Covid19-Virus
Marktbericht

DAX fällt zurück Corona-Ängste lasten auf der Börse

Stand: 21.12.2020 22:33 Uhr

Ein neu mutiertes Coronavirus ist so manchem Börsenbullen heute kräftig in die Parade gefahren. Alte Konjunkturängste kamen wieder hoch, der DAX musste Federn lassen. Die Wall Street hielt sich besser.

Von Robert Minde, tagesschau.de

An der New Yorker Weltleitbörse haben sich die Anleger im Handelsverlauf von anfänglich stärkeren Corona-Sorgen gelöst. Allerdings reichte es nicht mehr zu größeren Bewegungen, dazu saß der anfängliche Schock dann doch zu tief.

Viele Investoren machten nach den jüngsten Rekordständen Kasse: "Gewinnmitnahmen spielen dabei eine Rolle", sagte Robert Pavlik, Portfoliomanager bei Dakota Wealth, und ergänzte: "Die Menschen werden wegen der neuen Variante nervös."

Dow Jones schafft es noch ins Plus

Der Leitindex Dow Jones beendete den Handel bei 30.216 Punkten und verbuchte damit sogar noch einen moderaten Tagesgewinn von 0,1 Prozent. Im Tagestief war der Dow bis auf 29.755 Zähler gefallen, ehe er sich danach erholte. Unterstützung gab es dabei von Indexmitglied und Adidas-Konkurent Nike, dessen Zahlen vom Freitagabend nach Börsenschluss heute von der Börse gewürdigt wurden. Die Aktie legte deutlich zu und gehörte zu den größten Gewinnern.

Auch Bankaktien waren bei den Standardwerten gefragt, nachdem der Kongress das sehnlichst erwartete Konjunkturprogramm der Regierung im Volumen von rund 900 Milliarden Dollar am Wochenende endlich auf den Weg gebracht hat. Goldman Sachs legten als Tagessieger über sechs Prozent zu.

Die anderen großen US-Aktienindizes schlossen im Minus. An der Technologiebörse Nasdaq verloren der Nasdaq 100-Auswahlindex 0,38 Prozent auf 12.690 Punkte, der Composite-Index gab leicht 0,1 Prozent nach. Der marktbreite Benchmarkindex S&P-500 gab 0,4 Prozent nach und ging bei 3.694 Punkten aus dem Handel.

DAX tief in der roten Zone

Mit einem kräftigen Tagesverlust von 2,8 Prozent oder fast 400 Punkten ist der deutsche Leitindex DAX schwach in die verkürzte Weihnachtswoche gestartet. Zum Handelsschluss stand ein Schlussstand von 13.246 Punkten auf der Anzeigetafel der Frankfurter Wertpapierbörse.

Grund war die plötzliche und heftige Rückkehr der Corona-Sorgen, nachdem aus Großbritannien über eine Corona-Mutation berichtet wurde, die angeblich zu einer noch schnelleren Infizierung führt als das bisherige Virus.

Lockdown-Ängste wieder auf der Agenda

Solche Nachrichten sind bekanntlich Gift für den Aktienmarkt, schüren sie doch altbekannte Ängste und Unsicherheiten der Investoren. Die Anleger befürchten weitere Lockdown-Maßnahmen der Regierungen mit ihren unberechenbaren ökonomischen Folgen.

Das Unbehagen wurde zudem durch die Entscheidungen der meisten europäischen Regierungen verstärkt, den Passagier-Flugverkehr zwischen der EU und Großbritannien zunächst auszusetzen. Angesichts dieser unklaren Lage zogen sich die Anleger heute in größerem Stil vom Markt zurück.

"Unsere größte Sorge ist, dass die Mutation schon jetzt auf dem Kontinent außer Kontrolle ist, was den Druck auf das Gesundheitssystem erhöht und noch strengere Lockdowns zu höheren wirtschaftlichen Kosten erfordert", sagte Gilles Moec, Chefvolkswirt bei Axa Investment Managers.

Auch die Empfehlung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA, den Biontech/Pfizer-Impfstoff zuzulassen, sowie ein besser als erwartet ausgefallenes Dezember-Verbrauchervertrauen in der EU halfen nicht.

Nur Verlierer im DAX

Im DAX schlossen alle 30 Titel im Minus. Lediglich der als Corona-Gewinner geltende Online-Essenslieferant Delivery Hero lag zwischenzeitlich über dem Strich und hielt sich als Tagesgewinner mit einem nur leichten Verlust deutlich besser als der Gesamtmarkt.

Ansonsten gingen die Verluste quer durch alle Branchen. Auch Bayer tendierte schwach. Stärkster Verlierer waren Fresenius nach einem Zukauf, der bei den Anlegern nicht gut ankam.

Zulassung für Biontechs und Pfizers Impfstoff

Thema des Tages bei den Einzelaktien war aber die Zulassung des Covid-Impfstoffs von Biontech und Pfizer. Diese war erwartet worden. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittelbehörde EMA empfahl am Montag eine bedingte Zulassung. Diese kam am Abend von der Europäischen Kommission.

Das Vakzin ist damit der erste in der Europäischen Union zugelassene Covid-19-Impfstoff. In Europa hat Großbritannien bereits eine Notfallgenehmigung erteilt, in der Schweiz erhielt der Impfstoff am Samstag eine bedingte Marktzulassung. Außerhalb Europas haben schon die USA und Kanada mit Massenimpfungen begonnen. Biontech-Chef Ugur Sahin zeigte sich zuversichtlich, dass der Impfstoff seiner Firma auch mit der Großbritannien nachgewiesenen neuen Virus-Variante funktionieren wird.

Weiter kein Brexit-Durchbruch

Bei den seit Monaten anhaltenden Brexit-Verhandlungen ist nach Darstellung des britischen Premierministers Boris Johnson weiter keine Einigung in Sicht. "Es gibt Probleme", sagte Johnson vor Journalisten. Knackpunkt sind und bleiben die Fischereirechte.

Die Unterhändler beider Seiten führten zwar am Montag in Brüssel die Gespräche über ein Handelsabkommen fort, doch das EU-Parlament erklärte die rechtzeitige Ratifizierung eines möglichen Deals für nicht mehr machbar. Die Devisenexperten der Commerzbank betonten zudem, dass "die Brexit-Verhandlungen am Sonntag mal wieder eine Deadline verpasst haben".

Pfund fährt Achterbahn

Am Devisenmarkt stand heute das britische Pfund bei volatilem Handel besonders im Interesse der Marktteilnehmer.

Die neue Corona-Lage und die erfolglosen Brexit-Verhandlungen forderten zunächst ihren Tribut und drückten den Kurs im Tief unter die Marke von 1,32 Dollar. Aber am Abend hat sich das Sterling wieder erholt und wird wieder deutlich über 1,34 Dollar gehandelt. Die Hoffnung auf eine Brexit-Einigung in letzter Minute hat zuletzt immer wieder spekulativ für Aufwind bei der britischen Währung gesorgt.

Die Corona-Ängste trieben die Anleger anfangs wieder in den sicheren Hafen US-Dollar, was den Euro zunächst unter die Marke von 1,22 Dollar drückte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2173 (Freitag: 1,2259) US-Dollar fest. Ähnlich wie beim Pfund überwand der Euro aber am Abend seine Schwäche und ist bei 1,2229 Dollar wieder bei alter Stärke angekommen.

Ölpreise massiv unter Druck

Die Corona-Krise machte sich auch an den Rohstoffmärkten bemerkbar. Der Preis für die Nordseesorte Brent rutschte zeitweise sogar unter die Marke von 50 Dollar, da offenbar viele Investoren ihre Positionen angesichts der aktuellen Corona-Entwicklungen vor den Feiertagen lieber glattstellten. Erst in der vergangenen Woche hatten die Ölpreise ihre höchsten Stände seit über einem Dreivierteljahr markiert.

Russland will derweil trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes sich offenbar für eine weiter Erhöhung der Fördermenge durch die in der Opec+ zusammengeschlossenen 23 Ölförderländer aussprechen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur 'Bloomberg' unter Verweis auf informierte Kreise. Die Fördermenge soll demnach im Februar erneut um 500 000 Barrel je Tag ausgeweitet werden.

Gold nur kurzzeitig gesucht

Dagegen war der sichere Hafen Gold am Montag nur kurzzeitig gesucht. Der Preis für die Feinunze Gold tendiert am frühen Abend etwas leichter bei 1875 Dollar.

Curevac startet noch eine Studie

Positive Nachrichten für die Märkte gibt es zu Wochenbeginn derweil einmal mehr von der Impfstoff-Front. So will das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac seinen Covid-19-Impfstoffkandidaten ab Dienstag zusätzlich zur bereits laufenden globalen Zulassungsstudie in einer klinischen Phase 3-Studie an mehr als 2500 Mitarbeitern im Gesundheitswesen der Universitätsmedizin Mainz testen.

Mega-Fusion von Fiat Chrysler und PSA genehmigt

Die EU-Wettbewerbsbehörde hat die über 30 Milliarden Euro schwere Fusion des italienisch-amerikanischen Autobauers Fiat Chrysler mit dem französischen Rivalen PSA genehmigt. Nach den jüngsten Zugeständnissen der Beteiligten war die Billigung des Zusammenschlusses durch Europäischen Kommission keine große Überraschung mehr. So wollen die beiden Konzerne, die zusammen den weltweit viertgrößten Autobauer Stellantis bilden werden, unter anderem ihre Ersatzteil- und Reparaturnetzwerke für Konkurrenten öffnen.

Übernahmeangebot für Tele Columbus

Ein Übernahmeangebot für Tele Columbus treibt den bereits zuletzt stark gestiegenen Kurs der Aktie noch weiter in die Höhe. Die Kublai GmbH will den Kabelnetzbetreiber für 3,25 Euro je Aktie übernehmen, wie Tele Columbus am Montag mitteilte. Bei der Bieterin handelt es sich um einen Infrastrukturfonds der US-Investmentbank Morgan Stanley.

Fresenius übernimmt Kinderwunschklinik-Kette

Der Gesundheitskonzern Fresenius übernimmt die Kinderwunschklinik-Kette Eugin. Die Fresenius-Krankenhaus-Tochter Helios steigt damit nach eigenen Angaben zu einem der führenden internationalen Anbieter in der Reproduktionsmedizin auf. Zu Eugin gehören 31 Kliniken und 34 weitere Standorte in weltweit neun Ländern. Fresenius bietet bereits Kinderwunsch-Behandlungen in einzelnen Krankenhäusern und ambulanten Zentren in Deutschland, Spanien und Lateinamerika an.

Zulassung für Nestlé-Mittel gegen Erdnussallergie

Gute Nachrichten für Erdnuss-Allergiker: Das Mittel Palforzia der Nestlé-Tochterfirma Aimmune Therapeutics ist in der EU zur Behandlung von Erdnussallergie zugelassen worden. In den USA ist Palforzia bereits auf dem Markt. Der Schweizer Lebensmittel-Weltmarktführer, der Aimmune erst im August für rund zwei Milliarden Dollar vollständig übernommen hat, traut dem Präparat Milliardenumsätze zu.

Lufthansa Cargo rechnet mit vielen Impfstoffflügen

Die Frachtfluglinie Lufthansa Cargo stellt sich auf den Transport von großen Mengen tiefgekühlter Corona-Impfstoffe ein. Einer Sprecherin zufolge rechnet das Unternehmen in den kommenden Tagen und Wochen mit entsprechenden Transportaufträgen.

Vom Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer könne ein Frachtflugzeug rund eine Million Dosen transportieren, hieß es. Flugzeuge dürften aus Sicherheitsgründen nur beschränkte Mengen Trockeneis befördern. Dadurch sei auch die Kapazität für den Impfstoff an Bord begrenzt.

Tabula rasa im MDAX und SDAX

Heute treten die Index-Änderungen der Deutschen Börsen in Kraft. Siemens Energy ist jetzt Mitglied im MDAX. Weichen muss dafür der Leasinganbieter Grenke. Neu im SDAX sind neben Grenke der Onlinebroker Flatex, der Rüstungselektronikhersteller Hensoldt, die Online-Möbelhändler Home24 und Westwing, der Biodieselhersteller Verbio und der Autozulieferer ElringKlinger. Im DAX bleibt hingegen alles beim Alten.

Elon Musk befeuert Bitcon-Hype

Die Digitalwährung Bitcoin steigt über die Schwelle von 24.000 Dollar und notiert mit rund 24.300 Dollar zeitweise über sechs Prozent höher, bevor sie einen Teil der Gewinne wieder abgibt. Allein in der vergangenen Woche war der Bitcoin-Kurs um rund ein Fünftel gestiegen.

Wenn auch noch Elektroauto-Pionier Elon Musk auf Twitter über die Möglichkeiten diskutiert, das Firmenvermögen von Dollar in Bitcoin umzuwandeln, dann ist der Grundstein für die nächste Bitcoin-Rally schon gelegt.

Lockheed Martin auf Weltraum-Kurs

Das All ruft - und seinem Ruf folgt nicht nur Elon Musk mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX, sondern auch Lockheed Martin. Der US-Rüstungs- und Technologiekonzern baut mit dem Kauf des US-Raketentriebwerkherstellers Aerojet Rocketdyne für 4,4 Milliarden Dollar sein Raumfahrtprogramm aus. Nach Unternehmensangaben fließen 56 Dollar pro Rocketdyne-Aktie, was einem Aufschlag von 33 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag entspricht.

Erste Impfungen mit Moderna-Impfstoff in Amerika gestartet

In den USA haben am Montag die ersten Menschen den Corona-Impfstoff des US-Unternehmens Moderna verabreicht bekommen. Der Fernsehsender CNN zeigte, wie Impfdosen in einem Krankenhauses in Houston im Bundesstaat Texas verabreicht wurden. Die Vereinigten Staaten sind das weltweit erste Land, in dem der Stoff abseits von Tests regulär zum Einsatz kommt.

Der Moderna-Impfstoff hatte am Freitag eine Notzulassung bekommen. In Testreihen hatte er eine Wirksamkeit von rund 94 Prozent. Rund 30 000 Studienteilnehmer hatten nur geringe Nebenwirkungen gezeigt. Es ist nach dem Impfstoff von Biontech/Pfizer das zweite Präparat, das in den USA im Einsatz ist.

Nike boomt in der Krise

Analysten sind verblüfft: Der weltgrößte Sportartikelhersteller Nike hat in der Corona-Pandemie überraschend stark von boomenden Verkäufen im Internet profitiert. Im zweiten Geschäftsquartal schnellten die Erlöse im Online-Geschäft um 84 Prozent in die Höhe, wie Nike am Freitag nach US-Börsenschluss mitteilte. Insgesamt legte der Umsatz des Adidas-Rivalen um neun Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar zu. Unterm Strich stieg der Nettogewinn um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Die Aktie legt an der Nyse deutlich zu.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.