Hinweisschild zum Notausgang an der Frankfurter Börse
Marktbericht

Fast vier Prozent Minus Tiefroter Wochenstart

Stand: 24.01.2022 22:13 Uhr

Den Anlegern bleibt derzeit keine Atempause. Heute hat sich die Talfahrt an den Börsen dramatisch beschleunigt. Am Abend konnten die US-Aktienmärkte ihre Tagesverluste aber wieder aufholen.

Von einem "schwarzen Montag" zu sprechen, wäre vielleicht zu viel des Schlechten. Aber der Start in die neue Börsenwoche brachte einen tiefen Schlag ins Kontor. Der DAX ging mit einem Verlust von 3,8 Prozent auf 15.011 Punkte aus dem Handel. Das war der schlimmste Tagesverlust seit Ende November, als das Auftreten der Omikron-Variante des Coronavirus die Märkte verunsichert hatte. Seit seinem Hoch von Anfang Januar bei 16.285 Punkten hat der deutsche Leitindex damit über 1250 Punkte verloren.

Auch an der Wall Street standen die Zeichen lange auf Sturm, der Dow Jones büßte zeitweise mehr als drei Prozent ein. Im der letzten Handelsstunde konnte der Leitindex seine Verluste aber wettmachen und schloss sogar 0,3 Prozent höher. Die Technologiewerte an der Nasdaq gewannen nach einer noch stärkeren Aufholjagd 0,5 Prozent.

Ukraine-Konflikt schreckt Anleger auf

Wahrscheinlich wog die jüngste Zuspitzung der Ukraine-Krise nach einem Wochenende ohne Annäherung am schwersten. Die geplante Truppenaufstockung der NATO in Osteuropa machte die Risiken der Konfrontation deutlich. Die Kriegsgefahr sei noch nie so groß gewesen, erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Nach Angaben von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sind die Streitkräfte des Bündnisses in Alarmbereitschaft. Aus Furcht vor westlichen Sanktionen flohen Anleger zudem verstärkt aus russischen Aktien. Der Moskauer Leitindex schloss knapp sechs Prozent tiefer.

Am Abend wurde aber bekannt, dass sich Vertreter Russlands und der Ukraine am Mittwoch zu Gesprächen in Paris treffen wollen. Gemeinsam mit Frankreich und Deutschland solle eine Zusammenkunft auf Beraterebene stattfinden, wie es aus Paris hieß.

Zinssorgen durch Inflation verschärft

Auch das Thema Zinswende lässt sich in dieser Woche nicht verdrängen, weil die US-Notenbank Fed am Dienstag und Mittwoch tagt. Auf der Pressekonferenz am Mittwoch wird Fed-Chef Jerome Powell weitere Signale für das Tempo der Leitzinserhöhungen geben. Zuletzt hatten sich die Sorgen gemehrt, dass die Fed wegen der hohen Inflation schneller vorangehen könnte als gedacht. So wird teils sogar über einen möglichen Zinsschritt von 0,5 Prozentpunkten spekuliert.

Auf jeden Fall preisen die amerikanischen Terminmärkte mittlerweile fünf statt vier Zinsschritte ein, wie Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest betonte. Laut dem Fed Watch Tool der CME Group rechnen 88 Prozent der Marktteilnehmer mit einer ersten Zinserhöhung am 16. März.

Hält der Bereich um 15.000 Punkte?

Wenn ein Aktienindex den Durchschnittskurs der vergangenen 200 Handelstage unterschreitet, ist das in der Regel ein Vorbote für weitere Verluste. Heute ist der DAX klar unter diese 200-Tage-Linie (zuletzt bei 15.610 Punkten) gerutscht.

Wie signifikant technische Marken sind, zeigte sich heute auf der Unterseite. Just im Bereich von 15.000 Punkten, wo in den vergangenen Monaten diverse Tiefs markiert wurden, kam es zu einer deutlichen Gegenbewegung. Bei 14.952 Punkten machte die Abwärtsbewegung erst einmal Halt.

Dank der kräftigen Erholung im späten US-Geschäft dürfte dieser Bereich erst einmal halten. Das markante Oktober-Tief des DAX bei 14.819 Punkten gilt als nächste wichtige Unterstützung.

Bitcoin und Ethereum auf Sechs-Monats-Tiefs

Auch die Kryptowährungen sind in Zeiten erhöhter Risikoscheu und steigender Zinserwartungen nicht gut dran. Wenn den Märkten Liquidität entzogen wird, trifft dies die risikoträchtigen Anlagen als erstes. Kryptowährungen waren daher in der Vergangenheit auch häufig ein guter Vorlaufindikator für den Aktienmarkt.

Der Bitcoin, die älteste und wichtigste Cyberwährung, fiel zeitweise mit Notierungen unter 33.000 Dollar auf ein Sechs-Monats-Tief. Auch Ethereum kostete wieder so wenig wie seit einem halben Jahr nicht mehr.

Gold gefragt

Der "sichere Hafen" Gold war angesichts der herrschenden Risikoaversion die meiste Zeit über gefragt. Am Abend kostete die Feinunze 1838 Dollar.

Corona-Gewinner auf den Verkaufslisten

Größte Kursverlierer im DAX waren die einstigen Corona-Krisengewinner. Die Aktie von Delivery Hero brach um über acht Prozent auf 68,58 Euro ein, das niedrigste Niveau seit April 2020. Auch für die Papiere von Hellofresh ging es um mehr als sieben Prozent nach unten.

Infineon sieht 2023 Ende der Chipkrise

Der Halbleiterhersteller Infineon rechnet dank eines Ausbaus der Produktionskapazitäten spätestens im kommenden Jahr mit einem Ende der Chipkrise in der Autoindustrie. "Ich gehe davon aus, dass wir 2023 den Bedarf gut abdecken können", sagte Infineons Automotive-Chef Peter Schiefer der "Automobilwoche".

Polnische Kredite belasten Commerzbank

Die Commerzbank muss sich wegen der Unsicherheit rund um Fremdwährungskredite in Polen auf eine weitere Belastung einstellen: Die polnische Konzerntochter mBank habe Ende 2021 zusätzliche Rückstellungen in Höhe von umgerechnet rund 436 Millionen Euro vorgenommen. In dieser Höhe werde auch das operative Ergebnis der Commerzbank im vierten Quartal belastet.

TUI zuversichtlich

Der Reisekonzern TUI sieht sich fast zwei Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie auf Kurs. Unter anderem die "sehr positive Entwicklung" in England ermutige das mit staatlichen Milliardenhilfen gestützte Unternehmen in seiner Erwartung, Umsatz und operatives Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr deutlich zu verbessern, sagte Finanzvorstand Sebastian Ebel der "Börsen-Zeitung".

Milliardendeal in Fahrradbranche - KKR kauft Accell

In der Fahrradbranche steht eine Milliardenübernahme bevor. Ein Konsortium um den Finanzinvestor KKR will für insgesamt 1,56 Milliarden Euro den niederländischen Hersteller Accell Group mit Marken wie "Batavus" und "Sparta" kaufen, wie die Unternehmen gemeinsam ankündigten. Die Accell-Aktie schoss an der Börse in Amsterdam um rund 25 Prozent in die Höhe.

Möglicher Bieterwettstreit beflügelt Kohl's

Die Aussicht auf einen Bieterwettkampf um Kohl's beschert der Kaufhauskette den größten Kurssprung seit fast zwei Jahren. Die Aktie gewann in New York über 30 Prozent an Wert. Insidern zufolge will der Finanzinvestor Sycamore die Offerte von Acadia über 64 Dollar je Aktie überbieten. Im Raum stehe ein Angebot von 65 Dollar je Aktie.

Philips setzt auf zweite Jahreshälfte

Die Aktie von Philips stand nach schwachen Jahreszahlen besonders unter Druck. Der Medizintechnikkonzern rechnet für 2022 aber wieder mit mehr Umsatz. So geht das Management um Konzernchef Frans van Houten von einem Umsatzplus aus eigener Kraft von drei bis fünf Prozent aus. Dabei erwartet das Unternehmen einen sinkenden Umsatz im ersten Quartal und eine starke zweite Jahreshälfte.

Renault, Nissan und Mitsubishi wollen E-Auto-Investitionen verdreifachen

Die Autokonzerne Renault, Nissan und Mitsubishi wollen Insidern zufolge ihre Investitionen in die gemeinsame Entwicklung von Elektrofahrzeugen verdreifachen. Laut Insidern sieht der Plan der französisch-japanischen Allianz Investitionen von mehr als 20 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren vor. Der Verbund gilt in Sachen E-Mobilität allerdings als Spätzünder.