Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Kursgewinne von Dow, DAX & Co Positiver Start in den neuen Börsenmonat

Stand: 01.02.2022 22:08 Uhr

Der Optimismus an den Börsen ist zurück. Die Wall Street blieb auch zu Beginn des neuen Monats auf Erholungskurs. Der DAX konnte ebenfalls Boden gutmachen. Ist das die Ruhe vor dem Sturm?

Nach dem enttäuschenden Jahresauftakt mit herben Kursverlusten im Januar hellt sich allmählich die Stimmung an den Weltbörsen wieder auf. Nach der gestrigen Erleichterungsrally schloss die Wall Street heute erneut im Plus, wenn auch nicht ganz so deutlich wie zum Wochenauftakt. Der Dow Jones stieg um 0,8 Prozent, der breiter gefasste S&P 500 zog um 0,7 Prozent an. Auch die Tech-Börse Nasdaq drehte ins Plus.

Schnäppchenjäger greifen zu

Händler sprachen von einer technischen Gegenreaktion auf die Verlustserie in der vergangenen Woche. Zudem waren es vor allem Schnäppchenjäger, die auf Shoppingtour gingen und die gesunkenen Aktienkurse zum Wiedereinstieg nutzten. Von einer Trendwende könne aber noch nicht die Rede sein, warnen Experten.

Märkte vor "Entzugsphase"

Wegen der geplanten Zinserhöhungen der Notenbank Fed werde für die Wall Street eine Wiederaufnahme der Rekordjagd schwieriger, sagte Anlagestrategin Anu Gaggar vom Brokerhaus Commonwealth Financial Network. "Die Märkte könnten nun durch eine Entzugsphase gehen."

Bis zu sechs Zinserhöhungen möglich?

"Vor wenigen Monaten hatten alle noch gedacht, dass die Notenbank Fed beim Thema Inflation relativ geduldig sein wird", sagte John Flahive, Manager beim Vermögensberater BNY Mellon. Ursprünglich hätten Anleger mit drei oder vier Zinserhöhungen in diesem Jahr gerechnet. Inzwischen werde am Markt teilweise schon mit sechs Zinsschritten gerechnet. "Daher werden alle etwas nervös."

Vor diesem Hintergrund zogen sich Investoren erneut aus US-Staatsanleihen zurück. Dies trieb die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Treasuries auf 1,8 Prozent.

DAX schafft dritten Gewinntag in Folge

Auch an den europäischen Aktienmärkten gingen Anleger wieder verstärkt ins Risiko. Der DAX stieg den dritten Tag in Folge. Er gewann am ersten Handelstag im Februar fast ein Prozent und näherte sich mit 15.619 Punkten wieder dem Niveau, wo er Anfang des Jahres stand. Nach einem kurzen Sprung auf ein Rekordhoch war der deutsche Leitindex im Januar zurückgefallen und hatte gut 400 Punkte eingebüßt.

Was macht die EZB?

Die Inflationssorgen halten an. Die Anleger rätseln, wie die Europäische Zentralbank (EZB) reagieren wird, wenn die am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden Inflationsdaten für die Euro-Zone ebenso über den Markterwartungen lägen wie die deutschen Zahlen gestern. Der Rat der Europäischen Zentralbank wird die Öffentlichkeit am Donnerstag über den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank informieren. Nach Einschätzung von Fachleuten könnte sich der Druck auf die EZB zur Straffung der Geldppolitik erhöhen.

"Je länger die Inflation auf hohem Niveau bleibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich die Inflationssorgen in höheren Tariflöhnen niederschlagen werden", kommentiert Andreas Billmeier, europäischer Volkswirt bei Western Asset Management. EZB-Präsidentin Christine Lagarde werde es schwer haben, diese Sorgen am Donnerstag zu zerstreuen, da die Energieinflation auf andere Bereiche des Verbraucherkorbs übergreife, sagte Billmeier.

2G beschert dem Einzelhandel Umsatzeinbrüche

Die Umsätze der deutschen Einzelhändler im Dezember fielen enttäuschend aus. Ihre Einnahmen brachen real, also preisbereinigt, um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat ein. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Auf das Jahr 2021 betrachtet stiegen die Umsätze aber leicht um 0,7 Prozent an. Der Rückgang im Dezember stehe vermutlich im Zusammenhang mit der Einführung der 2G-Regel in vielen Geschäften des Einzelhandels, erklärten die Statistiker.

Google-Konzern übertrifft Erwartungen

Nach US-Börsenschluss sorgte der Google-Mutterkonzern Alphabet für Furore. Der anhaltende Online-Boom während der Corona-Pandemie und sprudelnde Werbeeinnahmen bescherten Alphabet den vierten Rekordgewinn in Folge. Der Überschuss kletterte um ü35 Prozent auf 20,6 Milliarden Dollar.Der Umsatz erhöhte sich um ein Drittel auf 75,3 Milliarden Dollar Damit übertraf der weltweit größte Suchmaschinenbetreiber die Erwartungen von Analysten. Die Aktien schossen im nachbörslichen Handel um mehr als sieben Prozent in die Höhe. Auch die Titel von Meta, Twitter und Snap wurden mitgerissen.

Boeing erhält Großauftrag von Qatar Airways

Gut vier Prozent legten die Aktien von Boeing zu. Qatar Airways liegt mit Airbus im Clinch, nun bestellt die arabische Fluggesellschaft beim US-Rivalen Boeing. Die Unternehmen vereinbarten den Kauf von bis zu 102 Maschinen. Das Paket umfasst laut Boeing 50 Frachtversionen des neuen Großraumfliegers 777X sowie zwei Maschinen der aktuellen Modellserie. Zudem habe die Airline mit dem US-Konzern vorläufige Kaufvereinbarungen für 25 Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max sowie Optionen für weitere 25 abgeschlossen.

Laut Listenpreisen könnte der Deal ein Volumen von 34 Milliarden US-Dollar erreichen. Allerdings sind bei Aufträgen dieser Größenordnung starke Rabatte üblich. Auch handelt es sich nur bei 34 der 777X-Frachter um feste Kaufvereinbarungen.

HeidelbergCement überrascht mit Gewinnsprung

Im DAX zählten die Aktien von HeidelbergCement zu den Top-Gewinnern. Der Baustoffkonzern hat das operative Ergebnis im vergangenen Jahr stärker gesteigert als von Analysten erwartet. Das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebes stieg um zwölf Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Wegen der florierenden Baukonjunktur hatte HeidelbergCement zwar bereits mit einem starken operativen Gewinnanstieg gerechnet, doch die Höhe des Zuwachses überraschte die Analysten.

Siltronic-Übernahme durch Globalwafers geplatzt

Der taiwanesische Chip-Zulieferer Globalwafers kann das Münchner Elektronikunternehmen Siltronic nicht übernehmen. Die börsenrechtliche Frist dafür endete in der Nacht zum Dienstag um Mitternacht, ohne dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz die notwendige Genehmigung erteilt hätte. Dazu habe die Zeit gefehlt, erklärte das Ministerium. Globalwafers scheiterte zudem mit dem Versuch, vor Gericht eine Genehmigung der Übernahme von Siltronic zu erzwingen. Das Verwaltungsgericht Berlin wies den Eilantrag von Globalwafers ab.

Aus Daimler wird jetzt Mercedes-Benz

Der Autohersteller Daimler AG hat sich von seinem Namen verabschiedet und heißt nun Mercedes-Benz Group AG. Damit werde eine neue Ära eingeläutet, verkündete der Autobauer. Im Zuge eines tiefgreifenden Konzernumbaus hatte der Konzern den Schritt bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Daimler löste im Dezember das große Lkw-Geschäft von Daimler Truck aus dem Konzern heraus und brachte es an die Börse. Mit der Umbenennung der verbliebenen Daimler AG soll die Konzentration auf das prestigeträchtige Geschäft mit Autos und Vans verdeutlicht werden.

Hohe Transportpreise beflügeln Ergebnis von Hapag-Lloyd

Die Hamburger Container-Reederei Hapag-Lloyd hat im vergangenen Jahr von den angespannten Lieferketten rund um den Globus profitiert. Die Transportpreise seien dank einer sehr starken Nachfrage nach Exportgütern aus dem asiatischen Raum deutlich gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sprang im vergangenen Jahr auf rund 9,4 Milliarden Euro in die Höhe. Das ist mehr als siebenmal so viel wie im Vorjahr. Der Umsatz legte um fast drei Viertel auf 22,3 Milliarden Euro zu.

Solider Gewinn bei UBS

Glänzende Geschäfte im vierten Quartal haben der Schweizer Bank UBS einen überraschend starken Jahresabschluss beschert. Unter dem Strich stand im Gesamtjahr ein Gewinn von knapp 7,5 Milliarden Dollar. Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als von Experten im Schnitt erwartet. Die Anteilseigner sollen mit einer von 37 auf 50 Cent je Aktie erhöhten Dividende an dem Erfolg teilhaben. Außerdem will die UBS in diesem Jahr eigene Aktien im Wert bis zu fünf Milliarden Dollar zurückkaufen.

Zuckerberg gibt eigene Währung auf

Mark Zuckerbergs Traum von einer Facebook-Digitalwährung ist geplatzt. Die Technologie hinter dem Kryptogeld Diem wurde für insgesamt 182 Millionen Dollar an die kalifornische Bank Silvergate verkauft. Silvergate will mit dem Zukauf weiterhin versuchen, ein an den Dollar gebundenes Digitalgeld herauszubringen, teilte die Bank mit. Das bei Facebook entwickelte Projekt war im Juni 2019 unter dem Namen Libra vorgestellt worden. Der Plan war ein weltumspannendes Digitalgeld, das mit verschiedenen nationalen Währungen gekauft und wieder zurückgetauscht werden kann. Abgesichert werden sollte Libra durch einen Korb aus diversen Währungen.

GM-Gewinn bricht ein

Der Chipmangel hat den größten US-Autobauer General Motors (GM) auch zum Jahresende stark belastet. Im vierten Quartal brach der Gewinn um 1,1 Milliarden auf 1,7 Milliarden Dollar ein. Der Umsatz sank um gut zehn Prozent auf 33,6 Milliarden Dollar. Der Autokonzern stellte für 2022 einen bereinigten Betriebsgewinn zwischen 13 Milliarden und 15 Milliarden Dollar in Aussicht und gab damit eine recht verhaltene Prognose ab. Die Aktie verlor nachbörslich.

Starbucks brüht weniger Gewinn auf

Die Omikron-Welle hat der Kaffeehauskette das Geschäft verdorben. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 legten die weltweiten Umsätze "nur" um 13 Prozent zu. Analysten hatten mit einem etwas stärkeren Zuwachs gerechnet. Auch der Gewinn je Aktie lag mit 72 Cent deutlich unter den Prognosen der Experten. Starbucks eröffnete in den vergangenen Monaten weniger neue Kaffee-Läden. Die Starbucks-Aktien rutschten im nachbörslichen Handel um fünf Prozent ab.

Sony kontert Microsoft

Nachdem Microsoft zum Kauf der Macher von "Call of Duty" ausholte, und sich die Spielefirma Activision Blizzard für insgesamt 68,7 Milliarden Dollar einverleiben will, kontert Sony mit einem eigenen Übernahmeplan. Der Playstation-Anbieter will das Studio Bungie schlucken, das Spiele wie "Halo" und "Destiny" entwickelte. Der Deal sei insgesamt 3,6 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) schwer, teilten die Unternehmen mit.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Februar 2022 um 09:00 Uhr.