Schild "Nasdaq" | REUTERS
Marktbericht

Trotz Zingsängsten Die Nasdaq zeigt Stärke

Stand: 19.08.2021 22:21 Uhr

Die Wall Street hat nach holprigem Start relativ gelassen auf eine drohende geldpolitische Straffung reagiert. Vor allem Tech-Aktien tendierten robust. Der DAX musste hingegen stärker Federn lassen.

Die großen US-Indizes präsentierten sich am Donnerstag uneinheitlich und volatil. Am Ende hatten Technologieaktien die Nase vorne, der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss nach wechselhaftem Handel 0,51 Prozent besser bei 14.933 Punkten. Auch der Nasdaq-Composite-Index ging moderat um 0,11 Prozent höher bei 14.541 Punkten aus dem Handel.

Der marktbreite S&P-500-Index ging bei 4405 Zählern aus dem Handel, ein Tagesgewinn von 0,13 Prozent. Der Leitindex Dow Jones, der sich lange Zeit schwer tat und bei 34.690 Punkten sein Tagestief erreichte, legte im Handelsverlauf ebenfalls noch zu und schloss letztlich bei 34.894 Punkten 0,19 Prozent moderat schwächer. Das Tageshoch lag dabei bei 34.997 Zählern nur knapp unter der Marke von 35.000 Zählern.

Alle Augen auf die Fed

Thema des Tages waren natürlich die am Vorabend veröffentlichten Sitzungsprotokolle der Notenbank Federal Reserve (Fed), die eine schneller als erwartet kommende geldpolitische Gangart andeuten. Dass die Fed sukzessive vorsichtiger werden wird, ist aber keine Neuigkeit, vielmehr hat Bankchef Jerome Powell ein Wechsel des Zinsregimes stets von der Erholung am Arbeitsmarkt abhängig gemacht, sie aber nie prinzipiell in Frage gestellt.

Nach den jüngsten Sitzungsprotokollen gingen Anleger davon aus, dass die Fed schneller handeln könnte als gedacht und ihre umfangreichen Anleihenkäufe zeitnah verringern werde. "Die Leute nehmen Geld vom Tisch", sagte Peter Cardillo, Ökonom bei Spartan Capital Securities in New York.

Die Gerüchteküche brodelt

Rund um die in den Protokollen deutlich gewordene Diskussion der Notenbanker sprießen nun die Gerüchte, wie es weitergehen könnte. Wird die Fed womöglich schon auf ihrer nächsten Sitzung am 21. und 22. September mit dem Tapering beginnen oder es zumindest ankündigen? Oder auf dem internationalen Notenbankertreff Ende des Monats in Jackson Hole? Harsche Reaktionen der Börsen wollen die Fed-Banker nach schlechten Erfahrungen im Jahr 2013 jedenfalls vermeiden, deshalb wird viel auf die Kommunikation ankommen.

Erstanträge sinken, Philly Fed fällt

Zum Arbeitsmarkt gab es zumindest neue Fakten. Denn die Erholung am US-Jobmarkt geht weiter, wie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zeigen. Sie liegen allerdings mit 348.000 weiter über dem Vor-Corona-Niveau von rund 200.000 Anträgen. Experten hatten im Schnitt 368.000 Anträge erwartet, nach 377.000 in der Vorwoche. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist damit auf den niedrigsten Stand seit fast anderthalb Jahren gesunken.

Der Mangel an Kinderbetreuungsplätzen und die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus werden für den Arbeitskräftemangel mitverantwortlich gemacht, über den derzeit viele Unternehmen klagen. Ende Juni gab es einen Rekord von 10,1 Millionen offenen Stellen. Die Zahl der Beschäftigten liegt noch um 5,7 Millionen unter ihrem Höchststand von Februar 2020.

Das Geschäftsklima in der US-Region Philadelphia hat sich im August derweil überraschend eingetrübt. Der Indikator der regionalen Notenbank für die Industrie ("Philly-Fed-Index") fiel um 2,5 Punkte auf 19,4 Punkte, wie die Zentralbank heute in Philadelphia mitteilte. Volkswirte hatten hingegen im Schnitt mit einem Anstieg auf 23,1 Punkte gerechnet. Es ist der vierte Rückgang in Folge.

DAX muss Federn lassen

Nachdem sich der DAX zuletzt knapp unterhalb der Marke von 16.000 Punkten eingerichtet hatte, ist der deutsche Leitindex heute nach unten abgerutscht. Er schloss bei 15.765 Punkten um 1,25 Prozent schwächer. Im Tagestief fiel er bis auf 15.621 Punkte oder um gut zwei Prozent.

Größere Verluste verhinderte eine sich im Verlauf stabilisierende Wall Street. Vorbörslich deutlich schwächere Niveaus wurden damit überwunden. Trotzdem, kaum eine Woche nachdem der DAX ein neues Rekordhoch bei 16.030 Punkten markiert hatte, hat sich das Börsenklima deutlich eingetrübt.

Nur wenige Gewinner im DAX - Merck auf Rekordhoch

Unter den 30 DAX-Einzelaktien des Leitindex lagen BASF und Covestro am Indexende, auch Autoaktien gehörten zu den größten Verlierern. Gewinner gab es nur vereinzelt. Merck-Papiere ließen sich auch vom eingetrübten Gesamtmarktumfeld nicht stören und setzten ihre jüngste Rally fort. Sie schlossen als Tagessieger auf Rekordhoch und erstmals über der Marke von 200 Euro. Auch Delivery Hero und die Versorger tendierten besser.

Tapering-Ängste drücken den DAX

Hintergrund des heutigen DAX-Kurseinbruchs waren die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen sowie die Ängste vor einem geldpolitischen Kurswechsel der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Den gestern veröffentlichten Protokollen der vergangenen Fed-Sitzung zufolge könnten die Notenbanker noch in diesem Jahr mit dem "Tapering" beginnen.

Als Tapering wird an der Börse das Herunterfahren der umfangreichen Anleihekäufe durch die Notenbank bezeichnet. Beim Tapering dreht die Fed den Märkten also allmählich den Geldhahn zu.

"Noch sind die Geldschleusen zwar weit geöffnet, aber sollte sich der Arbeitsmarkt weiter erholen, dürften die konjunkturstützenden Anleihekäufe zeitnah reduziert werden", sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets. Das stelle die erfolgsverwöhnten Aktienmärkte auf die Probe.

Euro etwas erholt

Die steigende Risikoaversion der Marktteilnehmer spiegelt sich auch am Devisenmarkt wider. Der "sichere Hafen" US-Dollar ist gefragt. Der Euro ist am Donnerstag im US-Handel etwas abgebröckelt und hat sich wieder dem tiefsten Stand seit neun Monaten genähert. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,1677 US-Dollar bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1696 (Mittwoch: 1,1723) Dollar festgesetzt.

"Der Markt ist aufgrund der weltweiten Delta-Welle beunruhigt", beschrieb Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank die Stimmung unter den Anlegern. Ihrer Einschätzung nach profitierte der Dollar als Weltreservewährung von der erhöhten Unsicherheit. Eine anziehende Geldpolitik zementiert aber auch den Zinsvorsprung im Dollar-Raum, die EZB bleibt derzeit weit zurück.

Ölpreise brechen ein

Der starke Dollar machte auch den Ölpreisen zu schaffen, verteuert er doch Öl in Ländern außerhalb des Dollar-Raums und dämpft so die Nachfrage. Jenseits des starken Dollars lasten auch die weltweite Ausbreitung der Delta-Variante und der am Vortag gemeldete überraschende Anstieg der Benzinreserven in den USA auf den Ölpreisen.

Auto-Aktien wegen Toyota unter Druck

Aktien von BMW, Daimler und VW gehörten zu den größten DAX-Verlierern. Auslöser ist ein Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei", wonach Toyota seine weltweite September-Produktion verglichen mit den ursprünglichen Plänen um 40 Prozent zurückfahren wolle. Grund seien die Lieferengpässe bei Halbleitern sowie Komponenten wegen der Corona-Ausbrüche in Südostasien.

Den Experten von Jefferies zufolge reiht sich Toyota damit ein in eine Gruppe von Autobauern, die wegen Engpässen bereits Produktionskürzungen bekanntgegeben haben, wie etwa Ford und Geely.

VW beantragt Kurzarbeit wegen Chipmangels

Der Mangel an Halbleitern bremst auch bei Volkswagen die Pkw-Produktion aus. Das VW-Stammwerk Wolfsburg könne nach der Sommerpause in der kommenden Woche nur eingeschränkt wieder starten, erklärte ein VW-Sprecher. Auf allen Fertigungslinien werde nur in einer Schicht produziert, es werde Kurzarbeit beantragt.

Goldman Sachs empfiehlt Lanxess-Aktie zum Kauf

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Lanxess-Aktie von "Sell" auf "Buy" und damit gleich um zwei Schritte hochgestuft. Das Kursziel hob Analystin Georgina Iwamoto von 56 auf 72 Euro an. Nachlassender Druck durch eine Entspannung bei den Rohstoffkosten sowie bei Zulieferer-Engpässen sollten der Gewinnentwicklung des Chemieunternehmens Schwung verleihen.

Thyssenkrupp verkauft Felgen-Tochter

Thyssenkrupp treibt seinen Umbau mit dem Verkauf der Tochter Carbon Components weiter voran. Die Firma, die Felgen für Sportwagen, Motorräder und Mountainbikes herstellt, wird an das österreichische Unternehmen Action Composites veräußert. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Carbon Components erzielte im Geschäftsjahr 2019/20 einen Umsatz von 1,3 Millionen Euro. Die Firma war 2012 in Zusammenarbeit mit der TU Dresden gegründet worden.

Hella zahlt wieder Dividende

Der Autozulieferer Hella geht vor der geplanten Übernahme durch den französischen Branchenkollegen Faurecia verhalten zuversichtlich ins neue Geschäftsjahr. "Die Marktentwicklung ist weiterhin durch sehr hohe Unsicherheiten geprägt", sagte Hella-Chef Rolf Breidenbach. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verdiente der Scheinwerferspezialist 360 Millionen Euro nach einem Verlust von 432 Millionen Euro im Vorjahr. Mit 96 Cent je Aktie soll es nun auch wieder eine Dividende geben.

Adyen profitiert vom Shopping-Boom

Der durch die Corona-Pandemie verstärkte Trend zum Bezahlen mit Karte und Smartphone treibt den niederländischen Zahlungsabwickler Adyen weiter kräftig an. Insgesamt wickelte der Konzern im ersten Halbjahr Zahlungen in Höhe von 216 Milliarden Euro ab, zwei Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich verdiente Adyen mit 209 Millionen Euro mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Cisco ist Homeoffice-Gewinner

Der US-Netzwerkausrüster profitiert vom Trend zum Homeoffice. Der Umsatz stieg im vierten Geschäftsquartal überraschend kräftig um acht Prozent auf 13,1 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen mitteilte. Vor allem Produkte für Cybersicherheit und Telefonkonferenzen waren gefragt. Der Nettogewinn kletterte binnen Jahresfrist um rund 15 Prozent auf drei Milliarden Dollar oder 71 Cent pro Aktie.

Gaming- und Krypto-Boom beflügelt Nvidia

Die hohe Nachfrage nach Gaming-Ausrüstung wie Grafikkarten und Technik für Rechenzentren hat dem US-Chipkonzern Nvidia zu einem überraschend starken zweiten Quartal verholfen. In den drei Monaten bis Ende Juli erhöhte der Konzern den Umsatz im Jahresvergleich um 68 Prozent auf den Rekordwert von 6,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg sogar um 282 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar.

Goldman Sachs kauft in den Niederlanden zu

Goldman Sachs stärkt seine Vermögensverwaltung mit dem Kauf der Sparte NNIP vom niederländischen Versicherer NN. Die US-Investmentbank zahlt für den Anlageberater 1,7 Milliarden Euro. Es ist der größte Zukauf für Goldman, seit der US-Amerikaner David Solomon 2018 Firmenchef wurde. Der Deal ist Teil der Strategie Solomons, die Bank weniger abhängig von Handelseinnahmen und dem Beratergeschäft zu machen.

Robinhood ist Profiteur des Krypto-Booms

Ein florierender Handel mit Kryptowährungen lässt die Kassen des Trading-App-Anbieters Robinhood klingeln. Der Umsatz schnellte im zweiten Quartal um 131 Prozent auf 565 Millionen Dollar hoch. Die Transaktions-Einnahmen stiegen um 141 Prozent auf 451 Millionen Dollar. Davon machte der Handel mit Kryptowährungen 233 Millionen Dollar aus. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es nur fünf Millionen.

Tesla lädt zum KI-Tag ein

Tesla-Chef Elon Musk lädt ein zum groß angekündigten "AI Day" - ein "Tag der Künstlichen Intelligenz" (KI). Dort werde gezeigt, was als nächstes bei Tesla zu KI zu erwarten sei. Vermutet wurde, dass Musk mehr über das "Dojo" getaufte Computersystem bekanntgeben dürfte, das große Mengen an Video-Daten aus Tesla-Fahrzeugen verarbeiten können soll. Früheren Angaben zufolge soll es eigene Chips des US-Autobauers verwenden. Musk hat frühere publikumswirksame Ankündigungen allerdings nicht erfüllt.

Monopolklage gegen Facebook

Im Streit um die Marktmacht von Facebook hat die US-Kartellbehörde FTC eine überarbeitete Monopol-Klage gegen den Internetriesen eingereicht. In der am Donnerstag vorgelegten Klage wirft die FTC dem Online-Netzwerk unter anderem vor, seine marktbeherrschende Stellung mit "wettbewerbsfeindlichen Übernahmen" verteidigt zu haben. Verwiesen wird auf den Kauf der Online-Dienste Instagram im Jahr 2012 und Whatsapp 2014.

Ein Bundesrichter hatte eine erste FTC-Klage gegen Facebook im Juni zurückgewiesen. Er bemängelte unter anderem, die Wettbewerbshüter hätten nicht "schlüssig" darlegen können, dass Facebook ein Monopol auf dem Markt der Online-Netzwerke geschaffen habe. Die Klage enthalte "fast nichts Konkretes zur entscheidenden Frage, wie viel Macht Facebook tatsächlich hat", erklärte der Richter. Er erlaubte der FTC aber, eine überarbeitete Klage vorzulegen, was die Behörde nun tat.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. August 2021 um 12:00 Uhr.