Dow Jones, NYSE New York
Marktbericht

Sehr schwach ins Wochenende Der Corona-Sog erfasst auch den Dow Jones

Stand: 26.11.2021 20:27 Uhr

Die Aktienkurse in New York sind am Freitag aus Sorge vor der neuen Corona-Variante Omikron ins Rutschen geraten. Der DAX brach sogar noch stärker ein.

Ausgerechnet am Schnäppchentag "Black Friday" gab es an der Wall Street Aktien in vielen Fällen zu deutlich niedrigeren Preisen. Der verkürzte Handelstag nach Thanksgiving verlief für Anleger alles andere als erfreulich. Der Dow-Jones-Index fiel bis Handelsschluss um 2,5 Prozent auf 34.899 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab 2,3 Prozent auf 4594 Zähler nach. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq sackte 2,2 Prozent auf 15.491 Punkte ab.

Grund für den heutigen scharfen Rückgang war, dass im südlichen Afrika eine neue, möglicherweise gefährliche, Corona-Variante mit der Bezeichnung B.1.1.529 aufgetaucht ist. Mittlerweile wurde auch ein erster Fall in Belgien dokumentiert. Die neue Variante wird laut der WHO künftig nach dem griechischen Buchstaben Omikron benannt.

DAX verliert mehr als vier Prozent

In Deutschland ging es noch kräftiger abwärts. Der DAX lag zum Handelsschluss mit 4,2 Prozent im Minus bei 15.257 Punkten. Das war der tiefste Stand seit Mitte Oktober. In dieser Woche hat der deutsche Leitindex damit insgesamt mehr als fünf Prozent eingebüßt und damit seinen größten Wochenverlust seit einem Jahr verbucht.

"Corona hat zuletzt keine Rolle mehr gespielt, über Nacht ist das jetzt anders geworden", kommentierte Arthur Brunner von der ICF Bank. Verschärft werde die Lage noch durch den gestrigen US-Feiertag Thanksgiving, den viele Amerikaner für ein langes Wochenende nutzen. "Die Käufer sitzen zuhause, ein hohes Angebot trifft auf wenig Nachfrage."

Bundesanleihen gefragt

Bundesanleihen profitierten hingegen von der neuen Unsicherheit. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel deutlich auf minus 0,32 Prozent, entsprechend stiegen die Kurse der Anleihen. Gestern hatte die Rendite noch bei minus 0,25 Prozent gelegen.

Ölpreis im Abwärtsstrudel

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Januar gab angesichts der neuen Unsicherheit deutlich nach. Brent kostete zeitweise nur noch gut 73 US-Dollar je Barrel, ein Minus von elf Prozent.

Sorgen treffen auch den Bitcoin

Der Ausverkauf an den Börsen machte vor Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum nicht halt. "Anleger kehren riskanteren Anlageklassen den Rücken und gehen auf Nummer sicher", sagt Analyst Timo Emden von Emden Research.

Delivery Hero, Zalando und HelloFresh legen zu

Trotz des scharfen Rückschlags fielen im DAX Online-Konzerne wie Zalando, HelloFresh oder Delivery Hero mit kräftigen Gewinnen auf. Diese Unternehmen hatten in den vergangenen Monaten zu den Profiteuren der Corona-Krise gehört. Anleger rechnen damit, dass das Geschäftsmodell bei neuen Lockdowns noch profitabler wird und das Wachstum noch einmal richtig Fahrt aufnimmt. Auch Aktien des Laborausrüsters Sartorius gewannen.

Tests von Qiagen funktionieren weiter

Qiagen konnten sich ebenfalls dem negativen Sog an den Börsen entziehen. Die PCR-Tests, die beim Nachweis der neuen Virusvariante eingesetzt wurden, seien weiterhin genau und effektiv, teilte die Diagnostikfirma aus dem DAX mit.

Luftfahrt-Aktien leiden

Zu den größten DAX-Verlierern zählten mit Airbus und MTU Konzerne, die ihre Geschäfte im Bereich Luftfahrt machen. Außerhalb des DAX stürzten die Aktien von TUI und Lufthansa ab. Die Papiere der größten deutschen Fluggesellschaft fielen auf langjährige Tiefststände.

Dennoch verwies ein Händler mit Blick auf Fluggesellschaften auf deutliche Unterschiede im Vergleich zum Ausbruch der Pandemie im vergangenen Jahr. "Auch wenn die neue Variante ein Risiko für die Erholung der Luftfahrtbranche sein könnte, darf nicht vergessen werden, dass diese Unternehmen dank vorsorglicher Finanzierungsmaßnahmen im Sommer sowie aufgrund von Kapitalerhöhungen über jede Menge Liquidität in ihren Bilanzen verfügen."

BioNTech gefragt

Die Aktien von BioNTech stiegen kräftig. Das Mainzer Unternehmen schaut sich die neue Variante in Tests an und rechnet spätestens in zwei Wochen mit Erkenntnissen. Zudem habe man gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen, um im Fall einer sogenannten "Escape-Variante" des Virus den Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen auszuliefern. In den USA gewinnen die Titel von Pfizer ebenfalls.

Die Konkurrenten Moderna und Novavax legten ebenfalls sehr stark zu.

US-Einzelhändler leiden

An den US-Börsen standen die Papiere großer Einzelhandelskonzerne mächtig unter Druck. Eigentlich sollten wegen der Rabattschlacht am "Black Friday" die Kassen klingeln, doch die Angst vor der neuen Corona-Variante ließ die Aktien von Warenhäusern Walmart und Target absacken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2021 um 07:35 Uhr.