Ein Kind bekommt nach einer Impfung ein Pflaster auf den Arm geklebt. | dpa
FAQ

Impfung für vorerkrankte Kleinkinder Was bedeutet die STIKO-Empfehlung?

Stand: 17.11.2022 17:19 Uhr

Laut Ständiger Impfkommission sollen sich Kleinkinder mit Vorerkrankungen gegen Corona impfen lassen. Wer genau ist davon betroffen? Und können sich auch gesunde Kleinkinder impfen lassen?

Von Nina Kunze, Leila Boucheligua, Lena Schmidt, SWR

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte Mitte Oktober empfohlen, dass die Corona-Impfstoffe auch für Babys und Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis einschließlich vier Jahre zugelassen werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland hat nun erstmals eine Corona-Impfung für diese Altersgruppe empfohlen und folgt damit dem Rat der EMA. Die Impfempfehlung gilt allerdings nur für Kinder aus Risikogruppen.

Für welche Kinder gilt die Empfehlung?

Die Impfempfehlung richtet sich unter anderem an Kinder, die zu früh auf die Welt gekommen sind. Wie auch bei älteren Kindern und Erwachsenen spielen bei der Bewertung des Risikos einer schweren Covid-19-Erkrankung zudem verschiedene Vorerkrankungen eine Rolle.

Dr. Martin Terhardt, STIKO-Mitglied und Kinderarzt, erklärt, dass etwa zehn Prozent aller Kleinkinder zu einer Risikogruppe zählen. Während Asthma und Diabetes in dieser Altersgruppe eher weniger ins Gewicht fallen, seien Kinder mit Krankheiten, die die Nerven oder Muskeln betreffen, besonders gefährdet, so der Kinderarzt.

Eine Auflistung aller relevanten Grunderkrankungen von Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs Monaten bis 17 Jahren, die ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe haben, enthält das aktuelle Epidemiologische Bulletin des Robert Koch-Instituts.

Welche Impfstoffe werden empfohlen?

Die Empfehlung der STIKO-Expertinnen und -Experten orientiert sich an der Empfehlung der EMA. Nicht alle der verfügbaren Impfstoffe sind für Kleinkinder zugelassen. Es wird eine Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen. Vorzugsweise soll mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer (Comirnaty) geimpft werden, alternativ mit dem Impfstoff Spikevax von Moderna. Bei Spikevax gibt es derzeit Lieferprobleme, weshalb die STIKO vorrangig auf Impfungen mit Comirnaty setzt.

Beide Impfstoff-Kandidaten sind jedoch noch nicht an neue Virusvarianten angepasst, sie basieren auf dem Wildtyp des Virus. Diesbezüglich sieht die STIKO kein Problem, da eine wesentlich bessere Schutzwirkung durch angepasste Impfstoffe bislang nicht belegt sei.

Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer soll den Kindern in einer geringeren Dosis verabreicht werden als Erwachsenen. Sie erhalten nur ein Zehntel der Dosis, werden dafür jedoch dreimal geimpft. Wie das Science Media Center in einer Mitteilung angibt, sollen die ersten beiden Dosen in einem Abstand von drei Wochen verabreicht werden, mindestens acht Wochen nach der zweiten Dosis schließlich die dritte.

Wird die Impfung in Zukunft auch für Kleinkinder ohne Vorerkrankung empfohlen?

Wenn künftig mehr Daten aus Impfstudien verfügbar sind, könnte die Empfehlung der STIKO angepasst werden. Auch weitere Präparate von anderen Herstellern könnten dann in Frage kommen. Bislang richtet sich die STIKO-Empfehlung jedoch nur an Kleinkinder mit Vorerkrankungen. Für Kinder ohne Vorerkrankung bestehe laut STIKO kaum die Gefahr eines schweren Covid-Verlaufs. Außerdem sei zu beachten, dass das Immunsystem von Kleinkindern noch deutlich weniger ausgeprägt sei als das von Erwachsenen, erklärt Kinderarzt Terhardt.

Es könnte so ablaufen, wie es beispielsweise bei der Impfempfehlung für 12- bis 17-Jährige der Fall war: Zunächst galt die Empfehlung auch nur für besonders gefährdete Kinder, später dann für alle.

Schützt man durch die Impfung von Kleinkindern auch andere?

Die STIKO hat sich auch mit der Frage des sogenannten Drittschutzes beschäftigt. Also die Frage, ob Kleinkinder zum Schutz von gefährdeten Personen in ihrem Umfeld geimpft werden sollten. Das ist laut der STIKO nicht nötig. Kinderarzt Terhardt erläutert die Entscheidung damit, dass die zusätzliche Schutzwirkung auf die Risikogruppe sehr gering ausfalle. Auch bei den 5 bis 11-Jährigen hatte die STIKO eine vollständige Impfung zum Drittschutz bisher empfohlen - diese Empfehlung wird nun für diese Kinder-Altersgruppe relativiert. Hier empfiehlt die STIKO in Zukunft die individuelle Abwägung unter Berücksichtigung des Elternwunsches.

Kann ich mein Kind auch ohne STIKO-Empfehlung impfen lassen?

Grundsätzlich gibt es für Kinder von sechs Monaten bis unter fünf Jahren kein generelles Impfverbot. Wer sein Kind gegen Corona impfen lassen möchte, kann das in Absprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt tun.

Die zunächst eingeschränkte Impfempfehlung der STIKO bedeutet nicht, dass der Impfstoff für Kinder ohne Risikoerkrankung als schädlich eingestuft wird. Es handelt sich immer um eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiko durch die Eltern. Dr. Robin Kobbe, Facharzt für Kinder und Jugendmedizin, betont auf tagesschau24, dass man das Risiko einer schweren Erkrankung, auch wenn es bereits sehr gering sei, durch eine Impfung zusätzlich senken könne. Auch den Kinderärztinnen und -ärzten helfe die Empfehlung, erläutert der Facharzt. Denn die offizielle Impfempfehlung gibt ihnen Sicherheit.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. November 2022 um 14:00 Uhr.