Federal Reserve Bank, Washington, USA | picture alliance / Xinhua News A
Marktbericht

Nach der US-Zinssitzung Die Fed zieht die Zügel an

Stand: 15.12.2021 22:21 Uhr

Wie erwartet hat die US-Notenbank Federal Reserve das Feld für erste Zinserhöhungen im Neuen Jahr bereitet. Für die Börse kam der Schritt nicht überraschend. Die Kurse zogen auf breiter Front an.

Nach der im Vorfeld mit viel Spannung erwarteten Zinsentscheidung der Notenbank haben die US-Aktienmärkte auf breiter Front zugelegt. Der Leitindex Dow Jones stieg um 1,08 Prozent auf 35.927 Punkte. Stärker im Auge hatten die Börsianer zuletzt vor allem die Aktien aus dem Technologiesektor, der als besonders zinsabhängig gilt. Bei steigenden Kapitalmarktzinsen halten sich Unternehmen mit Investitionen in IT tendenziell zurück.

Nasdaq kräftig im Aufwind

Die Anleger an der Technologiebörse Nasdaq reagierten erleichtert. Bereits gestern standen die zuletzt stark gelaufenen Technologiewerte im Vorfeld der heutigen geldpolitischen Beschlüsse besonders unter Druck. Der Composite-Index stieg kräftig um 2,15 Prozent auf 15.565 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 ging bei 16.289 Zählern sogar um 2,35 Prozent höher aus dem Handel.

Der marktbreite S&P-500-Index legte um 1,63 Prozent auf 4709 Punkte zu. Der Index verfehlte im Tageshoch bei 4712 Punkten sein bisheriges Rekordhoch nur um einen Punkt.

"Am Aktienmarkt hatten Investoren darauf gehofft, die aggressive Seite der Fed zu sehen. Ihnen gefällt, dass die Fed endlich gegen die Inflation vorgeht, die außer Kontrolle geraten ist", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade.

"Die Entscheidungen der Fed sind sicherlich am oberen Ende der Erwartungs-Bandbreite, aber sie liegen nicht außerhalb der Erwartungen", schrieb Portfoliomanager Thomas Altmann von QC-Partners. Für die Aktienmärkte sei im Moment am wichtigsten, eine maximale Planungssicherheit bezüglich der Geldpolitik der US-Notenbank zu haben. Und diese Planungssicherheit sei nach der Zinsentscheidung an diesem Mittwoch deutlich größer.

Die Fed zieht die Zügel an

Konkret beschleunigt die Fed angesichts der hohen Inflation das Zurückfahren ihrer Anleihenkäufe und erwartet für das kommende Jahr bis zu drei Erhöhungen der Leitzinsen. Die Federal Reserve kündigte am Mittwoch an, ihre Anleihenkäufe zur Stützung der Wirtschaft in der Corona-Pandemie um 30 Milliarden Dollar pro Monat und damit doppelt so stark wie bislang zurückzufahren.

Im März wäre dieses als "Tapering" bekannte Manöver dann bei gleichbleibender Geschwindigkeit abgeschlossen, womit der Boden für eine Zinserhöhung bereitet wäre. Die Leitzinsen bleiben zunächst zwischen Null und 0,25 Prozent.

Inflation zuletzt bedrohlich hoch

Die Fed sieht sich mit dem stärksten Inflationsdruck seit Anfang der 1980er-Jahre konfrontiert. Die Verbraucherpreise stiegen im November um 6,8 Prozent. Die Teuerungsrate ist damit sehr weit über das Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent hinausgeschossen. In ihrer nun aktualisierten Inflationsprognose geht die Fed davon aus, dass die Teuerungsrate auch 2022 mit 2,6 Prozent erhöht bleiben wird.

Notenbankchef Jerome Powell sagte, die Wirtschaft wachse in robustem Tempo und der Arbeitsmarkt erhole sich weiter gut hin zum Ziel der Vollbeschäftigung. Daher und wegen der höheren Inflationsrate sei eine Straffung der Geldpolitik angezeigt. Ein mögliches Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick sei der weitere Verlauf der Pandemie, "inklusive neuer Varianten des Virus", schränkte Powell ein.

Powell räumt längerfristige Inflationsgefahren ein

In seiner traditionellen Pressekonferenz nach dem Entscheid erklärte Bankchef Jerome Powell weiter, dass die Gefahr einer sich verfestigenden Inflation gestiegen sei. Powell hatte lange erklärt, beim kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise handle es sich um ein vorübergehendes Phänomen, das auf derzeitige Lieferkettenprobleme in der Weltwirtschaft zurückgehe. Er musste dann zuletzt einräumen, dass die Inflation länger über dem Zielwert von zwei Prozent liegen könnte als erwartet.

Wie schon zuletzt wies er auch auch auf die weiterhin hohen Konsumausgaben hin. Vor dem Ende des Taperings werde es keine Zinserhöhungen geben, allerdings werden diese kurz danach beginnen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen durch die neue Omikron-Corona-Variante seien noch unklar, die Menschen würden aber lernen, mit dem Virus zu leben.

US-Notenbanchef Jerome Powell

Eli Lilly im Fokus

Deutlich bergauf ging es unter den Einzelwerten an der Nyse mit der Aktie des Pharmakonzerns Eli Lilly. Dieser wird dank der Geschäfte mit Corona-Antikörpern optimistischer für das laufende Jahr. Statt bis zu 27,6 Milliarden US-Dollar (gut 24 Milliarden Euro) würden nun 28,0 bis 28,3 Milliarden Dollar Umsatz erwartet, hieß es heute in einer Mitteilung.

Pro Aktie geht Eli Lilly demnach von einem bereinigten Gewinn von 8,15 bis 8,20 Dollar aus. Zuvor hatte der Konzern bestenfalls 8,05 Dollar prognostiziert. Der neue Ausblick basiere unter anderem auf zusätzlichen Erlösen mit Covid-19-Antikörpern, nachdem ein entsprechender Vertrag mit der US-Regierung geschlossen worden sei, hieß es.

DAX in der Warteschleife

Der DAX hat zur Wochenmitte leicht höher geschlossen. Am Ende eines schwankungsarmen Handelstages rückte der deutsche Leitindex um moderate 0,15 Prozent vor auf 15.476 Punkte.

Richtig aussagekräftig ist die Bewegung aber heute nicht, denn vor dem wegweisenden Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve am Abend haben die Anleger das Risiko gescheut. Der DAX bewegte sich vor diesem Hintergrund in einer engen Handelsbandbreite zwischen 15.451 und 15.541 Zählern.

Tapering-Verschärfung ist ausgemachte Sache

Die Zurückhaltung der Anleger war vor dem Fed-Termin nichts Ungewöhnliches. Zwar ist eine Verschärfung des derzeitigen Anleiherückkaufprogramms ("Tapering" genannt) am Markt ausgemachte Sache, von besonderer Bedeutung werden aber die Hinweise auf das weitere Vorgehen der Notenbank sein.

Powell stehe vor einer schwierigen Gratwanderung, warnte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. "Überzieht die Fed mit ihren Maßnahmen, dürfte dies negativ aufgenommen werden. Sollte andererseits Entschlossenheit fehlen, die Teuerung zu bekämpfen, wäre dies auch ein negatives Signal, da die Inflationsangst die Oberhand behalten würde."

Dollar auf Berg- und Talfahrt

Die Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik hat im US-Handel den Dollar zunächst beflügelt. Für einen Euro mussten zwischenzeitlich nur noch 1,1240 Dollar bezahlt werden, dann erholte sich die Gemeinschaftswährung aber wieder auf 1,1294 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1262 (Dienstag: 1,1309) Dollar fest.

Die türkische Lira stand erneut unter Druck. Zu Dollar und Euro wurden abermals historische Tiefstände markiert. Schon seit Wochen fällt die Lira von einem Rekordtief auf das nächste. Hauptgrund ist das Misstrauen der Marktteilnehmer in die Geldpolitik der türkischen Notenbank. Trotz einer hohen Inflation von zuletzt gut 21 Prozent befinden sich die Währungshüter auf Zinssenkungskurs. Kritiker führen dies auf den Druck durch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zurück.

US-Einzelhändler nur mit moderatem Wachstum

Die US-Einzelhändler haben derweil in dem für das Weihnachtsgeschäft so wichtigen Monat November nur ein mageres Umsatzplus eingefahren. Die Einnahmen legten um 0,3 Prozent zum Vormonat zu, wie das Handelsministerium heute mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von 0,8 Prozent gerechnet. Im Oktober hatte es noch ein Plus von revidiert 1,8 (bisher: 1,7) Prozent gegeben. Offenbar waren viele US-Amerikaner dieses Jahr früher in das Weihnachts-Shopping gestartet - auch aus Sorge, Artikel könnten wegen der Lieferengpässe später vergriffen sein.

Ölpreise unter Druck

Die Furcht vor einer schwächelnden Nachfrage belastet den Ölpreis. Die Internationale Energieagentur hat davor gewarnt, dass ein Anstieg der Infektionszahlen mit dem Auftauchen der Corona-Variante Omikron die weltweite Ölnachfrage dämpfen werde, während gleichzeitig vor allem in den USA die Rohölproduktion zunehme.

Die US-Lagerbestände an Rohöl sind in der vergangenen Woche derweil stärker als erwartet gefallen. Die Vorräte gaben im Vergleich zur Vorwoche um 4,6 Millionen Barrel (159 Liter) auf 428,3 Millionen Barrel nach, wie das US-Energieministerium heute in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang um 1,7 Millionen Barrel gerechnet.

Bis zu 6000 Euro Prämie für Daimler-Beschäftigte

Der Autokonzern Daimler und sein Tochterunternehmen Mercedes-Benz zahlen ihren Beschäftigten für dieses Jahr eine Ergebnisbeteiligung in Rekordhöhe. Alle Tarifangestellten mit Anspruch auf eine Zahlung - es sind rund 100.000 - erhalten je bis zu 6000 Euro. Die Zahlung sei ein Dankeschön für "die hervorragende Arbeit und Flexibilität der Beschäftigten in einem Jahr, das erneut von der Corona-Pandemie und schwierigen Rahmenbedingungen geprägt war".

Telekom verlängert Vertrag mit Tim Höttges

Der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom hat den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden, Timotheus Höttges, vorzeitig um fünf Jahre verlängert. Sein bisheriger Vertrag läuft bis Ende 2023, wie die Telekom heute erklärte. Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner begrüßte die Vertragsverlängerung bis Ende 2026. Höttges stehe "wie kein anderer für den Wandel und den Erfolg der vergangenen Jahre".

Frank Appel soll Aufsichtsratschef werden

Der Aufsichtsrat der Telekom sprach sich zudem für Post-Chef Frank Appel als seinen neuen Vorsitzenden aus. Offiziell gewählt werden soll Appel bei der Hauptversammlung am 7. April 2022. Der amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Lehner steht aus Altersgründen nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung.

Anfang Dezember hatte Appel erklärt, er habe sich "nach reiflicher Überlegung" dazu entschlossen, die Unternehmensführung der Deutschen Post abzugeben. Sein Vertrag bei der Post läuft noch bis Anfang Mai 2023. Das Aufsichtsratsmandat würde er zusätzlich übernehmen.

VW ruft den Golf 8 zurück

Der Autobauer Volkswagen bittet das neueste Modell seiner Brot- und Butter-Baureihe Golf zum Software-Update in die Werkstätten. Weil die künftig produzierten Golf 8 neue Hardware- und Softwareelemente erhielten, sollten auch die bisher schon verkauften Exemplare neue Software aufgespielt bekommen, sagte ein VW-Sprecher am Abend. Die Wolfsburger wollen unter anderem die Sprachbedienung im Auto verbessern.

Der Golf 8 hatte schon seit Produktionsstart Probleme mit den gegenüber der Vorgängerversion deutlich ausgebauten Software- und Elektronikfeatures, die nicht so reibungslos funktionierten wie zunächst gedacht. Vergangenes Jahr rief VW die Autos etwa wegen Funktionsstörungen beim elektronischen Notrufassistenten in die Werkstätten.

Singapore Airlines will sieben A350-Frachtjets kaufen

Der Flugzeugbauer Airbus hat in Singapur einen weiteren Käufer für seinen geplanten Großraumfrachter A350F gefunden. Die Fluggesellschaft Singapore Airlines habe eine Absichtserklärung zum Kauf von sieben Exemplaren des Jets unterzeichnet, teilte der DAX-Konzern in Toulouse mit. Demnach soll die A350F ab dem vierten Quartal 2025 die älteren Boeing-Jumbo-Frachter vom Typ 747-400F in der Flotte ersetzen.

Bei Metro fällt die Dividende aus

Der Großhandelskonzern Metro erwartet nach den Belastungen durch die Corona-Pandemie für das neue Geschäftsjahr eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau. Der Umsatz dürfte in den zwölf Monaten bis Ende September 2022 um drei bis sieben Prozent steigen, teilte das im SDAX gelistete Unternehmen am Abend nach Börsenschluss in Düsseldorf mit.

Obwohl das Geschäft im Sommerquartal spürbar anzog, sank der Metro-Umsatz auf Jahressicht um 3,4 Prozent auf knapp 24,8 Milliarden Euro. Mit einem bereinigten operativen Gewinn von knapp 1,2 Milliarden Euro schnitt der Konzern zwar etwas besser ab als im Vorjahr und erreichte das obere Ende der vom Vorstand ausgegebenen Prognosespanne. Unter dem Strich stand im fortgeführten Geschäft allerdings ein Verlust von 45 Millionen Euro nach einem Minus von 140 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Elmos-Aktie nach Werksverkauf kaum zu bremsen

Analysten loben den Halbleiterhersteller Elmos Semiconductor für den Verkauf seiner Waferfertigung in Dortmund, und die Anleger sind in Kauflaune. Nach einem Anstieg von gut zwölf Prozent am Vortag legten die Titel heute um rund 16 Prozent zu und erreichten mit über 56 Euro ein weiteres Hoch seit dem Jahr 2000. In nur zwei Handelstagen hat Elmos den Börsenwert um mehr als ein Fünftel gesteigert.

Bundesregierung will Arbeitsplätze bei Alstom retten

Nach den Plänen für einen Stellenabbau beim Bahntechnik-Hersteller Alstom hat die Bundesregierung angekündigt, sich für den Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen. "Wir sind sowohl mit dem Unternehmen und dem Betriebsrat in Kontakt, um hier dafür einzutreten, dass hier die Arbeitsplätze erhalten bleiben", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner, nach einem Besuch im Alstom-Werk Görlitz.

Taxi-Unternehmen zieht Model 3 von Tesla aus dem Verkehr

Das größte Pariser Taxi-Unternehmen will nach einem tödlichen Unfall vorerst keine Tesla-Autos des Typs Model 3 mehr einsetzen. Das Taxi-Unternehmen G7 erklärte, dass andere Modelle des Elektroautoherstellers allerdings weiterhin in der Flotte fahren würden. Bei dem Unfall am Samstag war ein Passant getötet und 20 weitere verletzt worden. Es bestand der Verdacht eines technischen Defekts, was der US-Hersteller jedoch bestritt.

H&M-Umsatz wieder auf 2019er-Niveau zurück

Die Bekleidungskette H&M ist im vierten Quartal trotz anhaltenden Einschränkungen infolge von Corona-Maßnahmen in einigen Ländern wieder auf dem Umsatzniveau des Jahres 2019 angekommen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Erlös im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 (30. November) bereinigt um acht Prozent auf 57 Milliarden schwedische Kronen (5,5 Milliarden Euro).

Zara-Mutter Inditex mit weiterem Rekordquartal

Der Textilhändler Inditex hat sich weiter vom Corona-Schock des Jahres 2020 erholt und im dritten Quartal den Rekordkurs der Monate davor fortgesetzt. In den Monaten August bis Oktober setzte der Eigner der Modeketten Zara, Bershka und Massimo Dutti so viel um wie noch nie in einem dritten Quartal zuvor - auch der Gewinn lag auf Rekordniveau für diesen Zeitraum.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.