Verschiedenes Gemüse liegt auf einem Tisch.
hintergrund

Sekundäre Pflanzenstoffe Das macht Obst und Gemüse so gesund

Stand: 22.03.2024 06:29 Uhr

Das knallige Rot der Paprika oder das kräftige Grün von frischem Spinat: In beiden Fällen stecken sekundäre Pflanzenstoffe dahinter - ein wichtiger Bestandteil unserer Nahrung, der unsere Gesundheit fördert.

Von Nadine Gode, SWR

Sekundäre Pflanzenstoffe sind Farb- und Duftstoffe oder Aromen. Sie kommen in allen pflanzlichen Nahrungsmitteln vor: in Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Getreideprodukten. Mehr als 100.000 verschiedene Stoffe sind bekannt, von denen knapp 10.000 in den Pflanzen vorkommen, die wir täglich essen. Neben Nährstoffen wie Fett, Eiweiß, Zucker, Stärke, Vitaminen und Mineralstoffen gehören sie zu den Hauptbestandteilen der Pflanze und bestimmen den gesundheitlichen Mehrwert mit.

Pflanzen profitieren von den sekundären Pflanzenstoffen, da sie vor Fressfeinden und Krankheiten schützen und Insekten zum Bestäuben anlocken. Etwa durch grelle Farben, einen bitteren Geschmack oder einen starken Geruch. Doch auch für den Menschen sind bereits einige gesundheitliche Vorteile durch sekundäre Pflanzenstoffe bekannt.

Das Bundeszentrum für Ernährung ordnet dazu ein: "Inzwischen gibt es viele Hinweise, dass sie das Risiko reduzieren, an Krebs zu erkranken, den Cholesterinspiegel und Blutdruck senken, die Funktion der Blutgefäße verbessern und den Blutzuckerspiegel normalisieren. Sie sollen vor schädlichen Oxidationen schützen, das Immunsystem stärken, Entzündungen hemmen und antibakteriell wirken."

Natürliche Geschmacksstoffe

Ein süßes Beerenaroma oder ein leicht bitterer Matcha - beide Geschmäcker haben eins gemeinsam: Polyphenole. Diese sekundären Pflanzenstoffe sorgen für eine breite Palette an Geschmacksrichtungen und Farben auf unseren Tellern: tiefviolett, hellgelb, blau und rot. Genauso breit ist ihr Spektrum an vermutlich gesundheitsbringenden Eigenschaften.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sagt man Ihnen nach, dass sie den Blutdruck senken können, Entzündungen hemmen und sich positiv auf das Immunsystem auswirken. Bislang zeigten sich diese Ergebnisse allerdings überwiegend in Labor- und Tierversuchen. Und auch eine krebsreduzierende Wirkung konnte in verschiedenen Laborversuchen bereits beobachtet werden. Wie gut diese Effekte beim Menschen wirken, müsse noch genauer erforscht werden.

Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass Polyphenole zusätzlich unsere Darmflora stabilisieren könnten. Besonders wertvoll seien hierfür Bitterstoffe, die sich vermehrt in der Schale vieler Lebensmittel befindet, sowie in Kräutern, Nüssen, Heidelbeeren und Kaffee.

Sexualhormone aus Pflanzen

Die meisten Pflanzen produzieren Pflanzenhormone, welche ähnliche Aufgaben wie Hormone beim Menschen erfüllen. So regulieren sie zum Beispiel das Wachstum und die Entwicklung. Einige dieser pflanzlichen Botenstoffe sind unseren eigenen Hormonen so ähnlich, dass sie an die Rezeptoren im menschlichen Körper andocken können. Wie etwa die sogenannten Phytoöstrogene. Sie ähneln in ihrer Struktur dem weiblichen Sexualhormon Östrogen.

Aus einem Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (Bfr) geht hervor, dass der Verzehr von Phytoöstrogenen bei einigen Frauen mit einem geringeren Risiko für die Entstehung von Brustkrebs einhergehen könnte. Und auch ein positiver Effekt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnte in einigen Studien beobachtet werden.

Die Wissenschaft ist sich bislang jedoch in beiden Fällen nicht ganz einig. In vielen Untersuchungen konnte ein positiver Effekt zwar beobachtet, aber nicht ausreichend belegt werden. Das BfR regt daher genauere Untersuchungen der Phytoöstrogene an. Denn besonders viele der Pflanzenhormone seien in Soja enthalten und das gewinnt damit als Ersatz für tierische Produkte zunehmend an Bedeutung.

Sind Karotten gut für die Augen?

Das knallige Orange einer Karotte sticht im Gemüseregal im Supermarkt schnell ins Auge. Dafür sind Carotinoide verantwortlich. Wichtig sind sie dabei zum Beispiel für das Immunsystem oder Wachstum und helfen als starke Antioxidantien dem Körper, unsere Zellen gesundzuhalten.

Besonders bekannt unter den Carotinoiden ist das Beta-Carotin. Im Körper kann es zu Vitamin A umgewandelt werden. Und tatsächlich hat es damit einen positiven Einfluss auf die Sehkraft. Es hilft dem Auge dabei, Licht in Form von Signalen an das Gehirn weiterzuleiten. So können wir auch bei schwachen Lichtverhältnissen möglichst viel sehen. Zusätzlich schützt es die Hornhaut unseres Auges.

Carotinhaltige Lebensmittel fallen meist durch die starken Farben gelb, rot und orange auf. Wie zum Beispiel Tomaten, Paprika, und Kürbisse. Damit der Körper von der gesundheitsfördernden Eigenschaft dieser sekundären Pflanzenstoffe profitieren kann, gehört zur Zubereitung immer etwas Fett. Denn sowohl das Beta-Carotin als auch Vitamin A sind fettlöslich. Besonders gut gekaut oder gleich püriert kann der Körper die Carotinoide am besten verwerten.

So geht es richtig

Für eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit reichlich sekundärer Pflanzenstoffe empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, mehr Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Nüsse, Samen, Kartoffeln und verschiedene Vollkornprodukte in die Mahlzeiten zu integrieren. Wer möglichst bunt kombiniert und so auf eine Vielfalt an pflanzlichen Lebensmitteln zurückgreift, nimmt gleichzeitig ausreichend gute sekundäre Pflanzenstoffe mit auf.

Von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Stoffen rät die DGE ausdrücklich ab. Sie bieten keine Alternative zu frischer Pflanzenkost. Der genaue Bedarf für die pflanzlichen Stoffe sei noch nicht genau abschätzbar. Doch klar ist schon lange: Ein hoher Anteil pflanzlicher Lebensmittel in der Ernährung ist in gut für die Gesundheit.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Januar 2024 um 11:10 Uhr.