Gut gelaunte Händler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

Das unglaubliche Comeback der Börsen Vom Crash zum Rekordhoch

Stand: 18.03.2021 22:14 Uhr

Vor einem Jahr erlebte der DAX seinen Corona-Tiefpunkt. Seither hat er über 6.000 Punkte gewonnen und notiert so hoch wie nie. Die Aussicht auf weiter billiges Geld der Notenbanken befeuert die Rally.

Während viele Deutsche eine dritte Welle befürchten und um den Osterurlaub bangen, herrscht auf dem Frankfurter Börsenparkett beste Stimmung. Der DAX stürmt von einem Rekord zum nächsten. Seit Anfang März hat er rund 1.000 Punkte zugelegt. Am Donnerstag preschte er um weitere 1,2 Prozent nach oben und schaffte mit 14.804 Zählern eine neue historische Bestmarke im Tagesverlauf. "Der DAX läuft und läuft und läuft", schreibt die Bank HSBC in ihrem Marktkommentar.

Gleichzeitig werden die Anleger sorgloser. Die Volatilitätsindizes VDAX, der die Nervosität der Anleger misst, fiel heute um vier Prozent auf 18,42 Punkte. Damit notiert er so niedrig wie zuletzt vor gut einem Jahr.

Fed hält Geldschleusen noch lange offen

Wieder einmal war es der mächtigste Notenbanker der Welt, Fed-Präsident Jerome Powell, der die Kauflaune der Anleger anheizte. Er signalisierte, dass die verbesserten Konjunkturaussichten nicht mit einem nachhaltigen Inflationsanstieg verbunden sind und die Fed die Geldschleusen weit geöffnet lassen wird. Diese Kombination aus lockerer Geldpolitik und Konjunkturoptimismus war genau das, was die Börsianer hören wollten. Manche hatten befürchtet, dass wenn der Wirtschaftsaufschwung wieder an Fahrt gewinne und die Inflation steige, die Notenbanken vom Gaspedal gehen.

Kursverluste an der Wall Street

An der Wall Street verpuffte allerdings die Freude der Anleger über eine anhaltend lockere Geldpolitik der Fed wieder. Der Dow Jones konnte seine anfänglichen Gewinne nicht halten und schloss 0,5 Prozent im Minus. Schlimmer traf es den marktbreiten Index S&P 500 der um fast 1,5 Prozent einbüßte. Vor allem Technologieaktien erlebten einen schwarzen Tag: Der Nasdaq 100 sackte um 3,1 Prozent ab.

Tech-Aktien auf der Verkaufsliste

Steigende Anleiherenditen machten vor allem Technologiewerten zu schaffen. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren aktuell bei rund 1,74 Prozent auf einem 14-Monats-Hoch und die 30-jährigen Bonds bei 2,49 Prozent. Höhere Zinsen belasten gerade wachstumsorientierte Tech-Firmen, weil sich dadurch die Finanzierungskosten erhöhen.

Euro unter Druck

Neue Konjunkturdaten aus den USA fielen zwiespältig aus. Zwar erreichte das Geschäftsklima in der wichtigen US-Wirtschaftsregion Philadelphia im März den höchsten Stand seit fast 50 Jahren. Aber die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche stieg trotz einer kräftigen Erholung der US-Wirtschaft - und das deutlicher als erwartet. Der Euro notierte am Abend tiefer bei 1,1909 US-Dollar.

Türkische Lira zieht nach Zinserhöhung an

Dagegen stieg der Kurs der türkischen Lira deutlich. Zuletzt wurde ein Euro für 8,73 Lira gehandelt. Eine überraschend starke Zinsanhebung gab der Währung Auftrieb. Im Kampf gegen die Inflation erhöhte die türkische Notenbank die Leitzinsen um zwei Prozentpunkte auf 19,0 Prozent

Bitcoin wieder über 60.000 Dollar

Der Bitcoin sprang wegen der ultra-lockeren US-Geldpolitik erneut über die 60.000er Marke. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise verteuerte sich um dreieinhalb Prozent auf 60.099 Dollar. "Kryptowährungen bleiben in den Augen vieler Investoren ein Fluchtweg, um sich gegenüber Inflationsrisiken abzusichern", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Ölpreise sacken ab

Bei den zuletzt stark gestiegenen Ölpreisen ist die Luft hingegen etwas raus. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um acht Prozent auf 62,53 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Experten der ING Bank verwiesen auf den Anstieg der US-Lagerbestände. Die Reserven sind in der vergangenen Woche um 2,4 Millionen Barrel gestiegen. Der Branchenverband API hatte dagegen einen Rückgang von einer Million Barrel bekanntgegeben.

VW auf Zick-Zack-Kurs

Im Rampenlicht am deutschen Aktienmarkt stand einmal mehr VW. Die im DAX notierten Vorzugsaktien stiegen heute zeitweise um mehr als neun Prozent auf ein Sechs-Jahres-Hoch von 252,20 Euro, bevor sie ins Minus rutschten. Mit einem Verlust von 3,4 Prozent waren sie Schlusslicht im DAX. Die Stammaktien legten dagegen fast fünf Prozent zu, sie gewannen in der Spitze sogar fast 15 Prozent und erreichten ein Zwölfeinhalb-Jahres-Hoch von 353 Euro.

Das neue Tesla?

US-Anleger machten Kasse, nachdem sie VW in Foren wie "Wall Street Bets" auf der Internet-Plattform Reddit als das neue Tesla gefeiert hätten, sagte ein Börsianer. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 156 Milliarden Dollar ist VW inzwischen mehr wert als die Konkurrenten BMW und Daimler zusammengerechnet. VW-Chef Herbert Diess kündigte am Dienstag eine stärkere Fokussierung auf Software an. Der Autobauer wolle zum zweitgrößten Software-Konzern Europas hinter SAP werden. Mehrere Analysten erhöhten das Kursziel. Die UBS sieht den fairen VW-Kurs bei 450 Euro. "Volkswagen ist vielleicht nicht das Apple des elektrifizierten Autos, aber es wird das Samsung sein - mit profitablen Marken und großen Volumina", schrieben die Analysten der Bank.

BMW im Aufwind

Im Schlepptau von Volkswagen zogen auch die Aktien von Daimler und BMW an. Der Münchner Autobauer rechnet in den kommenden Jahren mit möglichen Umsätzen im Milliardenbereich durch digitale Upgrades der Funktionen seiner Autos. Entwicklungschef Frank Weber bezifferte das jährliche Umsatzpotenzial während einer Analystenveranstaltung auf fünf Milliarden Euro bis Ende des Jahrzehnts. Ende 2021 will BMW die weltweit größte Flotte für Online-Upgrades auf der Straße haben.

Bankaktien ganz oben

Gewinner des Tages im DAX war die Deutsche Bank mit einem Plus von fast fünf Prozent. Auch die Titel der Commerzbank rückten um über vier Prozent im MDAX vor. Bankaktien profitierten von den steigenden Anleiherenditen. Der europäische Branchenindex gewann zwei Prozent.

HeidelbergCement erklärt Corona-Krise für beendet

Hohe Abschreibungen haben HeidelbergCement 2020 einen Milliardenverlust eingebrockt. Der auf die Aktionäre anfallende Fehlbetrag betrug 2,1 Milliarden Euro. Bereinigt um Sondereffekte stieg der Gewinn allerdings um acht Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro. Der Baustoffkonzern will deutlich mehr an seine Aktionäre ausschütten. Die Dividende soll auf 2,20 Euro je Aktie steigen - fünf Prozent mehr als noch für 2018. "Wir sehen die Corona-Krise finanztechnisch beendet", sagte Finasnzchef Lorenz Näger.

Sartorius hebt seine Prognose an

Bester Wert im MDAX war Sarttorius mit einem Plus von über acht Prozent. Der Laborausrüster schraubt nach einem guten Jahresstart seine Prognose für 2021 hoch. Das Unternehmen erwartet nun beim Umsatz ein Plus von rund 35 Prozent nach zuvor 19 bis 25 Prozent und eine operative Ergebnismarge von 32 Prozent nach 30,5 Prozent. Der Auftragseingang während der ersten zehn Wochen des Jahres sei sehr stark gewesen, teilte die Firma aus Göttingen mit.

Eckert & Ziegler überrascht positiv

Der Medizintechnikhersteller Eckert & Ziegler hat im vergangenen Jahr mehr verdient als erwartet. Das Ergebnis je Anteil lag bei 1,11 Euro, teilte das im SDAX notierte Unternehmen mit. Im Vorjahr waren es 1,07 Euro je Aktie. Der Gewinn je Aktie fiel damit rund zehn Prozent höher aus als erwartet. Die Aktien kletterten um über neun Prozent nach oben und markierten ein neues Rekordhoch.

Hapag-Lloyd bleibt vorsichtig

Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd hält sich mit einem genauen Ausblick für das Gesamtjahr zurück. Das Unternehmen geht zwar nach wie vor davon aus, dass wichtige Ergebnisgrößen deutlich über dem des Vorjahres liegen werden. Wegen der Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Pandemie und den wirtschaftlichen Folgen sei eine detaillierte Prognose für das Ergebnis derzeit aber nicht möglich, teilte Hapag-Lloyd mit. Die Engpässe in den Lieferketten würden sich vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte abschwächen.

Deutz hofft auf 2021

Der Motorenbauer Deutz ist im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht und streicht daher die Dividende. Der Nettoverlust belief sich 2020 auf 108 Millionen Euro - nach einem Konzerngewinn von 52 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz brach um knapp ein Drittel ein. Für 2021 ist Deutz zuversichtlicher.

SNP korrigiert Bilanz

Im SDAX gerieten zeitweise die Anteilsscheine des Software-Spezialisten SNP Schneider-Neureither & Partner (SNP) kräftig unter Druck. SNP muss das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für das Jahr 2019 um die Hälfte nach unten korrigieren. Bei der laufenden Abschlussprüfung war aufgefallen, dass die Nutzungsrechte für eine angemietete US-Immobilie im vorletzten Jahr zu hoch bewertet worden waren.

Vossloh schreibt wieder schwarz

Der Bahntechnikkonzern Vossloh ist im abgelaufenen Jahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Netto blieben 20,8 Millionen Euro übrig, nachdem im Vorjahr noch einen Verlust von rund 137 Millionen Euro gegeben hatte. Die Aktionäre sollen eine Dividende in Höhe von 1,00 Euro je Aktie erhalten, nachdem diese im Vorjahr wegen der Corona-Krise ausgefallen war.

DFV beruhigt die Anleger

Die Aktien der Deutschen Familienversicherung (DFV) legten leicht um 0,7 Prozent zu. Trotz Pandemie erwies sich der Vertrieb des Frankfurter Insurtechs als relativ krisensicher. Im Neugeschäft stieg die Zahl der Verträge um 7,7 Prozent. Operativ fiel erneut ein Verlust an. Er verdoppelte sich auf 10,2 Millionen Euro. DFV bietet Unfall- und Sach- sowie Krankenzusatzversicherungen an.

Ende des letzten Jahres war der Kurs der DFV eingebrochen, nachdem sich das Insurtech aus einem Konsortium für die betriebliche Pflege-Zusatzrente in der Chemiebranche zurückgezogen hatte. Die Finanzaufsicht Bafin hatte bezweifelt, dass die DFV auf die anzulegenden Beitragsgelder die vereinbarte Mindestverzinsung von zwei Prozent erwirtschaften kann. Trotz des geplatzten Deals versprach Vorstandschef Stefan Knoll für 2021 eine Fortsetzung der rasanten Expansion und einen weiteren zweistelligen Anstieg der Beitragseinnahmen.

Vantage Towers startet erfolgreich an die Börse

Vantage Towers, die Funktturmsparte des britischen Telekommunikationskonzerns Vodafone, hat heute einen soliden Börsenstart an der Frankfurter Börse hingelegt. Zum Ende des Xetra-Handels kosteten die Aktien 24,35 Euro und lagen damit leicht über dem Ausgabepreis von 24 Euro. Insgesamt ist Vantage Towers damit gut 12,3 Milliarden Euro wert.

Erster Verlust von Swatch seit 1984

2020 war für die gesamte Uhrenbranche ein Horrorjahr. Der Umsatz bei Swatch brach um beinahe ein Drittel auf 5,6 Milliarden Franken (5,1 Milliarden Euro) ein. Erstmals seit 1984 meldete Swatch einen Verlus von 53 Millionen Frankent. Nun soll es wieder aufwärts gehen. Swatch-Chef Nick Hayek sieht Chancen auf eine Erholung. Besonders gut laufe das Geschäft in Asien und in den USA. Doch die Einschränkungen in vielen Staaten Europas und das Fehlen von Touristen beeinträchtigten weiter das Geschäft. "Solange es Schließungen gibt und der Tourismus nicht stattfindet, wird es natürlich schwieriger, an die Zahlen von 2019 heranzukommen", erklärte Hayek.

Nike verkauft weniger im Heimatmarkt

Der weltgrößte Sportartikelhersteller profitiert weiter vom Online-Shopping-Boom in der Corona-Pandemie. Im abgelaufenen Geschäftsquartal steigerte der Adidas-Rivale den Gewinn um 71 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar. Die Erlöse legten um drei Prozent auf 10,4 Milliarden Dollar zu. Im digitalen Geschäft verzeichnete Nike ein Verkaufsplus von rund 60 Prozent. In seiner Heimatregion Nordamerika litt der Sportartikler aber unter Problemen in der Lieferkette. Der Umsatz schrumpfte dort um zehn Prozent. Anleger reagierten enttäuscht. Nachbörslich gaben die Aktien kräftig nach.

Coinbase teurer als die Deutsche Börse

Kurz vor dem Börsengang wird die Kryptowährungsbörse Coinbase nach eigenen Angaben mit 68 Milliarden Dollar bewertet. Laut einer Pflichtmitteilung lag der Durchschnittspreis für die Aktien des Unternehmens im ersten Quartal 2021 im außerbörslichen Handel bei 343,58 Dollar. Im dritten Quartal hätten sie noch 28,83 Dollar gekostet. Mit 68 Milliarden Dollar ist Coinbase mehr als doppelt so hoch bewertet wie die Deutsche Börse und rund vier Milliarden Dollar teurer als die ICE, zu der die New York Stock Exchange gehört. Coinbase will im Rahmen einer Notierungsaufnahme an die US-Technologiebörse Nasdaq gehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. März 2021 um 17:00 Uhr.