Händler an der New Yorker Börse | picture alliance/dpa/XinHua
Marktbericht

Schwere Verluste Wall Street tief im Minus

Stand: 17.02.2022 22:24 Uhr

Die US-Aktienmärkte kommen nicht zur Ruhe. Zinsängste und die Zuspitzung der Lage in der Ukraine haben dem Aktienmarkt erneut schwere Verluste beschert. Auch der DAX sackte im Verlauf ab.

Angesichts einer ganzen Reihe von Sorgen haben die US-Börsen schwächer geschlossen. "Sie haben da eine offenbar weit verbreitete Inflation, es zeichnet sich eine Änderung der Geldpolitik der US-Notenbank ab und dann sind da noch die anhaltenden Spannungen mit Russland und der Ukraine", sagte der Aktienstratege Terry Sandven vom Vermögensverwalter U.S. Bank Wealth Management.

Diese schwierige Gemengelage hatte die Wall Street zuletzt schon des Öfteren belastet und sorgt für viel Unsicherheit. Anleger zogen sich auf breiter Front zurück und drückten den Leitindex Dow Jones um 1,78 Prozent auf 34.312 Punkte ins Minus. Auch die anderen großen Indizes gerieten schwer unter Druck. Der marktbreite S&P-500-Index gab 2,12 Prozent nach auf 4380 Zähler. Am schwächsten tendierte die Technologiebörse Nasdaq, die 2,88 Punkte nachgab auf 13.716 Stellen. Der Auswahlindex sackte um 2,96 Prozent auf 14.171 Punkte ab.

Marc Chandler, Chefstratege beim Handelshaus Bannockburn Global Forex, verwies zudem auf das anstehende lange Wochenende wegen eines US-Feiertages am Montag: "Für einen Marktteilnehmer gibt es keinen Anreiz, vor einem Wochenende, an dem alles passieren kann, gegen eine risikoscheue Stimmung anzukämpfen."

Fed-Banker für deutliche Zinserhöhung

Immer wieder geht es derzeit auch um das Thema Zinsen. Bis Mitte des Jahres sollte der Leitzins um einen vollen Prozentpunkt steigen, sagt der Chef des Fed-Bezirks St. Louis, James Bullard, am Donnerstag dem TV-Sender CNN. Derzeit liegt der Schlüsselsatz noch in der Spanne von null bis 0,25 Prozent.

Bullard verwies darauf, dass die Fed ihr Inflationsziel verfehle und noch immer Wertpapiere zukaufe: "Das ist der Augenblick, an dem wir zu weniger Konjunkturstimulierung kommen müssen." Bullard hatte sich bereits in der jüngeren Vergangenheit für deutliche Zinserhöhungen ausgesprochen.

"Ich glaube, der Krieg gegen die Inflation wird größere Auswirkungen haben als ein Krieg in der Ukraine", sagte der Investment-Stratege Sam Stovall von CFRA Research zu der Entwicklung am Markt. Die Fed stehe unter Druck, die Zinsen möglicherweise mit dem ersten Schritt um einen halben Prozentpunkt anzuheben und damit mehr als zunächst erwartet.

US-Arbeitsmarkt schwächer als erwartet

Daten vom Arbeitsmarkt bewegten heute das Marktgeschehen nicht. Insgesamt stellten mit 248.000 Amerikanerinnen und Amerikanern überraschend viele einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Experten hatten nur 219.000 erwartet. In den USA gibt es trotzdem einen Mangel an Arbeitskräften, mit rekordverdächtigen 10,9 Millionen offenen Stellen per Ende Dezember.

Auch wenn es kurzfristig noch Schwankungen am Jobmarkt geben dürfte, sollten die Anträge auf Unterstützung in den kommenden Monaten noch weiter unter das Niveau vor der Pandemie sinken, sagte Veronica Clark, Analystin bei der Citigroup in New York. "Dies würde ein insgesamt niedriges Niveau an Entlassungen widerspiegeln." Denn Firmen hätten Probleme, das gewünschte Beschäftigungsniveau überhaupt zu erreichen.

DAX rutscht ins Minus

Mit deutlichen Verlusten quer durch alle Branchen ist der DAX heute aus dem Handel gegangen. Lediglich einige vereinzelt positiv aufgenommene Unternehmensnachrichten sowie die Präferenz der Anleger für defensivere Aktien standen am Ende auf der Habenseite. Dies konnte die Verluste aber nicht aufwiegen. Der DAX schloss bei 15.267 Punkten um 0,67 Prozent im Minus und folgte im späten Geschäft einer schwachen US-Börse weiter nach unten.

Anfänglich stärkere Gewinne, die den Index bis auf sein Tageshoch bei 15.440 Punkten trieben, gingen damit komplett verloren. Damit knüpft der Markt an die bisher volatile Wochentendenz an, die die Anleger in ein Wechselbad der Gefühle stürzt. Das heutige Tagestief lag bei 15.206 Punkten.

Ukraine-Krise noch nicht beendet

Weiterhin sorgte die Ukraine-Krise für viel Nervosität auf dem Parkett, vor allem nachdem die NATO einen russischen Truppenabzug bisher nicht bestätigt hat. Russland hat zudem einen hochrangigen US-Diplomaten aus Moskau ausgewiesen und fordert den Abzug aller US-Truppen aus Zentral- und Osteuropa.

"Der Markt wird eine Geisel der einlaufenden Schlagzeilen bleiben, bis es etwas Klarheit über die Lage gibt", sagte der Investment-Analyst Marios Hadjikyriacos vom Online-Broker XM zu der Situation in der Ukraine.

Zu den geostrategischen Sorgen gesellte sich ein wenig aussagekräftiges Fed-Protokoll vom Vorabend, das Zinsängste der Anleger auf beiden Seiten des Atlantiks befeuerte. Diese hatten sich insbesondere mehr Aufschluss darüber erwartet, in welchem Tempo die mächtige US-Notenbank Federal Reserve (Fed) künftig an der Zinsschraube drehen wird. Diese lässt sich in allerdings in bester Notenbank-Manier alle Türen offen.

Gold und Staatsanleihen in der Krise gefragt

Dass die Investoren Grund zur Vorsicht sehen, zeigte auch die aktuelle Entwicklung des Goldpreises. Er schwang sich auf ein Acht-Monats-Hoch von 1899 Dollar je Feinunze. Die unklare Nachrichtenlage rund um die Ukraine-Krise führe zu einer offenbar starken Nachfrage nach Gold als sicherer Hafen, resümieren die Rohstoffexperten der Commerzbank.

Auch die Kurse von Staatsanleihen zogen an, die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries fiel im Gegenzug unter zwei Prozent. Bundesanleihen mit der gleichen Laufzeit tendierten ebenfalls freundlich und rentierten mit 0,22 Prozent nach zuvor 0,27 Prozent. Der Euro tendiert im US-Handel wenig verändert bei 1,1361 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1370 (Mittwoch: 1,1372) Dollar fest.

Öl wird günstiger

Die Preisschwankungen auf dem Rohölmarkt setzen sich fort. Nach kräftigen Aufschlägen am Vortag geben die Preise heute wieder nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sowie der amerikanischen Sorte WTI kosteten knapp zwei Prozent weniger.

Der Ölmarkt befinde sich im Wechselbad zwischen Ukraine-Krise und Iran-Nachrichten, stellt Carsten Fritsch fest, Rohstoffexperte bei der Commerzbank.

Milliardendebakel und Rekordjahr für die Allianz

Ein Debakel mit riskanten Finanzanlagen in den USA überschattet ein Rekordjahr von Europas größtem Versicherer Allianz. US-Investoren hatten mit Hedgefonds von AllianzGI zu Beginn der Corona-Krise Milliarden verloren und den Konzern auf mehr als sechs Milliarden Dollar verklagt. Nach Vergleichsverhandlungen mit den größten Anlegern rechnet der Versicherungsriese aus dem DAX daraus mit Belastungen von mehr als 3,7 Milliarden Euro vor Steuern, wie er am Abend nach Börsenschluss mitteilte.

Weil das operative Geschäft stärker brummt als gedacht, kann die Allianz das aber gut verkraften. Der Gewinn ging im vergangenen Jahr nur um drei Prozent auf 6,6 Milliarden Euro zurück, obwohl die Rückstellung für die Hedgefonds-Verluste netto mit 2,8 Milliarden Euro zu Buche schlug.

Das war unter dem Strich aber der niedrigste Gewinn seit 2013. Die Dividende soll dennoch kräftig um 1,20 auf 10,80 Euro je Aktie erhöht werden. Daneben will die Allianz auch in diesem Jahr eigene Aktien zurückkaufen und damit bis zu eine Milliarde Euro überschüssiges Kapital an die Anteilseigner zurückgeben. Die Aktie behauptet sich nachbörslich auf Xetra-Niveau. Das Papier war bei 222,50 Euro um 1,29 Prozent leichter aus dem Handel gegangen.

RWE erhöht Prognose

Der Energiekonzern RWE blickt optimistischer als bislang auf das neue Geschäftsjahr. Der Vorstand hob heute seine Prognose an. Danach erwartet RWE 2022 etwa beim bereinigten Ebitda auf Konzernebene ein Ergebnis zwischen 3,6 und 4,0 Milliarden Euro. Bisher hatte das Unternehmen eine Spanne von 3,3 bis 3,6 Milliarden in Aussicht gestellt. Als Dividendenziel nannte RWE 90 Cent je Aktie. Die Anleger reagierten begeistert, die Titel stiegen auf den höchsten Stand seit 2011 und standen an der DAX-Spitze.

Rekordgewinn bei Airbus

Dem weltgrößten Flugzeugbauer Airbus ist im zweiten Corona-Jahr 2021 der höchste Gewinn seiner Geschichte gelungen. Dank gestiegener Flugzeug-Auslieferungen und Einsparungen übertraf der Überschuss mit 4,2 Milliarden Euro den bisherigen Rekordgewinn von 2018. In den Jahren 2019 und 2020 hatte Airbus Milliardenverluste eingefahren, erst aufgrund einer Strafe wegen Korruptionsvorwürfen, dann wegen der Corona-Krise und des teuren Abbaus Tausender Arbeitsplätze.

Aufspaltungsgerüchte treiben die Conti-Aktie

Gegen den Trend legte die Continental-Aktie im DAX heute über drei Prozent zu. Denn beim Autozulieferer gehen die Gedankenspiele zur Aufspaltung des Konzerns laut einem Pressebericht noch über jüngst kolportierte Ideen hinaus. Es gebe bereits Pläne zur Aufspaltung des Konzerns in vier eigenständige Teilbereiche, berichtete heute das "Manager-Magazin" ("MM") unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Das wären noch deutlich ambitioniertere Schritte als zuletzt bereits vom "Handelsblatt" berichtet, in dem es um eine mögliche Eigenständigkeit der Einheit für das autonome Fahren und deren eventuellen Teilbörsengang ging. Mit dem Bericht erhalten die Spekulationen auf radikalere Schritte neue Nahrung. Ziel des Managements und von Chefaufseher Wolfgang Reitzle ist es, den Börsenwert deutlich zu steigern.

Commerzbank schreibt wieder schwarze Zahlen

Die Commerzbank ist 2021 trotz hoher Kosten für den Konzernumbau in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Unter dem Strich stand 2021 ein Gewinn von 430 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 2,87 Milliarden Euro ausgewiesen worden war.

Die Bank will ihren Konzerngewinn im laufenden Jahr auf mehr als eine Milliarde Euro steigern. "Damit streben wir für das Geschäftsjahr 2022 die Zahlung einer Dividende an", erklärte Vorstandschef Manfred Knof.

Walmart ist zuversichtlich

Die im Dow Jones enthaltene Aktie des größten Einzelhändlers der Welt legt gegen den Trend gut 2,0 Prozent zu und sorgt damit für einen Lichtblick. Denn starke Nachfrage stimmt den US-Einzelhandelsriesen zuversichtlich, in dem seit Februar laufenden Bilanzjahr stärker zu wachsen als erwartet.

Trotz gestörter Lieferketten und Kostensteigerungen soll der bereinigte Gewinn je Aktie um fünf bis sechs Prozent und der Umsatz auf vergleichbarer Fläche um etwas mehr als drei Prozent steigen. Analysten rechneten mit einem Gewinnplus je Aktie von 4,4 Prozent und einem Anstieg der Erlöse um 2,8 Prozent. Im vierten Quartal des vergangenen Bilanzjahres übertraf Walmart mit einem Umsatzplus um 0,5 Prozent auf 152,8 Milliarden Dollar die Markterwartungen, die einen Rückgang um 0,4 Prozent auf 151,53 Milliarden Dollar vorsahen.

Amazon baut Cloud-Dienst in Deutschland aus

Amazons Cloud-Dienst AWS baut sein Angebot in Deutschland mit Infrastruktur für besonders kurze Reaktionszeiten aus, das wird etwa für Cloud-Videospiele, Live-Videostreaming oder technische Simulationen benötigt. AWS stellt Datendienste mit kurzen Reaktionszeiten in zusätzlichen "Local Zones" in der Nähe großer Bevölkerungs- oder Industriezentren bereit. Die ersten zwei davon in Deutschland öffnen in Berlin und München. Bisher gab es solche "Local Zones" lediglich in 16 US-Städten. Jetzt wurden sie für insgesamt 32 Städte in 26 Ländern angekündigt.

Rekordzahlen bei Nvidia

Trotz guter Geschäftszahlen rutschte die Nvidia-Aktie ab. Der Bedarf an Chips für künstliche Intelligenz und Grafikkarten treibt das Geschäft des Halbleiter-Spezialisten Nvidia auf Rekordhöhe. Der Umsatz stieg im Ende Januar abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal um 53 Prozent auf gut 7,6 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben drei Milliarden Dollar, etwas mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal.

Im Gaming-Bereich stieg der Nvidia-Umsatz mit Grafikkarten im vergangenen Quartal um 37 Prozent auf 3,42 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit Rechenzentren ist nach einem Sprung von 72 Prozent auf 3,26 Milliarden Dollar fast genauso groß.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2022 um 17:00 Uhr.