Händler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

Leichte Gewinne Solo-Wochenstart geglückt

Stand: 17.01.2022 21:56 Uhr

Ohne die Wall Street ist ein Börsentag nicht komplett. Insofern sollte man das Abschneiden des DAX nicht überinterpretieren. Die Wochentendenz wird wohl vom Fortgang der Berichtssaison bestimmt.

In den Vereinigten Staaten wird heute der Martin Luther King Day begangen, so dass die US-Börsen geschlossen blieben. Den europäischen Märkten blieb nur die Hinterlassenschaft von Freitag als Orientierung, die eher dürftig war. Denn die Berichtssaison zum vierten Quartal begann mit einem Fehlstart. Am Freitag hatten die Zahlen der beiden US-Großbanken JPMorgan Chase und Citigroup die Erwartungen enttäuscht.

Dennoch konnte der DAX zum Schluss des XETRA-Handels ein Plus von 0,3 Prozent behaupten. Auch die wichtige Unterstützungszone um 15.800 Punkten war nicht ernsthaft in Gefahr.

Das Thema steigender Zinsen wird den Markt voraussichtlich das ganze Jahr über begleiten und die derzeitigen Zinserwartungen dürften weitgehend in den Kursen enthalten sein. Aber auch das Thema Ukraine ist weiterhin kein Anlass, ins Risiko zu gehen. Immerhin laufen die diplomatischen Bemühungen auf Hochtouren, was die Märkte derzeit zufriedenstellt.

Für die nächsten Tage dürfte der Fortgang der Berichtssaison zum vierten Quartal in den USA eine wichtige Rolle spielen. Dabei wird entscheidend sein, ob die Unternehmen die Gewinnerwartungen des Marktes erfüllen können und wie ihre Ausblicke auf das laufende Jahr ausfallen.

Euro und Gold mit leichten Gewinnen

Die europäische Gemeinschaftswährung hat am frühen Nachmittag die Marke von 1,14 Dollar wieder erobert und notiert am späten Abend noch leicht darüber. Die Feinunze Gold kostet rund 1818 Dollar und legt damit ebenfalls leicht zu.

Ölpreise ziehen wieder an

Am Nachmittag nahm der Ölmarkt wieder Schwung auf. Am Abend kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 86,40 Dollar, was nur noch knapp unter seinem höchsten Stand seit dem Jahr 2014 liegt. Zuletzt hatten Produktionsausfälle in größeren Förderländern wie Libyen und der schwächere Dollar die Ölpreise getrieben. Zudem zeigte sich die Nachfrage trotz der Omikron-Welle relativ robust. "Letzten Endes kommt es darauf an, ob die OPEC+ in der Lage ist, die von ihr versprochene Erhöhung um 400.000 Barrel pro Tag jeden Monat zu erreichen. Die Anzeichen deuten darauf hin, dass dies nicht so einfach ist und die Gruppe nach einer Zeit der Unterinvestitionen und Ausfälle ihre Ziele weit verfehlt. Dies dürfte den Ölpreis weiter stützen", so Craig Erlam vom US-Broker Oanda.

Moderna arbeitet an Kombi-Impfstoff

Moderna rechnet bis zum Frühjahr mit einem an die Omikron-Variante angepassten Covid-Impfstoff. Das Unternehmen hoffe, im März Daten aus der klinischen Entwicklung zu haben, die man mit den Aufsichtsbehörden teilen könne, sagte Vorstandschef Stephane Bancel anlässlich einer virtuellen Tagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) Davos.

Damit setzt sich das US-Biotechunternehmen einen ähnlichen Zeitplan wie BioNTech und Pfizer, die einen an Omikron angepassten Impfstoff bis Ende März bereitstellen wollen. Moderna entwickelt außerdem einen Impfstoff, der eine Auffrischimpfung gegen Covid-19 mit einer Grippeimpfung kombiniert. Bancel sagte, das beste Szenario gehe davon aus, dass der kombinierte Covid/Grippe-Impfstoff zumindest in einigen Ländern bis Herbst 2023 verfügbar sein wird. "Unser Ziel ist es, eine einzige jährliche Auffrischung zu haben." Damit könnte man das Problem umgehen, zwei bis drei Impfungen pro Winter verabreichen zu müssen.

Siemens verkauft Straßenverkehrs-Tochter

Am frühen Abend teilte Siemens mit, dass es den Anbieter von Straßenverkehrstechnik Yunex Traffic für 950 Millionen Euro an den italienischen Infrastrukturkonzern Atlantia verkauft. Das von der Milliardärsfamilie Benetton beherrschte Unternehmen zahlt nach einem internationalen Bieterwettbewerb weit mehr als die 700 bis 850 Millionen Euro, die Siemens sich ursprünglich erhofft hatte. Der DAX-Konzern hatte Yunex mit mehr als 3000 Mitarbeitern und gut 600 Millionen Euro Umsatz mit Blick auf einen Verkauf ausgegliedert. Atlantia war 2018 durch den Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua, die zum Netz ihrer Autobahn-Tochter ASPI gehörte, in negative Schlagzeilen geraten. Nach dem erzwungenen Verkauf von ASPI für 9,5 Milliarden Euro setzt das Unternehmen verstärkt auf verwandte Geschäftsfelder wie intelligente Verkehrslösungen. Mit seinen Maut- und Verkehrsbeeinflussungssystemen passt Yunex in dieses Profil.

Frankfurter Flughafen 2021 im Aufschwung

Der Frankfurter Flughafen ist im Jahr 2021 ein Stück aus seinem Corona-Tief herausgekommen. Dank der gestiegenen Reisenachfrage im Sommer und der Öffnung der USA im Herbst zählte Deutschlands größter Flughafen im Gesamtjahr rund 24,8 Millionen Passagiere und damit fast ein Drittel mehr als im ersten Corona-Jahr 2020, wie der Betreiberkonzern Fraport mitteilte.

Goldman setzt auf Varta

Wenn Aktionäre bestimmte Schwellen bei gängigen Aktien erreichen, müssen sie das dem Unternehmen mitteilen, das dann die Öffentlichkeit informiert. Eine solche Mitteilung kam nun von Varta. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hält nun 5,02 Prozent an dem Batterie-Hersteller. Der MDAX-Titel war dadurch am Morgen beflügelt worden.

S&T-Aktie auf Erholungskurs

Die Aktie von S&T erholte sich im SDAX deutlich. Das österreichische IT-Dienstleister hat einen zuversichtlichen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2022 gegeben. Nach Vorwürfen des Finanzinvestors Viceroy Research war das Papier Mitte Dezember bis auf 12,36 Euro eingebrochen und tut sich seither schwer mit der Stabilisierung.

Microsoft: Cyberattacke auf die Ukraine?

Sicherheitsforscher von Microsoft haben auf Dutzenden Computern in der Ukraine neue Schadsoftware entdeckt, die sie unbrauchbar machen könnte. Das Programm tarne sich zwar als ein Erpressungstrojaner, sei aber in Wirklichkeit dafür gedacht, auf Befehl des Angreifers Daten zu zerstören. Die Software sei unter anderem auf Computern von Regierungsbehörden und IT-Spezialisten gefunden worden, so Microsoft.

GlaxoSmithKline lehnt Milliardengebot von Unilever ab

Der britische Pharmahersteller GlaxoSmithKline (GSK) hat ein etwa 60 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für seine Konsumgütersparte mit Marken wie Sensodyne oder Otriven als zu niedrig zurückgewiesen. Die Offerte des Unilever-Konzerns sei nicht im besten Interesse der Aktionäre, teilte GSK mit. Allerdings scheint der Milliardenpoker in die nächste Runde zu gehen. Unilever will nicht locker lassen, und Insidern zufolge ist Glaxo bei einem höheren Gebot bereit für Gespräche.

Cheplapharm plant Börsengang

Die Cheplapharm AG will an die Börse gehen. Das Pharmaunternehmen aus Greifswald strebt einen Bruttoemissionserlös aus der Notierung neuer Aktien von rund 750 Millionen Euro an. Mit dem Nettoemissionserlös sollen bestehende Schulden zurückgezahlt sowie zukünftige Produkte und Produktportfolios erworben werden. Geplant sind der Gang in den regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse noch im ersten Quartal.

Über dieses Thema berichtete BR24 Börse am 17. Januar 2022 um 22:13 Uhr.