Traderin an der New York Stock Exchange
Marktbericht

Dow Jones knackt neuen Rekord Verspätete Kauflaune an den Börsen

Stand: 06.05.2021 22:46 Uhr

Die Zahl der US-Amerikaner, die Arbeitslosenhilfe beantragt haben, ist auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Corona-Pandemie gefallen. Die Börse sieht das mit einem lachenden und weinenden Auge.

Der Jubel über die Signale für einen Aufschwung am US-Arbeitsmarkt hält sich in Grenzen. Denn je rascher sich die Wirtschaft erholt, desto größer ist die Gefahr einer anziehenden Inflation und einer Zinserhöhung. US-Finanzministerin Janet Yellen hatte am Dienstag erste Zinsanhebungen signalisiert, sollte die Wirtschaft überhitzen.

Das "Zinsgespenst" ist zurück

Seither ist das schon totgesagte "Zinsgespenst" wiedererwacht. Zwar ruderte Yellen gestern zurück und beruhigte die Anleger. Doch so einfach lässt sich die Zins(erhöhungs-)-Angst nicht aus den Köpfen der Anleger bringen.

Nur ein Testballon von Yellen?

Marktbeobachter sprechen von einem "Testballon". Yellen wollte wohl sehen, wie die Finanzmärkte auf einen möglichen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik reagieren. Den Schreck über die Aussagen der US-Finanzministerin hätten Investoren inzwischen zwar verdaut, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Verschwunden sei dieses Thema aber nicht.

(Frei-)Tag der Wahrheit

Wie stark die Wirtschaft und der amerikanische Job-Motor wieder in Schwung gekommen sind, wird sich am Freitag zeigen. Dann veröffentlicht das zuständige Ministerium den offiziellen Arbeitsmarktbericht. Experten erwarten für April den Aufbau von 978.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft. Sollten es mehr werden, könnten die Inflations- und Zinssorgen wieder neu angefacht werden.

Mit einer wachsenden Dynamik am Arbeitsmarkt stelle sich die Frage, ob und wie sich dies auf die Geldpolitik der US-Notenbank auswirken werde, sagte Mike Loewengart, Fondsmanager beim Brokerhaus E*Trade. Der Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Pandemie passe in das gute Bild. "Das ist ein weiteres Beweisstück, dass wir uns einer vollständigen wirtschaftlichen Erholung nähern - schneller als so mancher erwartet."

Dow springt auf Rekordhoch

Vor den mit Spannung erwarteten US-Beschäftigten-Zahlen wagten sich die Investoren an der Wall Street weiter nach vorn. Der Standardwerte-Index Dow Jones schloss um 0,9 Prozent höher auf einem Rekordniveau von 34.548 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 legte um 0,8 Prozent auf 4201 Punkte zu. Der technologielastige Nasdaq rückte um 0,4 Prozent auf 13.632 Punkte vor.

DAX schafft noch die Wende


Dank des Rückenwinds vom "großen Bruder" Dow gelang dem DAX die späte Wende. Der deutsche Leitindex machte seine zwischenzeitlichen Nachmittagsverluste wett und schloss 0,2 Prozent höher bei knapp unter 15.200 Punkten. Der Kurseinbruch am Dienstag nach dem "Yellen-Schock" ist damit fast wieder aufgeholt. Trotzdem: Nach den zuletzt deutlicheren Kursausschlägen sei auf dem Börsenparkett eine gewisse Nervosität zu spüren, sagte Milan Cutkovic, Marktbeobachter beim HandelsHaus Axi. In den nächsten Wochen und Monaten dürfte es deutlich stürmischer an den Börsen zugehen als zuletzt.

Euro steigt

Der Euro legte spürbar zu. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 1,2060 US-Dollar. Der Euro wurde zum einen durch den schwächeren US-Dollar gestärkt. Hinzu kamen gute Konjunkturdaten aus Deutschland, wo die Industrie im März deutlich mehr Aufträge erhielt als im Vormonat. Der Zuwachs fiel im März mit drei Prozent fast doppelt so hoch aus wie erwartet. "Der fortgesetzt gute Trend bei den Auftragseingängen legt das Fundament für eine erfreuliche gesamtwirtschaftliche Erholung", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.

Bank of England drosselt Anleihekäufe

Das britische Pfund stagnierte bei 1,3908 Dollar - trotz eines gedrosselten Tempos bei den Wertpapierkäufen durch die Bank of England. Das Gesamtvolumen bleibe aber bei 895 Milliarden Pfund. Damit werde das Ankaufprogramm zeitlich gestreckt, sagte NordLB-Analyst Bernd Krampen. Dies sei angesichts der verbesserten Konjunkturaussichten dank der Fortschritte bei den Corona-Massenimpfungen auch notwendig. Eine erste Zinserhöhung sei freilich frühestens 2023 zu erwarten.

Gold über 1.800 Dollar

Unterstützt von einem schwächelnden Dollar zog der Goldpreis an. Er kletterte um 1,7 Prozent auf ein Zweieinhalb-Monats-Hoch von 1816,57 Dollar je Feinunze. Der Sprung über die psychologisch wichtige 1800er Marke löste Anschlusskäufe aus und machte den Weg für weitere Kursgewinne frei, sagt Analyst Jim Wyckoff vom Brokerhaus Kitco. Die Abwertung des Dollar macht das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA attraktiver.

Ölpreise fallen

Abwärts ging es für den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 68,54 Dollar je Barrel (159 Liter). "Die rekordhohen Zahlen von Neuinfektionen in Indien schüren Ängste vor einer langsameren Erholung der Nachfrage", sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg.

Impfaktien brechen ein

Die durch US-Präsident Joe Biden neu entfachte Diskussion um die vorübergehende Freigabe der Patente für Corona-Impfstoffe bescherte den Aktien der Impfstoff-Hersteller einen schwarzen Tag. Die Titel von BioNTech und CureVac sackten um bis zu zehn Prozent ab. Die EU zeigte sich offen für den Vorschlag der USA, den Patentschutz für Corona-Impfstoffe vorübergehend aufzuheben.

Münchener Rück deutlich verbessert

Die Aktien der Münchener Rück waren mit einem Plus von 2,3 Prozent Spitzenreiter im DAX. Die Corona-Krise hat beim Rückversicherer im ersten Quartal deutlich geringere Spuren hinterlassen als ein Jahr zuvor. Der Konzerngewinn stieg von 221 Millionen auf 589 Millionen Euro. Allein wegen der Schäden durch den Kälteeinbruch in den USA verbuchte die Münchener Rück eine Belastung von 450 Millionen Euro. Für das laufende Jahr peilt der Vorstand weiter einen Überschuss von 2,8 Milliarden Euro an. Analysten lobten das operative Ergebnis in der Sparte Rückversicherung und das besser als angenommene Abschneiden bei den Lebens- und Krankenversicherungen.

Linde hebt Prognose an

Zu den Top-Gewinnern im DAX zählte auch Linde mit einem Plus von 1,2 Prozent. Der weltweit größte Industriegasekonzern legt nach dem gesteigerten Gewinn im Auftaktquartal die Messlatte für den Jahresgewinn höher. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis je Aktie soll im laufenden Jahr auf 9,60 bis 9,80 US-Dollar zulegen. Das ist ein Anstieg im Jahresvergleich um 17 bis 19 Prozent. Bisher war das Unternehmen von einem bereinigten Wert von 9,10 bis 9,30 Dollar ausgegangen.

Volkswagen warnt vor mehr Gegenwind

Die Aktien von VW büßten 2,6 Prozent ein. Der Autobauer hat zum Jahresbeginn trotz der Engpässe bei Halbleitern gut verdient. Unter dem Strich stand von Januar bis März ein Gewinn von rund 3,4 Milliarden Euro - fast sieben Mal so viel wie im Vorjahresquartal. Ihren Umsatz konnten die Wolfsburger um etwa 13 Prozent auf 62 Milliarden Euro steigern. Die weltweiten Auslieferungen legten um mehr als ein Fünftel auf gut 2,4 Millionen Fahrzeuge zu.

VW rechnet für die laufenden Monate mit erheblich mehr Gegenwind. Der Chip-Mangel in der gesamten Industrie werde im zweiten Quartal "deutlichere Auswirkungen haben als bisher" und den Gewinn belasten, warnte Finanzvorstand Arno Antlitz. Die Produktion von E-Autos sei von dem Mangel bisher weitgehend verschont, ergänzte Konzernchef Herbert Diess bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Er könne aber nicht ausschließen, dass es auch dort zu Engpässen komme.

Fresenius besser als FMC

Die Corona-Krise hat auch zu Jahresbeginn ihre Spuren beim Gesundheitskonzern Fresenius hinterlassen. Das bereinigte operative Ergebnis fiel im ersten Quartal um sechs Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um drei Prozent auf neun Milliarden Euro.

Die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) musste dagegen beim Umsatz einen Rückgang um sechs Prozent auf 4,2 Milliarden Euro verkraften, das Konzernergebnis brach gar um zwölf Prozent auf 249 Millionen Euro ein. Während die Aktien von Fresenius leicht zulegten, gehörten die Titel von FMC zu den größten Verlierern im DAX.

Henkel traut sich mehr zu

Der Konsumgüterkonzern Henkel hat nach einem starken Jahresstart die Prognose erhöht. So sollen die Erlöse organisch, sprich bereinigt um Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe, um vier bis sechs Prozent zulegen. Bislang war der Markenhersteller von zwei bis fünf Prozent ausgegangen. Auch bei der bereinigten Umsatzrendite erwartet der DAX-Konzern mit 14,0 bis 15,0 Prozent nach bisher 13,5 bis 14,5 Prozent etwas mehr.

Conti verdient mehr

Der Autozulieferer Continental hat den Gewinn im ersten Quartal gegenüber dem schwachen Vorjahreszeitraum gesteigert. Unter dem Strich verdiente der DAX-Konzern 448 Millionen Euro nach 292 Millionen Euro zum Jahresauftakt 2020, als der Ausbruch die Corona-Krise das Geschäft dämpfte. Die Conti-Aktien schlossen fast unverändert.

Zalando hebt seine Prognose an

Der Online-Modehändler Zalando profitiert weiter vom E-Commerce-Boom durch die Pandemie. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse um fast 47 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen bei der Vorlage endgültiger Zahlen mitteilte. Netto verdiente Zalando 34,5 Millionen Euro. Neben der hohen Nachfrage spielten auch geringere Retouren dem Berliner Unternehmen in die Karten. Im Vorjahr war noch ein Verlust von 86,4 Millionen Euro angefallen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Management nun ein Umsatzwachstum von 26 bis 31 Prozent auf 10,1 bis 10,5 Milliarden Euro. Zuvor hatte Zalando ein Erlöswachstum von 24 bis 29 Prozent in Aussicht gestellt.

Freenet überzeugt die Börse

Zu den größten Gewinnern im MDAX zählte Freenet mit einem plus von rund vier Prozent. Der Telekommunikationsanbieter hat im ersten Quartal sein Betriebsergebnis dank eines Wachstums im TV-Geschäft gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 109 Millionen Euro verbessert. Maßgeblich für diese Entwicklung sei die gute operative Entwicklung im Segment TV und Medien sowie Kosteneinsparungen gewesen, hieß es.

Hugo Boss zieht Anleger an

Ganz vorne im MDAX landeten die Aktien von Hugo Boss. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat die Papiere des Modekonzerns von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 30 auf 55 Euro angehoben. Die Ergebnisse des ersten Quartals deuteten auf eine überraschend schnelle Erholung hin, schrieb Hauck & Aufhäuser in einer Studie. Sie hob die Papiere zudem auf die Favoritenliste der Bank.

CompuGroup fällt in Ungnade

Schwächster MDAX-Wert war CompuGroup mit einem Minus von 11,5 Prozent. Die Nachfrage nach IT-Lösungen für das Gesundheitswesen und Übernahmen haben den Software-Anbieter zum Jahresstart angetrieben. Allerdings bremsten höhere Investitionen, wie bereits vom Management angekündigt, das Gewinnwachstum.

Hohe Kosten belasten die Shop Apotheke

Auch die Papiere der Shop Apotheke sackten um fast neun Prozent ab. Ein gestiegener Verwaltungsaufwand und Sondereffekte haben im ersten Quartal das Ergebnis der Online-Apotheke belastet. Das operative Ergebnis rutschte mit 2,4 Millionen Euro ins Minus - nach einem Plus von 0,5 Millionen vor Jahresfrist. Netto lag der Verlust bei 5,8 Millionen Euro.

Grenke muss SDAX verlassen

Der Börsenneuling und Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 wird den Leasingspezialisten Grenke zum am Freitag nach Börsenschluss im SDAX ersetzen. Grenke habe "Basiskriterien" verletzt, hieß es in einer Mitteilung des Indexanbieters Qontigo, einer Tochter der Deutschen Börse. Dabei gehe es um die Vorschriften zur Veröffentlichung testierter Geschäftsberichte. Zurzeit laufen bei dem Unternehmen Sonderprüfungen, nachdem die Bilanzierung von Grenke kritisiert worden war.

Apontis schafft's mit Mühe an die Börse

Derweil steht in Kürze ein weiterer Börsengang in Frankfurt an. Das Pharmaunternehmen Apontis hat die letzte Hürde auf dem Weg dahin knapp überwunden. Der Platzierungspreis für die angebotenen Anteile sei auf 19 Euro je Stück festgelegt worden, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Die Preisspanne hatte bei 18,50 bis 24,50 Euro gelegen. Es wurden wie geplant gut fünf Millionen Aktien platziert. Da der größere Teil der verkauften Papiere aus den Beständen von Altaktionären stammt, fließen dem Unternehmen selbst nur 38 Millionen Euro zu. Das Börsendebüt soll am 11. Mai erfolgen.

Uber wächst nur noch mit Lieferdiensten

Den Rückwärtsgang legten die Aktien von Uber ein. Sie brachen um fast neun Prozent ein. Der Fahrdienst-Vermittler verringerte seinen Verlust deutlich, profitierte aber von einem hohen Sondererlös durch den Verkauf von Ubers Roboterauto-Sparte. Das Hauptgeschäft mit Fahrdienstvermittlungen verlor knapp zwei Drittel des Umsatzes. Für Entlastung sorgte die boomende Liefersparte um den Essensbringdienst Uber Eats. Das Unternehmen will seinen Fahrern mehr zahlen, um wieder mehr Fahrzeuge auf die Straße zu bekommen.

Paypal im Shopping-Fieber

Der anhaltende Shopping-Boom im Internet bescherte dem Online-Bezahldienst Paypal in der Corona-Krise glänzende Geschäfte. Im ersten Quartal stieg das Betriebsergebnis um 162 Prozent und der Umsatz um 29 Prozent. Vorstandschef Dan Schulman sprach vom bislang stärksten Jahresauftakt. Für das laufende zweite Quartal stellte Paypal ein kräftiges Wachstum in Aussicht und hob die Jahresziele an. Die Aktien gewannen fast zwei Prozent.

Tesla-Produktion bereits ausverkauft

Dagegen sanken die Aktien von Tesla trotz guter Nachrichten um über ein Prozent. Einem Bericht zufolge sind die Produktionskapazitäten des Elektroauto-Herstellers für das zweite Quartal bereits jetzt ausverkauft. Darüber habe Tesla seine Mitarbeiter informiert, meldete der Blog "Electrek" unter Berufung auf Insider.

Nintendo rechnet mit weniger Switch-Verkäufen

Der japanische Elektronikkonzern Nintendo sieht den Höhepunkt seiner Spielekonsole Switch überschritten. Im laufenden Geschäftsjahr würden wohl 25,5 Millionen Geräte verkauft, prognostizierte der japanische Konzern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis Ende März) hatte Nintendo die Rekordzahl von 28,8 Millionen Konsolen abgesetzt. Das Betriebsergebnis kletterte um 82 Prozent auf umgerechnet knapp fünf Milliarden Euro.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Mai 2021 um 12:00 Uhr.