Händler an der Frankfurter Börse | picture alliance / AP Photo
Marktbericht

Facebook schockt die Anleger Ausverkauf der Tech-Aktien

Stand: 03.02.2022 22:18 Uhr

Wenn einer der "Big Techs" schwächelt, kracht es an den Börsen. So löste heute der Rekord-Kurssturz von Facebook Schockwellen an der Wall Street aus. Dagegen zog der Euro kräftig an - dank der EZB.

In der Corona-Pandemie zählten Apple, Amazon, Facebook, Microsoft und Netflix zu den großen Gewinnern. Nun aber bröckelt die Phalanx der "BigTechs". Nach ernüchternden Zahlen von Netflix in der vergangenen Woche kann auch Facebook die hohen Erwartungen nicht mehr erfüllen. Die Online-Kommunikationsplattform wächst kaum noch und leidet unter der TikTok-Konkurrenz. Schwache Zahlen und ein düsterer Ausblick zogen den Kurs des Facebook-Mutterkonzerns Meta um 26 Prozent in die Tiefe. Binnen eines Tages verlor Meta gut 250 Milliarden Dollar an Börsenwert. So viel Geld an einem Tag hat noch nie ein börsennotiertes Unternehmen verloren.

Droht Facebook der Niedergang?

Manche Experten sehen Facebook bereits im Niedergang begriffen. "Zahlen und Ausblick deuten darauf hin, dass sich der Konzern auf dem berühmten absteigenden Ast befinden könnte", sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Broker RoboMarkets. Das Online-Netzwerk hat im vergangenen Quartal erstmals kaum neue Nutzer dazugewonnen.

Nasdaq im freien Fall

Der Facebook-Schock erschütterte die Wall Street. Nach vier Gewinntagen in Folge gab der Dow Jones knapp 1,5 Prozent nach. Der Nasdaq 100 beendete seine jüngste Erholung und sackte um 4,2 Prozent ab. Im Sog von Facebook gaben vor allem die Titel von Snap, Pinterest und Twitter kräftig nach.

Amazon glänzt

Selbst die anderen "Big Techs" wurden von Facebook mit nach unten gerissen. Die Aktien von Amazon brachen um sieben Prozent ein. Nach Börsenschluss meldete der Online-Riese seine Zahlen. Und diese waren besser als erwartet. Amazon verdiente im abgelaufenen Quartal 14,3 Milliarden Dollar - doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um neun Prozent auf 137,4 Milliarden Dollar zu. Grund für den starken Gewinnanstieg war vor allem Amazons Beteiligung am Elektroautobauer Rivian. Zudem hob der Online-Händler die jährlichen Gebühren für die Prime-Mitgliedschaft in den USA um 20 Dollar auf 139 Dollar an. Nachbörslich rauschten die Amazon-Titel um zehn Prozent nach oben.

DAX beendet Erholungstour

Das Facebook-Beben hinterließ auch an den europäischen Aktienmärkten negative Spuren. Der TecDax rutschte um zwei Prozent ab. Der DAX weitete am Nachmittag seine Verluste aus und schloss 1,6 Prozent tiefer. Damit sind fast die gesamten Wochengewinne wieder futsch.

Öffnet die EZB eine erste Tür zur Zinsanhebung?

Neben Facebook setzte die Europäische Zentralbank (EZB) dem DAX zu. Die Währungshüter deuten ein baldiges Ende der billigen Geldflut an. Die Notenbank legte einen Fahrplan zur Drosselung der Wertpapierkäufe vor. Darüber hinaus verzichtete EZB-Chefin Christine Lagarde darauf, frühere Aussagen, denen zufolge Zinserhöhungen 2022 unwahrscheinlich sind, zu wiederholen. Sie habe damit letztlich die Tür für eine erste Zinserhöhung ein wenig geöffnet, urteilten manche Marktbeobachter.

"Supertanker ändert langsam seinen Kurs"

LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch meinte, "dass der Supertanker EZB doch langsam seinen Kurs ändert". Das sahen manche Marktbeobachter anders. Nach Ansicht von Andreas Lipkow von Comdirect hat "die EZB alles beim Alten gelassen und sich nicht wirklich auf die aktuelle Inflationsentwicklung eingelassen". Das lasse die Marktteilnehmer an den Aktienmärkten "sprachlos zurück".

Euro zieht an

Auch am Devisenmarkt sorgten die Aussagen von EZB-Chefin Lagarde für Bewegungen. Der Euro kletterte auf 1,1424 Dollar., nachdem er am Morgen noch unter der Marke von 1,13 Dollar gehandelt worden war. Die Äußerungen von Lagarde wurden als Hinweis auf eine geldpolitische Wende gedeutet. Laut Experten der Helaba "preisen die Marktteilnehmer einen ersten Zinsschritt im vierten Quartal dieses Jahres inzwischen ein und weitere im ersten Quartal 2023 sowie den folgenden Quartalen".

Bank of England macht zweiten Zinsschritt

Gefragt war zeitweise auch das britische Pfund. Anders als die EZB hat die Bank of England angesichts der hochschießenden Inflation nur wenige Wochen nach der Zinswende ihre Geldpolitik erneut gestrafft. Die Währungshüter um Notenbankchef Andrew Bailey hoben wie von Volkswirten erwartet den geldpolitischen Schlüsselzins um einen Viertel Prozentpunkt auf 0,5 Prozent an.

Die Notenbank deutete zudem mögliche weitere Schritte an und warnte, dass die Inflation bald über die Marke von sieben Prozent hinausschießen könnte. Die Bank of England hatte im Dezember als erste der großen Zentralbanken seit Beginn der Pandemie den Zins angehoben - und zwar von 0,1 auf 0,25 Prozent.

Türkische Inflation bei knapp 49 Prozent

Die Verbraucherpreise in der Türkei sind im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 48,7 Prozent gestiegen, wie das nationale Statistikamt in Ankara mitteilte. Im Vormonat hatte der Anstieg 36 Prozent betragen. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise ebenfalls stark um 11,1 Prozent. Die hohe Teuerung ist vorwiegend Folge der schwachen Lira, da sie Einfuhren verteuert.

Deutsche Bank erstmals wieder über 13 Euro

Profiteure der möglichen Zinswende in Europa sind die Banken. Höhere Zinsen machen das Alltagsgeschäft zum Beispiel mit Krediten lukrativer. Die Aktien der Deutschen Bank legten um fast fünf Prozent zu und notierten erstmals seit 2018 wieder über 13 Euro. Die Commerzbank-Aktien stiegen im MDax ebenfalls um rund fünf Prozent.

T-Mobile US verleiht der T-Aktie Schwung

Die Titel der Deutschen Telekom zählten mit einem Plus von 2,6 Prozent zu den Top-Gewinnern im DAX. Sie profitierten von einem starken Ausblick der US-Tochter T-Mobile US. Das Unternehmen stellte insgesamt einen Zuwachs von bis zu 5,5 Millionen neuen Kunden in Aussicht. Die Sorgen der Investoren, das Mobilfunkwachstum könnte sich abschwächen, erwiesen sich als unbegründet, meinte ein Händler. Dies stütze die T-Aktie auf ihrem Weg nach oben.

Milliardengewinn von Hannover Rück und Talanx

Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück hat im Jahr 2021 trotz schwerer Naturkatastrophen einen Gewinnsprung erzielt. Unter dem Strich stand nach vorläufigen Zahlen ein Überschuss von 1,23 Milliarden Euro und damit rund 39 Prozent mehr als im ersten Corona-Jahr. Für 2022 peilt Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz weiterhin eine Steigerung auf 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro an. Der Rückversicherer konnte bei seinen Kunden erneut höhere Prämien durchsetzen.

Auch der Mutterkonzern der Hannover Rück, Talanx, hat ausgerechnet im Naturkatastrophenjahr 2021 seinen ersten Milliardengewinn erzielt. Der Konzernüberschuss liege bei 1,01 Milliarden Euro, verkündete der Versicherungsriese am Abend. Damit übertraf Talanx sowohl die Erwartungen von Experten als auch sein eigenes Ziel, das obere Ende der Spanne von 900 Millionen bis 950 Millionen Euro zu erreichen.

Chip-Boom bei Infineon

Eine hohe Nachfrage nach Halbleitern hat dem Chiphersteller Infineon einen besser als erwartet ausgefallenen Start in das seit Oktober laufende Geschäftsjahr beschert. Der Konzern erhöhte seine Umsatzprognose. In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2021/22 (30. September) stiegen die Erlöse im Vergleich zum Vorquartal um fünf Prozent auf 3,16 Milliarden Euro. Das Segmentergebnis, das Infineon als Maß für das operative Ergebnis verwendet, stieg im Vergleich zum Vorquartal um 16 Prozent auf 717 Millionen Euro.

BMW-Chef warnt vor schnellem Verbrenner-Verbot

Der BMW-Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse hat vor einem zu frühen und unüberlegten Verbot von Verbrennungsmotoren gewarnt. Die Elektromobilität sei zwar heute das am stärksten wachsende Marktsegment, sagte er bei der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Bundestag. "Das größte Marktsegment absolut ist aber mit großem Abstand in Deutschland, aber auch in Europa und weltweit, der Verbrenner. Bevor man so etwas innerhalb von acht oder zehn Jahren einfach abschaltet, muss man gut wissen, was man da tut."

Cefwechsel bei Windtochter von Siemens Energy

Der Energietechnikkonzern Siemens Energy versucht mit einem erneuten Führungswechsel, die Probleme seiner spanischen Windenergietochter Siemens Gamesa in den Griff zu bekommen. Siemens-Energy-Vorstand Jochen Eickholt übernehme zum 1. März die Führung bei Gamesa, teilte das Unternehmen gestern Abend mit. Der 60-Jährige löst damit Andreas Nauen ab. Die Spanier hatten kürzlich zum dritten Mal innerhalb von neun Monaten Abstriche bei den Prognosen machen müssen. Siemens Energy hält zwei Drittel der Anteile an Siemens Gamesa.

Corona-Schnelltests schieben Siemens Healthineers an

Das Geschäft mit Corona-Schnelltests schiebt den Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers auch im neuen Geschäftsjahr an. In den ersten drei Monaten 2021/22 (per Ende September) setzte die Siemens-Tochter 329 Millionen Euro mit den Tests um. Im Gesamtjahr dürften sie nun 700 Millionen Euro Umsatz liefern, eine halbe Milliarde mehr als bisher gedacht.

Shell vervielfacht Gewinn

Höhere Öl- und Gaspreise haben den Gewinn des Ölriesen Shell angetrieben. Der bereinigte Gewinn schoss 2021 auf 19,3 Milliarden Dollar von 4,85 Milliarden Dollar im Jahr davor nach oben. Konzernchef Ben van Beurden stellte deshalb eine höhere Dividende und milliardenschwere Aktienrückkäufe in Aussicht. "2021 war ein bedeutendes Jahr für Shell", erklärte van Beurden. Den Schuldenberg konnte Shell abbauen - auf 52,6 Milliarden von 75,4 Milliarden Dollar.

Spotify-Wachstum enttäuschend

Die Aktien von Spotify stürzten um 17 Prozent ab, nachdem die Musik-Plattform niedrigeres Wachstum vorhergesagt hat. Zuvor hatte das Unternehmen prognostiziert, dass die Bruttogewinnmarge im ersten Quartal 2022 von 26,5 Prozent auf 25 Prozent sinken würde. Außerdem rechnet Spotify in diesem Zeitraum mit einem Zuwachs von nur drei Millionen Premium-Abonnenten. Diese Ankündigung bedeutet ein deutlich geringeres Wachstum als in den vergangenen Quartalen.

Snap bleibt auf starkem Wachstumskurs

Nach dem Facebook-Schock beruhigten die Macher der Foto-App Snapchat die Anleger mit guten Zahlen. Der Kurs sprang im nachbörslichen Handel binnen Minuten um über 47 Prozent hoch. Die Zahl der täglich aktiven Snapchat-Nutzer stieg zuletzt binnen drei Monaten von 306 auf 319 Millionen. Zudem erhöhte Snap den Umsatz im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 22,5 Millionen Dollar.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Februar 2022 um 11:00 Uhr.