Händler an der New York Stock Exchange | REUTERS
Marktbericht

Dow und DAX im Plus Erholungstag an den Börsen

Stand: 11.01.2022 22:11 Uhr

Die Zinssorgen an den Börsen lassen nach. Zwar hat Fed-Chef Powell eine baldige Zinswende signalisiert. Er zeigte sich aber auch optimistisch für die Konjunktur. Die Märkte reagieren positiv.

Wann kommt die Zinswende? Diese Frage bewegt die Anleger derzeit mehr als alles andere. Eine klare Antwort gab Fed-Präsident Jerome Powell bei seiner heutigen Anhörung vor dem US-Senat wieder nicht. Angesichts der guten Wirtschaftsentwicklung und der hohen Inflationsrate signalisierte der oberste Notenbanker der USA für die Zeit nach März eine Erhöhung des Leitzinses. Wahrscheinlich würden die Zinsen dieses Jahr steigen, erklärte Powell vielsagend.

Wegen hoher Inflation kein Bedarf mehr für lockere Geldpolitik

Dass die Verbraucherpreise so weit über den Zielwert von zwei Prozent hinausgeschossen seien, belege, dass es keinen Bedarf mehr für die "sehr konjunkturstimulierende Geldpolitik" mehr gebe. Es sei an der Zeit, dass die Notenbank den Notfall-Modus verlasse. Im Laufe des Jahres werde sich die geldpolitische Linie wieder stärker der Normalität annähern. "Wir werden unsere Instrumente nutzen, um die Inflation wieder nach unten zu drücken", betonte er.

Zinswende auch Zeichen der Wirtschaftsstärke

"Auch wenn die Worte den Boden für eine zeitnahe erste Zinserhöhung bereiten, sollten Anleger den damit eingeleiteten geldpolitischen Kurswechsel gleichermaßen als Zeichen der Stärke und Zuversicht in das zukünftige Wirtschaftswachstum interpretieren", kommentierte Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets die Powell-Äußerungen. "Solange sich die Wirtschaft im Aufschwung befindet, stellen Zinserhöhungen eher die Normalität und weniger eine Gefahr dar."

Guter Tag für Tech-Werte

Tatsächlich konzentrierten sich die Anleger wieder mehr auf die Wirtschaftsstärke der USA und blendeten die Risiken für Aktien durch steigende Zinsen aus. Die Wall Street ging heute auf Erholungstour, nachdem sie zuletzt geschwächelt hatte. Der Dow Jones schloss 0,5 Prozent fester. Der marktbreite S&P 500 verbuchte ein Plus von 0,9 Prozent.Vor allem Tech-Werte waren gefragt. Der Nasdaq 100 stieg um rund 1,5 Prozent.

Mit Zuversicht in die US-Berichtssaison

Die Rahmenbedingungen sprächen für weitere Kursgewinne, sagte Anlagestratege Ryan Detrick vom Vermögensverwalter LPL. "Wir sind uns der Sorgen rund um Omikron, Inflation und Straffung der Geldpolitik bewusst. Aber die US-Firmenbilanzen sollten einmal mehr rechtfertigen, dass die Aktienkurse nahe ihren Rekordhochs liegen." Am Freitag läuten die Banken Citigroup und JPMorgan die Bilanzsaison ein.

DAX stoppt dreitägige Talfahrt

Dank des leichten Rückenwinds von der Wall Street beendete der DAX seine dreitägige Verlustserie. Der deutsche Leitindex schloss 1,1 Prozent höher und machte die Vortagesverluste wieder komplett wett. Schnäppchenjäger nutzten die günstigeren Kurse zum Wiedereinstieg. Zur psychologisch wichtigen Marke von 16.000 Zählern fehlen nur noch knapp 60 Punkte. Die Warnungen vor einer Omikron-Flutwelle ließen die Anleger relativ kalt.

US-Anleiherenditen fallen etwas

Ein erneuter Ausverkauf der Staatsanleihen blieb aus. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank auf 1,762 Prozent. Durch die erwarteten Leitzinsanhebungen der US-Notenbank könnten Anleihen wieder mehr Zinsen abwerfen und eine Alternative zu Aktien-Anlagen werden.

Warten auf die Inflationsdaten

Der nächste Härtetest für die Märkte dürften am Mittwoch die US-Inflationszahlen sein. Die Teuerungsrate war im November des vergangenen Jahres auf 6,8 Prozent geklettert - der höchste Wert seit 1982. Für Dezember erwarten Experten einen Anstieg auf dann 7,0 Prozent.

Ölpreis zieht an...

Einer der wichtigsten Treiber der Verbraucherpreise, der Ölpreis, zog heute erneut an. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um drei Prozent auf 83,29 Dollar je Barrel (159 Liter). "Einige Opec+-Staaten können ihre angehobenen Förderquoten nicht ausschöpfen", sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. Außerdem bereiteten Investoren die anhaltenden Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Sorgen.

...und Bitcoin ebenfalls

Beim Bitcoin ging es ebenfalls aufwärts, der aktuelle Preis liegt bei mehr als 42.000 Dollar. Ende Dezember hatte die Kryptowährung allerdings noch über der Marke von 50.000 Dollar notiert, seitdem zeigt der Trend nach unten. Erklärt werden könne dies unter anderem durch die steigenden Renditen, meint Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. "Denn verbesserte Ertragsmöglichkeiten bei zinstragenden und deutlich weniger schwankungsintensiven Anlageklassen wie Anleihen sorgen für Gegenwind für Assets wie Kryptowährungen, die keine laufenden Erträge generieren", sagte Stephan.

Pfizer-Chef für jährliche Corona-Impfungen

Pfizer-Chef Albert Bourla zufolge könnten jährliche Impfungen gegen das Coronavirus notwendig werden. Möglicherweise müssten Hochrisiko-Patienten noch häufiger eine Auffrischung erhalten, sagte er auf einem Gesundheitskongress der US-Bank J.P. Morgan. Bourla wiederholte die Ankündigung, dass ein spezieller Impfstoff des BioNTech-Partners gegen Omikron im März bereitstehen werde. Dem US-Sender CNBC sagte er, es müsse noch getestet werden, ob eine vierte Impfung notwendig sein werde.

BioNTech will im März Impfstoff gegen Omikron-Variante bringen

Das Impfgeschäft boomt: Im November des vergangenen Jahres hatte der US-Pharmakonzern seine Umsatzprognose für den Covid-Impfstoff Comirnaty von BioNTech und Pfizer von 33 auf 36 Milliarden Dollar angehoben. BioNTech erwartet 2021 Erlöse von 16 bis 17 Milliarden Euro. 2022 geht Vorstandschef Ugur Sahin von einer Spanne von 13 bis 17 Milliarden Euro aus. BioNTech bekräftigte ebenfalls, dass ein an die Omikron-Variante des Coronavirus angepasster Impfstoff im März zur Verfügung stehen könnte.

Cerberus-Teilausstieg bei deutschen Banken

Der Finanzinvestor Cerberus bläst nach gut vier Jahren zum Rückzug aus den deutschen Großbanken. Cerberus platzierte am Montagabend binnen weniger Stunden Teile seiner 2017 erworbenen Aktienpakete an der Deutschen Bank und der Commerzbank bei institutionellen Investoren.

Die Spekulationen auf eine Fusion der beiden Großbanken hatten sich nie erfüllt. Cerberus hielt bisher drei Prozent an der Deutschen Bank und fünf Prozent an der Commerzbank. Nach der Platzierung, die dem US-Investor 443 Millionen Euro einbrachte, sinkt seine Deutsche-Bank-Beteiligung auf zwei Prozent und die an der Commerzbank auf drei Prozent.

China: Absatzeinbruch für Volkswagen

Der Absatz der Volkswagen-Gruppe auf ihrem größten Einzelmarkt in China ist im vergangenen Jahr um 14 Prozent eingebrochen. Als Grund nannte VW-China-Chef Stephan Wöllenstein vor Journalisten in Peking den Mangel an Halbleitern und die Probleme in den Lieferketten. "Es war ein ziemlich schwieriges Jahr."

BMW auf der Pole Position

Im Dreikampf der Premium-Autobauer hat BMW gewonnen. Mit 2,2 Millionen Autos der Kernmarke verkauften die Münchner im vergangenen Jahr mehr Fahrzeuge als Daimler (2,05 Millionen). Auf Platz drei landete Audi. Die Volkswagen-Tochter setzte lediglich 1,68 Millionen Fahrzeuge ab - 0,7 Prozent weniger als 2020. Allein im vierten Quartal brach der Audi-Absatz um gut ein Drittel ein.

Sorgen für Adidas in den USA

Die US-Bundesbehörde ITC prüft, ob Adidas seine "Primeknit"-Schuhmodelle weiterhin in den USA verkaufen darf. Die International Trade Commission (ITC) habe auf Antrag des Rivalen Nike eine Untersuchung eingeleitet, teilte die Behörde mit. Der US-Konkurrent wirft Adidas seit Jahren vor, mit den beliebten Sportschuhen eines seiner Patente verletzt zu haben. Nike fordert daher, den Import dieser Modelle zu verbieten.

Nike und Adidas hatten vor fast zehn Jahren fast zeitgleich ihre "Flyknit"- und "Primeknit"-Schuhe auf den Markt gebracht, die aus Schmelzgarnen gestrickt werden. Seit damals schwelt der Streit um die Modelle. Parallel verfolgen die Amerikaner eine Klage gegen Adidas wegen Patentverletzung.

Boeing gewinnt Duell gegen Airbus

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat im abgelaufenen Jahr erstmals seit 2018 Airbus bei den Aufträgen überflügelt. Dank eines Comebacks des Krisenfliegers 737 Max und einer Erholung der Luftfahrtbranche verbesserte der US-Flugzeugbauer seine Auftragsbilanz im vergangenen Jahr deutlich. Insgesamt erhielt der Airbus-Rivale unterm Strich 535 Aufträge - unter Berücksichtigung von Stornierungen und Umbuchungen. Airbus hatte am Vortag lediglich 507 Nettobestellungen für 2021 bekanntgegeben. Die Aktien von Boeing stiegen um rund drei Prozent.

Macht Delivery Hero bald Gewinn?

Der Lieferdienst Delivery Hero rechnet nach der Übernahme des spanischen Konkurrenten Glovo mit dem Ende der Verluste bei seinem Essensliefergeschäft. Dieses werde in der zweiten Jahreshälfte 2022 die Gewinnschwelle erreichen. Im vierten Quartal sei mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von null bis 100 Millionen Euro zu rechnen.

Bald grünes Licht für Siltronic-Übernahme aus China?

Die Siltronic-Aktien stiegen um rund drei Prozent. Der taiwanesische Chip-Zulieferer Globalwafers könnte bei der geplanten Übernahme des Waferherstellers Siltronic laut Insidern eine wichtige Hürde nehmen. Chinas Wettbewerbshüter seien weitgehend zufrieden mit den Zugeständnissen beider Unternehmen und könnten zeitnah eine entsprechende Entscheidung treffen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die beiden Konzerne hatten ihren Plan für einen Zusammenschluss Ende 2020 öffentlich gemacht.

Nokia noch profitabler als geplant

Die Aktien von Nokia legten kräftig um sechs Prozent zu. Wagniskapital-Investments haben Nokia zu einer überraschend starken Gewinnentwicklung verholfen. So rechnet der finnische Netzwerkausrüster für 2021 mit einer operativen Gewinnmarge auf vergleichbarer Basis zwischen 12,4 und 12,6 Prozent. Bislang waren zehn bis 12 Prozent angepeilt. Der Umsatz dürfte im abgelaufenen Jahr bei rund 22,2 Milliarden Euro gelegen haben.

Nachhilfe-Startup GoStudent ist drei Milliarden Euro wert

Die Nachhilfeplattform GoStudent aus Österreich hat weitere 300 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt und kommt damit inzwischen auf eine Bewertung von drei Milliarden Euro. Der Technologieinvestor Prosus habe die neue Finanzierungsrunde angeführt, teilte das Wiener Startup mit. Ebenfalls an Bord seien unter anderem die Deutsche Telekom, die japanische SoftBank und Tencent aus China.

GoStudent wurde 2016 von Felix Ohswald und Gregor Müller gegründet. Ohswald begründete der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber das Interesse an GoStudent mit den jüngsten Erfolgen in der Corona-Krise: "GoStudent hat im letzten Jahr sein Geschäft knapp verzehnfacht und verbuchte Ende des Jahres 2021 rund 1,5 Millionen Nachhilfe-Einheiten pro Monat." Aktuell ist GoStudent in 22 Ländern präsent, beschäftigt mehr als 1300 Mitarbeiter und 15.000 Nachhilfekräfte. Mit dem Geld soll der Expansionskurs finanziert werden.

Erneute Abstimmung über Amazon-Gewerkschaft

Der Online-Riese Amazon muss ein weiteres Votum über eine erste Gewerkschaftsvertretung in den USA hinnehmen. Vom 4. Februar bis zum 25. März können die Beschäftigten eines Logistiklagers in Bessemer im Bundesstaat Alabama erneut abstimmen, ob sie sich der Handelsgewerkschaft RWDSU anschließen. Sollten die Mitarbeiter sich dafür aussprechen, würde erstmals eine US-Gewerkschaft Einzug bei Amazon erhalten. Eigentlich war die Initiative in Bessemer 2021 bereits gescheitert, doch die Aufseher waren nach Beschwerden der Gewerkschaft zu dem Schluss gekommen, dass Amazon die Wahl auf unzulässige Weise beeinflusst habe und deshalb erneut abgestimmt werden müsse.

Großauftrag für Vir Biotechnology

Ein Auftrag der US-Regierung zur Lieferung 600.000 weiterer Dosen eines Medikaments zur Behandlung von Coronavirus-Patienten beflügelte Vir Biotechnology. Die Aktien der Pharmafirma stiegen um acht Prozent. Die Titel des Entwicklungspartners GlaxoSmithKline legten ebenfalls zu.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Januar 2022 um 09:00 Uhr.