Schild in den USA wirbt um Bewerbungen für offene Jobs | AFP
Marktbericht

Rekorde auf breiter Front Jobdaten beflügeln die US-Börsen

Stand: 05.11.2021 21:27 Uhr

Eine spannende Börsenwoche endete in New York so, wie sie begonnen hatte - mit Kursgewinnen und Rekorden. Auch der DAX blieb im Aufwind und markierte neue Bestmarken.

An der New Yorker Aktienbörse ist es auch zum Wochenschluss weiter bergauf gegangen. Dabei markierten alle großen Indizes neue Bestmarken, konnten die hohen Niveaus am Ende aber nicht halten. Positive Impulse lieferten vor allem der monatliche US-Arbeitsmarktbericht und die Aussicht, dass der Pharmakonzern Pfizer im Corona-Kampf offenbar eine wirksame Pille testet.

Nachdem zuletzt die Technologiebörse Nasdaq das Tempo vorgegeben hatte, war es heute der Leitindex Dow Jones, der am besten abschnitt. Er legte 0,56 Prozent zu und ging bei 36.327 Punkten aus dem Handel. In der Spitze markierte der Index bei 36.484 Punkten seinen Rekordstand. Er gewann damit im Wochenvergleich 1,4 Prozent.

Im frühen Geschäft hatte auch die zuletzt sehr gut gelaufene Nasdaq noch neue Rekordstände erzielt, ehe der Schwung dann aber nachließ. Der Composite-Index schloss bei 15.971 Punkten, ein letztlich moderater Tagesgewinn von 0,2 Prozent. Zuvor hatte der Index aber erstmals die Marke von 16.000 Punkten überschritten und war in der Spitze bis auf 16.053 Zähler angestiegen.

Der Auswahlindex Nasdaq 100 legte bis auf 16.454 Punkte zu und endete bei 16.359 Zählern leicht Plus. Der marktbreite S&P 500-Index überwand erstmals die Marke von 4.700 Punkten und legte im Hoch bis auf 4718 Punkte zu. Der Schlussstand lag bei 4697 Punkten um 0,37 Prozent höher.

Am Wochenende wird auch in den USA die Uhr eine Stunde zurückgestellt auf Winterzeit. Der Wall-Street-Schluss ist dann nach unserer mitteleuropäischen Zeit wieder um 22:00 Uhr.

Überraschend viele neue Stellen

Thema des Tages waren die im Vorfeld wie stets mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten. Konkret hat die größte Volkswirtschaft der Welt im vergangenen Monat 531.000 neue Jobs geschaffen. Damit sank die Arbeitslosenquote im Oktober um 0,2 Punkte auf 4,6 Prozent, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Die Zahlen übertrafen die Erwartungen von Analysten, die mit rund 400.000 neuen Jobs gerechnet hatten. Die Zahlen sind auch deutlich besser als die vom September: Im vorvergangenen Monat waren 312.000 neue Jobs geschaffen worden.

Die Arbeitsmarktlage in den Vereinigten Staaten verbessere sich weiter deutlich, erklärte der Helaba-Experte Ralf Umlauf. Die tiefe Arbeitslosenquote und die zunehmende Knappheit am Arbeitsmarkt seien in Verbindung mit dem Lohnanstieg aber kritisch für die Geldpolitik der US-Notenbank zu sehen, so Umlauf. "Die Zinserhöhungserwartungen könnten wieder Fahrt aufnehmen, ungeachtet der Beteuerungen der Fed, dass die Zeit für Zinserhöhungen noch nicht reif sei."

Fed-Chef Jerome Powell hatte immer wieder, zuletzt auf der jüngsten Sitzung der US-Notenbank, die Weigerung der Geldhüter, über Zinserhöhungen auch nur nachzudenken, mit dem Verweis auf den Arbeitsmarkt begründet, der von Vollbeschäftigung noch weit entfernt sei. Für die US-Konsumwirtschaft ist es extrem wichtig, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt wieder entspannt, denn der Konsum steht für rund 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes.

Bekommt Powell eine zweite Amtszeit?

Apropos Jerome Powell: Präsident Joe Biden hat einem Insider zufolge noch keine Entscheidung über die Nachfolge von Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank getroffen. Damit sei aber schon bald zu rechnen, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Powell und die Fed-Direktorin Lael Brainard seien am Donnerstag im Weißen Haus gesichtet worden, sagte der Insider.

US-Notenbankchef Jerome Powell | REUTERS

US-Notenbankchef Jerome Powell Bild: REUTERS

Powells vierjährige Amtszeit läuft im Februar 2022 aus. Der Jurist und ehemalige Investmentbanker hatte den Fed-Chefposten im Februar 2018 von seiner Vorgängerin, der jetzigen Finanzministerin Janet Yellen, übernommen. Brainard gilt als mögliche Kandidatin für den Chefposten, sollte Powell keine zweite Amtszeit erhalten.

Pfizer nach Covid-Medikament stark gefragt

Aktien des Pharma-Multis und BioNTech-Partners Pfizer waren heute ebenfalls ein großes Thema an der Wall Street. Sie legten in New York kräftig um 10,86 Prozent zu. Der Grund: Ein Corona-Medikament des Konzerns hat sich in einer Studie als sehr effektiv erwiesen. Das Risiko, wegen Corona ins Krankenhaus zu müssen oder zu sterben, habe sich durch die Einnahme des Mittels bei Erwachsenen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer ernsthaften Covid-19-Erkrankung um 89 Prozent verringert, teilte Pfizer mit. Den vorläufigen Ergebnissen zufolge ist die Pille damit wirksamer als das Medikament Molnupiravir des US-Rivalen Merck, das in ähnlichen Tests das Risiko halbiert hatte.

"Diese Daten deuten darauf hin, dass unser oraler antiviraler Arzneimittelkandidat, wenn er von den Behörden zugelassen wird, das Potenzial hat, das Leben von Patienten zu retten, den Schweregrad von Covid-19-Infektionen zu verringern und bis zu neun von zehn Krankenhausaufenthalten zu vermeiden", sagte Pfizer-Chef Albert Bourla. Der Konzern will die Produktion nun hochfahren.

Gestern hatte auch Konkurrent Merck & Co. eine Corona-Pille angekündigt. Die Kurse der Impfstoffhersteller BioNTech und Moderna gaben im Gegenzug deutlich nach.

DAX bleibt im Aufwind

Zum Wochenschluss stand das Geschehen am deutschen Aktienmarkt mal wieder ganz im Zeichen der US-Märkte. Sehr robuste Oktoberdaten vom US-Arbeitsmarkt wurden auch von den Anlegern hierzulande positiv aufgenommen und verhalfen dem DAX am Nachmittag zunächst zu weiteren Kursgewinnen. Das Tageshoch lag bei 16.084 Punkten, ein weiterer Rekordwert, mit dem der deutsche Leitindex die erst gestern markierte Bestmarke von 16.064 Punkten leicht übertraf.

Das Niveau konnte der Index aber nicht ganz halten, denn im weiteren Handelsverlauf nahmen die Anleger doch noch vereinzelt Gewinne mit; ein nicht ungewöhnliches Verhalten nach der jüngsten Hausse von über 1200 Punkten seit Anfang Oktober. Am Ende stand ein leichter Tagesgewinn von 0,2 Prozent auf 16.054 Punkte. Auf Wochensicht hat der DAX damit rund 2,3 Prozent zugelegt. Kein Thema an der Börse waren erneut die stark gestiegenen Corona-Zahlen.

Die Tendenz zu Gewinnmitnahmen spiegelte sich auch besonders beim Blick auf die Einzeltitel, wo die Gewinner der jüngsten Hausse heute die größten Verlierer waren. Tagesverlierer Sartorius, Merck oder Hellofresh gaben deutlich nach. Dafür zogen Airbus und der Triebwerksbauer MTU deutlich an und standen an der DAX-Spitze. Im MDAX gehörten Lufthansa-Papiere zu den größten Gewinnern. Aus der ganzen Reise- und Freizeitbranche kamen heute gute Nachrichten über steigende Buchungszahlen, zudem wirkten die guten Quartalszahlen beim "Kranich" noch nach.

Euro auf Berg- und Talfahrt

Der Euro präsentierte sich heute volatil. Nach der Veröffentlichung wichtiger Konjunkturdaten sackte die Gemeinschaftswährung deutlich auf bis zu 1,1513 Dollar ab, erholte sich danach aber wieder. Im US-Handel kostet sie 1,1566 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1519 (Donnerstag: 1,1569) US-Dollar fest.

Der Euro steht derzeit vor allem wegen eines aufwertenden US-Dollars unter Druck. Auch andere größere Währungen wie der australische Dollar verloren gegenüber der US-Währung. Zusätzliche Belastung kam durch schwache Konjunkturdaten aus Deutschland.

Unter anhaltendem Druck steht derweil das britische Pfund. Am Vortag hatte die Entscheidung der britischen Notenbank, den Leitzins entgegen Spekulationen unter Anlegern nicht zu erhöhen, die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt. Das Pfund war stark unter Druck geraten, am britischen Kapitalmarkt gaben die Renditen kräftig nach. Analysten kritisierten die Kommunikation der Bank of England, die vor der Zinssitzung Erwartungen in Richtung höherer Leitzinsen geweckt hatte.

Ölpreise ziehen an, Rückenwind von OPEC+

Die Ölpreise sind zum Wochenschluss wieder im Aufwind und legen stärker zu. Rohstoffexperten von Goldman Sachs erwarten in den kommenden Wochen stärkere Preisschwankungen am Ölmarkt. Nach Einschätzung der US-Investmentbank bleibt der Markt unterversorgt.

Bereits im Verlauf der Woche kam es mehrfach zu stärkeren Preisschwankungen, wobei sich die Ölpreise auf einem vergleichsweise hohen Niveau bewegen. In der vergangenen Woche hatten die Notierungen mehrjährige Höchststände erreicht. Rückenwind für die Ölpreise kommt derzeit insbesondere von der zurückhaltenden Förderpolitik des Ölverbunds OPEC+.

Stockende Bitcoin-Rally als Warnsignal?

Der Bitcoin bewegt sich laut der Plattform CoinMarketCap bei rund 61.000 Dollar und ist damit ins Minus gedreht. Ethereum fällt ebenfalls leicht unter 4500 Dollar. Die Nummer Eins und Zwei unter den Kryptowährungen bleiben damit in Reichweite zu ihren vor kurzem markierten Rekordhochs.

Dass der Bitcoin aber im Zuge der aktuellen Aktienmarktrally seine Bestmarke bei 67.000 Dollar nicht übertreffen konnte, sehen Marktbeobachter wie Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest als Warnsignal für die Aktienmärkte. Schließlich hatte der Bitcoin häufig den Charakter eines vorlaufenden Indikators für die großen Aktienindizes.

Telekom will Millionen Glasfaseranschlüsse mehr verlegen

Die Deutsche Telekom gründet für einen schnelleren Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland ein Joint-Venture mit dem Infrastrukturinvestor IFM aus Australien. Ziel ist es, bis 2028 vier Millionen zusätzliche gigabitfähige Anschlüsse bis zum Haus (Fiber tot he Home - FTTH) im ländlichen Raum und in Fördergebieten zu errichten. Das Gemeinschaftsunternehmen wird mit 1,8 Milliarden Euro bewertet.

BMW-Werk Leipzig führt 35-Stunden-Woche ein

Die Arbeitszeiten im BMW-Werk Leipzig werden an die der bayerischen Werke angeglichen. "Bis 2026 wird die reguläre wöchentliche Arbeitszeit in drei Schritten um jeweils eine Stunde auf 35 Stunden reduziert", teilten Unternehmen und Betriebsrat mit. "Um die Produktionskapazitäten weiter auf Niveau zu halten, werden bis 2026 zusätzlich 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt."

Streit bei VW geht weiter

Der Betriebsrat von Volkswagen hat Vorstandschef Herbert Diess Versäumnisse bei der Umsetzung der Konzernstrategie vorgeworfen. Diess habe zwar die richtige Strategie formuliert, sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo in einem am Freitag veröffentlichten Gespräch mit dem "Handelsblatt".

"Jetzt aber geht es darum, sie umzusetzen. Und da merken wir schon, dass gewisse Themenfelder markenübergreifend nicht reibungsfrei umgesetzt werden", kritisierte Cavallo. Bei einem Unternehmen mit vielen Marken sei es Aufgabe des Konzernvorstands, dafür zu sorgen, dass diese besser zusammenarbeiteten.

Unterstützung bekam Diess von Hauptaktionär Porsche SE, über den die Familien Porsche und Piech gut 53 Prozent an Volkswagen halten. "Die Familien Porsche und Piech stehen weiterhin hinter Herrn Diess. An ihrer Position hat sich nichts geändert", sagte der Sprecher der Holding auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters.

Gaspreise geben Uniper Schwung

Die hohen Energiepreise schieben die Geschäfte des Energiekonzerns Uniper an. Der bereinigte Konzernüberschuss zog im dritten Quartal um mehr als die Hälfte an auf nun 487 Millionen Euro. Die Aktie stieg auf ein Rekordhoch.

Varta-Aktie bricht nach Zahlen ein

Im MDAX waren Varta-Aktien mit einem Minus von rund 15 Prozent die mit Abstand größten Verlierer. Der Batteriehersteller bekommt Produktionsausfälle bei einigen Kunden zu spüren, die unter Corona-Lockdowns und Materialengpässen leiden. Vor allem aber der triste Umsatzausblick für 2022 und 2023 sorgte bei den Anlegern für Enttäuschung.

United-Internet-Chef schielt auf Aktienmehrheit

United-Internet-Chef Ralph Dommermuth will seinen Anteil an dem Internetkonzern auf etwas mehr als die Hälfte aufstocken. Dommermuth prüft, ob er über eine existierende oder neu zu gründende von ihm beherrschte Gesellschaft ein freiwilliges Erwerbsangebot für 17 Millionen United-Internet-Aktien zu 35 Euro das Stück abgibt.

GoPro mit größtem Kurssprung seit sechs Monaten

Ein Quartalsergebnis über Markterwartungen beschert GoPro den größten Kurssprung seit einem halben Jahr. Aktien des Anbieters von Action-Kameras stiegen um fast acht Prozent. Der Gewinn lag mit 0,34 Dollar je Aktie fast doppelt so hoch wie prognostiziert.

British-Airways-Mutter IAG baut auf US-Geschäft

Die British-Airways-Mutter IAG ist im Sommer trotz der Erholung des Flugverkehrs tief in den roten Zahlen geblieben. Für das Gesamtjahr rechnet das Management jetzt mit einem operativen Verlust von etwa drei Milliarden Euro. Konzernchef Luis Gallego baut nun auf die Öffnung der USA für Reisende aus Europa, die ab Montag gilt.

Peloton - Absturz eines Corona-Gewinners

Beim Fitnessgeräte-Spezialisten Peloton ist der Corona-Boom endgültig vorbei. Das Unternehmen hat seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr drastisch zusammengestrichen. Anleger reagieren schockiert, die Aktie verlor rund 35 Prozent.

Airbnb mit Rekordquartal

Der Apartment-Vermittler Airbnb hat die Corona-Krise abgeschüttelt und sein bislang umsatzstärkstes und profitabelstes Vierteljahr verbucht. Der Nettogewinn betrug 834 Millionen Dollar und fiel somit 280 Prozent höher aus als vor einem Jahr.

Uber wächst kräftig bei hohen Verlusten

Nach dem Einbruch in der Corona-Pandemie erholt sich das Geschäft beim Taxi-Konkurrenten Uber weiter. Im dritten Quartal steigerte das Unternehmen die Erlöse im Jahresvergleich um 72 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar. Unterm Strich fiel dennoch ein Verlust von 2,4 Milliarden Dollar an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. November 2021 um 07:35 Uhr.