VW musste im vergangenen Jahr einen Absatzrückgang von 4,5 Prozent auf 8,88 Millionen Fahrzeuge hinnehmen.

Geschäfte von LVMH laufen besser als vor Corona

Mit besseren Geschäften als noch vor der Corona-Pandemie und einem Rekordumsatz hat der französische Luxusgüterkonzern LVMH die Erwartungen von Analysten deutlich übertroffen. Der Jahreserlös stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp 44 Prozent auf 64,2 Milliarden Euro. Konzernchef Bernard Arnault zeigte sich zuversichtlich: LVMH sei in einer "exzellenten Position, um seine führende Position auf dem Luxusmarkt weiter auszubauen".

Chevron gut, aber nicht gut genug

Dank höherer Ölpreise verdient Chevron wieder glänzend. Im vergangenen Quartal machte der zweitgrößte US-Ölkonzern aus dem Leitindex Dow Jones unterm Strich einen Gewinn von 5,1 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro), wie er heute in San Ramon mitteilte. Vor einem Jahr war Chevron aufgrund starker Belastungen durch die Corona-Pandemie mit 665 Millionen Dollar in die roten Zahlen geraten. Der Umsatz legte nun um gut 90 Prozent auf 48,1 Milliarden Dollar zu. Trotz der starken Zuwächse fällt die Aktie, nachdem sie zuvor sehr gut gelaufen war. Denn Analysten hatten mit einem noch besseren Ergebnis gerechnet. Im Gesamtjahr 2021 machte Chevron mit 15,7 Milliarden Dollar den höchsten Gewinn seit 2014.

Caterpillar ist gut durch die Krise gekommen

Nach dem Gewinneinbruch im ersten Jahr der Pandemie lief es für den Baumaschinenhersteller Caterpillar im Jahr 2021 wieder sehr gut. Die Umsatzerholung fiel deutlich stärker aus als von Analysten erwartet. Unter dem Strich erwirtschaftete der Dow-Konzern mit 6,5 Milliarden Dollar mehr als das Doppelte des Vorjahresgewinns. Die Aktie notierte trotzdem leichter. Caterpillars Geschäftsverlauf wird an der Börse gerne auch als Konjunkturindikator gesehen und ist deshalb viel beachtet.

Tesla kauft eigenes Gleis für Shuttle-Zug zur Fabrik

Tesla hat für eine bessere Anbindung an sein Werk im Grünheide bei Berlin ein bereits vorhandenes Gleis von der Deutschen Regionaleisenbahn Gruppe DRE erworben. Das bestätigte gestern eine Sprecherin des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung. Der US-Elektroautobauer plant demnach, bis zur Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs Fangschleuse zu den Schichtwechselzeiten einen Shuttle-Zug fahren zu lassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Januar 2022 um 12:00 Uhr und 17:00 Uhr.