Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Aktienkurse ziehen an Die Wall Street atmet durch

Stand: 15.02.2022 22:22 Uhr

Auch die US-Anleger haben die Deeskalation in der Ukraine heute gefeiert. Die großen US-Indizes zogen deutlich an. Zuvor war schon der DAX auf Klettertour gegangen.

Auch in New York ging es im Zuge der aktuellen Entspannung in der Ukraine mit den Kursen bergauf. Alle großen Indizes haben im Verlauf unter der Führung der Technologiebörse Nasdaq ihre Eröffnungsgewinne ausgebaut und diese Gewinne bis zum Ende behauptet.

Der Leitindex Dow Jones stieg am Ende 1,22 Prozent auf 34.988 Zähler. Der marktbreite S&P-500-Index zog ebenfalls an um 1.58 Prozent auf 4471 Punkte. Am besten schnitt die Technologiebörse Nasdaq ab, die 2,53 Prozent vorrückte auf 14.139 Punkte. Der Auswahlindex stieg um 2,47 Prozent auf 14.620 Stellen.

Die geostrategischen Sorgen hatten zuletzt sogar die Zinsdiskussion in den USA zurückgedrängt, üblicherweise das alles beherrschende Thema an der Börse. Immer noch wird diskutiert, in welchem Tempo die Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen ab März anheben wird.

"Wir sind in einer Erleichterungsphase nach den jüngsten Schlagzeilen zur Russland-Ukraine-Krise", sagte Anlagestratege Peter McCallum von der Investmentbank Mizhuo. Einige Anleger blieben aber vorsichtig, um bei unvorhergesehenen Entwicklungen nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Milliardenübernahme durch Intel

Die in New York an der Nasdaq gelisteten Aktien von Tower Semiconductor schossen derweil um 42 Prozent auf 47,07 US-Dollar hoch, nachdem sich der amerikanische Chipriese Intel mit dem israelischen Halbleiterhersteller auf eine Übernahme geeinigt hatte. Der Deal summiert sich voraussichtlich auf rund 5,4 Milliarden US-Dollar und bewertet Tower mit 53 Dollar je Aktie. Die Intel-Titel drehten nach schwächerem Start mit dem Gesamtmarkt mit 1,81 Prozent ins Plus.

Die Unternehmen hoffen auf einen Abschluss des Geschäfts binnen zwölf Monaten, wobei die Zustimmung von Towers Aktionären und den Aufsichtsbehörden noch aussteht. Intel will mit der Übernahme seine Fertigungskapazitäten ausbauen. Weltweit sind die Produktionskapazitäten von Elektronikchips in vielen Bereichen auch wegen hoher Nachfrage knapp, Chiphersteller und Auftragsfertiger investieren daher verstärkt in den Ausbau ihrer Anlagen.

DAX auf Klettertour

Der heimische Aktienmarkt ist heute mit kräftigen Gewinnen aus dem Handel gegangen. Anzeichen für eine Entspannung in der Ukraine-Krise sorgten für neuen Optimismus bei den Anlegern, die den DAX um 1,98 Prozent auf 15.412 Punkte trieben.

Die Erholung ging dabei quer durch alle Branchen und war breit untermauert. Auch der MDAX, der Index der mittelgroßen Aktien, legte kräftig um 2,24 Prozent auf 33.465 Zähler zu. Auf europäischer Ebene stieg der Auswahlindex Euro Stoxx 50 um 2,11 Prozent auf 4144 Zähler,.

Vorsichtige Annäherung im Ukraine-Konflikt

Im Tagesverlauf verdichteten sich die Anzeichen für eine Entspannung im russisch-ukrainischen Konflikt, nachdem Russland erste konstruktive Signale ausgesendet hatte. Die russische Nachrichtenagentur Interfax hatte berichtet, dass Teile der russischen Armee im Süden und Westen in ihre Kasernen zurückkehrten. "Obwohl es auf diplomatischer Ebene noch viel zu tun gibt, sind die laufenden Gespräche aus Sicht der meisten Investoren auf einem guten Weg", sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades.

"Jede Nachricht über eine potenzielle Deeskalation ist zwar willkommen", sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. "Die Märkte werden aber etwas Handfesteres sehen wollen, bevor sie die Krise für beendet erklären." Bundeskanzler Olaf Scholz führte heute in Moskau politische Gespräche mit Russlands Präsident Putin.

Kurssprung bei Delivery Hero

Auch unter den Einzelwerten im DAX kam es teilweise zu deutlichen Kurssprüngen. Allen voran bei Delivery Hero, die über 15 Prozent zulegten und damit an der Indexspitze standen. Dies, nachdem das Papier des Essensdienstlieferanten zuletzt deutlich abgesackt war. Ursächlich waren hierfür aber in der Vorwoche primär schwache Geschäftsergebnisse. Seitdem sind die Papiere in der Spitze um mehr als 40 Prozent abgerutscht. Es gab kaum Verlierer unter den 40 DAX-Mitgliedern. Lediglich Henkel Vorzüge, Qiagen und Vonovia gaben leicht nach.

Euro macht Boden gut

Die Hinweise auf eine Entspannung im Russland-Ukraine-Konflikt haben den Euro am Dienstag gestützt. Im US-Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1357 US-Dollar. Am Morgen hatte sie nur knapp über 1,13 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1345 (Montag: 1,1316) Dollar fest.

Die Eurozone würde unter einer Verschärfung der Krise mehr leiden als die USA. Die Volkswirtschaften in Europa sind offener und stärker in den internationalen Handel eingebunden. Zudem ist Europa sehr abhängig von russischem Rohöl und Erdgas. Von der Entwicklung profitierte auch der russische Rubel, der zum Euro und Dollar zulegte.

ZEW-Index steigt

Neue Umfrageergebnisse aus Deutschland deuteten derweil auf eine wirtschaftliche Erholung hin. Die Konjunkturerwartungen des Mannheimer ZEW-Instituts hellten sich im Februar auf. "Der Konjunkturausblick für Deutschland verbessert sich im Februar erneut, trotz wachsender wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erklärte: "Die Aussicht auf den Frühling und ein nachlassendes Virusgeschehen lässt auf eine bessere konjunkturelle Situation hoffen."

Der ZEW-Index stieg gegenüber dem Vormonat konkret um 2,6 auf 54,3 Punkte. Analysten hatten im Schnitt einen etwas stärkeren Anstieg auf 55,0 Punkte erwartet. Auch die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage verbesserte sich, allerdings ebenfalls weniger als erwartet. Der Indikator stieg um 2,1 Punkte auf minus 8,1 Zähler.

Ölpreise fallen zurück

Die Ölpreise reagieren mit deutlichen Kursverlusten von rund drei Prozent auf die Meldungen aus Russland und der Ukraine. Schließlich ist Russland ein wichtiges Ölförderland. Bei einer Eskalation würden weitreichende Sanktionen drohen, die auch den Erdöl- und Erdgassektor betreffen könnten. Spekulationen auf Lieferausfälle hatten die Preise gestern auf den höchsten Stand seit Oktober 2014 getrieben.

Engie setzt auf Nord Stream 2

Das große französische Energieunternehmen Engie hat derweil die Notwendigkeit der russischen Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 für die Versorgung Europas betont. "Russisches Gas ist ein wichtiger Bestandteil für den europäischen Gasmix", betonte Engie-Chefin Catherine MacGregor in Paris.

Das Unternehmen hat derweil im vergangenen Jahr seinen Gewinn dank hoher Energiepreise deutlich gesteigert. Die Aktionäre sollen daher mit 0,85 Euro je Aktie nach 0,53 Euro im Vorjahr eine erheblich höhere Dividende bekommen.

Audi darf in China E-Autos bauen

Die Sportwagentochter des VW-Konzerns kann die Produktion von Elektroautos in China in den nächsten Jahren hochfahren. Die Behörden erteilten Audi und ihrem staatlichen chinesischen Partner FAW die Genehmigung für eine rund drei Milliarden Dollar teure Fabrik in Changchun im Nordosten des Landes. Die Arbeiten an den Anlagen dort sollen im April beginnen, das Werk mit einer Jahreskapazität von mehr als 150.000 Fahrzeugen soll Ende 2024 die Produktion aufnehmen. Audi will dort drei vollelektrische Modelle montieren, darunter ein SUV.

Vitesco wieder in der Gewinnzone

Der Autozulieferer Vitesco aus dem SDAX hat im abgelaufenen Geschäftsjahr im Tagesgeschäft wieder schwarze Zahlen geschrieben und etwas besser abgeschnitten als erwartet. Das ehemals zu Continental gehörende Unternehmen steigerte den Umsatz nach vorläufigen Zahlen um rund vier Prozent auf 8,35 Milliarden Euro, wie Vitesco nach Börsenschluss überraschend in Regensburg mitteilte.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit rund 149 Millionen Euro deutlich im Plus, nachdem der Antriebsspezialist im von Corona-Lockdowns belasteten Vorjahr einen operativen Verlust von 95 Millionen Euro eingefahren hatte. Damit verdiente Vitesco im vergangenen Jahr mehr, als Analysten erwartet hatten.

Volle Auftragsbücher für Airbus

Der europäische Flugzeugbauer im DAX hat mehrere Großaufträge an Land gezogen. Die Leasingfirma Aviation Capital bestellte 20 Kurzstreckenmaschinen des Typs A220 fest, wie Airbus bei der Flugshow in Singapur mitteilte. Die kuwaitische Fluggesellschaft Jazeera Airways wandelte eine Option über 28 Maschinen des Typs A320neo in eine feste Bestellung um. Zugleich zeigte sich Airbus optimistisch mit Blick auf die Nachfrage in Fernost. Für die kommenden 20 Jahre sei mit einem Absatz von insgesamt mehr als 17.600 Flugzeugen in der Region Asien-Pazifik zu rechnen.

BHP Group im Rohstoffboom

Die hohe Nachfrage nach Rohstoffen hat dem australischen Bergbauriesen BHP einen Gewinnsprung beschert. In den ersten sechs Monaten des Bilanzjahres 2021/2022 stieg der Gewinn auf 9,72 Milliarden Dollar nach 6,2 Milliarden vor Jahresfrist, deutlich stärker als von Analysten erwartet. Der Vorstand kündigte mit 7,6 Milliarden Dollar beziehungsweise 1,50 Dollar je Aktie eine Rekord-Zwischendividende an. BHP konkurriert mit Rio Tinto und Vale um die Position des weltgrößten Bergbaukonzerns.

Elon Musk spendet Milliarden

Tesla-Gründer Elon Musk hat fünf Millionen seiner Anteile an dem US-Elektroautobauer im Wert von 5,7 Milliarden Dollar (rund fünf Milliarden Euro) gespendet. Der reichste Mensch der Welt spendete die Tesla-Aktien bereits im November für wohltätige Zwecke, wie aus einem am Vorabend veröffentlichten Börsendokument hervorgeht. Unklar ist, an wen die Spenden gingen.

Sie erfolgten zu einem Zeitpunkt, zu dem Musk sich von zahlreichen seiner Aktien trennte, um Steuern zu bezahlen. Nach Berechnungen des "Wall Street Journal" hat der 50-jährige High-Tech-Pionier sich in den letzten zwei Monaten des vergangenen Jahres von Aktien im Wert von mehr als 16 Milliarden Dollar getrennt. Musk hatte im Dezember im Kurzbotschaftendienst Twitter angekündigt, dass er für das gesamte Jahr 2021 Steuern in Höhe von elf Milliarden Dollar zahlen würde. Mit Spenden kann die Steuerlast verringert werden.

Über dieses Thema berichteten am 15. Februar 2022 Deutschlandfunk um 07:35 Uhr sowie um 08:35 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.