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Marktbericht

Leichte Kursgewinne Weniger Inflationssorgen an der Wall Street

Stand: 12.11.2021 22:17 Uhr

An den US-Börsen haben sich die Aktienkurse am Freitag recht versöhnlich entwickelt. Dennoch gab es auf Wochensicht ein Minus.

Der Dow-Jones-Index legte bis Handelsschluss ein halbes Prozent auf 36.100 Punkte zu. Auf Wochensicht gab es damit ein Minus von 0,6 Prozent. Das erst am Montag erreichte Rekordhoch bei knapp unter 36.566 Zählern bleibt damit allerdings in Reichweite. Der marktbreite S&P 500 rückte um 0,7 Prozent auf 4682 Punkte vor. Der Index mit den 100 wichtigsten Werten an der Technologiebörse Nasdaq stieg um gut ein Prozent auf 16.199 Punkte.

Rückenwind gab es durch sinkende Zinsängste, ausgelöst durch schwache Konjunkturdaten. Die zuletzt rasant steigenden Preise schlagen den Verbrauchern in den USA gehörig auf die Stimmung. Das Barometer für die Konsumlaune sank im November auf 66,8 Zähler von 71,7 Punkten im Vormonat, wie die Universität Michigan zu ihrer monatlichen Umfrage mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit November 2011. Die Verbraucher schätzten laut vorläufigen Ergebnissen ihre aktuelle Lage schlechter ein als zuletzt. Auch mit den Erwartungen für die kommenden Monate ging es bergab. Die Bürger erwarten mit Blick auf die kommenden zwölf Monate, dass sich Waren und Dienstleistungen im Schnitt um 4,9 Prozent verteuern.

Offenbar gehen nach den Zahlen nun Börsianer davon aus, dass die Daten die Konsumneigung der Verbraucher bremsen könnten. Die hohe Inflation würde sich damit im Idealfall selber bremsen. Die US-Notenbank Fed wäre damit weniger in Zugzwang als bisher befürchtet, die Zügel in der Geldpolitik anzuziehen.

Eine hohe Inflationsrate hatte die Börsen in den Tagen zuvor durchgerüttelt. "Inflation treibt die Gewinne in die Höhe, erreicht aber einen Punkt, an dem sie dem Verbraucher schadet", sagte David Wagner, Portfoliomanager bei Aptus Capital Advisors.

Elon Musk macht bei Tesla Kasse

Die Aktien des Elektroautobauers Tesla gehörten zu den größeren Verlierern. Konzernchef Elon Musk trennt sich weiter von Aktien seines Konzerns. Gestern verkaufte Musk weitere knapp 640.000 Anteilsscheine im Wert von rund 687 Millionen Dollar, wie Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht heute zeigten. Damit hat Musk in dieser Woche schon Tesla-Papiere im Wert von etwa 5,7 Milliarden Dollar zu Geld gemacht, nachdem Twitter-Nutzer bei einem von ihm initiierten Votum für den Verkauf von zehn Prozent seiner Aktien gestimmt hatten. Bislang hat er allerdings nur einen Bruchteil davon veräußert und hält weiterhin rund 167 Millionen Aktien.

Johnson & Johnson will sich aufspalten

Nach General Electric will sich auch der Mischkonzern Johnson & Johnson aufteilen. Der Konzern teilte heute mit, das Unternehmen solle in zwei Sparten für Gesundheitsprodukte sowie für verschreibungspflichtige Medikamente und medizinische Geräte getrennt werden. Die Pharmasparte soll demnach den Namen Johnson & Johnson behalten. Der Name des Unternehmens, das unter anderem die Kosmetikmarken vertreiben soll, wurde noch nicht mitgeteilt.

Kursgewinne in Frankfurt

Am deutschen Aktienmarkt verlief der Wochenausklang für die Anleger erfreulich. Bis auf 16.123 Punkte ging es am Vormittag aufwärts, ein Plus von gut 0,2 Prozent. Zum Handelsschluss lag der wichtigste deutsche Aktienindex einen Hauch niedriger. Er ging mit 16.094 Punkte aus dem Handel, ein Plus von 0,1 Prozent.

"Der deutsche Aktienindex glänzt in diesen Tagen mehr durch Stabilität und weniger durch Dynamik", konstatierte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker RoboMarkets. "Noch kompensieren gute Quartalszahlen die Sorgen vor politischen Maßnahmen zur Eindämmung der vierten Corona-Welle und stützen den Markt." Mit dem Bund-Länder-Treffen in der kommenden Woche dürfte jedoch auch die Angst vor neuen Einschränkungen ein Thema an der Börse werden, fürchtet der Experte.

Euro/Dollar so günstig wie seit Juli 2020 nicht mehr

Unterstützung für den DAX kam zum Wochenschluss vom billigen Euro: Die europäische Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,1433 Dollar und war damit so günstig wie seit Sommer 2020 nicht mehr. Die Entwicklung dürfte deutsche Produkte im Dollar-Raum attraktiver machen und ist somit eine gute Nachricht für die schwer gewichtete Exportindustrie im DAX.

Der Euro litt unter der Tatsache, dass die Geldpolitik in den USA und der Eurozone immer weiter auseinanderläuft. Während die US-Notenbank Fed ihre immensen Wertpapierkäufe reduziert und die hohe Inflation Erwartungen in Richtung Zinsanhebungen schürt, bleibt die EZB ihrem lockeren Kurs bisher treu.

Merck empfohlen

Stärkster Wert im DAX waren die Aktien des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck. Gleich mehrere Analysten haben ihre Kursziele für den Wert nach den gestrigen Quartalszahlen angehoben.

Delivery Hero sehr gefragt

Papiere von Delivery Hero lagen ebenfalls gut im Rennen. Die Reaktionen der Experten auf die Quartalszahlen von gestern fallen positiv aus. Analyst Rob Joyce von Goldman Sachs hob sogar sein Kursziel deutlich auf 195 Euro an. Auch andere Analysten liegen mit ihren Zielen weit über dem Rekordhoch von 145,40 Euro vom Januar. Joyce hob hervor, dass das Management in der Telefonkonferenz vom Vortag bestätigt habe, im kommenden Jahr ein positives operatives Ergebnis schaffen zu wollen.

Lufthansa zahlt stille Einlagen an deutschen Staat zurück

Die Lufthansa hat die stillen Einlagen des deutschen Staats vollständig zurückgezahlt. Es bleibt noch eine direkte Aktienbeteiligung des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds von 14 Prozent des Grundkapitals. Die Rückzahlung aller in der Corona-Krise gezahlten Staatshilfen gilt als Voraussetzung für weitere Fusionen und Übernahmen unter Europas Fluggesellschaften.

Deutsche Telekom schraubt Dividende und Prognose nach oben

Die Aktien der Deutschen Telekom liefen überdurchschnittlich. Das weiter brummende Geschäft auf beiden Seiten des Atlantiks hat den DAX-Konzern zu seiner dritten Prognoseanhebung für das operative Ergebnis in diesem Jahr motiviert. Bereits gestern Abend hatte die Telekom überraschend mitgeteilt, ihre Dividende für das Geschäftsjahr 2021 um vier Cent auf 64 Cent erhöhen zu wollen.

Hapag-Lloyd verzehnfacht seinen Gewinn

Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres ihren Gewinn mehr als verzehnfacht. Unter dem Strich sprang im Zeitraum Januar bis September ein Konzernergebnis von 5,6 Milliarden Euro heraus, nach 0,54 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Grund für außergewöhnliche Entwicklung sind die enorm gestiegenen Frachtraten für Transporte auf See.

About You profitiert von Indexaufnahme

Die Aktien des Börsenneulings About You machten einen Sprung nach oben. Die Papiere profitierten von der am 30. November nach Handelsschluss anstehenden Aufnahme des Online-Modehändlers in die MSCI Global Small Cap Indizes.

Knorr-Bremse wird pessimistischer für Marge

Im MDAX stand die Knorr-Bremse-Aktie unter Druck. Der Lkw- und Zugbremsenhersteller wird nach dem dritten Quartal wegen Lieferkettenproblemen und Projektverzögerungen etwas pessimistischer für die Ergebnisse. Für den Gesamtkonzern geht Vorstandschef Jan Mrosik nun am oberen Ende der Prognosespannen von weniger operativer Marge aus.

Salzgitter enttäuscht die Anleger

Im SDAX ging es für die Salzgitter-Aktie abwärts. Laut Marktbeobachtern hatten einige Anleger auf eine Anhebung der Prognose gehofft. Das Unternehmen bestätigte heute jedoch lediglich seinen Ausblick für das Gesamtjahr und erwartet weiterhin einen Vorsteuergewinn zwischen 600 und 700 Millionen Euro.

Börsen beenden bald Handel mit Wirecard-Aktien

Mehrere deutsche Börsen ziehen schon in wenigen Tagen einen Schlussstrich unter den Handel mit Aktien der insolventen Wirecard AG. So stellen etwa die Deutsche Börse und die Börse Stuttgart mit Ablauf des 15. November den Handel mit Wirecard-Aktien ein.

Für Anleger, die das Papier des einstigen DAX-Konzerns noch im Depot haben, wird es damit immer schwieriger, die Aktie loszuwerden. Anlegerschützer raten zum Verkauf der Anteile.

Über dieses Thema berichteten am 12. November 2021 Inforadio um 06:38 Uhr sowie um 07:37 Uhr und tagesschau24 um 10:05 Uhr.