Händlerin an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Wall Street erholt sich Gutes Ende einer düsteren Börsenwoche

Stand: 01.10.2021 22:09 Uhr

Neuer Monat, neuer Schwung: Die Hoffnung auf ein Corona-Medikament von Merck hat der Wall Street kräftig Auftrieb gegeben. Die Wochenbilanz fällt aber ernüchternd aus. Auch für den DAX.

Anleger brauchten starke Nerven in der abgelaufenen letzten Septemberwoche. Der DAX sackte um rund 2,4 Prozent ab. Auch die Wall Street, insbesondere der Dow Jones und die Nasdaq mussten kräftig Federn lassen. Der Haushaltspoker in den USA und die Zinssorgen setzten den Börsen zu.

Wall Street auf Erholungstour

Zum Wochenschluss aber rappelte sich zumindest die Wall Street wieder auf. Der Dow Jones machte seine gestrigen Vortagesverluste wett und stieg um 1,4 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 zog um rund ein Prozent an. Die Nasdaq hinkte mit einem Plus von 0,6 Prozent etwas hinterher.

Merck macht Hoffnung auf ein Anti-Covid-Medikament

Neuen Schub brachte der US-Pharmariese Merck. Er gab vielversprechende Studienergebnissen zu einem Corona-Medikament bekannt. Der antivirale Wirkstoff Molnupiravir von Merck und Ridgeback Biotherapeutics zeigte den Firmen zufolge bei der Zwischenanalyse einer abschließenden Phase-III-Studie bei den Probanden ein um die Hälfte abgesenktes Risiko, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen oder gar an Covid zu sterben. Merck strebt nun für die Pille eine Notfallzulassung in den USA an. Die Merck-Aktien schossen um rund zehn Prozent nach oben. Die Papiere der Impfstoffhersteller Moderna und BioNTech dagegen sackten um über zehn Prozent ab.

US-Stimmungsindikatoren besser als erwartet

Zudem kamen gute Konjunkturdaten aus den USA: Die Stimmung in der US-Industrie hat sich im September aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex ISM stieg im Vergleich zum Vormonat um 1,2 Punkte auf 61,1 Zähler, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte. Analysten hatten mit einem schwächeren Anstieg des Indikators auf 59,5 Punkte gerechnet. Auch das Konsumklima in den USA hat sich im September stärker als erwartet verbessert. Der von der Universität Michigan erhobene Index für die Verbraucherstimmung stieg im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Punkte auf 72,8 Punkte.

DAX rutscht weiter ab

Am deutschen Aktienmarkt war von der Hoffnung auf ein Anti-Covid-Mittel (noch) nichts zu spüren. Der DAX ging mit einem Minus von 0,7 Prozent in das Wochenende. Immerhin konnte sich der deutsche Leitindex über der psychologisch wichtigen Marke von 15.000 Punkten behaupten. Diese hatte er am Morgen im frühen Handel zeitweise unterschritten.

Es wird stürmischer an den Börsen

Steigende Energiepreise, Strom-Knappheit, Lieferketten-Unterbrechungen und die anziehende Inflation machten Anleger nervös. Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets warnt vor stürmischen Wochen. Zumal der Oktober statistisch gesehen als eher schwacher Börsenmonat gilt. Getreu einer Börsenregel sollten Anleger dem Aktienmarkt von Mai bis einschließlich Oktober fernbleiben und nur in den sechs Monaten von November bis einschließlich April engagiert sein. Erst an Halloween ergibt sich laut Statistik demnach wieder ein gutes Einstiegsfenster für Investoren. Außerdem ist das Jahr 2021 ein so genanntes "1er-Jahr". "1er-Jahre sind die zweitschwächsten Jahre im Dekadenzyklus", betont Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Inflation in der EU auf 13-Jahres-Hoch

Ein düsterer Vorbote für den oktober waren die ernüchternden europäischen Konjunkturdaten. Am Morgen hatten die deutschen Einzelhandelsumsätze den Anfang gemacht und für eine Enttäuschung gesorgt: Gegenüber dem Vormonat erhöhten sich die Erlöse real (preisbereinigt) um 1,1 Prozent. Analysten hatten mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet.

Am späteren Vormittag trudelten die Inflationszahlen für den Euroraum ein. Demnach ist die Teuerung im September auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen. Die Verbraucherpreise kletterten gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent, Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 3,3 Prozent gerechnet.

Unterschätzt die EZB die Inflationsgefahr?

Dabei haben sich die jüngsten erheblichen Preissprünge bei Öl, Gas und Elektrizität noch gar nicht in der Inflation niedergeschlagen, wie Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa beim Vermögensverwalter DWS, betont.

"Das Risiko bleibt, dass zusammen mit anderen Problemen im Zuliefererbereich die Inflation 2022 doch höher ausfallen könnte, als dies bisher - auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) - erwartet wurde."

EU-Erdgaspreis auf Rekordhoch

Im Fokus der Anleger bleiben daher auch die starken Preisanstiege am Energiemarkt, die das Zeug dazu haben, die globale Konjunkturerholung zu belasten und zugleich die Inflationsraten weiter in die Höhe zu treiben.

So ist heute der EU-Erdgaspreis (TTF) erstmals auf 100 Euro je MWh gestiegen. "Ausschlaggebend hierfür war die Nachricht, dass zuletzt deutlich weniger Gas aus Russland über die Yamal-Pipeline nach Deutschland gelangt ist", betont Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch.

"Damit spitzt sich die angespannte Versorgungslage weiter zu." Die Erdgasspeicher in Deutschland seien derzeit lediglich zu 67 Prozent gefüllt, unterstreicht Commerzbank-Experte Fritsch. "Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 94 Prozent."

Kohlepreise weiter im Aufwärtstrend

Auch die Kohlepreise bleiben im Aufwärtstrend. Gestern notierte der Kohle-Future an der ICE mehr als dreimal so hoch wie zu Jahresbeginn. Er bleibt in Schlagdistanz zu seinem Allzeithoch aus dem Jahre 2008.

Ölpreise nach OPEC-Spekulationen auf dem Rückzug

Die Ölpreise geben dagegen zu Wochenschluss nach. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent gibt 0,8 Prozent auf 77,83 Dollar nach. Im Wochenverlauf war Brent mit über 80 Dollar noch auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen.

Hintergrund sind Spekulationen, das Ölkartell OPEC und seine Verbündeten könnte ihre Fördermengen doch schneller ausweiten als bislang geplant. Bei dem Treffen der OPEC+ am Montag könnte ein solcher Schritt beschlossen werden, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

"Sicherer Hafen" Gold bleibt gefragt

Die steigende Risikoaversion der Anleger findet am Rohstoffmarkt ihren Widerhall: Der "sichere Hafen" Gold hat gestern mächtig Boden gutgemacht und sich um knapp zwei Prozent verteuert. Am Nachmittag notiert eine Feinunze des gelben Edelmetalls mit 1759 Dollar 0,2 Prozent höher.

Euro bleibt in Nähe seines 14-Monats-Tief

Der Euro kann seinen jüngsten Kursverlusten zum Dollar nur wenig entgegensetzen. Die europäische Gemeinschaftswährung notiert am Nachmittag leicht höher bei 1,1593 Dollar, nachdem sie gestern bis auf 1,1562 Dollar gefallen war. Das war der niedrigste Stand seit Juli 2020.

Daimler wird aufgespalten

Daimler bringt seine Lkw- und Bus-Sparte noch vor dem Jahreswechsel an die Börse. Finanzchef Harald Wilhelm kündigte auf der außerordentlichen Hauptversammlung eine Erstnotiz für Dezember an. Die Aktionäre gaben grünes Licht für die Absüpaltung. Sie erhalten für jeweils zwei Daimler-Aktien einen Anteilsschein von Daimler Truck. Daimler will 65 Prozent der Daimler-Truck-Papiere an die eigenen Aktionäre verteilen, fünf Prozent gehen an den eigenen Pensionsfonds.

BMW schraubt Prognose erneut hoch

Höhere Preise für Neu- und Gebrauchtwagen sowie aufgelöste Rückstellungen lassen den Münchner Autobauer BMW zuversichtlicher auf das Gesamtjahr blicken. Das Unternehmen hob am Donnerstag nach Börsenschluss seine Prognose zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Die operative Gewinnspanne soll nun bei 9,5 bis 10,5 Prozent liegen. Bislang hatten sich die Münchner nur sieben bis neun Prozent zugetraut.

Hunt verlässt Allianz-Vorstand vorzeitig

Nach Milliardenforderungen gegen die Allianz in den Vereinigten Staaten verlässt die Managerin Jacqueline Hunt den Vorstand des Münchner Versicherungskonzerns vorzeitig. Heute rückt bereits ihr Nachfolger Andreas Wimmer in die Spitze der Allianz auf. Hunts Vertrag wäre eigentlich erst im kommenden Jahr ausgelaufen. Die Britin war zuständig für die Vermögensverwaltung, die nun in den USA mit teuren rechtlichen Problemen zu kämpfen hat.

BioNTech kommt bei mRNA-Krebsimmuntherapie voran

BioNTech treibt die Entwicklung seiner Krebsimmuntherapien voran. Mit dem Mittel BNT122, das wie der Covid-19-Impfstoff von BioNTech auf der mRNA-Technologie basiert, startete das Mainzer Unternehmen eine klinische Studie der Phase 2 zum Einsatz bei Darmkrebs. Für BioNTech ist es die zweite Studie in seiner Krebs-Pipeline, die nun die zweite von drei Phasen der klinischen Entwicklung erreicht hat.

Zoom mit Plänen für Milliarden-Zukauf gescheitert

Die Pläne von Zoom, sich mit einem Milliarden-Zukauf schneller im Call-Center-Geschäft zu etablieren, sind gescheitert. Die Aktionäre der Firma Five9, die Zoom schlucken wollte, lehnten den Deal ab. In den vergangenen Wochen hatte die US-Regierung eine intensive Prüfung der Übernahme angekündigt. Ein spezielles Gremium unter Führung des Justizministeriums ging der Frage nach, ob der Deal Risiken für die nationale Sicherheit der USA berge.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.