Figur des Börsen-Bulle mit Geschenken | picture alliance / Photoshot
Marktbericht

Mit Kursgewinnen in die Festtage Weihnachtsparty an den Börsen

Stand: 23.12.2021 22:27 Uhr

Anleger können erleichtert die Festtage genießen. Die abgeflauten Omikron-Sorgen haben den Börsen doch noch eine erfolgreiche Weihnachtswoche beschert. Kommt jetzt die Jahresend-Rally?

Besinnlich ging es an den Aktienmärkten in den letzten Tagen vor Heiligabend nicht zu. Die Woche begann ziemlich turbulent. DAX & Co sackten um fast zwei Prozent ab - wegen der Angst vor neuen Lockdowns. Doch schnell erholten sich die Börsenindizes wieder - und wie. In einem starken Schlussspurt machten sie die Montagsverluste wieder mehr als wett.

DAX schafft dritten Gewinntag in Folge

Der DAX verzeichnete drei Gewinntage in Folge und zog um 1,4 Prozent auf Wochensicht an. Am letzten Handelstag vor Weihnachten kletterte der deutsche Leitindex um 162 Punkte auf 15.756 Zähler. Damit fehlen nur noch rund 500 Punkte zum alten Rekordhoch.

Wall Street weiter im Aufwind

Noch besser lief es an der Wall Street. Der Dow Jones schloss um rund 0,6 Prozent fester und lag nur knapp unter der Marke von 36.000 Punkten. Das Wochenplus belief sich auf 1,7 Prozent. Der marktbreite S&P 500 näherte sich mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 4.725 Punkte seinem vor viereinhalb Wochen erreichten Rekordhoch. Der technologielastige Nasdaq 100 gewann knapp 0,8 Prozent. Viele Marktteilnehmer haben ihre Bücher schon geschlossen, die Handelsumsätze waren entsprechend dünn. An Heiligabend ist die Wall Street geschlossen.

Hoffen auf die Weihnachtsrally

"Es gab dieses Jahr zwar nicht die große Weihnachtsrally, aber unmittelbar vor dem Fest gibt es jetzt doch noch Geschenke", meint Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners. "Die niedrigen Umsätze begünstigen die Kursgewinne zusätzlich."

Und die besten Börsenzeiten könnten noch kommen. Die Weihnachtsrally steht vor der Tür. Denn erfahrungsgemäß steigen die Kurse oft in den letzten fünf Handelstagen des Jahres und den ersten beiden ersten Handelstagen des neuen Jahres. Die Chancen auf eine solche Weihnachtsrally oder Jahresend-Rally sind merklich gestiegen.

Omikron doch nicht so gefährlich?

Denn britische Studien lassen hoffen, dass die Folgen der sich rasant ausbreitenden Omikron-Infektionen hinter den Befürchtungen zurückbleiben. Zwar könnte die Coronavirus-Variante demnach deutlich ansteckender, aber in ihren Verläufen nicht schwerwiegender sein als die bislang dominierende Delta-Variante. Zudem böten die Impfstoffe einen gewissen Schutz. Omikron habe sich vom bösen zum guten Weihnachtsmann gewandelt, meint Marktanalyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda. Den Finanzmärkten bleibe daher wohl ein "Ausverkauf zum Jahresende erspart", glaubt er.

Euro behauptet sich über 1,13 Dollar

Der Euro zeigte sich heute kaum verändert und behauptete sich bei 1,1331 Dollar. Die am Nachmittag veröffentlichten US-Konjunkturdaten spielten kaum eine Rolle. Die Auftragseingänge für langlebige Güter im November überraschten positiv. Auch das von der Uni Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen hellte sich auf.

Lira beschleunigt Erholung

Die türkische Lira erholte sich weiter deutlich von ihrem jüngsten Kursrutsch. Für einen Dollar erhielten Anleger zuletzt nur noch 11,38 Lira und für einen Euro 12,93 Lira. Das Stabilisierungspaket der türkischen Regierung stützte die Lira. Damit sollen Wechselkursschwankungen für private Anleger ausgeglichen werden. Bis Donnerstagmorgen seien zehn Milliarden Lira (gut 790 Millionen Euro) in das neue Instrument geflossen, sagte Finanzminister Nureddin Nebati dem Sender NTV. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Montag angekündigt, die Zentralbank werde für Währungsverluste bei Einlagen aufkommen, wenn diese von ausländischen Divisen in Lira getauscht wurden.

Ölpreise steigen wieder

Am Ölmarkt herrschte wieder Optimismus. Der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee stieg um rund 1,7 Prozent auf 76,31 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte ebenfalls kräftig um mehr als ein Prozent zu. Die Ölpreise knüpften damit an ihre zur Wochenmitte erzielten Gewinne an. Hintergrund ist auch, dass in den USA die Rohöllagerbestände in der vergangenen Woche stärker als erwartet gefallen waren. Angesichts der bevorstehenden Weihnachtsfeiertage sprachen Börsianer von einem dünnen Handelsvolumen.

Bitcoin ringt weiter mit 50.000er Marke

Nach dem erneut vergeblichen Versuch des Sprungs über die psychologisch wichtige 50.000er-Marke machen einige Bitcoin-Anleger Kasse. Die Cyber-Devise verbilligt sich um 1,4 Prozent auf 48.371 Dollar. Damit die Optimisten wieder die Oberhand gewännen, müsse diese Hürde überwunden werden, sagt Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Ungeachtet kurzfristiger Kursschwankungen wachse aber das Interesse an Kryptowährungen, was sich am kontinuierlichen Kapitalzufluss in diese Anlageklasse ablesen lasse.

Conti-Chef optimistisch fürs Jahresende

Top-Gewinner im Dax war Continental. Die Aktien des Autozuliefers stiegen um gut 2,5 Prozent. Konzernchef Nikolai Setzer stellte in der "Wirtschaftswoche" ein Erreichen des oberen Endes der Prognose für die Gewinnmarge in Aussicht. Im SDax profitierten von dieser Nachricht auch die Aktien der Conti-Tochter Vitesco mit plus 1,9 Prozent.

Dommermuth übernimmt United Internet

Die Aktien von United Internet zählten im MDAX zu den wenigen Verlierern. Der deutsche Telekom-Milliardär Ralph Dommermuth übernimmt den von ihm gegründeten und geführten Internet- und Mobilfunkanbieter. Eine von Dommermuth kontrollierte Beteiligungsgesellschaft habe Kaufverträge über den Erwerb von 15,2 Millionen Aktien abgeschlossen, hieß es. Damit kontrolliert Dommermuth nun etwa 50,1 Prozent der MDax-Firma. Der Firmenchef musste offenbar rund 530 Millionen Euro für die Aufstockung der Anteile hinbllättern. Unklar ist bisher, wer Dommermuth jetzt die Aktienpakete verkauft hat.

Notfallzulassung für Covid-19-Tablette von Pfizer

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat eine Notfallzulassung für ein Corona-Medikament des US-Herstellers Pfizer ausgesprochen. Die Behörde sprach von einem "großen Schritt im Kampf gegen diese weltweite Pandemie". Die Pille Paxlovid wird bei Risikopatienten mit leichten bis mittelschweren Krankheitssymptomen eingesetzt und senkt laut Pfizer die Gefahr einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes um knapp 90 Prozent. Es ist laut FDA das erste Covid-Mittel in den USA, das in Pillenform eingenommen werden kann. Das Medikament soll in den USA verschreibungspflichtig, aber kostenlos erhältlich sein.

Ryanair senkt Jahresprognose

Der irische Billigflieger Ryanair senkt seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr. So werde wegen der sich ausbreitenden Coronavirus-Variante Omikron sowie damit verbundener Reiserestriktionen ein höherer Verlust als bisher erwartet, teilte das Unternehmen mit. Ryanair kalkuliert nun mit einem Fehlbetrag für das bis Ende März 2022 laufende Geschäftsjahr von 250 Millionen bis 450 Millionen Euro, nachdem die Fluggesellschaft zuletzt von einem Minus von 100 bis 200 Millionen Euro ausgegangen war. Beim Passagieraufkommen rechnet der Konzern mit unter 100 Millionen Fluggästen anstelle von mehr als 100 Millionen.

Lufthansa streicht jeden zehnten Flug

Die Lufthansa streicht wegen sinkender Buchungszahlen in der wieder verschärften Corona-Pandemie Zigtausende von Flügen. "Ab Mitte Januar bis Februar sehen wir einen scharfen Abriss in den Buchungen. Im Winterflugplan müssen wir daher im Konzern 33.000 Flüge oder rund zehn Prozent streichen", kündigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut einer Vorabmeldung an. Er warf der Europäischen Union vor, durch die Vorgaben zur Nutzung von Start- und Landerechten müsse die Lufthansa zu viele Flugzeuge abheben lassen. "Aufgrund der schwachen Nachfrage im Januar hätten wir sogar noch deutlich mehr Flüge reduziert. Aber wir müssen im Winter 18.000 zusätzliche, unnötige Flüge durchführen, nur um unsere Start- und Lande-Rechte zu sichern." Zudem mussten für die Weihgnachtszeit mehrere Interkontinentalflüge gestrichen werden, weil sich unerwartet viele Piloten krank gemeldet haben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Dezember 2021 um 17:00 Uhr.