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Marktbericht

DAX und Dow erholen sich Mit Kursgewinnen ins Pfingstwochenende

Stand: 21.05.2021 22:14 Uhr

In den USA und Europa mehren sich die Signale für einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung im Sommer. Das sorgte an den Börsen für einen versöhnlichen Wochenschluss.

Die Aktienanleger befinden sich derzeit in einem Zwiespalt. Je stärker sich die Wirtschaft erholt, desto größer wird die Inflationsgefahr. Und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Notenbanken wie die amerikanische Fed schneller als geplant die Zinsen anhebt und die ultralockere Geldpolitik beendet. Folglich fallen die Reaktionen auf starke Konjunkturdaten inzwischen längst nicht mehr so überschwänglich aus wie noch vor ein paar Wochen.

Uneinheitliche Wall Street

Dieses Dilemma zwischen Konjunkturoptimismus und Inflationsängsten sorgte auch in der abgelaufenen Woche für reichlich Kursturbulenzen an den Börsen. An der Wall Street gab es eine Achterbahnfahrt. Der Dow-Jones-Index schwankte stark. Am Freitag stabilisierte er sich und stieg um knapp 0,4 Prozent auf 34.207 Punkte. Auf Wochensicht bedeutet dies ein Minus von 0,5 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 büßte am Freitag 0,1 Prozent ein. Der technologielastige Nasdaq gab 0,5 Prozent nach.

Turbulente Woche im DAX

Auch am deutschen Aktienmarkt ging es in dieser Woche auf und ab. Erst kletterte der DAX auf ein neues Rekordhoch von 15.538 Punkten, dann sackte er wieder auf unter 15.000 Zähler ab, bevor er sich dann wieder sprunghaft erholte. Am Freitag ging er mit rund 15.438 Punkten ins lange Pfingstwochenende. Damit schaffte er noch ein klitzekleines Wochenplus. Am Montag ist die Frankfurter Börse geschlossen.

Positive Signale aus Europa

Die Anleger wetten auf den großen Aufschwung nach der Corona-Pandemie - und fühlten sich heute ermutigt durch überraschend gute Konjunkturdaten aus Europa. Die Wirtschaft in den Ländern der Eurozone ist dank zunehmender Lockerungen in einzelnen Ländern im Mai so stark gewachsen wie seit Februar 2018 nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg unerwartet deutlich um 3,1 auf 56,9 Punkte. Besonders gut waren die Daten aus Frankreich, weniger gut waren die Zahlen aus Deutschland.

US-Konjunkturmotor läuft auf Hochtouren

Auch in den USA läuft die Wirtschaft rund: Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Dienstleister und Industrie zusammen - kletterte um 4,6 auf 68,1 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Freitag mitteilte. Das Barometer signalisiert bereits ab 50 ein Wachstum. Sowohl die Geschäfte der Industrie als auch die der Dienstleister liefen dabei so gut wie noch nie.

"Realitäts-Check" an der Börse!

Echte Jubelstimmung kam am Freitag dennoch nicht auf. Die Anleger sind weiter hin- und hergerissen - zwischen Konjunkturoptimismus und Inflationsängsten. "Bislang haben die Anleger jeden Rücksetzer genutzt, um zu kaufen", sagte Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Brokerhaus ThinkMarkets. "Jedoch könnten die Sorgen vor einer anziehenden Inflation die Anleger irgendwann nicht mehr loslassen, da das Thema das Potenzial hat, die wirtschaftliche Erholung zu gefährden."

"An der Börse findet derzeit ein Realitäts-Check statt", meint Kapitalmarktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. Die Frage sei, ob Inflations- und Zinssorgen die Aktienmärkte in Schach hielten oder Impf-Fortschritte und nachhaltige Öffnungsmaßnahmen in vielen Ländern eine neue Aktien-Rally einleiteten.

Ebbt die Geldflut bald ab?

Tatsächlich droht allmählich ein langsames Herunterfahren der ultralockeren Geldpolitik. Der Präsident der regionalen Notenbank von Philadelphia, Patrick Harker, vertrat die Auffassung, dass die Fed eher früher als später über eine Reduzierung der Anleihekäufe zur Stützung der Wirtschaft sprechen sollte. Eine Reihe von Währungshütern denkt laut dem jüngsten Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed über das Abschmelzen der aktuellen Konjunkturhilfen nach, sollte die wirtschaftliche Erholung weiter rasche Fortschritte machen. "Die Geldschleusen fangen langsam an, sich zu schließen", sagt Marktbeobachter Milan Cutkovic vom Handelshaus Axi.

Inflationsängste übertrieben?

Die Inflationsängste seien überzogen, glaubt indes Martin Lück, deutscher Chef-Anlagestratege beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. "Es spricht wenig dafür, dass der Covid-bedingte Inflationsschub sich in eine Lohn-Preis-Spirale übersetzt und damit dauerhaft wird." Denn in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung sei die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer schwach.

Euro wieder unter 1,22 Dollar

Der Euro konnte sein hohes Niveau nicht halten. Die Gemeinschaftswährung rutschte unter 1,22 Dollar. Grund waren die starken US-Konjunkturdaten sowie Äußerungen von Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie dämpfte Erwartungen, dass die Notenbank schon auf ihrer nächsten Sitzung im Juni Signale für die Rückführung ihrer massiven Anleihekäufe geben könnte. Es sei noch zu früh um längerfristige Themen zu diskutieren, sagte Lagarde. Am Anleihemarkt fiel die Rendite der zehnjährigen Bundespapiere auf minus 0,133 Prozent.

Öl teurer

Kurz vor Beginn der Pfingstreisewelle stieg der Ölpreis. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete mit 66,70 Dollar gut 2,4 Prozent mehr. Die Sorte WTI verteuerte sich gar um drei Prozent. Ein fallender Dollarkurs macht den in Dollar notierenden Rohstoff für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger und steigert so die Nachfrage.

Der Goldpreis konnte seinen jüngsten Aufwärtstrend heute indes nicht fortsetzen: die Feinunze Gold verlor 0,3 Prozent auf 1874 Dollar.

China drückt erneut Bitcoin & Co

Erneute Turbulenzen gab es bei Kryptowährungen. Der Bitcoin rutschte um fast zehn Prozent auf 37.229 Dollar ab. Die zweitwichtigste Cyber-Devise Ethereum büßte 15 Prozent ein auf 2348 Dollar ab. China stellte erneut verschärfte Beschränkungen für den Kryptowährungssektor in Aussicht. So werde die Regierung gegen die Bergbau- und Handelsaktivitäten der virtuellen Währung vorgehen, sagte Chinas Vizepremier Liu He. Bereits am Mittwoch war der Bitcoin wegen harschen Tönen aus Peking gut 30 Prozent auf ein Vier-Monats-Tief von 30.000 Dollar eingebrochen.

BMW kommt glimpflich davon

Vor allem Autoaktien waren im DAX heute gefragt. Die Conti-Titel gewannen rund zwei Prozent. Die BMW-Aktien schlossen 0,7 Prozent höher. Der Autohersteller muss im EU-Kartellverfahren gegen deutsche Autokonzerne wohl deutlich weniger Strafe berappen als veranschlagt. Von einer vor zwei Jahren wegen der Anschuldigungen gebildeten Rückstellung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro löst BMW rund eine Milliarde Euro wieder auf.

Mercedes ruft Autos in USA zurück

Die Daimler-Tochter Mercedes-Benz USA muss in Amerika wegen Problemen mit der Rückfahrkamera rund 342.366 Fahrzeuge reparieren. Wegen eines möglichen Defekts beim Multimedia-System könne es zum Ausfall des Monitors und erhöhten Unfallrisiken kommen, hieß es in Unterlagen der US-Verkehrsbehörde NHTSA.

Thiele-Erben verkaufen Lufthansa-Aktien

Die Lufthansa-Aktien sackten um über sechs Prozent ab. Die Erben des vor drei Monaten verstorbenen Milliardärs Heinz Hermann Thiele haben sich von mehr als der Hälfte ihrer Lufthansa-Aktien getrennt. Es wurden 33 Millionen Aktien der deutschen Airline verkauft, wie die von der Familie Thiele kontrollierte KB Holding am Donnerstagabend mitteilte. Thiele war vergangenes Jahr in der Corona-Krise bei der Lufthansa eingestiegen.

Hugo Boss hat große Pläne

Im MDAX ganz vorne war Hugo Boss mit einem Plus von rund sechs Prozent. Anleger honororierten optimistische Aussagen des künftigen Hugo-Boss-Chefs Daniel Grieder. Er will den Umsatz bis zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit mehr als verdoppeln.

Luxusgüterkonzern Richemont mit Gewinnsprung

Der Schweizer Uhren- und Schmuckkonzern Richemont hat im abgeschlossenen Geschäftsjahr infolge der Pandemie weniger erlöst. Der Umsatz sank 2020/21 (per Ende März) um acht Prozent auf 13,1 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg jedoch um fast 40 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro, Bewertungseffekte infolge von Wechselkursveränderungen sowie bei Finanzinstrumenten fielen günstig aus. Die Aktie stieg um fünf Prozent auf ein Rekordhoch.

Boeing im Aufwind

In der Hoffnung auf ein schnelleres Produktionstempo beim Problemflieger 737 Max haben Anleger bei Aktien von Boeing zugegriffen. Die Papiere des US-Flugzeugbauers stiegen um 3,1 Prozent und führten die Gewinnerliste im Dow-Jones-Index an. Der Flugzeugbauer könnte Branchenkreisen zufolge im Herbst kommenden Jahres die Produktion seiner 737 Max bis auf 42 Maschinen im Monat steigern. Damit würde der Konzern schneller vorankommen als gedacht.

Oatly schmeckt der Börse

Der schwedische Hafergetränke-Hersteller Oatly ist bei seinem Börsen-Debüt an der New Yorker Nasdaq auf starkes Anlegerinteresse gestoßen. Nachdem die Aktie gestern schon um 19 Prozent über dem Ausgabekurs schloss, stieg sie am Freitag erneut um elf Prozent. Das Unternehmen erlöste beim Börsengang 1,4 Milliarden Dollar und wurde dabei von Investoren mit insgesamt rund 10 Milliarden Dollar bewertet.

Snapchat-Macher stellen AR-Brille vor

Die Macher der Foto-App Snapchat haben als erste in der Tech-Branche eine alltagstaugliche Computerbrille vorgestellt, mit der sich digitale Inhalte ins Blickfeld des Nutzers einblenden lassen. Solche Brillen werden unter anderem von Apple und Facebook erwartet - aber die Entwicklerfirma Snap überholte sie mit der Präsentation ihrer "Spectacles"-Brille am Donnerstag. Diese ist zunächst nur für von Snap ausgewählte Nutzer verfügbar und wird nicht zum Kauf angeboten.

Google plant erstes Ladengeschäft

Der Internet-Gigant Google eifert dem iPhone-Riesen Apple nach und steigt mit der Eröffnung eines Ladengeschäfts in den klassischen Einzelhandel ein. Der erste sogenannte Google Store soll in diesem Sommer im New Yorker Stadtteil Chelsea aufmachen. Google will dort laut einem Eintrag im Firmenblog vom Donnerstag unter anderem seine Pixel-Handys und -Notebooks sowie Fitbit-Fitness-Tracker und Smarthome-Equipment der Marke Nest anbieten.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 21. Mai 2021 um 07:10 Uhr.