Händlerin an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Nach Fed-Protokoll Wall Street dämmt Verluste ein

Stand: 16.02.2022 22:16 Uhr

In stetem Wechsel machen die Ukraine-Krise und die Zinswende den Börsen zu schaffen. Heute dominierten wieder die Zinssorgen.

Zwar zweifelt der Westen an den von Moskau angegebenen Truppenbewegungen weg von der ukrainischen Grenze, dennoch wurden diese Nachrichten an der Börse dankbar aufgenommen.

Am Nachmittag kehrte aber das Zinsthema mit Macht zurück. Ein ganzer Schwung neuer Konjunkturdaten aus den USA befeuerte die Sorgen vor einer schärferen Gangart der amerikanischen Notenbank. An der Wall Street gerieten die Kurse zunächst stärker unter Druck. Nach Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank konnten die Standardwerte des Dow Jones ihre Verluste aber deutlich auf 0,16 Prozent eingrenzen. Der Technologieindex Nasdaq-100 ging 0,12 Prozent tiefer aus dem Handel.

Mit einem Anstieg von 2,0 Prozent zum Vormonat zogen die Importpreise so stark an wie seit April 2011 nicht mehr. Obwohl das Problem gestörter Lieferketten hinlänglich bekannt ist, waren Ökonomen doch von der Dynamik des Preisanstiegs überrascht. Auch unerwartet hohe US-Einzelhandelsumsätze und eine robuste Industrieproduktion im Januar bestärkten die Marktteilnehmer in der Erwartung rasch steigender Leitzinsen.

Fed-Protokoll bestätigt Zinsszenario

Das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung, das um 20 Uhr veröffentlicht wurde, bestätigte ein solches Szenario. Es sei bald angebracht, den an der Nulllinie liegenden Leitzins anzuheben, heißt es in dem Protokoll. Zur Begründung wird auf die hohe Inflation und den robusten Arbeitsmarkt verwiesen. Die Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses signalisierten zudem ein rascheres Straffungstempo als in der letzten, zurückhaltenden Zinserhöhungsphase ab 2015.

Dennoch nahm die Wall Street das Protokoll recht gut auf. Laut dem Analysehaus Pantheon ist die Haltung der Notenbanker nicht ganz so straff wie man hätte erwarten können. Die Analysten von Capital Economics wiesen darauf hin, dass Spekulationen auf einen großen Zinsschritt im März durch das Protokoll nicht bestätigt würden.

Corona-Lockerungen kaum beachtet

Der DAX driftete angesichts der amerikanischen Konjunkturdaten ins Minus und schloss 0,3 Prozent tiefer.

Die von Bund und Ländern beschlossene Lockerung der Corona-Regeln wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen. Zuletzt hatte die Pandemie aber angesichts der sinkenden Zahl schwerer Verläufe nur noch eine untergeordnete Rolle an der Börse gespielt.

Euro robust, Öl fällt zurück

Der Euro präsentierte sich erholt, auch wenn die starken US-Daten den Dollar zwischenzeitlich stärkten. Auch der Goldpreis legte wieder zu. Wegen einer nachlassenden Furcht vor Lieferausfällen hatte sich Öl bereits gestern deutlich verbilligt. Am späteren Abend gerieten die Ölpreise nach einer Erholungsbewegung erneut ins Rutschen.

Kraft Heinz ungewohnt volatil

Ein Quartalsergebnis über den Markterwartungen bescherte Kraft Heinz den größten Kurssprung seit zwei Jahren. Die Aktien des Anbieters von Ketchup und "Philadelphia"-Streichkäse stiegen an der Wall Street um mehr als fünf Prozent. Kraft Heinz komme mit den steigenden Kosten besser klar als gedacht, lobte Analyst John Boylan vom Anlageberater Edward Jones.

Pfeiffer Vacuum meldet Rekordaufträge

Pfeiffer Vacuum hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr deutlicher gesteigert als erwartet. Die Erlöse stiegen um etwa ein Viertel auf 771,4 Millionen Euro. Der Vakuumpumpenspezialist berichtete zudem von einen Rekordauftragseingang von 964,3 Millionen Euro, knapp 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei profitiert das SDAX-Unternehmen auch von einer starken Nachfrage der Halbleiterindustrie. Das vorläufige Betriebsergebnis (Ebit) wurde mit 93,1 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

MTU kommt gut an

Im DAX war die MTU-Aktie größter Gewinner. Der Triebwerksbauer setzte im vergangenen Jahr knapp 4,2 Milliarden Euro um, fünf Prozent mehr als 2020. Damit verfehlten die Münchner die selbst gesteckte Marke von 4,3 bis 4,4 Milliarden Euro. Beim Ergebnis profitierte MTU aber von seinem Sparkurs. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 13 Prozent auf 468 Millionen Euro.

BioNTech plant Produktionsstart in Afrika

BioNTech will nächstes Jahr mit der Herstellung von Impfstoffen in Afrika starten. Der Aufbau der ersten mRNA-Produktionsstätte soll Mitte 2022 beginnen, teilte das Mainzer Biotechunternehmen mit. Im zweiten Halbjahr will BioNTech erste spezielle Container nach Afrika liefern, in denen die Produktion von Boten-RNA (mRNA) - die grundlegende Technologie für die Impfstoffe von BioNTech - möglich sein soll. Der Produktionsbeginn wird zwölf Monate nach Lieferung der "BioNTainer" an die endgültige Betriebsstätte erwartet.

HHLA profitiert von Lagergeldern

Gute Geschäfte im Container-Verkehr haben die Einnahmen des Hamburger Hafen- und Logistikkonzerns HHLA steigen lassen. Der Umsatz kletterte im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf gut 1,4 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdoppelte sich sogar fast auf 213 Millionen Euro und übertraf damit die erst im Oktober angehobene Prognose deutlich. Weil wegen der teils mehrwöchigen Schiffsverspätungen viele Container länger im Hafen stehen bleiben, kassiert die HHLA deutlich höhere Lagergelder. Der Containerumschlag stieg dagegen nur moderat um 2,5 Prozent auf rund 6,9 Millionen Stahlboxen.

Norma erreicht Ziele

Im SDAX gewann die Norma-Aktie 2,8 Prozent. Der Autozulieferer hat im vierten Quartal zwar Lieferengpässe und gestiegene Kosten zu spüren bekommen. Der Umsatz schrumpfte um zwei Prozent und das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) um 3,4 Prozent. Im Gesamtjahr erreichte die Firma aber dank ihrer Sparmaßnahmen ihre reduzierten Ziele: Der Umsatz legte um 14,7 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro zu. Das bereinigte Ebit zog auf 113,8 Millionen Euro an, nach 45,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Shop Apotheke sackt ab

Am SDAX-Ende litten die Anteilscheine von Shop Apotheke einmal mehr unter der anhaltenden Unsicherheit über die Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland. Im vergangenen Dezember war die Einführung von E-Rezepten auf unbestimmte Zeit verschoben worden, und nach Medienberichten gibt es noch immer keine technische Lösung, die den vereinbarten Qualitätskriterien entspricht.

Heineken verkauft mehr Bier

Der weltweit zweitgrößte Bierbrauer hat im vergangenen Jahr 4,6 Prozent mehr Bier verkauft als 2020. Das Geschäft habe sich überall außer in Asien erholt, teilte Heineken mit. Der Nettoumsatz legte auch wegen Preiserhöhungen um 12,2 Prozent zu. Das Betriebsergebnis kletterte um 43,8 Prozent auf 3,41 Milliarden Euro. Der Konzern zeigte sich zurückhaltend für 2022. Die Pandemie werde in diesem Jahr immer noch den Umsatz drücken, dazu kämen deutliche Belastungen durch Inflation und Lieferkettenprobleme.

Korruptionsverdacht bei Ericsson

Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson hat Vergehen gegen die eigenen Geschäftsgrundsätze und mögliche Schmiergeldzahlungen im Irak eingestanden. Ungewöhnliche Zahlungen hätten eine interne Untersuchung ausgelöst, so das Unternehmen. An der Börse sacken die Ericsson-Papiere in Reaktion auf die Nachricht um mehr als 13 Prozent ab. Bei den Untersuchungen, die die Jahre 2011 bis 2019 umfasst hätten, seien Hinweise auf Korruption gefunden worden, wie Geldanweisungen ohne bekannten Empfänger und Zahlungen an einen Lieferanten ohne klar umrissene Leistungen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Februar 2022 um 16:00 Uhr.