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Marktbericht

DAX auf Rekordhoch Die Börse verteilt Vorschusslorbeeren

Stand: 29.03.2021 22:27 Uhr

Vor allem die Erholungsperspektiven in Amerika sind es, die derzeit auch die europäischen Märkte mit sich ziehen. Der DAX markierte heute sogar eine weiter Bestmarke, allen Corona-Ängsten zum Trotz.

Ob die sich verschärfende Corona-Krise oder steigende Inflations- und Zinssorgen, die Anleger sind derzeit einfach nicht zu bremsen. Sie setzen ganz auf die Zeit nach dem Ende der Corona-Krise und damit verbunden auf einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung - und greifen entsprechend bei Aktien kräftig zu. Schließlich will sich kein Investor nachsagen lassen, er sei zu spät gekommen, wenn der Aufschwung kommt.

Das trieb den DAX heute an und auf eine weitere Rekordmarke. In der Spitze markierte der deutsche Leitindex bei 14.845 Punkten seine Bestmarke und überwand damit den alten Wert bei 14.804 Punkten. Am Ende eines optimistischen Handelstages schloss der DAX bei 14.817 Punkten, ein Tagesgewinn von einem halben Prozent. Das Tagestief lag bei 14.756 Zählern. Der europäische Auswahlindex EuroStoxx50 erreichte mit einem ähnlich großen Plus ein 13-Jahres-Hoch von 3890 Zählern.

Krisenbewältigung à la Amerika

Für Optimismus sorge neben dem zügigen Fortgang der Impfungen vor allem das Konjunkturprogramm von US-Präsident Joe Biden, hieß es am Markt. Nach den massiven Hilfen zur Ankurbelung des Konsums in den USA plant Biden ein weiteres Billionen Dollar schweres Konjunkturprogramm für die US-Infrastruktur.

Insgesamt machen die USA mit einem sehr beliebten Krisenbewältigungsmodus weiter, dem Baden der Volkswirtschaft in Liquidität. Geld heilt bekanntlich alle Wunden, das ist schon seit dem Platzen der Tech-Blase und dem WTC-Anschlag zu Beginn des Jahrtausends ein probates Mittel. Völlig unbedeutend dabei, dass das alles mal wieder auf Pump finanziert wird.

"Der Aktienmarkt wird auch weiter durch das Tempo der Impfkampagne in den USA beflügelt", betonte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Bidens Versprechen einer noch schnelleren Durchimpfung der Bevölkerung sei genau das gewesen, was die Investoren hören wollten.

Konjunkturlokomotive USA

Mit den mächtigen Konjunkturspritzen sowie der dynamischen Impfkampagne im Rücken senden die Amerikaner jedenfalls ein starkes konjunkturelles Aufbruchssignal, was auch die europäischen Märkte beflügelt. Selbst Inflationssorgen, die laut Lehrbuch angesichts der Dimensionen der US-Liquiditätshilfen deutlich steigen müssten, treten da zumindest unmittelbar zurück. Auch wenn die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sich heute auf 1,72 Prozent erhöhte. In der Vorwoche waren es übrigens bis zu 1,75 Prozent, Experten haben schon bis zu 2,00 Prozent Rendite ins Spiel gebracht. Die ansteigenden Renditen bleiben ein Risiko für den Markt, auch wenn ein wirklich inflationäres Umfeld immer noch anders aussieht.

Die Fed wird diese Entwicklung jedenfalls zunächst tolerieren, zumindest solange, bis der Arbeitsmarkt wieder mehr Schwung aufnimmt. Denn um die Weltkonjunkturlokomotive wirklich spielen zu können, fehlt eigentlich nur noch der Anschub auf dem Arbeitsmarkt. Dabei muss die Notenbank aber ein Überschießen des Immobilienmarktes wie 2009 verhindern, für die es aber derzeit keine Anzeichen gibt.

Wall Street im Verlauf erholt, Dow markiert Rekord

Nach zunächst schwachem Start haben sich die großen US-Aktienindizes im weiteren Verlauf erholt. Der Leitindex Dow Jones drehte im Handelsverlauf noch ins Plus. Am Ende lag der Leitindex bei 33.173 Punkten, ein Tagesanstieg von 0,3 Prozent. Zuvor hatte der Dow kurz vor Handelsschluss bei 33.259 Punkten ein Rekordhoch markiert, ehe er noch etwas abbröckelte. Der S&P-500-Index schloss nach wechselhaftem Handel bei 3971 Punkten um 0,1 Prozent niedriger. Vor allem schlechte Nachrichten aus dem Bankensektor lasteten auf den Standardwerteindizes. Schwächster Wert im Dow waren JPMorgan Chase.

Boeing waren hingegen Tagessieger im Leitindex. Nach der Wiederzulassung seines Unglücksjets 737 Max erhielt der Konzern einen weiteren Großauftrag. Die US-Airline Southwest bestellte 100 Mittelstreckenjets der 737-Max-Reihe und sicherte sich Kaufoptionen für 155 Maschinen.

Die Technologiebörse Nasdaq blieb mit 0,6 Prozent im Minus und ging bei 13.059 Punkten aus dem Handel. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor leicht 0,1 Prozent auf 12.965 Zähler. Nennenswerte Konjunkturdaten standen nicht auf der Agenda. Übrigens: Durch die am Wochenende vollzogene Zeitumstellung in Deutschland findet ab heute der Wall-Street-Handel wieder zur gewohnten Zeit statt - von 15.30 bis 22.00 Uhr.

Deutsche-Bank-Aktie in Sippenhaft

Im DAX legten Aktien der Deutschen Bank heute den Rückwärtsgang ein und standen am Indexende. Der Grund: die Schieflage eines bedeutenden US-Hedgefonds sorgte in der gesamten Bankenbranche für ein mulmiges Gefühl. Dieser sei in der vergangenen Woche den Margenforderungen der Credit Suisse und einiger anderer Banken nicht nachgekommen, teilte die Schweizer Großbank am Montag mit.

Obwohl es zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht sei, die genaue Höhe des Verlustes aus diesem Ausstieg zu beziffern, könnte er "sehr bedeutend und wesentlich" für das Ergebnis des ersten Quartals sein. Die japanische Investmentbank Nomura bezifferte ihren Verlust auf zwei Milliarden Dollar. Die Deutsche Bank erklärte am Nachmittag, sie habe keinen Verluste erlitten, was der Aktie aber nicht mehr half. Anders die Papiere von Nomura und Credit Suisse, die massiv einbrachen.

Hwang ist kein Unbekannter

Laut diversen internationalen Finanzmedien handelt es sich bei dem US-Hedgefonds übrigens um Archegos Capital, der von Bill Hwang gegründet wurde. Hwang ist für die Machenschaften bei seinem früheren Hedgefonds Tiger Asia berühmt-berüchtigt. 2012 bekannten sich Hwang und Tiger Asia gegen zweistellige Millionen-Strafe schuldig, chinesische Aktien leerverkauft und deren Kurse manipuliert zu haben. Vor diesem Hintergrund stellt sich unweigerlich die Frage, warum große Banken wie Credit Suisse oder Deutsche Bank Hwang überhaupt ihr Geld anvertraut haben.

Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge musste Archegos am Freitag wegen Nachschussforderungen Aktien im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) verkaufen. Das "Wall Street Journal" berichtete sogar von Verkäufen im Wert von 30 Milliarden Dollar.

Deutsche Bank verlängert mit Christian Sewing und baut Vorstand um

Aber es gab heute noch weitere Neuigkeiten um die Deutsche Bank. Das Institut baut nämlich seinen Vorstand zum 1. Mai um. Verlängert wurde der Vertrag mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing bis April 2026. Sewing gibt die Verantwortung für die Investmentbank und die Unternehmensbank an den bisherigen Transformationsvorstand Fabrizio Campelli ab. Stattdessen übernimmt Sewing den Bereich Personalentwicklung. Dieser soll perspektivisch an den 2020 von der Deutschen Sporthilfe angeheuerten Personalchef Michael Ilgner übergehen, sobald Ilgner wie geplant in den Vorstand aufrückt.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing | REUTERS

Bild: REUTERS

Neu in den Vorstand zieht als zweite Frau Rebecca Short ein. Die bisherige Chefin der Finanzplanung und -steuerung übernimmt von Campelli das Ressort Transformation und ist damit künftig im Vorstand federführend für die Umsetzung der neuen Strategie verantwortlich.

Da der bisherige Chief Operating Officer (COO) Frank Kuhnke im Zuge des Vorstandsumbaus die Deutsche Bank verlassen wird, bleibt die Größe des Führungsgremiums mit zehn Mitgliedern unverändert. Risikovorstand Stuart Lewis hat den Angaben zufolge den Aufsichtsrat gebeten, zur Hauptversammlung 2022 aus dem Gremium ausscheiden zu können. Im Sinne eines "geordneten Übergangs" übernimmt den Angaben zufolge Rechtsvorstand Stefan Simon bereits ab Mai dieses Jahres die Bereiche Compliance und Kampf gegen die Finanzkriminalität.

Ölpreis volatil - "Ever Given" ist frei

Das Containerschiff "Ever Given" ist im Suezkanal wieder vollständig freigelegt worden. Das Schiff sei am Nachmittag flott gemacht worden und der Kanal wieder frei, teilte das Bergungsunternehmen Boskalis am Montag mit. Die niederländische Firma hatte Ägypten bei der Bergung unterstützt.

Für die Freilegung des Frachters wurden demnach rund 30 000 Kubikmeter Sand weggebaggert. Auch der Kanaldienstanbieter Leth Agencies berichtete von der erfolgreichen Bergung. Trotz des Endes der Blockade könne es noch sechs Tage oder länger dauern, bis die gesamte Warteschlange abgelaufen ist, hieß es von der dänischen Reederei Maersk. Der Kanalbehörde zufolge warteten zuletzt rund 370 Schiffe auf beiden Seiten des Kanals auf Durchfahrt.

Der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtete am Montag von 450 Schiffen im Stau. Mehrere Reedereien hatten bereits begonnen, ihre Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung in Afrika zu schicken. Entsprechend volatil zeigen sich heute die Ölpreise, die bereits mehrfach das Vorzeichen gewechselt haben.

Das Schiffsunglück im Flaschenhals Suezkanal hat die Rohstoffmärkte zuletzt auf Trab gehalten und für teilweise deutliche Anstiege beim Preis für das schwarze Gold gesorgt. Zumindest dieser direkte Einflussfaktor wird nun verschwinden. Insgesamt werden die Preise wegen der Hoffnung auf einen globalen Konjunkturaufschwung sowie Drosselungen der Förderländer derzeit gestützt.

Euro etwas leichter

Der Euro fällt am Nachmittag leicht zurück auf 1,1780 US-Dollar. In der vergangenen Woche war der Euro mit 1,1761 Dollar auf den tiefsten Stand seit Anfang November gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1784 (Freitag: 1,1782) Dollar fest.Der Euro wird seit einiger Zeit durch einen aufwertenden Dollar unter Druck gesetzt. Gründe sind steigende Wachstumserwartungen in den USA und die schleppend verlaufende Impfkampagne in der EU.

Legt die Allianz nochmals nach?

Bei den DAX-Unternehmen steht die Allianz am Montag im Rampenlicht. Einem Medienbericht zufolge denkt der Versicherer über ein Gegenangebot für Hartford nach. Der US-Konzern hatte zuvor eine 23,2 Milliarden Dollar schwere Offerte des Rivalen Chubb ausgeschlagen. Strategisch wäre der Kauf von Hartford durch Allianz durchaus sinnvoll, weil der Münchener Konzern dadurch seine US-Präsenz ausbauen könne, sagte ein Börsianer. Die Übernahme könnte aber sehr teuer werden.

IPO-Krach im VW-Konzern

Im Volkswagen-Konzern gibt es Streit um einen möglichen Börsengang der Sportwagentochter Porsche. Konzernchef Herbert Diess sagte der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Samstagausgabe): "Das Thema Porsche-Börsengang hat für mich derzeit keine hohe Priorität". Selbst wenn nur ein Teil der Aktien des Sportwagenherstellers frei gehandelt werde, verliere VW einen Teil des hohen Mittelzuflusses, den Porsche für den Konzern geniere. "Im Moment spricht viel dafür, das Geld für unseren Strukturwandel zu nutzen", sagte Diess. "Eine Perle wie Porsche will man nicht aus der Hand geben.

Siemens und Daimler kooperieren bei der Digitalen Autofabrik

Die Daimler-Pkw-Tochter Mercedes-Benz und Siemens planen zusammen eine voll digitalisierte Modellfabrik für den schwäbischen Autobauer in Berlin. Das fast 120 Jahre alte Mercedes-Werk in Marienfelde soll mit dem Umbau im Wandel von konventionellen Antrieben zu klimaschonenderen Elektroautos erhalten bleiben. Der "Digital Factory Campus" werde zum Vorreiter für alle 30 Mercedes-Werke weltweit, sagte Mercedes-Produktionschef Jörg Burzer am Montag.

Daimlers "Digital Factory Campus" werde eine Blaupause dafür, wie Bandarbeiter der Motorenproduktion zu IT-Facharbeitern umgeschult würden, erklärte Burzer. Die Programmier-Plattform "Mendix" von Siemens, die ohne umfassende IT-Kenntnisse zu bedienen ist, soll ihnen das erleichtern.

Deutsche Wohnen platziert "grüne Anleihen" für eine Milliarde Euro

Der Immobilienkonzern aus dem DAX hat zwei grüne Unternehmensanleihen im Volumen von insgesamt einer Milliarde Euro am Kapitalmarkt emittiert. Die Anleihen haben eine durchschnittliche Laufzeit von 15 Jahren bei einer durchschnittlichen Verzinsung von jährlich 0,90 Prozent, wie der DAX-Konzern mitteilt. Das Orderbuch sei deutlich überzeichnet gewesen. Der Nettoemissionserlös werde zur Finanzierung grüner Projekte verwendet. Bis 2040 will das Unternehmen klimaneutral aufgestellt sein.

Hiobsbotschaft für die Autoindustrie

Der Schaden durch einen Brand in einer Chipfabrik des japanischen Renesas-Konzerns im Nordosten des Landes ist laut einer Firmensprecherin größer als zunächst erwartet. Damit droht eine Verschärfung des weltweiten Chip-Engpasses, der bereits jetzt Auto- wie Elektronikhersteller unter Druck setzt. Renesas hat bei Mikrocontrollern für die Autoindustrie einen Weltmarktanteil von 30 Prozent, zwei Drittel der in der betroffenen Fabrik produzierten Halbleiter sind für die Autoindustrie bestimmt.

Commerzbank findet neuen Chefkontrolleur

Der ehemalige Aufsichtsratschef der DZ Bank, Helmut Gottschalk, soll neuer Chefkontrolleur der Commerzbank werden. Er soll den Posten von Hans-Jörg Vetter übernehmen, der krankheitsbedingt zurückgetreten war, wie die Commerzbank am Sonntagabend mitteilte. Der Aufsichtsrat habe beschlossen, der Hauptversammlung Gottschalk als neues Mitglied vorzuschlagen und ihn unmittelbar nach der Wahl zum Vorsitzenden zu ernennen.

Westwing it viel Zuversicht für 2021

Der Online-Möbelhändler aus dem SDAX setzt sich für 2021 ehrgeizige Ziele. Der soll Umsatz bei 510 bis 550 Millionen liegen, das entspreche einem Wachstum von 18 bis 27 Prozent. Das bereinigte Ebitda soll im Gesamtjahr bei 42 bis 55 Millionen Euro liegen, das entspreche einer Marge von 8 bis 10 Prozent.

Die Ziele für 2021 liegen deutlich über dem Analystenkonsens, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens nach Börsenschluss weiter. Experten hätten beim Umsatz 490 Millionen Euro und beim bereinigten Ebitda 34 Millionen Euro auf dem Zettel gehabt. 2020 erzielte Westwing einen Umsatz von 433 Millionen Euro, bestätigte das Unternehmen. Das bereinigte Ebitda lag bei 50 Millionen Euro - hier übertrifft das Unternehmen das obere Ende seiner Prognosespanne um zwei Millionen Euro. Die Aktie legte im Späthandel zu.

Bund steigt bei Rüstungshersteller Hensoldt ein

Der Bund hat aus sicherheitspolitischen Gründen eine Sperrminorität von 25,1 Prozent am Rüstungshersteller Hensoldt gekauft. Wie die staatliche Bankengruppe KfW am Montag mitteilte, hat sie die Beteiligung im Auftrag der Bundesregierung erworben.

Die ehemalige Airbus-Radarsparte wurde im September 2020 an die Börse gebracht. Im Dezember 2020 beschloss das Bundeskabinett den Erwerb einer Sperrminorität, um den Zugriff "unfreundlicher Mächte" auf Schlüsseltechnologien wie Sensorik und Verschlüsselungstechnik für den militärischen Einsatz zu verhindern. Hensoldt liefert Bauteile unter anderem für den Kampfjet Eurofighter sowie dessen geplanten Nachfolger, das europäische FCAS-Projekt mit bemannten und unbemannten Flugzeugen.

Deutsche Beteiligungs AG erhöht Prognose

Nach einer Prognoseerhöhung sind Papiere des SDAX-Absteigers Deutsche Beteiligungs AG gefragt. Das Unternehmen stellt für das laufende Geschäftsjahr ein Konzernergebnis von 70 bis 80 statt 40 bis 45 Millionen Euro in Aussicht. Jefferies-Experte Analyst Tom Mills stockte daraufhin sein Kursziel auf 47 Euro auf.

Über dieses Thema berichtete am 29. März 2021 B5 aktuell um 09:43 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.