Dow Jones, NYSE New York
Marktbericht

Nach jüngsten Verlusten Der Dow stabilisiert sich

Stand: 13.09.2021 22:30 Uhr

Die US-Aktienmärkte haben uneinheitlich tendiert. Standardwerte zogen an, im Gegenzug waren Tech-Aktien weniger gefragt. Auch dem DAX fehlt derzeit der klare Kompass, er machte aber Boden gut.

Kursgewinne bei Energieaktien haben den Standardwerten an der New Yorker Aktienbörse zu Gewinnen verholfen. Der Leitindex Dow Jones erholte sich von jüngsten Verlusten und schloss am Ende am Ende um 0,76 Prozent höher bei 34.869 Punkten. Das Tageshoch lag immerhin bei 34.939 Zählern, womit zumindest kurzzeitig die Marke von 35.000 Punkten wieder ins Visier der Anleger rückte. Im Verlauf konnte der Index das erhöhte Niveau aber nicht halten. Der breiter gefasste S&P 500, in dem sowohl Standard- als auch Technologieaktien enthalten sind, notierte am Ende um 0,23 Prozent höher bei 4468 Punkten.

Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,1 Prozent ab auf 15.105 Punkte. Auch der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss mit einem Mini-Minus von 0,04 Prozent und ging bei 15.434 Punkten aus dem Handel. Die Nasdaq löste sich zwar im Verlauf von ihren Tiefstständen, schaffte aber nicht mehr den Sprung in die Gewinnzone. Sollten sich Zinsängste verfestigen, leiden vor allem die hochbewerteten Technologieaktien, deren Refinanzierung der Geschäftsmodelle meist teurer ist.

Vor allem Ölaktien waren gefragt. Sie profitierten nicht nur von höheren Notierungen, die US-Regierung hatte Ölbestände aus ihren Reserven an acht Unternehmen abgegeben, darunter Chevron und ExxonMobil.

US-Inflationsdaten im Fokus

Morgen wird es diesseits und jenseits des Atlantiks spannend, dann stehen nämlich die US-Inflationsdaten für den Monat August auf der Agenda. Diese dürften mit 5,3 Prozent in der Gesamtinflation und 4,2 Prozent ohne Energie und Nahrungsmittel nur unwesentlich niedriger liegen als im Vormonat, erwartet Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Damit dürfte das Zinsspiel um die Fed weitergehen, die diese Steigerungsraten, wie auch die EZB, als vorübergehendes Phänomen klassifiziert und ihr Pulver daher weiter trocken hält. Aber wie lange noch? Diese Frage treibt die Märkte um wie keine zweite und sorgt immer wieder für Misstöne.

Tapering-Ängste und mehr

Gut möglich, dass die morgigen Inflationsdaten der Fed Argumente für ein rascheres Tapering liefern werden. Als Tapering wird an der Börse die Reduzierung der Anleihekäufe durch die Notenbank bezeichnet. Erst am Freitag hatte der stärkste Anstieg der US-amerikanischen Erzeugerpreise seit elf Jahren an der Wall Street neue Ängste vor einer raschen geldpolitischen Wende geschürt.

Aber nicht nur die anstehenden Inflationsdaten bereiteten den Investoren zunehmend Kopfzerbrechen. Dazu kommen Pläne der Regierung von US-Präsident Joe Biden, die Unternehmenssteuern zu erhöhen, sowie ein 3,5 Billionen Dollar schweres Hilfspaket der Demokraten. "Bei der derzeitigen Bewertung ist der Puffer am Aktienmarkt nicht groß genug, um Gegenwind aus mehreren Richtungen abzufedern, wie mögliche Steuererhöhungen, niedrigere Gewinne der Unternehmen und die anstehende Straffung der Geldpolitik", sagte Richard Saperstein, Chefinvestor bei Treasury Partners.

Den Beobachtern am Frankfurter Aktienmarkt bot sich heute ein zuletzt allzu bekanntes Bild. Zwar gingen die Anleger zunächst mit viel Optimismus in die neue Woche, was den DAX in der Spitze bis auf 15.787 Zähler trieb. Eine sich im Verlauf abschwächende Wall Street sorgte dann aber zunehmend für Ernüchterung bei den Börsenbullen - und damit auch für fehlende Anschlusskäufe.

Die Gewinne bröckelten im späten Geschäft, übrig blieb letztlich noch ein Tagesgewinn von 0,59 Prozent, der Schlusskurs lag bei 15.701 Zählern. Der MDAX der mittelgroßen Werte ging 0,81 Prozent schwächer aus dem Handel bei 35.798 Punkten.

Schnäppchenjäger griffen im DAX heute trotz der unklaren Gesamtlage allerdings vermehrt bei Autoaktien zu, Daimler waren Tagessieger. Auch BMW und der Zulieferer Continental legten deutlich zu. VW stiegen ebenfalls, allerdings etwas schwächer. Der Nachrichtenfluss aus dem Sektor war zuletzt hoch. Gestern hat die Automesse IAA Mobility in München ihre Tore geschlossen. Tagesverlierer waren mit Delivery Hero und auch Infineon zwei Tech-Aktien. "Heute wehren sich die Bullen", kommentierte Christian Henke vom Broker IG. Es bleibe jedoch abzuwarten, "ob das zurückgewonnene Terrain verteidigt werden kann".

Zinssorgen bleiben auf der Agenda

Fakt ist, dem Markt fehlt derzeit eine klare Richtung. Konjunktursorgen, die Befürchtungen vor einer baldigen geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nach zuletzt hohen Inflationsdaten sowie die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante hatten schon in der Vorwoche für Misstöne gesorgt und dem DAX ein Minus von gut einem Prozent beschert.

Großhandelspreise mit stärkstem Anstieg seit der Ölkrise

Auch hierzulande bleibt der Preisauftrieb stark. Im August stiegen die Großhandelspreise gegenüber dem Vorjahr um 12,3 Prozent. Das war der stärkste Anstieg seit Oktober 1974, als die Großhandelspreise im Zuge der ersten Ölkrise noch etwas stärker gestiegen waren.

Anhaltende Produktionsausfälle nach dem Hurrikan "Ida" im Golf von Mexiko ließen die Ölpreise weiter steigen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg um gut 0,7 Prozent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI steigt um knapp ein Prozent.

Neben der wachsenden Sorge wegen der Ausfälle treibe auch die Erwartung einer zunehmenden Ölnachfrage zum Jahresende die Preise an, sagte Ricardo Evangelista, Analyst vom Brokerhaus Activtrades.

Der Goldpreis hat am Nachmittag moderat zugelegt. Der Preis für die Feinunze Gold legt 0,4 Prozent zu auf 1795 Dollar. Gegenwind für das gelbe Edelmetall kommt allerdings vom festen Dollar, der Gold im Nicht-Dollar-Raum verteuert und so die Nachfrage schwächt.

Der Euro hat heute im Verlauf die Marke von 1,18 Dollar nach unten durchbrochen, sich danach aber wieder etwas erholt. Derzeit wird er im US-Handel bei 1,1804 Dollar gehandelt. Für einen Euro wurden heute im Tief nur noch 1,1770 Dollar bezahlt - gut 0,3 Prozent weniger als am Vortag und so wenig wie seit zwei Wochen nicht mehr. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1780 (Freitag: 1,1841) US-Dollar fest.

Dem Devisenmarkt fehlte es an klaren Impulsen. Allerdings gab es mit den steigenden Großhandelspreisen weitere Signale für einen anhaltend hohen Preisauftrieb in Deutschland. EZB-Direktorin Isabel Schnabel bekräftigte unterdessen die Auffassung der Notenbank, dass die derzeit erhöhte Inflation als temporäres Phänomen zu betrachten sei.

"Aller Voraussicht nach wird sich die Inflation im kommenden Jahr wieder spürbar abschwächen", sagte Schnabel anlässlich des Baden-Badener Unternehmergesprächs. Zugleich stellte sie klar, dass die EZB handeln werde, sollten die Inflation rascher als erwartet zulegen.

Die Äußerungen ähneln denen von EZB-Präsidentin Christin Lagarde nach der jüngsten Zinssitzung. Die EZB hatte vergangene Woche beschlossen, das Tempo ihrer Wertpapierkäufe etwas zu verringern. Sie wollte den Schritt aber nicht als geldpolitische Straffung verstanden wissen.

Der Wohnungskonzern Vonovia will bei seinem erneuten Griff nach dem Konkurrenten Deutsche Wohnen nicht wieder scheitern. Vonovia-Chef Rolf Buch wirft deshalb die bislang angestrebte Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien über Bord, wie die Deutsche Wohnen am Montag nach Börsenschluss mitteilte. Damit kann Vonovia weiter Aktien einsammeln und sich künftig das Sagen bei den Berlinern sichern - auch wenn der Bochumer Konzern im aktuellen Anlauf unter den ursprünglich angestrebten 50 Prozent der Aktien bleibt.

Durch den Verzicht auf die Vollzugsbedingungen des Übernahmeangebots verlängert sich die ursprünglich am 20. September 2021 auslaufende Annahmefrist um zwei Wochen und wird nun am 4. Oktober 2021 enden, hieß es weiter. Vonovia bietet 53 Euro für jede Aktie des Berliner Konkurrenten. Der letzte Übernahme-Versuch der Bochumer war Ende Juli gescheitert, weil sie damals die 50-Prozent-Schwelle verfehlt hatten. Diese Hürde haben sie für ihre neue Offerte nun beiseite geräumt.

Am deutschen Aktienmarkt stand die Zooplus-Aktie im Fokus. Im Kampf um den Onlinehändler für Tierbedarf hat der Finanzinvestor Hellman & Friedman seine Offerte von 390 auf 460 Euro erhöht. H&F hatte bereits Mitte August ein Gebot vorgelegt, das vom Unternehmen unterstützt wurde. Seitdem sind mit EQT und KKR zwei weitere Interessenten aufgetaucht.

Die BMW-Aktie profitierte von einem positiven Analystenkommentar. Das Bankhaus Metzler hat den Autobauer von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 90 auf 95 Euro angehoben. Die Münchner als "Meister der Produktentwicklung" schienen mit ihren Elektromodellen iX und i4 der Gewinner der diesjährigen IAA zu sein, schrieb Analyst Jürgen Pieper.

VW: 100.000 weniger Skoda-Autos wegen Chipmangels

Die Volkswagen-Konzerntochter Skoda kann wegen Chipmangels rund 100.000 Fahrzeuge weniger bauen als geplant. Skoda werde durch den Chipmangel erheblich ausgebremst, sagte Unternehmenschef Thomas Schäfer der "Augsburger Allgemeinen".

Gleichzeitig will der VW-Konzern beim Ausbau der E-Mobilität in China offenbar seinen Einfluss auf eines seiner Gemeinschaftsunternehmen verstärken. VW hatte sich im vergangenen Jahr die Mehrheit an dem Joint Venture JAC-Anhui gesichert, nachdem die Regierung in Peking die Regeln für Auslandsbeteiligungen gelockert hatte. Dabei hatte VW bereits die Kontrolle über eines der Werke in der ostchinesischen Stadt Hefei übernommen. Dort entsteht derzeit ein Zentrum für E-Autos von VW.

Die beiden staatlichen Partner SAIC und FAW befürchten allerdings Nachteile, sollte sich Volkswagen JAC stärker zuwenden. Sie verlangten Eingeweihten zufolge Zusicherungen, dass ihre Geschäfte nicht leiden, wenn VW seine Investitionen in Hefei ausweitet. FAW und SAIC arbeiten seit Jahrzehnten mit Volkswagen zusammen und haben dem Konzern zu seiner führenden Stellung in der Volksrepublik verholfen. Am Gemeinschaftsunternehmen mit SAIC ist VW zur Hälfte beteiligt, an dem mit FAW halten die Wolfsburger 40 Prozent.

Wie die Deutsche Börse mitteilt, wird der Regensburger Autozulieferer Vitesco am Donnerstag für einen Tag in den DAX aufgenommen. Die ehemalige Antriebssparte von Continental wird im Rahmen eines Spin-Off auf den Markt gebracht. Der DAX wird somit für einen Tag mit 31 Titeln berechnet.

Am Frankfurter Flughafen sind im August so viele Passagiere abgeflogen und gelandet wie in keinem anderen Monat seit Beginn der Corona-Krise. Der Flughafenbetreiber Fraport zählte an Deutschlands größtem Airport knapp 3,4 Millionen Fluggäste. Das waren rund 123 Prozent mehr als im August 2020, aber immer noch 51 Prozent weniger als vor der Corona-Krise im August 2019.

Der Rückversicherer Hannover Rück aus dem MDAX rechnet nach der Hochwasserkatastrophe in Europa und Hurrikan "Ida" in den USA mit weiteren Preiserhöhungen in der Schaden-Rückversicherung. Unterdessen hält Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz sein Gewinnziel für 2021 trotz absehbar hoher Schäden nicht für gefährdet. Er erwarte weiterhin einen Überschuss zwischen 1,15 und 1,25 Milliarden Euro, sagte er am Montag in einer Telefonkonferenz - auch wenn der Vorstand die Belastung durch die Folgen des Hurrikans noch nicht zu beziffern wagt. Die Aktie legte auf Xetra 1,6 Prozent zu.

Der Motorenbauer hebt angesichts starker Nachfrage seine Prognose 2021 an. Das Kölner Unternehmen rechne nun mit einem Absatz zwischen 155.000 und 170.000 Motoren statt bisher 140.000 bis 155.000 und einem Umsatz von 1,6 bis 1,7 (vorher: 1,5 bis 1,6) Milliarden Euro. Für die Ebit-Rendite vor Sondereffekten werde eine Bandbreite zwischen 2,0 und 3,0 (vorher: 1,0 bis 2,0) Prozent prognostiziert - falls sich die weiterhin angespannte Komponentenversorgung nicht wesentlich verschlechtere. Die im SDAX enthaltene Deutz-Aktie legte nachbörslich zu.

Den Biontech-Gründern Ugur Sahin und Özlem Türeci zufolge sollen die Daten für eine Impfung von Fünf- bis Elfjährigen mit dem Corona-Impfstoff des Unternehmens bis Ende September vorliegen. Die Dosis für diese Altersgruppe werde bei zehn Mikrogramm liegen, einem Drittel der Dosis bei Erwachsenen, sagte Türeci der "Bild am Sonntag". Die Daten für die noch jüngeren Kinder lägen gegen Ende des Jahres vor. "Da werden wir mit der Dosis noch mal runtergehen können."

Die chinesische Regierung will in einer weiteren Machtdemonstration laut einem Pressebericht den Zahlungsdienst Alipay der Ant Group zerschlagen. Dabei sollen die besonders profitablen Kreditplattformen "Huabei" und "Jiebei" vom anderen Geschäft der Alibaba-Beteiligung abgetrennt werden. Zudem sollen sie dazu verpflichtet werden, Daten an eine neue teilstaatliche Auskunftei weiterzugeben, berichtete die "Financial Times" (FT) am Montag unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Die Kreditgeschäfte sollen dann in einer unabhängigen App angeboten werden.

Alibaba-Papiere gaben an der Nasdaq nach. Sie befinden sich wie auch andere chinesische Tech-Aktien im Abwärtstrend, seit die chinesische Regierung die Daumenschrauben gegenüber der Tech-Industrie angezogen hat.

Nach Börsenschluss legte der SAP-Konkurrent dann noch seine Quartalszahlen vor. Dabei wurde klar, dass die scharfe Konkurrenz im Cloud-Geschäft dem Unternehmen zusetzt. Der Umsatz sei von Juni bis August um vier Prozent auf 9,73 Milliarden Dollar gestiegen, teilte der US-Unternehmenssoftwareanbieter am Montagabend mit. Das lag allerdings unter den Erwartungen von Analysten.

Der SAP-Wettbewerber profitiert zwar wie Microsoft, Amazon und Salesforce vom Trend zum flexiblen Arbeiten, der den Bedarf an Speicherplatz in der Cloud und Rechenzentren erhöht. Allerdings ist Oracle spät in das Cloud-Rennen eingestiegen und muss nun aufholen, um in der obersten Liga mitzuspielen. Während viele Rivalen Quartal um Quartal ihre Erlöse in dem Sektor im zweistelligen Prozentbereich in die Höhe schrauben, kam Oracle im ersten Geschäftsquartal auf ein Plus in der Cloud-Sparte von sechs Prozent auf 7,37 Milliarden Dollar. In einer ersten Reaktion fällt die Aktie nachbörslich um gut drei Prozent.

Der US-Softwarekonzern Intuit übernimmt wie erwartet den E-Mail-Vermarktungsdienstleister Mailchimp. Intuit zahlt für die Übernahme des Privatunternehmens rund 12 Milliarden US-Dollar (10,1 Mrd Euro) in bar und in Aktien, wie das Unternehmen am Montag in Mountain View (Kalifornien) mitteilte.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte bereits über einen bevorstehenden Deal berichtet. Den Abschluss erwartet Intuit bis Ende des zweiten Geschäftsquartals 2021/2022 (per Ende Januar). Beide Firmen konzentrieren sich vor allem auf kleinere Unternehmenskunden. Der US-Konzern Intuit ist unter anderem für die Buchhaltungssoftware QuickBooks und das Steuererklärungsprogramm TurboTax bekannt. Die Übernahme von Mailchimp ist die größte in der Geschichte des Unternehmens. Mailchimp hatte sich selbst ins Schaufenster für einen möglichen Verkauf gestellt.

Der Unterhaltungskonzern Walt Disney wird seine verbleibenden Filme aus diesem Jahr zunächst exklusiv in Kinos laufen lassen, bevor sie im Streamingdienst Disney+ verfügbar gemacht werden. Die meisten Filme sollen mindestens 45 Tage in den Kinos laufen, teilte das Unternehmen mit.