Fed-Chef Jerome Powell spricht bei einer Anhörung im US-Kongress | REUTERS
Marktbericht

Straffung der Geldpolitik erst später Lockere Fed schwächt den Dollar

Stand: 28.07.2021 23:05 Uhr

Die Geldschleusen bleiben weit geöffnet: Die US-Notenbank setzt ihre ultralockere Geldpolitik fort. Sie signalisierte aber, dass ein Zurückfahren der Anleihenkäufe näher rückt. Die Finanzmärkte reagieren zurückhaltend.

Der Einstieg in den Ausstieg der expansiven Geldpolitik lässt weiter auf sich warten. Fed-Präsident Jerome Powell bekräftigte am Abend die Fortsetzung des bisherigen ultralockeren Kurses. Die US-Notenbank beließ den Leitzins auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Ihre Geldspritzen in Höhe von monatlich 120 Milliarden Dollar wollen die Währungshüter in voller Dosis beibehalten, bis erhebliche Fortschritte bei Preisstabilität und Arbeitslosigkeit erreicht sind.

Nur ein vages Ausstiegssignal

Zugleich teilte die Zentralbank mit, dass sie Fortschritte auf dem Weg in Richtung einer etwas weniger lockeren Geldpolitik sehe. Die Wirtschaft habe sich zuletzt auf die Ziele der Zentralbank zubewegt. Der weitere Fortschritt werde auf den kommenden Zinssitzungen bewertet. Die Fed strebt Vollbeschäftigung und stabile Preise an.

Die Fed spielte laut Powell durch, wie die milliardenschweren Konjunkturspritzen verringert werden könnten. Die Notenbank sei zwar noch nicht soweit, diesen im Fachjargon "Tapering" genannten Prozess zu starten. Doch sei man "erstmals tief in die Materie eingestiegen", was Zeitplan, Tempo und den Aufbau des Tapering betreffe, betonte Powell. Viele Experten gehen davon aus, dass die Planungen im Herbst abgeschlossen sind und das "Tapering" nach der Jahreswende starten könnte.

"Keine geldpolitische Wende!"

Ökonomen zeigten sich wenig überrascht über den Fed-Entscheid. "Die US-Notenbanker haben heute keine wesentlichen neuen geldpolitischen Pflöcke eingerammt, aber sie signalisieren, dass ein Zurückfahren des Anleihekaufprogramms langsam, aber sicher näher rückt", sagte LBBW-Ökonom Elmar Völker. "Das aktuelle Umfeld war den US-Währungshütern heute zu heiß, um mit konkreten Maßnahmen die geldpolitische Wende einzuleiten", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.

Wall Street uneinheitlich

Der fortgesetzte lockere Kurs der Fed sorgte nicht für Entspannung an den Börsen. Im Gegenteil: Der Dow Jones weitete seine Verluste leicht aus und schloss 0,4 Prozent schwächer. Der breiter gefasste S&P 500 trat auf der Stelle. Nur die Tech-Börse Nasdaq legte um 0,4 Prozent zu.

Google-Mutter im Online-Rausch

Besonders die phänomenalen Quartalszahlen von Alphabet feuerten die Tech-Rally an. Bei der Google-Konzernmutter kletterte der Umsatz um 62 Prozent auf rund 61,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn konnte nahezu verdreifacht werden - von knapp sieben Milliarden auf gut 18,5 Milliarden Dollar. Die Aktien von Alphabet stiegen um bis zu 4,8 Prozent auf ein Rekordhoch von 2765,94 Dollar. Der Internet-Konzern habe das dritte Quartal in Folge Gewinn die Erwartungen übertroffen, lobten die Analysten der Investmentbank Jefferies. Ein Ende des Booms bei den Einnahmen aus der Online-Werbung sei dabei bislang nicht absehbar. Gleichzeitig wachse das Cloud-Geschäft stärker als der Markt und stärker als beim Konkurrenten Microsoft.

Microsoft glänzt im Cloud-Geschäft

Der Windows-Konzern wuchs nicht ganz so rasant wie Alphabet. Die Erlöse kletterten von April bis Ende Juni um 21 Prozent auf 46,2 Milliarden Dollar - dank des anhaltenden Cloud-Booms. Der Nettogewinn erhöhte sich um 47 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar. Selbst die PC-Sparte, zu der neben Windows-Software auch Hardware-Produkte wie die Spielkonsole Xbox und "Surface"-Tablets gehören, legte um neun Prozent zu. Die Aktien von Microsoft schlossen fast unverändert.

Lieferketten-Probleme könnten Apples iPhone treffen

Apple profitierte im abgelaufenen Quartal von der regen Nachfrage nach den besonders teuren 5G-fähigen iPhones und einem starken China-Geschäft. Der wertvollste Technologiekonzern der Welt verdoppelte nahezu seinen Gewinn auf nie in einem Frühjahrsquartal erreichte 21,7 Milliarden Dollar. So viel Geld erwirtschaftete Apple früher nur im Weihnachtsgeschäft. Für das laufende Vierteljahr stellte der iPhone-Konzern erneut zweistelliges Wachstum in Aussicht, warnte aber zugleich, dass auch das iPhone von den aktuellen Engpässen in den Tech-Lieferketten betroffen sein werde. Die Warnung zog die Apple-Aktien um 1,2 Prozent nach unten.

Facebook warnt vor schwächerem Wachstum

Heuteabend nach US-Börsenschluss meldete auch noch Facebook Zahlen. Ein Werbeboom in der Corona-Krise verhalf dem weltgrößten Internet-Netzwerk zu einem Umsatzsprung von 56 Prozent auf knapp 29,1 Milliarden Dollar. In den nächsten zwei Quartalen dürfte sich das Wachstums aber abschwächen, warnte Facebook. Das kam am Aktienmarkt nicht gut an. Nachbörslich gab das Papier mehr als fünf Prozent nach.

DAX stoppt Negativserie

Der DAX kam nur mühsam voran, schloss aber immerhin 0,3 Prozent fester. Es war der erste Gewinntag in dieser Woche, nachdem es seit Montag kontinuierlich abwärts gegangen war.

Goldpreis steigt etwas

Der Goldpreis legte zu nach der Fed-Entscheidung. Das gelbe Edelmetall verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1805 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Kurse der US-Staatsanleihen gaben leicht nach. Dadurch stieg die Rendite der zehnjährigen Bonds auf 1,261 Prozent.

Euro schießt nach oben

Die Fed-Äußerungen setzten vor allem dem US-Dollar zu. Der Greenback wertete zu anderen wichtigen Währungen ab. Im Gegenzug legte der Euro auf 1,1845 Dollar zu. Vor der Fed-Sitzung hatte die Gemeinschaftswährung noch unter 1,18 Dollar notiert. Die Ölpreise verteuerten sich weiter leicht. Marktbeobachter verweisen auf einen Rückgang der US-Reserven und ein vergleichsweise starkes Abschmelzen der amerikanischen Benzinreserven. Am Nachmittag kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 74,70 Dollar.

Die Deutschen halten sich mit Shopping zurück

Steigende Corona-Infektionszahlen drücken auf die Konsumstimmung der Menschen in Deutschland. Die Erwartungen der Deutschen an die Konjunktur und die Einkommen haben sich laut dem Nürnberger Konsumforschungsunternehmen GfK nicht verbessert. Der von der GfK ermittelte Index für das Konsumklima im August lag bei minus 0,3 Punkten und verharrte damit auf dem gleichen Stand wie im Juli. Analysten hatten hingegen im Schnitt einen Anstieg des Konsumklimas auf plus 1,0 Punkte erwartet.

Bitcoin & Co wieder im Aufwind

Nachdem der Preis für einen Bitcoin vor wenigen Tage noch unter die Marke von 30.000 Dollar gefallen war, überwiegt nun wieder das Kaufinteresse. Die Cyber-Devise stieg um bis zu 7,5 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 40.908 Dollar. Die Optimisten hätten offenbar das Ruder wieder fest in der Hand und könnten den Kurs kurzfristig bis auf 45.000 Dollar treiben, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Deutsche Bank schafft Milliardengewinn

Im Blickpunkt stand heute die Deutsche Bank. Das größte private nationale Geldinstitut hat dank der drastisch gesunkenen Risikovorsorge das beste Ergebnis seit 2015 eingefahren. Vor Steuern standen Ende Juni rund 1,2 Milliarden Euro in den Büchern. Vom Nachsteuergewinn von 828 Millionen Euro müssen noch Zinszahlungen für Nachrang-Anleihen abgezogen werden, so dass auf die Deutsche-Bank-Aktionäre unter dem Strich ein Gewinn von 692 Millionen Euro entfiel. Die Deutsche-Bank-Aktie machte eine Achterbahnfahrt. Nach anfänglichen deutlichen Gewinnen schloss sie 1,1 Prozent schwächer.

DWS im Börsenboom

Der weltweite Börsenboom hat auch der Fonds-Tochter der Deutschen Bank im ersten Halbjahr einen Gewinnsprung beschert. Der Nettogewinn der DWS kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf 340 Millionen Euro. Das verwaltete Kundenvermögen stieg um 39 Milliarden Euro auf ein Rekordvolumen von 859 Milliarden Euro. Alle Regionen in Amerika, Europa und Asien-Pazifik hätten zu dem Wachstum beigetragen.

BASF erwartet weiteres Umsatzplus

Auch der Chemiekonzern BASF hat im zweiten Quartal einen Milliardengewinn eingefahren. Der Nettogewinn kletterte auf 1,65 Milliarden Euro nachdem im Vorjahreszeitraum wegen hoher Abschreibungen noch ein Verlust von 878 Millionen Euro angefallen war. BASF hatte bereits Anfang Juli vorläufige Quartalszahlen veröffentlicht und seine Jahresziele angehoben. Das Unternehmen erwartet für 2021 einen Umsatzanstieg auf 74 bis 77 Milliarden Euro.

Europcar kehrt zu VW zurück

Am Abend nach Börsenschluss verkündete VW die Übernahme des Autovermieters Europcar. Das Konsortium unter Führung des Wolfsburger Autokonzerns hat sich mit dem französischen Unternehmen geeinigt. Demnach erhalten die Europcar-Eigner 50 Cent je Aktie. Das entspricht einer Bewertung von 2,5 Milliarden Euro. Der VW-Aufsichtsrat hat der Transaktion zugestimmt. Mit Europcar will VW seine Ziele für den Ausbau von Mobilitätsdiensten schneller erreichen. Europcar gehörte schon in der Vergangenheit zum VW-Imperium. 2006 verkauften die Wolfsburger aber den Autovermieter, weil er nicht mehr ins Kerngeschäft passte.

Allianz kauft sich bei Hochhaus ein

Für die Rekordsumme von 1,4 Milliarden Euro hat die Allianz-Versicherung gemeinsam mit der Bayerischen Versorgungskammer ein neues Bürohochhaus in der Frankfurter Innenstadt erworben. Das Hochhaus "T1" entsteht derzeit im Ensemble "Four" im Bankenviertel und soll mit 233 Metern der dritthöchste Büroturm Deutschlands werden. Am Main stehen bereits mit der Commerzbank-Zentrale (259 Meter) und dem Messeturm (256,5 Meter) die höchsten Wolkenkratzer des Landes. Noch nie sei in Deutschland eine höhere Summe für ein einzelnes Gebäude gezahlt worden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf den Großmakler JLL.

Porsche investiert ins All

Die Beteiligungsgesellschaft der Volkswagen-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch investiert ins Weltraumgeschäft. Die Porsche SE erwirbt einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich an Isar Aerospace. Das Start-up entwickelt und produziert Trägerraketen für den Transport von Satelliten. Isar Aerospace hat bislang noch keine Satelliten ins Weltall gebracht, plant aber den ersten Raketenstart für das kommende Jahr.

VW-Tochter liefert schwarze Zahlen

Die Volkswagen-LKW- und Busholding Traton hat im zweiten Quartal auch unter dem Strich wieder Gewinn gemacht. Vor einem Jahr hatte das SDAX-Unternehmen noch einen Verlust von 385 Millionen Euro geschrieben. Diesmal verdiente Traton nach Steuern 224 Millionen Euro. Vorläufige Zahlen zum Quartal hatte Traton bereits veröffentlicht. Der Umsatz kletterte um 61 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis lag bei 612 Millionen Euro. Der Auftragseingang von Lastwagen und Bussen schnellte mit 89.204 Fahrzeugen fast auf das Dreifache hoch.

Siltronic profitiert von Halbleiternachfrage

Bei dem Chip-Zulieferer Siltronic hat sich das Wachstumstempo im zweiten Quartal beschleunigt. Der Umsatz des Herstellers von Siliziumscheiben (Wafer) zur Chip-Produktion lag mit 341,1 Millionen Euro um fast sechs Prozent über dem Vorjahreswert, wie Siltronic mitteilte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich um vier Prozent auf 69,6 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bleibt Siltronic bei der Erwartung, dass der Umsatz um mindestens zehn Prozent und das Ebit deutlich steigen werden. Das Münchner Unternehmen steht vor der Übernahme durch die taiwanische GlobalWafers.

Rohstoffpreise bescheren Rio Tinto Rekordgewinn

Rohstoffknappheit, steigende Preise und Corona-Förderprogramme der Regierungen: Für den britisch-australischen Bergbauriesen Rio Tinto sind es wirtschaftlich gute Zeiten. Im ersten Halbjahr erzielte der Konzern in einem "außergewöhnlichen Marktumfeld" ein Rekordergebnis, wie Rio Tinto am Mittwoch in London mitteilte. Unter dem Strich kletterte der Gewinn mit 12,3 Milliarden US-Dollar (10,4 Milliarden Euro) auf fast das Vierfache des Vorjahreswertes. Der Umsatz legte um etwas mehr als 70 Prozent auf 33 Milliarden Dollar zu.

Aston Martin gibt Gas dank SUV

Der britische Sportwagenhersteller hat dank des neuen SUV-Modells seinen Absatz in den ersten sechs Monaten verdreifacht. "Wir bauen auf den Erfolg des DBX, unseren ersten SUV", sagte Eigentümer Lawrence Stroll. "Mit weiteren neuen Produkten sind wir gut für Wachstum positioniert." Mehr als die Hälfte der im ersten Halbjahr verkauften 2901 Fahrzeuge seien dem SUV-Modell zuzurechnen. Der Verlust vor Steuern fiel auf 91 Millionen Pfund von 227 Millionen Pfund im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr peilt Aston Martin, die bevorzugte Automarke der Filmfigur James Bond, einen Absatz von 6000 Fahrzeugen an.

Spotify lockt weniger Nutzer an als erhofft

Um 5,7 Prozent sackten die Titel von Spotify ab. Bei dem globalen Marktführer beim Musikstreaming wuchs die Zahl der Nutzer langsamer als erwartet - um nur neun Millionen auf 365 Millionen. Spotify hatte 366 bis 373 Millionen Nutzer in Aussicht gestellt. Zum Jahresende rechnet Spotify jetzt mit bis zu 407 Millionen Nutzern statt der noch vor drei Monaten erwarteten bis zu 422 Millionen. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 2,33 Milliarden Euro. Der Großteil davon stammt aus Abo-Zahlungen.

Boeing fliegt in die schwarzen Zahlen

Die Aktien von Boeing hoben indes um über vier Prozent ab. Der Flugzeugbauer kehrte nach sechs Verlustquartalen in Folge überraschend in die schwarzen Zahlen zurück. Operativ erzielte Boeing einen Gewinn von 755 Millionen Dollar. Dank des steigenden Absatzes von Passagierflugzeugen des Modells 737 MAX kletterte der Umsatz um 44 Prozent auf 17 Milliarden Dollar. Die Flugzeugbauer profitieren von den wieder steigenden Reisebuchungen, die den Airlines wieder mehr Luft für Investitionen verschaffen.

McDonald's verzeichnet wieder mehr Zulauf

Der weltgrößte Fast-Food-Konzern McDonald's machte im zweiten Quartal dank der Erholung von der Corona-Krise wieder deutlich bessere Geschäfte. Der Gewinn stieg um mehr als das Vierfache. Die Aktien verloren dennoch fast zwei Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juli 2021 um 07:35 Uhr.